Die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft und die daraus resultierende Entwicklung multinationaler Unternehmen haben dazu geführt, dass die Thematik der internen Verrechnungspreise stetig an Bedeutung gewinnt. Vor allem international agierende Konzerne, wie z.B. Wessling, haben aus Gründen der optimalen Unternehmenssteuerung ein großes Interesse daran, den für ihre Unternehmung richtigen Verrechnungspreis zu finden. Die Wessling-Gruppe wurde 1983 im Münsterland gegründet und erstreckt sich mittlerweile auf nahezu 30 Standorte weltweit. Der Name Wessling steht seit Jahren für exzellente Qualität der hochwertigen Laboranalytik und ingenieurtechnischen Beratungsdienstleistungen und beschäftigt derzeit mehr als 880 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Doch nicht nur auf Grund steuerlicher Aspekte, wie der Einkunftsabgrenzung, spielen Verrechnungspreise eine primäre Rolle, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Sie dienen als Planungs- und Lenkungsinstrument und erfüllen eine Reihe verschiedenartiger interner und externer Funktionen. In diesem Zusammenhang kommt es häufig zu Zielkonflikten, sodass bei der Analyse der unterschiedlichen Verrechnungspreismodelle nie das erwünschte Ziel bzw. Ergebnis aus den Augen gelassen werden darf. Es empfiehlt sich somit im Vorhinein eine klare Zielpriorität festzulegen. Doch nicht nur die Unternehmen, sondern auch der Fiskus hat sein Augenmerk verstärkt auf die Verrechnungspreise gelegt, da diese einen wesentlichen Schwerpunkt in der steuerlichen Betriebsprüfung bilden. Der Gesetzgeber hat auf diese Entwicklung reagiert und weitgehende Aufzeichnungs- und Nachweispflichten für Unternehmen, verbunden mit der Möglichkeit einer Schätzung zu Lasten des Steuerpflichtigen und empfindlichen Strafen bei Verletzung der Dokumentationspflichten, beschlossen. Folglich müssen die betroffenen Unternehmen künftig mit einem noch höheren Aufwand und verstärkten Kontrollen bei der Bestimmung der Verrechnungspreise rechnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit
2 Grundlagen interner Verrechnungspreise
2.1 Funktionen von Verrechnungspreisen
2.2 Steuerrechtliche Rahmenbedingungen
2.2.1 Das Dealing at Arm`s Length - Prinzip
2.2.2 Gesetzliche Neuregelungen in Bezug auf Dokumentationspflichten und Sanktionsvorschriften
3 Betriebswirtschaftliche Formen interner Verrechnungspreise
3.1 Marktpreise
3.2 Verhandlungspreise
3.3 Kostenorientierte Preise
3.3.1 Vollkostenpreise
3.3.2 Grenzkosten
3.3.3 Deckungsbeitragsaufteilung
4 Steuerliche Formen interner Verrechnungspreise
4.1 Transaktionsbezogene Standardmethoden
4.1.1 Preisvergleichsmethode
4.1.2 Wiederverkaufspreismethode
4.1.3 Kostenaufschlagsmethode
4.2 Gewinnbezogende Standardmethoden
4.2.1 Gewinnvergleichsmethode
4.2.2 Transaktionsbezogene Nettomargenmethode
4.2.3 Gewinnaufteilungsmethode
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Bedeutung und Anwendung von internen Verrechnungspreisen in multinationalen Unternehmen unter Berücksichtigung sowohl betriebswirtschaftlicher als auch steuerrechtlicher Perspektiven, um eine fundierte Basis für die Unternehmenssteuerung und Compliance zu schaffen.
