Ungeachtet der Chancen, die für das „klassische“ Theater sprechen, kritisiert der brasilianische Regisseur, Theaterautor und Theatertheoretiker Augusto Boal diese Form des Theaters vehement. Er wendet ein, dass „das didaktische Theater von der […] Subjekt-Objekt-Konstellation [ausgeht]: Lehrer-Schüler, Bühne-Publikum. Sender-Empfänger, aktiv-passiv, lebendig-tot“. Laut ihm sollte das Ziel des gemeinsamen Theaterspielens das gemeinsame Lernen von Zuschauer*innen und Schauspieler*innen sein. Infolgedessen entwickelte er eine eigene Methodenreihe mit dem Titel „Theater der Unterdrückten".
Gegenstand dieser Arbeit soll ebenjene Methodenreihe darstellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Forumtheater sowie dem Legislativen Theater im Gemeinwesen als Forschungsmethode und partizipativen Verfahren in der Sozialraumentwicklung. Somit beschäftigt sich diese Arbeit mit der zentralen Fragestellung: Welche Potentiale und Grenzen liegen dem „Theater der Unterdrückten“ von Augusto Boal zugrunde und inwiefern können das Forumtheater beziehungsweise das Legislative Theater im Gemeinwesen als Forschungsmethode und partizipatives Verfahren zu einer sozialräumlichen Entwicklung beitragen? Um diese Frage zu beantworten, wird mit der Betrachtung von Boals Lebensweg und seinem Theaterbegriff begonnen. Anschließend geht die Arbeit näher auf das „Theater der Unterdrückten" ein. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der performativen und szenischen Sozialforschung. Darin soll das Theater als Forschung eingeordnet werden. Darauf aufbauend wird das Forumtheater sowie das Legislative Theater als Forschungsmethode dargestellt. In der anschließenden methodischen Reflexion und Bewertung sollen die Möglichkeiten und Einschränkungen dieser Forschungsmethode aufgezeigt werden. Abschließend werden die wichtigsten Aspekte nochmals aufgegriffen, ein resümierendes Fazit gezogen und ein möglicher Ausblick unternommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Augusto Boal
2.1 Werdegang
2.2 Boals Theaterbegriff
3. Das Theater der Unterdrückten
3.1 Entstehung und Entwicklung
3.2 Grundsätze und Ziele
3.3 Methoden
3.3.1 Das Zeitungs- und Medientheater
3.3.2 Das Unsichtbare Theater
3.3.3 Das Statuen- und Bildertheater
3.3.4 Das Forumtheater
3.3.5 Der Regenbogen der Wünsche
3.3.6 Das Legislative Theater
3.3.7 Die Ästhetik der Unterdrückten
3.4 Potentiale und Grenzen
4. Performative und szenische Sozialforschung
4.1 Begriffserklärung
4.2 Theaterspiel als Forschung
4.3 Forumtheater und Legislatives Theater als Forschungsmethode
4.3.1 Grundlagen
4.3.2 Phasen und Verfahrensweisen
4.3.3 Methodische Reflexion und Bewertung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potential und die Grenzen des „Theaters der Unterdrückten“ nach Augusto Boal, insbesondere in Form des Forum- und Legislativen Theaters, und analysiert deren Eignung als partizipative Forschungsmethode zur sozialräumlichen Entwicklung.
