Die vorliegende Arbeit wird sich auf den pädagogischen Umgang zwischen pädagogischen Fachkräften und geflüchteten Eltern in Kitas in Bezug auf kulturelle Unterschiede fokussieren. Dieses Thema stellt für mich eine besondere Relevanz dar, da durch meine persönlichen Beobachtungen in verschiedenen Einrichtungen festzustellen ist, dass tatsächlich immer noch kein optimaler Umgang mit geflüchteten Familien vorhanden ist. Es findet eine Überforderung auf beiden Seiten statt, die durch die Begegnung unterschiedlicher Kulturen ausgelöst wird.
Für die Untersuchung der Fragestellung müssen grundlegende Begrifflichkeiten wie „Flüchtling“, „Diversität“ und „Inklusion“ näher geklärt werden. Diese Begriffserklärungen dienen der Einordnung der Fragestellung und stellen somit die ersten Punkte dieser vorliegenden Arbeit dar. Geflüchtete Familien bringen „fremde“ Kulturen mit sich, die sich von den der pädagogischen Fachkräfte und der Einrichtung unterscheiden und einen angepassten Umgang brauchen, um Missverständnisse zu vermeiden. Es bedarf nämlich mehr als nur das Hinzuziehen eines Dolmetschers, da sowohl kulturelles Wissen und die Haltungen der Fachkräfte als auch die Repräsentation der Einrichtung eine große Rolle spielen. Um hinsichtlich kultureller Unterschiede einen pädagogischen Umgang zu ermöglichen, stellt das Konzept der kultursensitiven Pädagogik eine sinnvolle Grundlage dar und wird in dieser Arbeit thematisiert.
Basierend auf der kultursensitiven Pädagogik werden anhand einiger zentraler Situationen dargestellt, inwiefern kulturelle Unterschiede vorliegen können und wie diese mithilfe der passenden Haltung und bereitgestellten Angeboten durch pädagogische Fachkräfte gehemmt werden können. Abgerundet wird die Arbeit mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. „Flüchtling“
2.2. Diversität
2.3. Inklusion
3. Kultursensitive Pädagogik
3.1. Kulturelles Wissen
3.2. Haltung der Fachkräfte
3.3. Leben mit Diversität
4. Zentrale Situationen
4.1. Interaktion mit Eltern
4.2. Eingewöhnung
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht, wie eine pädagogisch fundierte Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und geflüchteten Eltern in Kindertageseinrichtungen gestaltet werden kann, um kulturelle Unterschiede konstruktiv zu überbrücken und Inklusion zu verwirklichen.
- Kulturelle Diversität in der Kita
- Kultursensitive Pädagogik als Handlungsrahmen
- Die Bedeutung der pädagogischen Haltung
- Gestaltung von Aufnahmegesprächen und Eingewöhnungsprozessen
- Ressourcenorientierung im Umgang mit Fluchterfahrungen
Auszug aus dem Buch
3. Kultursensitive Pädagogik
Das Konzept der kultursensitiven Pädagogik wurde von Jörn Borke und Heidi Keller konzipiert, um die kulturellen Diversitäten der Familien im pädagogischen Alltag in der Kita zu berücksichtigen. Kultur beinhaltet Normen, Werte und Einstellungen, die das Denken, die Gefühle und das Handeln der Menschen beeinflusst (vgl. Borke/Keller 2020, S.15). In Thailand darf man einem Kind nicht die Hand auf den Kopf legen, da dies Unglück bringt, in Kenia wiederrum wird dieser Akt durchgeführt, um das Kind zu segnen. In arabischen Ländern verzichten Frauen und Männer auf Berührungen bei der Begrüßung mit dem anderen Geschlecht, was hingegen in Deutschland alltäglich und angemessen erscheint. Kulturelle Unterschiede zeigen sich schon ab der Begrüßung, die in verschiedenen Kulturen anders praktiziert und wahrgenommen werden. Jede Kultur hat „unausgesprochene Regeln“ (Shah 2015, S. 11), die man schon als Kind beigebracht bekommt oder unbewusst angeeignet und verinnerlicht hat. Jeder Mensch wird „[…] in eine bereits bestehende Kultur hineingeboren“ (Broszinsky-Schwabe 2011, S. 75, Auslassung A.E.).
