Entwicklungen sozialer Unterschiede aufgrund der sich entwickelnden Wasserversorgung in der Antike - aufgezeigt am Beispiel Pompeji


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Fernleitung

3. Die Verteilung des Wassers in der Stadt Pompeji

4. Die Abwasserversorgung

5. Soziale und gesundheitliche Aspekte der Wasserversorgung
5.1 Unterschiede der Lebensumstände von der armen und reichen Bevölkerung
5.2 Die Hygiene

6. Fazit

Literaturverzeichnis
Monographien:
Aufsätze:
Lexika:
Quellen:

1. Einleitung

Frisches Trinkwasser ist für alle Menschen eine lebenswichtige Grundlage und die Voraussetzung, um überleben zu können. Die Wasserversorgung ist gerade deshalb für eine Gruppe von großer Bedeutung. Hierbei spielt es keine Rolle, ob von einem Dorf oder von einer Stadt die Rede ist. Wichtig ist, dass die Qualität und die Quelle ausreichend sind, damit ein Volk sich niederlassen kann und sich weiterentwickelt. Wenn das Wasser jedoch ein so wichtiges Element zu sein scheint, müsste es dann nicht soziale Unterschiede innerhalb einer Gesellschaft geben? Oder sich entwickeln? Wie funktionierte das Wassersystem in der Antike, lange vor unserer Zeit?

In meiner Arbeit werde ich diese Fragen am Beispiel Pompeji versuchen zu beantworten. Ich werde besonderen Wert auf die sozialen und gesundheitlichen Aspekte legen. Hierzu gehe ich zunächst auf das System der Wasserversorgung in Pompeji ein und werde es zeitlich einordnen. Auf die Fernleitung, bzw. woher das Wasser kommt, werde ich näher eingehen und anschließend die Wasserversorgung innerhalb der Stadt beschreiben. Auch die Abwasserversorgung ist hierbei wichtig. Vor allem weil die Hygiene von großer Bedeutung ist und sie auf die sozialen Unterschiede hinführt.

Dieser theoretische Unterbau dient dem Verständnis des Wassersystems und kann im darauf folgenden Kapitel als Vorverständnis dienen, wenn ich, im fünften Kapitel, auf die sozialen und hygienischen Aspekte eingehen werde. Bei den sozialen Aspekten berücksichtige ich vor allem die Unterschiede der Lebensumstände von Arm und Reich. Im Fazit werde ich versuchen die Konstruktion des Wassersystems in ihrer Idee kurz und knapp zusammenzufassen, um anschließend über die Unterschiede und sozialen Aspekte der Wasserversorgung von der armen und reichen Bevölkerung diskutieren zu können. Hierbei soll deutlich werden, ob es Unterschiede gab und wenn ja welche.

Die Literatur zum Thema Wasserversorgung in der antiken Stadt Pompeji ist innerhalb der technischen Funktion des Wasserwerkes sehr umfangreich. Besonders hervorzuheben sind die Werke „Pompeji. Archäologie und Geschichte“ von Dickmann, J-A., „Pompeji. Erlebte antike Welt“ von Eschebach, H. und der Aufsatz „Die Wasserversorgung antiker Städte“ von Eschebach, Liselotte, die mir bei dieser Arbeit von großer Hilfe waren. Über die sozialen Aspekte gibt es leider nur wenig Literatur. Jedoch konnte ich mich am besten über die Quelle „De aquaeductu urbis Romae“ von Frontinus über die sozialen Aspekte informieren.

In der aktuellen Forschung versuchen die Wissenschaftler alte Annahmen über das Wassersystem, durch neue archäologische Funde zu belegen oder zu widerlegen. Als Schwierigkeit erwies sich, dass die Vorstellung Vitruvs mehr Annahmen sind als Fakten. Dies ließ die archäologischen Befunde in Pompeji für lange Zeit verstellt. Zuvor waren die Forscher in erster Linie am Einzelobjekt interessiert. Jetzt versuchen sie die Stadt Pompeji als Ganzes zu betrachten und die Elemente miteinander zu verknüpfen, sodass Beziehungen unter den verschiedenen Forschungsobjekten entstehen.