- Biografie und Theaterverständnis von Augusto Boal
- Grundlagen und Methoden des „Theaters der Unterdrückten“
- Theorie der performativen und szenischen Sozialforschung
- Anwendung von Forum- und Legislativen Theater als Forschungsinstrument
- Methodische Reflexion über Chancen und Einschränkungen
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Das Zeitungs- und Medientheater
Wie bereits erwähnt, wurde das Zeitungstheater im Zuge der zunehmenden faschistischen Unterdrückung und der damit einhergehenden radikalen Zensur als erste Methode des Theaters der Unterdrückten entwickelt (Ebbers 2014: 66). Gemäß Boal wurde hier erstmals der Kontrast zwischen Künstler*innen und Zuschauer*innen aufgehoben. Es fand eine Aktivierung des Volkes statt. Hinzu kam, dass die Methode sehr gut und einfach umzusetzen ist (Boal 1980: 29). Das Ziel des Zeitungstheaters besteht darin, „dem Volk die Produktionsmittel für die Kunst in die Hand zu geben, anstatt eines fertigen Kunstprodukts. Die Techniken wurden entwickelt, um Menschen zu helfen, unter Verwendung von Zeitungsmeldungen, schnell aktuelle und politisch brisante Szenen zu entwickeln. Gleichzeitig entkam man dadurch der Zensur, weil die Stücke mit bereits publizierten Texten arbeiteten“ (Staffler 2009: 70–71). An dieser Stelle stimmt Marambio Escudero Staffler zu und ergänzt darüber hinaus, dass im Zentrum die Neutralität und Unparteilichkeit insbesondere der damaligen Printmedien stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Kritik von Augusto Boal am klassischen Theater und führt in die Fragestellung ein, wie seine Methoden als Forschungsinstrumente in der Sozialraumentwicklung fungieren können.
2. Augusto Boal: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Boals sowie seinen Theaterbegriff nach, der Theater als fundamentales Merkmal menschlicher Existenz begreift.
3. Das Theater der Unterdrückten: Hier werden Entstehung, Grundsätze und die verschiedenen Methoden des Theaters der Unterdrückten systematisch dargestellt.
4. Performative und szenische Sozialforschung: Dieses Kapitel ordnet das Theaterspiel in den Bereich der Sozialforschung ein und untersucht, wie spezifische Formate als partizipative Methode angewendet werden können.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Möglichkeiten und Grenzen der untersuchten Methoden und bewertet ihre Wirksamkeit für sozialen Wandel und Partizipation.
Schlüsselwörter
Theater der Unterdrückten, Augusto Boal, Forumtheater, Legislatives Theater, Partizipation, Sozialraumentwicklung, szenische Sozialforschung, Emanzipation, Theaterpädagogik, Methodenreihe, Konflikttransformation, Empowerment, performative Forschung, soziale Gerechtigkeit, Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das „Theater der Unterdrückten“ von Augusto Boal und dessen Eignung als Methode innerhalb der Sozialforschung und Gemeinwesenarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Forumtheater und dem Legislativen Theater sowie deren Verbindung zu Demokratisierung, Forschungsprozessen und sozialräumlicher Entwicklung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Potentiale und Grenzen dem „Theater der Unterdrückten“ zugrunde liegen und wie es als partizipatives Verfahren zur sozialräumlichen Entwicklung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die den Diskurs aus der Theaterpädagogik und Sozialforschung zusammenführt und reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Boals Ansätzen, eine detaillierte Erläuterung der Methoden (z. B. Unsichtbares Theater, Regenbogen der Wünsche) und die wissenschaftliche Einordnung in die szenische Sozialforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Theater der Unterdrückten, Partizipation, Forumtheater, Empowerment und sozialräumliche Entwicklung.
Was unterscheidet das Legislative Theater vom Forumtheater?
Während das Forumtheater primär Lösungen für soziale Konfliktsituationen in der Szene erprobt, weitet das Legislative Theater diese Prozesse explizit auf die Ebene konkreter Gesetzesinitiativen aus.
Welche Rolle spielt der Begriff „Subjekt-Objekt-Verhältnis“ bei Boal?
Boal kritisiert das klassische didaktische Theater, weil es Sender (Bühne) und Empfänger (Publikum) starr trennt; sein Ziel ist die Aufhebung dieser Rollen, um Zuschauer zu „Zu-Schauspielern“ (Akteuren) zu machen.
- Citar trabajo
- Lisa-Marie Mühlender (Autor), 2021, Potentiale und Grenzen der Methodenreihe "Theater der Unterdrückten" nach Augusto Boal, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316606