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Zeitinkonsistenz

Spiele und Anwendungsbeispiele

Titel: Zeitinkonsistenz

Seminararbeit , 2008 , 28 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Kristina Mader (Autor:in)

VWL - Makroökonomie, allgemein
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Zusammenfassung Leseprobe Details

2004 wurden zwei Wissenschaftler, Finn E. Kydland und Edward C. Prescott, mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Diese Ehrung beruht auf ihren wegweisenden Erkenntnissen in der dynamischen Makroökonomik, insbesondere ihrem
Beitrag zur Theorie der Zeitinkonsistenz wirtschaftlicher Entscheidungen.
Ausgangspunkt für die Arbeiten war ein Phänomen, das sich aus Sicht der keynesianischen Vertreter nicht erklärten ließ, die sog. Stagflation. Wurde bislang angenommen, Arbeitslosigkeit und Inflation ließen sich gegeneinander austauschen, so gab die Tatsache Rätsel auf, dass in den 70er Jahren dieser Trade-off ausblieb. Im Gegenteil: Die Stagflation brachte bei steigender Inflationsrate eine höhere Arbeitslosigkeit mit sich.
Bereits Lucas erkannte, dass die bislang herrschende Vorstellung eines streng funktionalen Zusammenhangs der beiden Größen im Sinne der Kontrolltheorie aufgegeben werden müsse, sobald die Privaten das Spiel durchschauten und eine Erhöhung der Inflationsrate in ihren Erwartungen antizipierten.
Diesen Gedanken griffen Kydland und Prescott auf und konstruierten ein Modell, das erklärt, warum sich - auch ohne böswillige Motivation - Täuschen lohnt und deshalb, bei rationaler
Erwartungsbildung der Wirtschaftssubjekte, eine regelbasierte Politik zu besseren Resultaten führt als eine Diskretionäre. Es ist das Modell der Zeitinkonsistenz optimaler Pläne.
Situationen, in denen nun das Ergebnis einer Entscheidung nicht nur von der eigenen Handlung abhängt, sondern auch von den Aktionen Dritter, können mit Hilfe der Spieltheorie analysiert werden. Dieses noch junge Forschungsfeld, das den Beginn seines Siegeszugs dem Werk „Theory of games and economic behaviour“ von John von Neumann und Oscar Morgenstern verdankt, hilft uns, ökonomische, politische, ja sogar biologische Phänomene zu
erklären. Aus diesem Grund erscheint die Spieltheorie als geeignetes Instrument, um zeitinkonsistentes Handeln aufzudecken und zu analysieren.

Ziel dieser Arbeit ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen der Zeitinkonsistenz-Thematik und der Spieltheorie.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitinkonsistenz als spieltheoretisches Problem

2.1 Der Begriff der Zeitinkonsistenz optimaler Pläne

2.2 Politik als strategische Interaktion zwischen rationalen Spielern

2.3 Die Spieltheorie als Instrument zur Abbildung strategischer Interaktionen

2.3.1 Das Grundmuster einer zeitinkonsistenten Spielsituation

2.3.2 Lösungskonzepte

2.3.2.1 Die Lösung bei erstmaligem Spiel

2.3.2.2 Die Lösung beim wiederholten Spielen

3. Anwendungsbeispiele

3.1 Regelbasierte Spiele

3.1.1 Der Professor und die Klausur

3.1.2 Der Patentschutz

3.1.3 Steuerhinterziehung und Amnestie

3.1.4 Kronzeugenregelung

3.1.5 Lagerhaltung und Spekulation

3.1.6 Nothilfe bei Hochwasser

3.2 Vertrauens- und Reputationsspiele

3.2.2 Ferienjob und Studienfinanzierung

3.2.1 Vertrauensspiel nach Hume – das Erntehilfespiel

4. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die theoretische Problematik der Zeitinkonsistenz mittels spieltheoretischer Modelle greifbar zu machen und durch diverse Anwendungsbeispiele aufzuzeigen, wie strategische Akteure mit diesem Dilemma umgehen. Die Forschungsfrage untersucht dabei, unter welchen Bedingungen zeitinkonsistente Entscheidungen entstehen und welche Mechanismen – wie Reputation oder institutionelle Regelbindungen – dazu beitragen können, eine für beide Seiten vorteilhaftere, konsistente Lösung zu erreichen.

  • Grundlagen und Definitionen der Zeitinkonsistenz optimaler Pläne
  • Spieltheoretische Modellierung strategischer Interaktionen
  • Analyse regelbasierter Spiele in Politik und Wirtschaft
  • Untersuchung von Vertrauens- und Reputationsmechanismen
  • Einfluss von Informationsstrukturen auf das Verhalten rationaler Akteure

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Der Professor und die Klausur

Als Einstieg in den nun folgenden Anwendungsteil soll ein einfaches Beispiel aus dem universitären Alltag dienen. Ein Professor hält die Vorlesung „Grundzüge der Spieltheorie“ an der Universität Bayreuth. Angenommen er verfolge zwei Ziele: Zum einen möchte er, dass die Studenten den behandelten Stoff gewissenhaft lernen. Andererseits ist er aber zugleich bestrebt, seinen zeitlichen Aufwand, z. B. für die Korrektur einer Klausur, möglichst gering zu halten.

