Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Elitenbildung im französischen Bildungssystem und der Stellung der Elitenformation in der politisch-gesellschaftlichen Debatte, verbunden mit der Frage nach der Chancengleichheit – in Frankreich bekannt als "égalité des droits".
Als Grundlage werden in Kapitel 2 die staatlichen Schuleinrichtungen vorgestellt – beginnend bei der Vorschule, über die Grundschule, die Sekundarstufe 1, bis zum Abitur. Dazu werden die Vorbereitungsklassen beleuchtet, die als zusätzliches Angebot den französischen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen, um sich auf die Aufnahmeprüfungen vorzubereiten, die zum Besuch einer Elitehochschule zu bestehen sind. In Kapitel 3 wird eine Unterscheidung getroffen zwischen den staatlichen Universitäten, die von der Mehrzahl der französischen Studierenden besucht werden, und den staatlichen und privaten Elitehochschulen, deren Besuch für einen kleinen Anteil der Studierenden vorgesehen ist. Im 4. Kapitel folgt eine Betrachtung über den Einfluss der Eliteabsolventen auf die französische Politik und die politisch-gesellschaftliche Debatte über die Elitenformation.
Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Darstellung und verdeutlicht, wie das französische Bildungssystem mit Schwächen ausgestattet ist und im OECD-Durchschnitt teilweise schwächer abschneidet als seine europäischen Nachbarn, sich aber dennoch mit der im Bildungssystem verankerten Elitenformation besonders auszeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das schulische Bildungssystem
2.1 Vorschule
2.2 Grund- und Sekundarstufe
3. Das Hochschulsystem
3.1 Universitäten
3.2 Grande écoles
4. Die politisch-gesellschaftliche Debatte über die Elitenbildung
4.1 Elitehochschulen als exklusive Ausbildungsstätten
4.2 Eliteabsolventen als die politischen Köpfe Frankreichs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das französische Bildungssystem mit Fokus auf die Elitenbildung und analysiert, inwieweit das System der Elitenformation mit dem republikanischen Ideal der Chancengleichheit in Einklang steht und wie dies öffentlich diskutiert wird.
- Aufbau und Struktur des französischen Schul- und Hochschulsystems
- Funktionsweise und Selektionsmechanismen der Vorbereitungsklassen
- Rolle der Elitehochschulen (Grandes écoles) gegenüber den staatlichen Universitäten
- Einfluss von Eliteabsolventen auf französische Wirtschaft und Politik
- Politisch-gesellschaftliche Kontroversen und Reformbemühungen rund um den Elitismus
Auszug aus dem Buch
4.1 Elitehochschulen als exklusive Ausbildungsstätten
Die Elitehochschulen dienen im zweigliedrigen französischen Bildungssystem als Gegenentwurf zum universitären Bildungsbereich. Brauns schreibt: „Während die Universitäten im Zuge der Bildungsreformen eine massive Öffnung erfahren habe, haben die Grande écoles ihren selektiven und elitebildenden Charakter unverändert behalten. Nur 1 von 1000 Jugendlichen eines Geburtsjahrgangs besucht die École Polytechnique“ (Brauns 1998: 88).
Und diese Jugendlichen kommen zumeist aus einem sozial-höherem Milieu. Der Anteil an Jugendlichen aus einem Elternhaus von höheren Angestellten schwankt an den Elitehochschulen zwischen 37 und 53 % (vgl. Lüsebrink 2018). Erschwerend kommt hinzu, dass die Elitehochschulen sich durch niedrige Studentenzahlen auszeichnen, was die Anzahl der Studienplätze stark eingrenzt, aber den elitären Charakter der Ausbildungsstätten ausmacht.
