Im Rahmen dieser Arbeit wird kritisch analysiert, welche Auswirkungen eine Verschärfung der Blacklist auf die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers hat. Dabei wird zunächst auf die Rolle des Abschlussprüfers im Allgemeinen eingegangen und der Begriff der Unabhängigkeit definiert. Daraufhin wird der normative Rahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit erläutert, wobei auch auf die Änderungen durch das FISG verwiesen wird. Anschließend werden die Auswirkungen der gleichzeitigen Erbringung von Prüfungs- und Beratungsleistungen und dazugehörige mögliche Vor- und Nachteile anhand von Studien analysiert. Es folgt eine kritische Würdigung. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick ab.
In der Vergangenheit kam es des Öfteren zu Bilanzskandalen, bei denen Unternehmen ihre Jahresabschlüsse manipulierten und somit große wirtschaftliche Schäden für alle Stakeholdergruppen entstanden, wodurch das Vertrauen in den gesamten Finanzmarkt gesunken ist. Der aktuellste Fall ereignete sich im Jahre 2020 beim ehemaligen DAX-30Konzern Wirecard, der die Existenz von 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz, die eigentlich auf Treuhandkonten liegen sollten, nicht mehr nachweisen konnte und den Bilanzbetrug schlussendlich zugeben musste. Der Abschlussprüfer EY hat die vorherigen Abschlüsse jedoch uneingeschränkt testiert, weshalb die Kritik an der Rolle der Abschlussprüfer in der Öffentlichkeit zunahm. Der Gesetzgeber reagierte im Juli 2021 mit dem Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG), um derartige Skandale zu verhindern und das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Finanzmarkt in die vom Unternehmen publizierten Zahlen und in den Abschlussprüfer zu stärken. Eine Maßnahme des Gesetzes betrifft die gleichzeitige Erbringung von Prüfungs- und Beratungsleistungen, die in der Vergangenheit oft als Gefahr für die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers kritisiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rolle des Wirtschaftsprüfers
3 Grundsatz der Unabhängigkeit
4 Normativer Rahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit
4.1 Rechtslage in Deutschland
4.2 Änderungen durch das FISG
5 Auswirkungen der Erbringung von Nichtprüfungsleistungen
6 Kritische Würdigung
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert kritisch die Auswirkungen einer Verschärfung der sogenannten "Black List" – also des Katalogs verbotener Nichtprüfungsleistungen – auf die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers. Ziel ist es, unter Berücksichtigung bisheriger Forschungsergebnisse sowie der durch das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) eingeführten Änderungen zu bewerten, inwieweit die gleichzeitige Erbringung von Prüfungs- und Beratungsleistungen die Integrität der Abschlussprüfung beeinflusst.
- Stellenwert und Definition der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers
- Normativer Rechtsrahmen in Deutschland nach Inkrafttreten des FISG
- Analyse der Auswirkungen von Nichtprüfungsleistungen auf die Prüfungsqualität
- Diskussion von Agency-theoretischen Problemen und Interessenkonflikten
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit gesetzlicher Regulierungsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
3 Grundsatz der Unabhängigkeit
Die im vorherigen Kapitel genannten Agency-Probleme zeigen die große Bedeutung der Prüfung der Jahresabschlussinformationen durch einen unabhängigen Dritten zum Abbau der Informationsasymmetrien. Gleichzeitig zeigt die Ausweitung der Prinzipal-Agenten-Theorie jedoch auch, dass beim Abschlussprüfer durch das Innehaben einer doppelten Agentenrolle eine Gefährdung der Unabhängigkeit auslösen kann.
Zunächst einmal muss der Begriff der Unabhängigkeit definiert werden. Dabei gilt ein Prüfer dann als urteilsfrei, wenn ein Urteil frei von jeglicher Art von Einflüssen gefällt werden kann und die eigenen Interessen unberührt sind, was sich im Wesentlichen auf die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit des Prüfers bezieht. Die Relevanz der Unabhängigkeit wird ebenso in § 2 BS WP/VBP aufgegriffen, in der es heißt, dass keine Bindungen eingegangen werden dürfen, die ihre Entscheidungsfreiheit beinträchtigen können. Es gilt derjenige Prüfer als unbefangen, der sein Urteil unbeeinflusst von unsachgemäßen Erwägungen bildet.
