Im Rahmen dieser Arbeit wird aufgezeigt, welche Maßnahmen die Europäische Kommission für die Schließung der Mehrwertsteuerschlupflöscher im E-Commerce-Bereich beschlossen hat und untersucht, wie diese Maßnahmen auf die Versandhandelsunternehmen wirken. Es wird beurteilt, ob die digitale Mehrwertsteuerreform bereits vor Ankündigung der Reform durch den digitalen Wandel überholt war und wie kompatibel die Reform mit der heutigen Logistik ist.
Die wirtschaftliche und steuerliche Bedeutung des elektronischen Handels von Waren nimmt kontinuierlich mit dem wachsendem E-Commerce Markt zu. Die daraus resultierenden grenzüberschreitenden Transaktionen bringen komplexe steuerliche Problemfelder und Unsicherheiten mit sich. Die EU-Kommission ist bestrebt, mit der zweiten MwSt-Reform diese Probleme zu lösen. Kurz nach der Einführung des seit 2017 geplanten zweiten E-Commerce-Pakets haben sich die Problemfelder ausgeweitet. Fraglich ist, wie kohärent sich dieses System im Ergebnis in der Praxis darstellt und, ob das neue besondere Besteuerungsverfahren One-Stop-Shop i.S.d. § 18j UStG von allen E-Commerce-Unternehmen für die Umsatzregistrierungen angewendet werden kann.
Vorausgesetzt, dass die neuen umsatzsteuerlichen Regelungen für Fernverkäufe in dem alltäglichen Geschäftsmodell des E-Commerce nicht anwendbar sind, entsteht eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Überblick
1.2 Thema und Grund der Untersuchung
1.3 Bedeutung der Untersuchung für die Theorie und Praxis
1.4 Forschungsfrage
1.5 Annahmen und Eingrenzungen
1.6 Definitionen
1.6.1 E-Commerce
1.6.2 Fulfillment
1.6.3 Elektronische Schnittstelle
1.6.4 Innergemeinschaftlicher Fernverkauf
1.7 Struktur der Thesis
2 Literaturanalyse
2.1 Vorgehensweise und Ziele
2.2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.3 Internet basierte Lieferungen und ihre Neuregelungen ab 2021
2.3.1 Innergemeinschaftlicher Fernverkauf
2.3.1.1 Umfang der Lieferung
2.3.1.2 Abnehmerkreis und Erwerbsschwelle
2.3.1.3 Verzichtsoption und Rechnungsstellung
2.3.2 Fernverkäufe aus Drittländern
2.3.2.1 Fernverkäufe ohne „elektronische Schnittstelle“
2.3.2.2 Fernverkäufe über „elektronische Schnittstelle“
2.3.3 Verkäufe über Logistikzentren
2.3.3.1 Einführung und Hintergrund
2.3.3.2 Vertriebsmodelle
2.3.3.3 Umsatzsteuerliche Würdigung
2.3.4 Besteuerungsverfahren – One-Stop-Shop
2.3.4.1 MOSS bis 30.06.2021
2.3.4.2 Erweiterung zu OSS zum 01.07.2021
2.3.4.3 Anmeldung zum Verfahren
2.3.4.4 Datenbereitstellung und Berichtigung
2.4 Konkretes Problem und Untersuchungsfragen
2.4.1 Beschränkte Anwendung des One-Stop-Shop-Verfahrens
2.4.1.1 Lagerproblematik bei Verkäufen über Logistikzentren
2.4.1.2 Organschaften
2.4.2 Steuerliches Risiko durch Compliance Struktur
2.4.3 Untersuchungsfrage
3 Methode
3.1 Güterkriterien der qualitativen Forschung und Kritik
3.2 Schriftliche Befragung
3.3 Grund der Auswahl
3.4 Vorstellung und Festlegung des Materials
3.5 Expertenwahl
3.5.1 Auswahl der Experten
3.5.2 Expertenvorstellung
3.5.3 Datenschutz
3.5.4 Durchführung der Befragung
3.6 Formale Charakteristika der Fragebögen
4 Analyse und Interpretation
4.1 Bestimmung der Fragestellung
4.1.1 Richtung der Analyse
4.1.2 Theoriegeleitete Differenzierung der Fragestellung
4.2 Auswertung der Fragebögen
4.2.1 Codierung und Kategorienbildung
