Diese Hausarbeit macht es sich zur Aufgabe, zu ergründen und zu evaluieren, inwiefern und vor allem in welchem Umfang die großen Ratingagenturen aufgrund von Abhängigkeiten in der Lage sind, Einfluss auf die politischen Entscheidungen eines Staates zu nehmen. Um der Hausarbeit dafür einen theoretischen Rahmen zu geben, werden im dritten Kapitel die Ratingagenturen als Akteure des Phänomens der Global Governance näher beleuchtet und definiert. Zuvor wird allerdings in Kapitel Zwei geklärt, was Ratingagenturen überhaupt sind und ihre Funktionsweisen sowie Aufgaben näher geklärt. Außerdem soll in diesem Kapitel eine Eingrenzung des Begriffs der Ratingagenturen stattfinden, um das Hauptaugenmerk der Arbeit auf die Marktführer dieses Dienstleistungssektors zu richten. Das vierte Kapitel wird einen Einblick in die Machtstrukturen der Agenturen geben und erörtern, ob und inwiefern Ratingagenturen in der Lage sind, Einfluss auf das politische und wirtschaftliche Umfeld zu nehmen.
Die sich aus Kapitel Drei und Vier ergebenen theoretischen Annahmen bezüglich der Macht- und Einflussfaktoren der Agenturen sollen dann im fünften Kapitel auf ein reales Beispiel angewendet werden. Dabei wird die Wirkung der veröffentlichten Ratings während der Euro- und griechischen Schuldenkrise auf die griechischen Staatsanleihen und der damit verbundenen griechischen Wirtschaft untersucht. Den Abschluss bildet ein Fazit, das zunächst ein kurzes Resümee beinhaltet und abschließend auf die Rolle der Ratingagenturen bezüglich der nationalen und der damit verbundenen globalen Finanzpolitik eingeht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was sind Ratingagenturen
3. Ratingagenturen als Akteure des Global Governance
4. Die Macht der Ratingagenturen
5. Einfluss der Ratingagenturen auf die politische und wirtschaftliche Lage Griechenlands
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Ratingagenturen auf die globale Finanzpolitik und evaluiert anhand des Beispiels Griechenland, in welchem Umfang diese Institutionen politische Entscheidungen von Staaten beeinflussen können.
- Struktur und Funktionsweise von Ratingagenturen
- Ratingagenturen als private Akteure innerhalb des Global Governance
- Machtstrukturen und Abhängigkeiten zwischen Agenturen und Emittenten
- Analyse der griechischen Schuldenkrise und der Rolle von Kredit-Downgrades
- Regulierungswirkung privater Finanzakteure auf staatliche Finanzpolitik
Auszug aus dem Buch
4. Die Macht der Ratingagenturen
Neben der fast schon monopolistischen Marktmacht der drei Branchen-Riesen, die durch die mangelnde Konkurrenz sowie der Vereinigung von 95% des Marktanteils bedenkenlos bezüglich ihrer Wettbewerbsfähigkeit agieren und operieren können gibt es noch viele weitere Faktoren, die die Macht und Einflussnahme der Agenturen stützen. Eine Säule der Macht ist das Verhältnis zwischen den Agenturen und den Emittenten. Denn die Aufträge, die die Ratingagenturen erhalten, werden von diesen bezahlt. Anwendung finden die Ratings jedoch auf der „anderen Seite“ des Handels, bei den Anlegern. Diese Entscheiden, wie in Kapitel Zwei bereits näher erläutert, aufgrund der Bonitätsbeurteilung der Ratingagenturen ob sie in Unternehmens- oder Staatsanleihen investieren wollen. Der wirtschaftliche Erfolg und Wohlstand der Emittenten ist also extrem Abhängig von einem guten Rating und somit im Umkehrschluss Abhängig von den Ratingagenturen (vgl. Käfer/ Michaelis 2012: 95ff). Durch diese Dependenzen sind Ratingagenturen in der Lage, großen Einfluss auf wirtschaftliche und politische Entscheidungen von Staaten und Firmen zu nehmen. Um einem schlechten Rating oder „Downgrade“ zu entgehen, sind die Regierungen und Firmenvorstände sogar bereit Weisungen und Empfehlungen der Ratingagenturen umzusetzen. Durch diesen Prozess sind die Agenturen also in der Lage aktiv Einfluss auf wirtschaftliche und politische Entscheidungen von Unternehmen und Staaten zu nehmen ohne aktiv am Entscheidungsprozess beteiligt zu sein. Diese Abhängigkeit bezüglich der Rating Urteile ist vor allem für Staaten seit den 2000er Jahren gestiegen. Ein gutes Rating und die Bescheinigung einer guten Kreditwürdigkeit spielt für Entwicklungsländer eine noch wichtigere Rolle als für andere Staaten ohnehin schon.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Kontext der Finanzkrise ab 2008 und die Eurokrise ab 2010 sowie die Relevanz der Kreditwürdigkeitsbewertung durch Ratingagenturen für die griechische Schuldenkrise.
