Ziel dieser Arbeit ist es, die Konkurrenz zwischen den drei Institutionen Kaiser, Oberster Heeresleitung und Oberster Seekriegsleitung sowie den regierenden Parteien des Reichstags aufzuzeigen. Dabei wird der Erste Weltkrieg kurz als langfristige Vorgeschichte, die Zeit zwischen Waffenstillstandsverhandlungen und Abdankung des Kaisers als ergebnisoffene mittelfristige Periode und die Zuspitzung der kurzfristigen Ereignisse von der Abdankung bis zur Ausrufung der Republik dargestellt.
Das Jahr 1918 steht für einen Epochenwechsel in Deutschland am Anfang des noch jungen 20. Jahrhunderts. Es fand hier eine Entwicklung von der konstitutionellen Monarchie hin zur parlamentarischen Republik statt. Die drei mächtigsten Institutionen im Herbst jenes Jahres waren der Kaiser, die Oberste Heeres- beziehungsweise Seekriegsleitung und die Reichsleitung. Der im Jahr 1914 vereinbarte Burgfrieden zwischen den Parteien des Reichstags und dem Kaiser begann zu bröckeln, denn bereits 1917 hatten erste Meutereien stattgefunden, die auf Fehlverhalten der Obersten Heeresleitung und der Obersten Seekriegsleitung (OHL und OSKL) zurück zu führen waren.
Der Krieg neigte sich nun nach der letzten gescheiterten deutschen Offensive auch im Westen dem Ende zu, da die folgende Gegenoffensive der Ententemächte die deutsche Front überrollte. Der Kaiser war durch militärische Führung entmachtet worden und nur noch ein nominelles Staatsoberhaupt. Trotz dieser diktatorischen Machtfülle war es der Obersten Heeresleitung und Seekriegsleitung nicht mehr möglich den Krieg zu gewinnen. Damit begann eine Zeit epochaler Umbrüche für das deutsche Volk.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Vom Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen an der Westfront bis zur Abdankung des deutschen Kaisers
Des Kaisers und des Reichstags neue Verfassung
Die Oberste Heeresleitung und die neue Verfassung
Von der Abdankung des Kaisers bis zur Ausrufung der Republik
Des Kaisers Abdankung
Der Machtverlust der Obersten Heeresleitung
Die Erstarkung der republikanischen Reichstagsparteien
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die machtpolitische Konkurrenz und die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den drei zentralen Institutionen Kaiser, Oberste Heeresleitung und Reichsleitung in der entscheidenden Phase der Novemberrevolution 1918. Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie das Zusammenwirken und die internen Konflikte dieser Akteure den Zusammenbruch der Monarchie und den Übergang zur parlamentarischen Republik forciert haben.
- Konkurrenzverhältnis zwischen Kaiser, OHL und Reichsleitung
- Einfluss der Waffenstillstandsverhandlungen auf das Ende der Monarchie
- Die Rolle der Oktoberreformen und der Parlamentarisierung
- Machtverlust der Militärführung gegenüber den Reichstagsparteien
- Entstehung und Dynamik der Novemberrevolution
Auszug aus dem Buch
4.11.1918: Rießer an Stresemann
Sehr geehrter Herr Kollege!
Zunächst bemerke ich, daß die Ausarbeitung, welche ich meinen Ausführungen in der Fraktionssitzung vom 1. Ds. Ms. zugrunde gelegt habe, auch besser nicht gedruckt wird, weil die Lage sich täglich ändert und leider der Schwerpunkt der Entschließungen nicht bei uns allein, sondern zunächst bei dem Scheidemannschen Flügel der Sozialdemokratie zu liegen scheint.
Sodann möchte ich wiederholen, daß, falls die Waffenstillstandsverhandlungen, wie anzunehmen, demütigende sein werden und falls alsdann überhaupt angesichts des feindlichen Durchzugsrechts durch Österreich – Ungarn und des vielleicht nicht zu überwindenden Friedenwunsches der Sozialdemokratie eine von der OHL zu bestätigende Möglichkeit zu weiterem Widerstand verbleibt, meines Erachtens unsere an den Präsidenten Wilson zu richtende Antwort etwa dahin lauten müßte:
„Den Empfang der Waffenstillstandsbedingungen vom … bestätigend, ziehen wir angesichts deren Inhalt unseren Antrag auf Waffenstillstand zurück und bitten um unverzügliche Eröffnung von Friedensverhandlungen zur Herbeiführung eines Rechtsfriedens.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Epochenwechsel von der konstitutionellen Monarchie zur parlamentarischen Republik und definiert das Ziel der Arbeit, die Konkurrenz der drei Machtzentren zu analysieren.
