Diese Arbeit ist ein Auszug aus einer Masterarbeit und befasst sich mit dem Ankereffekt und dessen theoretischem Hintergrund. Hierbei soll der Effekt zunächst erklärt und anschließend Faktoren aufgezeigt werden, welche den Effekt beeinflussen können. Anschließend soll noch ein Praxisbezug hergestellt werden.
Der Ankereffekt besagt, dass jede Zahl, die als mögliche Lösung für ein Schätzungsproblem dargeboten wird, die Schätzung in Richtung der Zahl verzerrt. Dabei ist nicht von Bedeutung, ob diese Zahl tatsächlich einen Informationsgehalt besitzt oder nicht. Es ist auch nicht relevant, ob die schätzende Person weiß, dass die vorgegebene Zahl keine Information zum Lösen des
Schätzproblems liefert. Menschen sind täglich einer Flut an Informationen ausgesetzt. Basierend auf diesen Informationen werden Entscheidungen getroffen und Urteile gefällt. Oftmals ist es nicht verhältnismäßig alle entscheidungsrelevanten Informationen heranzuziehen und zu bewerten. Darüber hinaus müssen Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen und künftige Ereignisse können nicht vorhergesagt werden.
Für Entscheidungen unter Unsicherheit nutzen Menschen Urteilsheuristiken. Heuristiken sind intuitiv, vereinfachen einen komplexen Zusammenhang und führen zu einem schnellen Ergebnis. Es sind mentale Abkürzungen, die Menschen nutzen, um schnell und effizient zu urteilen. Diese Abkürzungen führen nicht zur richtigen Entscheidung, sind jedoch zweckmäßig und hilfreich. Einer der bekanntesten Urteilsheuristiken ist die Anker- und Anpassungsheuristik.
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretischer Hintergrund
1.1. Anker- und Anpassungsheuristik
1.1.1. Definition
1.1.2. Erklärungsansätze
1.1.3. Einflüsse auf den Ankereffekt
1.1.4. Operationalisierung des Effekts
1.1.5. Ankereffekte mit einem Praxisbezug
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der theoretischen Fundierung des Ankereffekts, einem zentralen psychologischen Phänomen der Entscheidungsfindung, bei dem ein vorgegebener Wert die Urteilsbildung in Richtung dieses Wertes verzerrt, selbst wenn dieser keine sachliche Relevanz besitzt, und untersucht dabei insbesondere verschiedene Erklärungsmodelle sowie Einflussfaktoren.
- Grundlagen der Anker- und Anpassungsheuristik
- Kognitive Erklärungsansätze (Anpassungsprozess, selektive Wahrnehmung, Duale Prozessmodelle)
- Faktoren, die die Anfälligkeit für Ankereffekte beeinflussen (Stimmung, Expertise, kognitive Belastung)
- Methoden zur Operationalisierung des Ankereffekts in Forschung und Experimenten
- Praktische Anwendungsfelder des Ankereffekts jenseits des Labors
Auszug aus dem Buch
1.1.1. Definition
Der Ankereffekt besagt, dass Jede Zahl die als mögliche Lösung für ein Schätzungsproblem dargeboten wird, die Schätzung in Richtung der Zahl verzerrt. Dabei ist nicht von Bedeutung, ob diese Zahl tatsächlich einen Informationsgehalt besitzt oder nicht. Es ist auch nicht relevant, ob die schätzende Person weiß, dass die vorgegebene Zahl keine Information zum Lösen des Schätzproblems liefert (Kahneman, 2014). In der Literatur wird unterschieden, ob der Anker durch das zu Grunde liegende Problem gegeben ist oder von dem Entscheider selbst generiert wird (Raab, Unger & Unger, 2016):
• Bei der Frage, ob Ghandi über 114 Jahre alt war als er starb, ist der Ankerwert 114 durch die Fragestellung gegeben. Für gewöhnlich schätzen Personen das Alter wesentlich höher ein, als wenn die Ankerfrage auf einen Tod im Alter von 35 Jahren verweist (Kahneman, 2014).
• Bei der Nutzung des selbstgenerierten Ankers wird der gesuchte Wert durch einen Wert ersetzt, der in der Nähe des tatsächlichen Werts vermutet wird – wissend, dass dieser falsch ist. Dieser Wert wird daraufhin korrigiert. Beispielsweise können die meisten Amerikaner die Frage „Wann wurde George Washington Präsident?“ nicht auf Anhieb beantworten. Sie wissen jedoch, dass George Washington nach der Unterzeichnung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776 Präsident wurde. Das Jahr 1776 stellt in diesem Fall den selbstgenerierten Anker zur Beantwortung der Frage dar (Kahneman, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen des Ankereffekts, beleuchtet verschiedene theoretische Erklärungsansätze und analysiert die moderierenden Einflussfaktoren sowie die operationalen Umsetzungsmöglichkeiten des Phänomens.
Schlüsselwörter
Ankereffekt, Urteilsheuristik, Anpassungsprozess, selektive Wahrnehmung, Denkmodi, System 1, System 2, kognitive Belastung, Entscheidungsverzerrung, Expertenurteil, Ankerungsindex, Entscheidungsfindung, psychologische Phänomene, Konsistenzprüfung, Urteilsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit behandelt den theoretischen Hintergrund des Ankereffekts, der beschreibt, wie numerische Referenzwerte die menschliche Urteilsbildung systematisch verzerren.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Kernelemente sind die Definition, kognitive Erklärungsansätze wie die selektive Wahrnehmung, verschiedene Einflussfaktoren auf die Anfälligkeit für den Effekt sowie dessen praktische Bedeutung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Text?
Ziel der Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Ankereffekt zu geben und aufzuzeigen, wie dieser in verschiedenen Kontexten wirksam wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich empirischer Forschungsergebnisse aus der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition, die Erklärungsmodelle, eine Analyse der beeinflussenden Faktoren (z.B. Stimmung, Expertise) sowie eine Übersicht über die Operationalisierung in experimentellen Settings.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anker- und Anpassungsheuristik, System 1 und System 2, Ankerungsindex, kognitive Belastung und selektive Wahrnehmung.
Wie unterscheidet sich ein vorgegebener Anker von einem selbstgenerierten Anker?
Ein vorgegebener Anker wird durch die Fragestellung von außen induziert, während ein selbstgenerierter Anker von der schätzenden Person selbst durch Abruf von vorhandenem Wissen oder Annahmen erstellt wird.
Hat Expertise einen schützenden Effekt vor dem Ankereffekt?
Nein, Experimente mit Immobilienmaklern und anderen Experten zeigen, dass Fachwissen den Ankereffekt nicht signifikant reduziert; auch Experten unterliegen diesem Verzerrungseffekt deutlich.
Warum spielt die Stimmung bei der Anfälligkeit für Anker eine Rolle?
Studien belegen, dass Personen in einer negativen Gemütslage anfälliger für den Ankereffekt sind, da sie zu mühsameren Informationsverarbeitungsprozessen neigen, die wiederum die Suche nach ankerkonsistenten Informationen fördern.
- Arbeit zitieren
- Philipp Rowedder (Autor:in), 2019, Theoretischer Hintergrund zum Ankereffekt. Erklärungsansätze und Beeinflussungsfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316735