Um den Bildungsbereich der Grande écoles zugänglicher für Jugendliche aller Bildungsmilieus zu gestalten, änderte das Institut d’études politiques de Paris, eine Elitehochschule für Politik- und Sozialwissenschaften, seine Bewerbungsanforderungen: Neben außergewöhnlich guten Schulleistungen sollen „kulturelle Kenntnisse und sprachliche Ausdrucksfähigkeit durch […] Ausdauer und soziales Engagement“ (ebd.: 129) stellenweise ersetzt werden. Dadurch sollen Jugendliche aus Problemviertel der Zugang zu einer elitären Ausbildung erleichtert werden. Diese Maßnahmen sind eine Antwort auf die starke Homogenität innerhalb der Elitehochschulen. Eine durchschnittliche Entwicklung zu mehr Ausgleich ist sichtbar: In den Jahren von 1989 bis 1993 betrug der Anteil der Auszubildenden aus einem Elternhaus leitender Angestellter, Beamter und Professoren 87,6 %. Dieses Milieu bildet in der gesamten Bevölkerung jedoch nur einen Teil von ca. 20 %. Diese starke Überrepräsentation gut situierter Jugendlicher hat sich bis 2017 reduziert. Doch dies gilt nur für den Durchschnitt aller Elitehochschulen, denn „an der École polytechnique machten im Schuljahr 2016/2017 Kinder von Firmenchefs, Ärzten, Anwälten, Ingenieuren, Wissenschaftlern oder Lehrern 92 % der Studierenden aus. Weniger als ein Prozent waren Kinder von Arbeitern und Eltern ohne Anstellung.“ (Belz / Kormann 2022).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem hohen Anspruch an ein gerechtes Bildungssystem und der französischen Realität, die durch eine ausgeprägte Elitenbildung geprägt ist.
2. Das schulische Bildungssystem: Das Kapitel beschreibt die vier Stufen des schulischen Systems und problematisiert die soziale Selektion durch die Vorbereitungsklassen.
3. Das Hochschulsystem: Hier wird der Dualismus zwischen den staatlichen Universitäten und den selektiven Elitehochschulen (Grandes écoles) detailliert analysiert.
4. Die politisch-gesellschaftliche Debatte über die Elitenbildung: Dieses Kapitel thematisiert die Kritik am Elitismus und den Einfluss der Eliteabsolventen auf die politische Führung Frankreichs.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass soziale Herkunft weiterhin massiven Einfluss auf den Bildungserfolg hat und eine Diskrepanz zwischen dem Egalitäts-Ideal und der Exklusion besteht.
Schlüsselwörter
Frankreich, Bildungssystem, Elitenbildung, Chancengleichheit, Égalité, Elitehochschulen, Grandes écoles, Vorbereitungsklassen, Concours, Hochschule, soziale Selektion, politische Debatte, Eliteabsolventen, Schulpflicht, Bildungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Strukturen und den gesellschaftlichen Auswirkungen der Elitenbildung im französischen Bildungssystem.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zu den zentralen Themen gehören das schulische Stufensystem, der Zugang zu Elitehochschulen, die soziale Herkunft der Studierenden sowie die politische Debatte über Elitismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem egalitären Bildungsverständnis Frankreichs und der faktischen Exklusivität der Elitenbildung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Daten, Statistiken und diskursiven Entwicklungen, gestützt durch Fachliteratur und Berichte.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden das gegliederte Schulsystem, die Selektion durch Vorbereitungsklassen, die Differenz zwischen Universitäten und Elitehochschulen sowie der Einfluss von ENA- und IEP-Absolventen auf die Politik analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Elitenbildung, Chancengleichheit, Égalité des droits, Grandes écoles, Vorbereitungsklassen und soziale Selektion.
Was unterscheidet das französische Schulsystem in der Vorschulerziehung?
Frankreich hat mit der Einführung der Schulpflicht ab 3 Jahren das niedrigste Schulpflichtalter unter den OECD-Staaten.
Inwiefern beeinflussen die Vorbereitungsklassen die Chancengleichheit?
Da der Zugang und Erfolg in diesen Klassen stark korreliert mit einem bildungsnahen Elternhaus, verstärken sie die bereits bestehende soziale Ungleichheit anstatt sie abzubauen.
Wie reagiert die Politik auf die Kritik am Elitenmodell?
Die Politik reagiert durch Symbolreformen, wie etwa die Umbenennung oder Auflösung der prestigeträchtigen ENA, um den Vorwurf der Abgehobenheit zu entkräften.
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- Anonym (Author), 2022, Die Elitenbildung im französischen Bildungssystem. Chancengleichheit und die Elitenformation in der politisch-gesellschaftlichen Debatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316144