2. Die Fernleitung

Für jeden Menschen ist das Wasser lebensnotwendig und zugleich oft auch ein Komfort. Dieser Komfort des Wassers, den viele Menschen heutzutage nutzen können, war Jahrhunderte lang vor unserer Zeitrechnung nicht selbstverständlich. Zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert gab es in der Stadt Pompeji vorwiegend Tiefbrunnen mit Hebewerksystemen und gemauerten Hohlräumen zum Auffangen des Regenwassers (Zisterne). Obwohl Pompeji in der Nähe des Sarnos liegt und es viele Quellen an den Vesuvhängen gibt, waren diese Wege oft zu weit weg. Erst durch das mühsame beschaffen des Wassers aus den mindestens 22 erbauten Tiefbrunnen, welche zum Teil 35 Meter tief waren[1], konnte sich am Vesuv eine Wohnkultur entwickeln. Die wachsende Bevölkerung verbrauchte zunehmend das Wasser, wobei sich die Wasserqualität verschlechterte. Um dieser Problematik entgegenwirken zu können, entwickelten sie ein neues Wassersystem. Dies kann nicht zeitlich datiert werden, da der Vulkanausbruch, 79. n. Chr., dass städtische Leitungsnetz zerstörte. Durch verschiedene oskische Schriftzeichen und dem Mauerwerk des Hauptverteilers an der Porta del Vesuvio (s. Abb. 2) liegen nur Vermutungen vor: „Sie umfassen den Zeitraum von der Mitte des 2. Jh. v. Chr. über die Gründung der römischen Kolonie unter Sulla (um 80 v. Chr.) bis in die Zeit der auslaufenden Republik (70 bis 40 v. Chr.).“[2] So wie die ungenauen Angaben des Zeitraumes für den Bau der Wasserleitungen, kann man auch nur den Ort der Leitung als solchen erfassen. Eine 110 km lange Wasserleitung (Aquädukt) führte frisches Quellwasser aus den Bergen bei Avellino nach Neapel und zu dem Flottenstützpunkt in Misenum. Wissenschaftler wie Eschebach und Ohlig vermuten, dass es wahrscheinlich ein Abzweig dieser Serinoleitung in der Nähe von Palma gab. Das frische Quellwasser soll am Abhang des Vesuvs fließend, durch Rohre, hergeleitet worden sein, welche anschließend am höchst gelegenen Hauptverteiler des Wassers (Castellum aquae, Dividiculum), am Vesuvtor; eingingen. Die Rohre bestanden aus Ton oder Blei, welche unterschiedliche Vor- und Nachteile hatten. Einer dieser Vorteile welcher beiden zuteilwurde, war das Begehen der Rohre um diese zu reinigen oder zu reparieren. Ein wichtiger Bauaspekt war, dass der Bau der Aquädukte sich am Gefälle orientieren sollte, um das Wasser besser leiten zu können. Das Gefälle verlief bis zum höchsten Anfangspunkt von Pompeji, am Vesuv Tor. Dort errichtete man ein als Hauptverteiler dienendes Wasserkastell. Durch Ausgrabungen fand man heraus, dass der backsteinartige Hauptverteiler einen quadratischen Grundriss vorwies mit einer Seitenlänge von 1,2 bis 1,5 Metern und einer Höhe von 6 Metern. Dieser war, wie alle anderen, nicht verziert und hatte somit vermutlich nur technische und praktische Funktionen.

Das Zuleitungsrohr von der Fernleitung war in einer eckigen Rinne verlegt, welche im Pfeiler versehen wurde. Die Rohre, die zu den einzelnen Bestimmungsorten führten, waren an der Außenseite des Pfeilers angebaut.[3] Das einströmende Frischwasser wurde im künstlich angelegten Wasserbecken (Bassin), welches vermutlich aus Metall bestand, durch ein Grobrechen und ein Feinrechen gefiltert und gesäubert. Im Becken des Turms stauten Wehre das Wasser und regulierten die Verteilung (s. Abb. 10 u. 11). Es gab drei Wehre, die unterschiedlich hoch waren. Das niedrigste Wehr führte zu den öffentlichen Brunnen, das zweite zu dem Theater, dem Zirkus und zu dem Nymphäum[4] und das höchste Wehr leitete das Wasser zu den privaten Abnehmern. „Hieraus ergibt sich, dass die öffentlichen Brunnen immer liefen und dass das Leitungswasser für die Privatabnehmer bei Wasserknappheit als Erstes ausfiel.“[5] Lief das Wasserbecken oben über, wurde das überschüssige Wasser in Rohre am Außengeländer verteilt und zu den öffentlichen Brunnen geleitet. Die außen liegenden Wasserrohre (fistulae aquariae) wurden mit Eisenklammern befestigt. Insgesamt wurden 14 Wassertürme entdeckt. Fünf von ihnen auf den Bürgersteigen und neun der Wassertürme lagen an der Randbebauung. Durch die unterschiedliche Lage der Wassertürme kann man nicht bestimmen, ob sie ein Element der Straße oder ein Teil der Randbebauung sind. Jedoch sind sie ein wichtiger Bestandteil des Leitungsnetzes. Die Unterverteiler wurden meist an Kreuzungen gebaut, um ihre Funktion in der ganzen Stadt Pompeji nutzen zu können. Kosten für den Bau solch eines Wasserturms bezahlten oft die Kommunen und private Spender. Für ihre Großzügigkeit bekamen sie als Dankeschön ein Denkmal. Auch der Kaiser spendete häufig einen Wasserturm oder ein ganzes Aquädukt.[6]

[...]


[1] Ein Brunnen am herculaner Tor, die höchste Stelle am Plateau

[2] Eschebach, L., Pompeji, in: Frontinus – Gesellschaft (Hrsg.), Die Wasserversorgung antiker Städte, Mainz am Rhein ² 1987 ( Geschichte der Wasserversorgung 2), S.202

[3] Vgl. Gesemann, B., Die Straßen der antiken Stadt Pompeji, Frankfurt am Main 1996

[4] Das Nymphäum ist den Nymphen geweihtes Brunnenhaus, geweihte Brunnenanlage in der Antike

[5] Eschebach, H., Pompeji, Leipzig 1987, S.40

[6] Weber, K., Alltag im Alten Rom, Düsseldorf/Zürich 2000, S.395

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Entwicklungen sozialer Unterschiede aufgrund der sich entwickelnden Wasserversorgung in der Antike - aufgezeigt am Beispiel Pompeji
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Römisches Alltagsleben
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V131599
ISBN (eBook)
9783640373567
ISBN (Buch)
9783640373284
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungen, Unterschiede, Wasserversorgung, Antike, Beispiel, Pompeji
Arbeit zitieren
Pia Brinkkoetter (Autor), 2008, Entwicklungen sozialer Unterschiede aufgrund der sich entwickelnden Wasserversorgung in der Antike - aufgezeigt am Beispiel Pompeji, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131599

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