Was ist nun also die optimale Strategie des Professors, wenn angenommen wird, dass er der Lernerfolg bei den Studenten höher bewertet als seinen zeitlichen Aufwand und die Studenten ohne Erwartung einer Klausur nicht lernen werden? Es handelt sich hier um ein spieltheoretisches Problem mit zwei Spielern, dem Professor und den Studenten. Der Payoff einer Strategie, also das erreichte Nutzenniveau, wird durch ein Wertepaar beschrieben, wobei nach gängiger Konvention der erste Wert den Nutzen des Führers (Studenten) und der zweite Wert den Nutzen des Folgers (Professor) angibt.

Die optimale Strategie des Professors in t0 ist, eine Klausur zu schreiben. Dies teilt er seinen Studenten auch mit, die in Erwartung auf die angekündigte Klausur lernen. Kurz vor dem Klausurtermin ist der rational denkende Professor bestrebt, seine Strategie zu revidieren. Er kann nun ein für sich besseres Ergebnis (3, 4), indem er die Klausur absagt. Sein Wissen konnte er ohne Korrekturaufwand vermitteln.

Dieses Phänomen wird als Zeitinkonsistenz bezeichnet. Es haben sich also die Umweltbedingungen, in diesem Fall das auf Erwartungen basierende Lernen, für den Entscheider derart geändert, dass der in t0 optimale Plan in t1 nicht mehr zum bestmöglichen Ergebnis führt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Zeitinkonsistenz ein und skizziert die historische Bedeutung des Problems in der Makroökonomik sowie den Nutzen der Spieltheorie als Analyseinstrument.

2. Zeitinkonsistenz als spieltheoretisches Problem: Hier werden theoretische Grundlagen erarbeitet, der Begriff der Zeitinkonsistenz definiert und die Spieltheorie als Methode zur Abbildung strategischer Interaktionen zwischen rationalen Akteuren eingeführt.

3. Anwendungsbeispiele: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und demonstriert die Relevanz zeitinkonsistenter Probleme anhand zahlreicher Beispiele aus den Bereichen Politik, Recht, Wirtschaft und dem Alltag.

4. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die anhaltende Aktualität des Zeitinkonsistenz-Problems sowie die Notwendigkeit institutioneller Lösungen.

Schlüsselwörter

Zeitinkonsistenz, Spieltheorie, Strategische Interaktion, Rationalität, Nash-Gleichgewicht, Regelbindung, Reputation, Institutionenökonomik, Optimaler Plan, Informationsstruktur, Anreizsysteme, Glaubwürdigkeit, Signalling, Modellierung, Politische Ökonomie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen der Zeitinkonsistenz, bei dem ein ursprünglich optimaler Plan aufgrund sich ändernder Anreize zu einem späteren Zeitpunkt vom Entscheider revidiert wird, was oft zu suboptimalen Ergebnissen für alle Beteiligten führt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit verknüpft makroökonomische Fragestellungen mit der Spieltheorie. Zentrale Themen sind Glaubwürdigkeit von Ankündigungen, strategisches Verhalten und Mechanismen zur Selbstbindung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, das Problem der Zeitinkonsistenz spieltheoretisch zu formalisieren und durch konkrete Beispiele aufzuzeigen, wie Institutionen oder Reputation helfen können, dieses Dilemma zu überwinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die Methode der Spieltheorie angewandt, wobei zur Darstellung der Interaktionen extensive Formen, Auszahlungsmatrizen und das Konzept der Rückwärtsinduktion genutzt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich verschiedenen Anwendungsbeispielen, unterteilt in regelbasierte Spiele (z. B. Patentschutz, Steueramnestie) sowie Vertrauens- und Reputationsspiele, um die theoretischen Erkenntnisse zu veranschaulichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zeitinkonsistenz, Spieltheorie, Nash-Gleichgewicht, Reputation und Institutionenökonomik charakterisiert.

Warum ist das Beispiel des "Professors und der Klausur" ein klassisches Zeitinkonsistenz-Problem?

Der Professor kündigt eine Klausur an, um die Studenten zum Lernen zu motivieren (t0). Kurz vor der Prüfung hat er jedoch keinen Anreiz mehr, die Klausur tatsächlich durchzuführen, da er sich die Korrekturarbeit sparen möchte (t1), was die anfängliche Motivation der Studenten untergräbt.

Welche Rolle spielt die "Reputation" bei der Lösung von Zeitinkonsistenz?

Reputation fungiert als immaterielles Kapital. Akteure können ihr zukünftiges Handeln beeinflussen, indem sie durch konsequentes Verhalten in der Vergangenheit glaubwürdig signalisieren, dass sie ihre Ankündigungen einhalten, um langfristige Vorteile zu sichern.

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Details

Titel
Zeitinkonsistenz
Untertitel
Spiele und Anwendungsbeispiele
Hochschule
Universität Bayreuth  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre V, Insb. Institutionenökonomik)
Note
1,0
Autor
Kristina Mader (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V131743
ISBN (eBook)
9783640375905
ISBN (Buch)
9783640375677
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitinkonsistenz Spiele Anwendungsbeispiele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kristina Mader (Autor:in), 2008, Zeitinkonsistenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131743
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  28  Seiten
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