Die jeweilige Kultur geflüchteter Familien begleitete sie seit ihrer Kindheit in ihren alltäglichen Umgebungen und bildete über die Jahre einen Teil ihrer Persönlichkeit (vgl. Borke/Keller 2020, S.16). Es gibt drei Ebenen, die durch Kultur beeinflusst sind: Eine Ebene ist die „Ebene der sichtbaren Kulturprodukte“ (Hendrich 2016, S. 55), welche Schrift, Kleidung, Feste, Spiele usw. einschließt. Die zweite Ebene ist die „Ebene der beobachtbaren Handlungsmuster und Ausdrucksformen“ (ebd., S. 55), die in der Sprache, in der Wohnkultur, in Essensrituale, in Religion, in der Erziehungspraxis usw. zu erkennen ist. Die dritte Ebene ist die „Ebene der unsichtbaren Wertorientierungen“ (ebd., S. 55), welche Einstellungen, Urteile, Erziehungsvorstellungen usw. umfasst.
Eine Kultur ist somit ein Orientierungssystem mit Richtlinien, an welche sich Individuen orientieren, um Teil eines „großen Ganzen“ zu sein. Angekommen in einem fremden Land stoßen geflüchtete Familien auf eine Kultur, die sich von ihrer eigenen unterscheidet. Vieles ist anders und fremd. Sie müssen die Regeln und die Sprache des neuen Landes erlernen und sich dabei an ein neues Umfeld gewöhnen (vgl. Shah 2015, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz des Themas angesichts zunehmender Fluchtbewegungen und der Notwendigkeit einer inklusiven pädagogischen Praxis in Kitas begründet.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die zentralen Termini „Flüchtling“, „Diversität“ und „Inklusion“ theoretisch hergeleitet und für den Kontext der Kindertageseinrichtung präzisiert.
3. Kultursensitive Pädagogik: Das Hauptkapitel erläutert das Konzept der kultursensitiven Pädagogik, insbesondere die Bedeutung kultureller Kenntnis und die notwendige professionelle Haltung der Fachkräfte im Umgang mit Diversität.
4. Zentrale Situationen: Hierbei werden konkrete pädagogische Alltagssituationen wie das Erstgespräch und die Eingewöhnung analysiert, um die praktische Anwendung des Konzepts aufzuzeigen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Zeit, Geduld und einer wertneutralen Haltung bei der Arbeit mit geflüchteten Familien zusammen und reflektiert die Ausgangsbeobachtungen der Autorin.
Schlüsselwörter
Kultursensitive Pädagogik, Diversität, Inklusion, Geflüchtete Familien, Kita-Alltag, Interkulturelle Kompetenz, Sprachbarrieren, Biografiearbeit, Ressourcenorientierung, Eingewöhnung, Pädagogische Haltung, Identität, Interaktion, Erziehungspartnerschaft, Migrationsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den pädagogischen Umgang mit geflüchteten Familien in Kitas unter besonderer Berücksichtigung kultureller Unterschiede.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die begriffliche Einordnung von Diversität und Inklusion, das Konzept der kultursensitiven Pädagogik sowie die Gestaltung spezifischer Alltagssituationen in der Kita.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Primäres Ziel ist es, aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte durch eine kultursensitive Haltung und Kenntnis Missverständnisse vermeiden und eine gelingende Zusammenarbeit mit geflüchteten Familien fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der theoretischen Einbettung in aktuelle Fachkonzepte der Frühpädagogik, ergänzt um persönliche Beobachtungen der Autorin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der kultursensitiven Pädagogik und deren praktische Anwendung in zentralen Situationen wie Erstgesprächen und Eingewöhnungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Kultursensitive Pädagogik, Diversität, Inklusion und die spezifische Elternarbeit mit Geflüchteten geprägt.
Warum ist die „biografische Kompetenz“ der Fachkraft so wichtig?
Weil sie der Fachkraft ermöglicht, die eigene „kulturelle Brille“ zu reflektieren und somit unbewusste Bewertungsmuster in der Zusammenarbeit mit Familien zu minimieren.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Interaktion mit geflüchteten Eltern?
Sprache wird nicht als Defizit der Eltern gesehen, sondern als Herausforderung, für eine gemeinsame Verständigung zu sorgen, wobei fachliche Kommunikation durch übersetzende Personen und visualisierte Informationen unterstützt werden sollte.
- Arbeit zitieren
- Aria Emin (Autor:in), 2021, Die pädagogische Arbeit mit geflüchteten Eltern in Kitas. Wie kann die kultursensitive Pädagogik bei der Vermittlung zwischen kulturellen Unterschieden helfen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316150