4.2.2 Rücküberprüfung der Kategorien und Überführung in den Fließtext
5 Diskussion
5.1 Persönliche Einschätzungen und Erfahrungen
5.1.1 Ergebnisse
5.1.2 Interpretation
5.2 Technische Umsetzung
5.2.1 Ergebnisse
5.2.2 Interpretation
5.3 Besonderes Besteuerungsverfahren
5.3.1 Ergebnisse
5.3.2 Interpretation
5.4 Standard-Besteuerungsverfahren
5.4.1 Ergebnisse
5.4.2 Interpretation
6 Ergebnis und Ausblick
7 Reflektion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das zum 01. Juli 2021 eingeführte One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) die umsatzsteuerliche Compliance für E-Commerce-Unternehmen im grenzüberschreitenden B2C-Geschäft innerhalb der EU tatsächlich vereinfacht und ob es steuerliche Risiken wie Umsatzsteuerverkürzung oder Steuerhinterziehung effektiv verhindert.
- Umsatzsteuerliche Reformen im E-Commerce (Mehrwertsteuer-Digitalpaket)
- Anwendung und Herausforderungen des One-Stop-Shop (OSS) Verfahrens
- Logistikstrukturen und deren Einfluss auf die umsatzsteuerliche Compliance
- Empirische Untersuchung von Expertenmeinungen aus E-Commerce-Unternehmen
- Bewertung der Diskrepanz zwischen Theorie der EU-Reform und der Praxis in Unternehmen
Auszug aus dem Buch
1.1 Überblick
„Zwar konnte in den letzten Jahren ein positiver Trend verzeichnet werden, aber die Mehrwertsteuerlücke stellt nach wie vor ein großes Problem dar – vor allem angesichts des enormen Investitionsbedarfs, dem unsere Mitgliedstaaten in den nächsten Jahren nachkommen müssen. Die diesjährigen Zahlen bedeuten, dass wir jede Sekunde mehr als 4000 EUR verlieren!“ Mit dieser Aussage beschrieb der Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni im Jahr 2021 den Motivationsgrund der Bekämpfung der Mehrwertsteuerhinterziehung und präsentierte die EU-Mehrwertsteuerreformen, einschließlich das eingeführte Mehrwertsteuer-Digitalpaket. Die europäische Kommission bestrebt eine Harmonisierung des gemeinsamen Mehrwertsteuersystems mit dem Ziel einer einheitlichen Umsatzbesteuerung der Mitgliedstaaten. Das Mehrwertsteuerdigitalpaket hat seinen Beginn im Jahr 2010. Nach Zusammenbruch der New Economy zu Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die digitale Ökonomie immer mehr an Bedeutung zu, mit der Folge, dass die grenzüberschreitenden digitalen Leistungen mit dem Umsatzsteuerrecht von 1993 nicht mehr kongruent waren.
Während diverse wachsende Wirtschaftssektoren, u.a. der Onlinehandel, durch die zunehmende Digitalisierung fortschreiten, sind die anzuwendenden mehrwertsteuerlichen Vorschriften geblieben. Durch die Globalisierung und den Wegfall der Ländergrenzen gewinnt die Logistikbereiche und die daraus resultierenden grenzüberschreitenden Lieferungen an Wachstumsraum. Die Logistikunternehmen sind geneigt sich auf den Profit und den Absatz der Waren zu konzentrieren, sodass umsatzsteuerliche Problematiken nicht beachtet werden. Resultate sind die Abgabe unvollständiger Steuererklärungen und die fehlerhafte Besteuerung. „Die Kombination aus der rasanten Entwicklung im Online-Handel und einem nur noch bedingt zeitgemäßen Umsatzsteuerrecht bietet auch ein Einfallstor für Steuerbetrug.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Mehrwertsteuerlücke im europäischen E-Commerce ein und definiert das Ziel sowie die Forschungsfrage der Untersuchung.
