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Untersuchung des Erzählertraumas in Arno Schmidts 'Seelandschaft mit Pocahontas'

Titel: Untersuchung des Erzählertraumas in Arno Schmidts 'Seelandschaft mit Pocahontas'

Hausarbeit , 2008 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Hendrik Fieber (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit widmet sich der Frage, in wie fern die Verbrechen der Nazizeit und die lebensbedrohlichen Fronterfahrungen des Krieges auf das Weltbild und das emotionale Befinden des Erzählers Joachim in Arno Schmidts Prosaerzählung "Seelandschaft mit Pocahontas" nachwirken. Es wird dabei die These vertreten, dass die reflektierten politischen und religiösen Ansichten der Hauptfigur das sichtbare Produkt einer tieferliegenden, nur im Subtext der Erzählung vorhandenen, Kriegstraumatisierung sind.
Um der Untersuchung dieser Traumatisierung eine Struktur zu verleihen ist es notwendig, verschiedene Aspekte der Erzählung gesondert zu untersuchen. Den Auftakt bildet eine Betrachtung der reflektierten Kommentare des Erzählers zu Politik, Krieg und Religion, die an einigen Stellen gleichermaßen als Brücke zum Subtext verstanden werden können. Bei dessen Betrachtung gilt das Interesse zunächst der sprachlichen Präsenz von Gewalt- und Errettungsmotiven innerhalb der Liebesbeziehung zwischen Joachim und Selma, bevor in einem weiteren Schritt untersucht wird , welchem Raum Tod und Gewalt in Joachims Alltags- und Umweltwahrnehmung einnehmen. Erwähnenswert ist an dieser Vorgehensweise vor allem, dass sie an einigen Stellen nicht eingehalten werden kann. Dies ist der dichten Struktur von Seelandschaft mit Pocahontas geschuldet, bei der die für die Untersuchung in dieser Arbeit getrennten Bereiche dicht miteinander verwoben sind und sich aufeinander beziehen. Deshalb werden innerhalb dieser Untersuchung Vor- und Rückgriffe auf andere Themenbereiche an einigen Stellen notwendig sein.
Darüber hinaus ist anzumerken, dass die in vielen der literaturwissenschaftlichen Referenzarbeiten zu diesem Thema herausgearbeiteten biographischen Parallelen zwischen dem Ich-Erzähler Joachim und dem Autor Arno Schmidt zwar zur Kenntnis genommen werden, im Sinne einer werkimmanenten Betrachtung der Erzählung aber keine weitere Berücksichtigung finden. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass für die Untersuchung einer möglichen Traumatisierung der Hauptperson die Kategorie des Autors irrelevant ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf das Weltbild des Erzählers

3. Zwischen Errettung und Untergang: Die Liebesbeziehung Joachims zu Selma

3.1 Die Bedeutung der Namensgebung

3.2 Die Vermischung von Gewalt und Sexualität

4. Gewalt- und Todesmotive in der Beschreibung der Umwelt

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die These, dass die reflektierten politischen und religiösen Ansichten der Hauptfigur Joachim in Arno Schmidts "Seelandschaft mit Pocahontas" das sichtbare Produkt einer tieferliegenden Kriegstraumatisierung sind. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Trauma im Subtext der Erzählung manifestiert, ohne dass der Erzähler explizit auf seine traumatischen Kriegserlebnisse eingeht.

  • Analyse der Kriegstraumatisierung im Subtext der Erzählung
  • Untersuchung der Liebesbeziehung zwischen Joachim und Selma als ambivalente Retter- und Todesbeziehung
  • Intertextuelle Bezüge zu Mythen und Literatur (Odysseus, Pocahontas, Undine)
  • Deutung der Gewalt- und Todesmotive in der Wahrnehmung von Natur und Umwelt

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Bedeutung der Namensgebung

Bereits in der ersten Beschreibung Selmas durch den Erzähler sind die Spuren zur Deutung ihrer Funktion in zwei verschiedene Richtungen angelegt:

Die Eine: 6 Fuß groß, weißgelb geringelt im zaundürren Wespenkleid, ; endlose Armstöcke, tiefbraune, knieten vor ihr auf dem Tisch; [...] Bussardig hakte die Nase aus dem Irokesenprofil [...] Das höllenfarbene Mädchen bog den schlanken Stielleib hinüber (SmP 17).