Die Unbefangenheit kann z.B. durch Eigeninteressen oder durch persönliche Vertrautheit beeinträchtig werden. Hierbei handelt es sich um die sogenannte innere bzw. tatsächliche Unabhängigkeit des Prüfers, die sich auf seine innere Einstellung bezieht und somit Grundvoraussetzung für unvoreingenommene Prüfungshandlungen ist. Die Prüfung soll dabei ohne Sympathie bzw. Antipathie für den Mandanten und ohne Eigeninteressen durchgeführt werden. Als innerlich abhängig gilt der Abschlussprüfer dann, wenn er sich von eigenen Interessen oder Interessen Dritter beeinflussen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Arbeit durch den Wirecard-Skandal und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers.
2 Rolle des Wirtschaftsprüfers: Hier wird die Hauptaufgabe des Wirtschaftsprüfers, die Prüfung der Jahresabschlüsse, sowie seine Rolle als Vertrauensperson für Stakeholder definiert.
3 Grundsatz der Unabhängigkeit: Dieses Kapitel befasst sich mit der theoretischen Definition der Unabhängigkeit und unterscheidet zwischen der inneren (tatsächlichen) und der äußeren (wahrgenommenen) Unabhängigkeit.
4 Normativer Rahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit: Hier werden die gesetzlichen Regelungen in Deutschland dargelegt, insbesondere im Hinblick auf das FISG und die sogenannten "Black List"-Einschränkungen.
5 Auswirkungen der Erbringung von Nichtprüfungsleistungen: Dieses Kapitel analysiert anhand zahlreicher empirischer Studien, ob Nichtprüfungsleistungen die Unabhängigkeit und Prüfungsqualität tatsächlich beeinträchtigen.
6 Kritische Würdigung: Die Erkenntnisse aus den Studien werden hier synthetisiert und einer kritischen Reflexion unterzogen, wobei widersprüchliche Ergebnisse diskutiert werden.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Relevanz der Thematik für zukünftige Regulierungsvorhaben.
Schlüsselwörter
Abschlussprüfer, Unabhängigkeit, FISG, Nichtprüfungsleistungen, Black List, Prüfungsqualität, Jahresabschluss, Informationsasymmetrien, Prinzipal-Agenten-Theorie, Wirtschaftsprüfung, Agency-Probleme, Mandant, Beraterrolle, Interessenkonflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der durch das FISG verschärften gesetzlichen Regulierungen für Abschlussprüfer im Hinblick auf deren Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Erbringung von Beratungsleistungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die regulatorischen Anforderungen an Abschlussprüfer (FISG/AP-VO), die ökonomische Theorie zur Unabhängigkeit und die empirische Messung von Prüfungsqualität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Analyse, ob die Verschärfung der "Black List" durch das FISG eine wirksame Maßnahme zur Sicherung der Unabhängigkeit und zur Verhinderung von Bilanzskandalen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen analytischen Ansatz, der auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender empirischer Studien zur Prüfungsqualität und zum Earnings Management basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Unabhängigkeit, die Darstellung des rechtlichen Rahmens und eine detaillierte Auswertung von Forschungsergebnissen zur Korrelation zwischen Beratungsleistungen und Prüfungsqualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unabhängigkeit, FISG, Nichtprüfungsleistungen, Abschlussprüfer und Prüfungsqualität.
Wie unterscheidet sich die "innere" von der "äußeren" Unabhängigkeit?
Die innere Unabhängigkeit bezieht sich auf die tatsächliche mentale Unvoreingenommenheit des Prüfers, während die äußere Unabhängigkeit die objektive Wahrnehmung der Unabhängigkeit durch Dritte, wie Investoren, beschreibt.
Warum wird der Wirecard-Skandal zu Beginn der Arbeit angeführt?
Wirecard dient als Fallbeispiel für das Versagen bei der Abschlussprüfung und als direkter Auslöser für den Gesetzgeber, das FISG sowie strengere Compliance-Regeln für Prüfungsgesellschaften einzuführen.
- Quote paper
- Besim Muslija (Author), 2022, Auswirkungen der Erbringung von Nichtprüfungsleistungen auf die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers. Folgen der Verschärfung der Blacklist und die Änderungen durch das FISG, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316546