- Funktionen und interne Steuerung durch Verrechnungspreise
- Fremdvergleichsgrundsatz (Dealing at Arm's Length)
- Betriebswirtschaftliche Preisermittlungsmodelle
- Steuerliche Dokumentationspflichten und Sanktionen
- Methoden der steuerlichen Gewinnabgrenzung
Auszug aus dem Buch
3.1 Marktpreise
Sehr oft wird in den Unternehmen über den Marktpreis als Maßstab für die Verrechnungspreisgestaltung diskutiert. Häufiges Argument für den Einsatz des Marktpreises, ist die Erzeugung einer Gerechtigkeit. Das verkaufende Profit-Center braucht keine speziellen Preiszugeständnisse an interne Käufer durchzuführen und kann sich so verhalten, als ob alle Leistungen extern verkauft würden. Der Marktmechanismus ist zudem intersubjektiv nachprüfbar und unterliegt im Regelfall keinen Manipulationen. Hierdurch ist die Wahrscheinlichkeit interner Nicht-Akzeptanz im Konzern sehr gering, insbesondere dann, wenn die Marktpreisinformationen den Beteiligten transparent sind. Marktpreisbasierende Verrechnungspreise eignen sich daneben hervorragend zur Erfolgslokalisierung und Erfolgsermittlung. Allerdings ist die zielführende Anwendung von Marktpreisen zur Ermittlung von Verrechnungspreisen an gewisse Bedingungen geknüpft.
Bereits die erste Bedingung ist in der Realität häufig nicht gegeben, da innerbetriebliche Leistungen oftmals auf individuelle Bedürfnisse des nachfragenden Bereichs abgestimmt sind. Problematisch ist auch die Fragestellung, welcher Preis letztendlich als Marktpreis definiert werden soll. Vor allem ist jedoch darauf zu achten welche, teils widersprüchlichen, Interessen durch den Einsatz eines marktpreisbasierenden Verrechnungspreises entstehen können. Der verkaufende Bereich hat hohe Motivation Leistungen intern zu verkaufen, da die Auswirkung auf das Ergebnis in gleichem Umfang besteht wie bei externen Verkäufen. Der einkaufende Bereich hingegen, kann durch einen internen Leistungszukauf keine Ergebnisverbesserung erzielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die zunehmende Bedeutung von Verrechnungspreisen durch Globalisierung und verschärfte steuerliche Dokumentationspflichten.
2 Grundlagen interner Verrechnungspreise: Definiert die Funktionen von Verrechnungspreisen sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das Dealing at Arm's Length-Prinzip.
3 Betriebswirtschaftliche Formen interner Verrechnungspreise: Analysiert verschiedene preisbasierte Ansätze wie Marktpreise, Verhandlungspreise und kostenorientierte Modelle an konkreten Zahlenbeispielen.
4 Steuerliche Formen interner Verrechnungspreise: Erläutert transaktions- und gewinnbezogene Methoden zur steuerkonformen Ermittlung von Verrechnungspreisen.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Bewertet die unterschiedlichen Modelle kritisch und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der langfristigen Unternehmenssteuerung.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreise, Konzernsteuerung, Fremdvergleichsgrundsatz, Dealing at Arm's Length, Profit Center, Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Dokumentationspflicht, Kostenaufschlagsmethode, Marktpreis, Verhandlungspreis, Gewinnabgrenzung, Unternehmenssteuerung, Finanzbehörde, Compliance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse unterschiedlicher Verrechnungspreismodelle, die in multinationalen Konzernen zur internen Leistungsverrechnung eingesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die betriebswirtschaftlichen Lenkungsfunktionen, der Fremdvergleichsgrundsatz und die steuerrechtlichen Dokumentationsanforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die verschiedenen Verrechnungspreismodelle zu geben und deren Bedeutung für die Unternehmensführung und Steuerpraxis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse durchgeführt, ergänzt durch betriebswirtschaftliche Zahlenbeispiele zur Veranschaulichung der verschiedenen Preisermittlungsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in betriebswirtschaftliche Formen (Markt-, Verhandlungs-, Kostenpreise) und steuerliche Standardmethoden zur Gewinnabgrenzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Verrechnungspreis, Fremdvergleich, Profit Center, Steuerliche Dokumentation und Unternehmenssteuerung.
Warum ist das Dealing at Arm's Length-Prinzip so wichtig?
Es dient als zentraler Wertmaßstab, um sicherzustellen, dass konzerninterne Verrechnungspreise den Preisen entsprechen, die auch unabhängige Dritte vereinbart hätten.
Welche Konsequenzen drohen bei unzureichender Dokumentation?
Bei fehlerhaften oder fehlenden Dokumentationen kann die Finanzverwaltung die Preise schätzen, Korrekturen vornehmen und empfindliche Strafzuschläge festsetzen.
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- Jennifer Janzer (Author), 2009, Analyse unterschiedlicher Verrechnungspreismodelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131663