2 Literaturanalyse: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Mehrwertsteuerreform und des One-Stop-Shop-Verfahrens sowie die spezifischen Problemfelder durch grenzüberschreitende Logistikstrukturen erarbeitet.
3 Methode: Dieses Kapitel erläutert den qualitativen Forschungsansatz, insbesondere die Durchführung von schriftlichen Expertenbefragungen zur Untersuchung der Praxistauglichkeit der Neuregelungen.
4 Analyse und Interpretation: Hier werden die durch die Expertenbefragungen gewonnenen Daten mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring systematisch ausgewertet und für die Diskussion aufbereitet.
5 Diskussion: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Befragung hinsichtlich der praktischen Erfahrungen, der technischen Herausforderungen und der Vor- bzw. Nachteile des OSS-Verfahrens interpretiert und kritisch diskutiert.
6 Ergebnis und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen zur Harmonisierung der Umsatzbesteuerung.
7 Reflektion: Hier erfolgt eine kritische Würdigung der eigenen Arbeit, der methodischen Grenzen sowie ein Hinweis auf weiterführende Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Umsatzsteuer, E-Commerce, One-Stop-Shop, OSS, Fernverkauf, B2C, Mehrwertsteuer-Digitalpaket, Compliance, Logistik, Fulfillment, Umsatzsteuerhinterziehung, Expertenbefragung, Steuerrecht, EU-Binnenmarkt, Warenbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Auswirkungen der EU-Mehrwertsteuerreform zum 01.07.2021 auf E-Commerce-Unternehmen und der Praxistauglichkeit des eingeführten One-Stop-Shop-Verfahrens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Umsatzbesteuerung von Fernverkäufen im B2C-Bereich, die Compliance-Anforderungen für Onlinehändler sowie die Auswirkungen komplexer Logistikstrukturen auf die steuerliche Abwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob die Reformziele der EU-Kommission erreicht wurden und ob das OSS-Verfahren eine tatsächliche Vereinfachung für Unternehmen darstellt oder zu neuen steuerlichen Risiken führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Forschungsmethode angewandt, konkret eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring basierend auf schriftlichen Expertenbefragungen von Fachkräften in E-Commerce-Unternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Hintergründe des Onlinehandels-Steuerrechts, stellt die empirischen Ergebnisse der Expertenbefragung vor und setzt diese in eine kritische Diskussion zur tatsächlichen Anwendung in der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Umsatzsteuer, OSS, E-Commerce, Compliance, Fernverkauf, B2C-Handel, Logistik und Expertenbefragung sind die prägenden Begriffe.
Wie beeinflussen Fulfillment-Programme die Anwendung des OSS-Verfahrens?
Die Nutzung externer Logistikzentren (wie z.B. Amazon FBA) führt bei vielen Unternehmen zu einer erhöhten Komplexität in der steuerlichen Abwicklung, da grenzüberschreitende Warenbewegungen oft nicht vollständig über das OSS-Verfahren abgebildet werden können.
Warum berichten Experten von Schwierigkeiten bei der Berichtigung von OSS-Meldungen?
Die Experten kritisieren die fehlende oder erst zeitversetzt implementierte IT-Infrastruktur für den Daten-Upload und die Korrektur von Umsätzen, was zu einem vermeidbaren operativen Mehraufwand führt.
- Quote paper
- Inga Petukauskaite (Author), 2022, War die digitale Mehrwertsteuerreform für den Versandhandel bereits vor ihrer Ankündigung überholt? Inkompatibilität des Mehrwertsteuer-E-Commerce-Pakets mit der heutigen Logistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1317792