Vom Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen an der Westfront bis zur Abdankung des deutschen Kaisers: Dieses Kapitel erläutert den außenpolitischen Druck durch die USA und die resultierende Notwendigkeit der Oktoberreformen zur Rettung der Monarchie.
Des Kaisers und des Reichstags neue Verfassung: Hier wird die Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten des Reichstags und die schwindende Integrationsfunktion des Kaisers diskutiert.
Die Oberste Heeresleitung und die neue Verfassung: Das Kapitel analysiert die Rolle von Hindenburg und Ludendorff sowie deren gescheitertes Bestreben, eine militärische Diktatur gegen parlamentarische Entwicklungen zu halten.
Von der Abdankung des Kaisers bis zur Ausrufung der Republik: Dieser Teil beschreibt die Zuspitzung der Revolution, das Scheitern des militärischen "Kampfes bis zum Äußersten" und den Übergang zur neuen Staatsform.
Des Kaisers Abdankung: Der Fokus liegt auf den Ereignissen vom 9. November 1918 und der Entscheidung des Kaisers vor dem Hintergrund des totalen Vertrauensverlusts der Armee.
Der Machtverlust der Obersten Heeresleitung: Es wird untersucht, wie sich die OHL durch den Groener-Ebert-Pakt den neuen Gegebenheiten anpassen musste, um ihre Existenz zu sichern.
Die Erstarkung der republikanischen Reichstagsparteien: Dieses Kapitel arbeitet anhand von Zeitdokumenten die politische Strategie der bürgerlichen Parteien und deren Irrtümer im Umgang mit der USPD und dem revolutionären Druck auf.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die gegenseitige Destabilisierung der drei Institutionen den Untergang des Kaiserreichs unaufhaltsam gemacht hat.
Schlüsselwörter
Novemberrevolution, Kaiserreich, Oberste Heeresleitung, Parlamentarisierung, Oktoberreformen, Waffenstillstand, Abdankung, Reichstag, Groener-Ebert-Pakt, Monarchie, Republik, Max von Baden, Friedrich Ebert, Machtvakuum, Politische Instanzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das politische Machtgefüge und das Zerwürfnis zwischen Kaiser, OHL und Reichsleitung in Deutschland gegen Ende des Ersten Weltkriegs.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind der Übergang zur parlamentarischen Demokratie, die Rolle der Militärführung in der Endphase des Krieges und die Dynamik der Novemberrevolution.
Was ist die Forschungsfrage oder das Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Konkurrenz der drei Institutionen und deren Versagen in einer gemeinsamen Krisenbewältigung den Wandel zur Republik herbeiführten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller geschichtswissenschaftlicher Werke sowie der Auswertung von zeitgenössischen Quellendokumenten zur politischen Lageeinschätzung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analysen zu den Oktoberreformen, der Rolle der OHL, dem Prozess der Kaiserabdankung und dem politischen Agieren der Reichstagsparteien im November 1918.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit ist insbesondere geprägt durch Begriffe wie Parlamentarisierung, Novemberrevolution, Machtvakuum und das interinstitutionelle Spannungsfeld zwischen Monarchie und Republik.
Welche Rolle spielte der Brief von Rießer an Stresemann für die Argumentation?
Er dient als primäre Quelle für die politische Lageeinschätzung innerhalb der nationalliberalen Partei und verdeutlicht die Fehleinschätzung bürgerlicher Akteure hinsichtlich der Stabilität des monarchischen Systems.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis der OHL zur neuen Reichsleitung?
Der Autor zeigt auf, dass die OHL ihre Politik durch den Groener-Ebert-Pakt pragmatisch anpasste, um trotz politischer Niederlage ihre Existenzberechtigung nicht vollends zu verlieren.
- Citar trabajo
- Lutz-Michael Berger (Autor), 2014, Der Kaiser, die Oberste Heeresleitung und die Reichsleitung. Das Konkurrenzverhältnis von September bis November 1918, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316000