Zum Einen findet sich hier der Verweis auf Lessings Wie die Alten den Tod gebildet, zum Anderen ist in dieser Beschreibung Selmas bereits das Pocahontasmotiv angelegt. Letzteren Ansatz verfolgend kann zunächst festgehalten werden, dass Selma dem Erzähler mit ihrer vom Sonnenbrand geröteten („höllenfarbenen“) Haut und ihren scharfen Gesichtszügen wild und indianisch erscheint. So verwundert es nicht, dass der mittellose Schriftsteller Joachim Selma ausgerechnet den Namen einer indianischen Prinzessin gewissermaßen zum Geschenk macht, was, wie Sabine Kyora nachweist, letztlich „ebenso der Verführung dient, wie Erichs Allüren als ‚Geldmann’ “(Kyora 2001, 50). Der Kosename, der auf textueller Ebene nur eine logische Konsequenz aus den äußerlichen Merkmalen Selmas ist, bekommt durch den intertextuellen Bezug zu der Geschichte um die historisch überlieferte Person Pocahontas eine weitere Bedeutung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung zur Kriegstraumatisierung des Ich-Erzählers Joachim auf und definiert den methodischen Rahmen der Untersuchung des Subtextes.

2. Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf das Weltbild des Erzählers: Dieses Kapitel zeigt auf, dass der Erzähler seine Kriegserlebnisse intellektuell verarbeitet hat, was in einem von Skepsis und Atheismus geprägten Weltbild mündet.

3. Zwischen Errettung und Untergang: Die Liebesbeziehung Joachims zu Selma: Die Liebesbeziehung wird als ambivalentes Geflecht zwischen Rettungshoffnung und Todesangst analysiert, wobei besonders intertextuelle Namensbezüge und die Vermischung von Gewalt und Sexualität im Fokus stehen.

4. Gewalt- und Todesmotive in der Beschreibung der Umwelt: Hier wird untersucht, wie Tod, Gewalt und Bedrohungsszenarien die Wahrnehmung der Natur und Umwelt des Erzählers durchdringen.

5. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass die Traumatisierung durch die Beziehung zu Selma nicht überwunden wird und Joachim in seiner emotionalen Notsituation verbleibt.

Schlüsselwörter

Arno Schmidt, Seelandschaft mit Pocahontas, Kriegstrauma, Subtext, Liebesbeziehung, Gewalt, Todessymbolik, Erinnerung, Identität, Intertextualität, Nachkriegsliteratur, Trauma, Skepsis, Wahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Arno Schmidts Erzählung "Seelandschaft mit Pocahontas" hinsichtlich der psychischen Verfassung des Ich-Erzählers Joachim unter Berücksichtigung seiner kriegsbedingten Traumatisierung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die Verarbeitung von Kriegserfahrungen, die komplexe Liebesbeziehung zu Selma, die Bedeutung von intertextuellen Bezügen und die ständige Präsenz von Gewalt- und Todesmotiven.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es nachzuweisen, dass Joachims politisches und religiöses Weltbild sowie sein emotionales Befinden als Auswirkungen eines nicht bewältigten Kriegstraumas gelesen werden müssen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Arbeit verfolgt eine werkimmanente Untersuchung des Subtextes der Erzählung, wobei insbesondere auf die Bildsprache und die symbolische Verknüpfung von Motiven geachtet wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Weltbildes unter Kriegseinfluss, die psychologische Dynamik der Liebesbeziehung zwischen Errettung und Untergang sowie die Analyse von Gewalt- und Todesmotiven in der Umweltwahrnehmung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Traumatisierung, Subtext, Ambivalenz, Intertextualität, Liebesbeziehung, Kriegserfahrung, Todesmotive, Gewalt, Identität.

Inwiefern spielt das Motiv der Pocahontas eine Rolle für den Protagonisten?

Das Motiv dient als Hoffnung auf eine "Retterfigur", die den Erzähler aus seiner mentalen Notsituation und seinen traumatischen Erinnerungen befreien soll, wobei sich diese Erwartung jedoch nicht erfüllt.

Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass keine Heilung stattfindet?

Die Analyse zeigt, dass die traumatischen Todes- und Gewaltmotive bis in das letzte Kapitel der Erzählung bestehen bleiben und die Beziehung zu Selma diese Verstümmelungen der Seele nicht heilen kann.

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Details

Titel
Untersuchung des Erzählertraumas in Arno Schmidts 'Seelandschaft mit Pocahontas'
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Note
1,0
Autor
Hendrik Fieber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V131738
ISBN (eBook)
9783640375899
ISBN (Buch)
9783640375660
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untersuchung Erzählertraumas Arno Schmidts Seelandschaft Pocahontas
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hendrik Fieber (Autor:in), 2008, Untersuchung des Erzählertraumas in Arno Schmidts 'Seelandschaft mit Pocahontas', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131738
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Leseprobe aus  21  Seiten
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