2. Was sind Ratingagenturen: Erläutert die historische Entwicklung, die Aufgaben und die Funktionsweise von Ratingagenturen sowie die marktbeherrschende Stellung der „Big Three“.
3. Ratingagenturen als Akteure des Global Governance: Definiert Ratingagenturen aus politikwissenschaftlicher Sicht als private Akteure in einem komplexen Gefüge aus Mehrebenenpolitik.
4. Die Macht der Ratingagenturen: Analysiert die Machtfaktoren der Agenturen, insbesondere die Abhängigkeiten der Emittenten und die Regulierungs- sowie Kontrollfunktionen auf den Finanzmärkten.
5. Einfluss der Ratingagenturen auf die politische und wirtschaftliche Lage Griechenlands: Untersucht empirisch die Auswirkungen von Rating-Herabstufungen auf griechische Staatsanleihen und die daraus resultierenden politischen Sparzwänge.
6. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine höhere Transparenz bei der Erstellung von Ratings, um die eigenwillige Einflussnahme der Agenturen zu begrenzen.
Schlüsselwörter
Ratingagenturen, Finanzkrise, Griechenland, Staatsanleihen, Global Governance, Bonitätsbewertung, Kreditwürdigkeit, Eurokrise, Finanzpolitik, Marktregulierung, Abhängigkeit, Downgrade, Schuldenkrise, Kapitalmarkt, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Macht und den Einfluss von Ratingagenturen auf die globale und nationale Finanzpolitik, unter besonderer Berücksichtigung der Mechanismen, durch die diese privaten Akteure staatliches Handeln beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die Funktionsweise von Ratingagenturen, deren Rolle als Akteure des Global Governance und die Interdependenzen zwischen privater Bonitätsprüfung und staatlicher Finanzpolitik.
Gibt es eine primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Ausmaß und der Art der Einflussnahme der großen Ratingagenturen auf die politischen Entscheidungen von Staaten, evaluiert am konkreten Praxisbeispiel Griechenlands.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Einordnung (Global Governance-Ansatz) kombiniert mit einer Fallstudienanalyse, bei der die zeitliche Korrelation zwischen Ratings und der wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland untersucht wird.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Neben der Definition und Einordnung der "Big Three" fokussiert der Hauptteil auf die Machtfaktoren der Agenturen sowie die empirische Analyse der Auswirkungen von Downgrades auf griechische Staatsanleihen und die politische Sparpolitik.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ratingagenturen, Staatsanleihen, Bonitätsbewertung, Griechenland, Global Governance und Marktregulierung.
Wie genau beeinflussen Ratingagenturen griechische Staatsanleihen?
Durch Herabstufungen (Downgrades) signalisieren die Agenturen ein höheres Ausfallrisiko, was zu Kurseinbrüchen der Anleihen und steigenden Renditen führt, was wiederum den Spielraum des Staates durch Sparzwänge politisch massiv einschränkt.
Sind Ratingagenturen die alleinigen Verursacher der griechischen Schuldenkrise?
Nein, der Autor betont, dass die Agenturen weder die Verursacher der Euro-Krise noch der griechischen Schuldenkrise sind, jedoch haben sie durch ihre Bewertungen den rasanten Sturz der Staatsanleihen maßgeblich beschleunigt.
- Arbeit zitieren
- Albert Musker (Autor:in), 2018, Macht der Ratingagenturen auf die globale und nationale Finanzpolitik. Am Beispiel Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316733