Diese Arbeit bietet eine textnahe Analyse und Interpretation Goethes "Werther"-Figur als Außenseiter der Gesellschaft.
Ein Sonderling oder ein Außenseiter ist jemand, der in seinem Verhalten von den sozialen Normen abweicht und sich nicht in die Gemeinschaft, in der er lebt, integrieren kann oder will und deswegen oft von den anderen Mitgliedern der Gesellschaft abgelehnt oder diskriminiert wird. Inwiefern diese Beschreibung auf Goethes Werther zutrifft, werde ich nun anschließend erörtern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Werthers Sicht auf die Gesellschaft
2.1. Werther als Natur- und Gefühlsmensch
2.2. Werther als unverstandener Sonderling
3. Werther in der Gesellschaft
3.1. Werther und die Arbeit
3.2. Werther in der Ständegesellschaft
3.3. Werther und die Liebe: Lotte
4. Werthers Selbstmord
5. Bezug zur Epoche des Sturm und Drang
6. Schlussfolgerung
7. Literaturverzeichnis:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Protagonisten in Johann Wolfgang von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ als Außenseiter der Gesellschaft. Dabei wird analysiert, inwiefern seine spezifische Gefühlswelt, seine Ablehnung bürgerlicher Konventionen und seine Unfähigkeit zur Integration in die Ständegesellschaft sein Handeln determinieren und letztlich in den Suizid führen.
- Werthers Selbstwahrnehmung als gefühlsbetonter Sonderling
- Konflikt zwischen individuellem Freiheitsdrang und gesellschaftlichen Normen
- Der Stellenwert von Arbeit und beruflicher Subordination im 18. Jahrhundert
- Die tragische Liebesbeziehung zu Lotte als Katalysator des sozialen Scheiterns
- Einordnung des Werther-Phänomens in die literarische Strömung des Sturm und Drang
Auszug aus dem Buch
2.1. Werther als Natur- und Gefühlsmensch
„Wie froh bin ich, daß ich weg bin!“5, das schreibt der junge Werther seinem Freund Wilhelm in einem Brief am 4. Mai 1771 und bringt damit seine Freude und Erleichterung zur Kenntnis, den erdrückenden menschlichen Beziehungen und Verantwortungen zu Hause entkommen zu sein. Werther ist wortwörtlich geflüchtet und hat den Auftrag seiner Mutter, die Tante wegen Erbschaftsangelegenheiten aufzusuchen, als willkommene Gelegenheit auf Zerstreuung und Ausflucht mit offenen Armen empfangen. Werther wurde es in den einengenden Schranken der Zivilisation nämlich viel zu eng und nun findet er sich an einem ruhigen, idyllischen Örtchen außerhalb eines städtischen Umfelds wieder. Im selben Brief schreibt er auch: „Übrigens befinde ich mich hier gar wohl, die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend […]. Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen ringsumher eine unaussprechliche Schönheit der Natur.“ (Werther, S. 6) Werther bringt hier deutlich seine Abneigung gegen das Leben in der Stadt im Unterschied zur Ruhe und paradiesähnlichen Idylle der Natur zum Ausdruck, die „köstlicher Balsam“ für sein Herz ist, welches sich nur wirklich im Alleinsein wohlfühlt. Werther flüchtet sich also aus der städtischen Gesellschaft in die selbsterwählte Isolation in der Natur, um die Einsamkeit zu genießen. Goethes Protagonist ist somit ein Einzelgänger, der sich wohl fühlt, wenn er sich von Menschenmassen und der gesellschaftlichen Welt abkapseln kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert Werther als Gefühlsmenschen und Sonderling, der durch seine Abweichung von sozialen Normen zum permanenten Außenseiter wird.
2. Werthers Sicht auf die Gesellschaft: Erläutert Werthers eskapistische Flucht in die Natur und sein Selbstverständnis als außergewöhnlicher Gefühlsmensch, der den vernunftorientierten Mitbürgern überlegen ist.
2.1. Werther als Natur- und Gefühlsmensch: Analysiert die Naturnähe als Quelle seiner Kreativität und die daraus resultierende verstärkte Subjektivität.
2.2. Werther als unverstandener Sonderling: Beschreibt die Diskrepanz zwischen Werthers leidenschaftlichem Handeln und dem starren gesellschaftlichen Korrekt, was zu gegenseitigem Unverständnis führt.
3. Werther in der Gesellschaft: Untersucht Werthers konkrete Interaktionsversuche mit der Umwelt und deren Scheitern.
3.1. Werther und die Arbeit: Beleuchtet das Unvermögen Werthers, sich dem bürgerlichen Erwerbsleben anzupassen, und seinen Versuch, durch eine Stelle bei der Gesandtschaft Lotte zu vergessen.
3.2. Werther in der Ständegesellschaft: Thematisiert die durch soziale Hierarchien bedingte Diskriminierung Werthers im adligen Umfeld.
3.3. Werther und die Liebe: Lotte: Arbeitet die obsessive, maßlose Natur seiner Liebe zu Lotte als zentrales, gesellschaftsfeindliches Element heraus.
4. Werthers Selbstmord: Betrachtet den Suizid als Konsequenz seiner Außenseiterrolle und als letzten Akt der Autonomie.
5. Bezug zur Epoche des Sturm und Drang: Verortet Werther als archetypischen Helden, der gegen die Vätergeneration und deren Konventionen rebelliert.
6. Schlussfolgerung: Fasst zusammen, dass Werther zwar teilweise selbst zur Isolation beiträgt, sein Tod jedoch die Unvereinbarkeit seiner Subjektivität mit der damaligen Gesellschaftsordnung unterstreicht.
7. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten primären und sekundären Quellen auf.
Schlüsselwörter
Goethe, Werther, Außenseiter, Sturm und Drang, Gefühlsmensch, Sonderling, Gesellschaftskritik, Suizid, Individuum, Subjektivität, Empfindsamkeit, Konventionen, Ständegesellschaft, Leidenschaft, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Stellung des Protagonisten Werther in Goethes Briefroman und untersucht, warum er als Außenseiter wahrgenommen wird und wie sich dieser Status entwickelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Begriffe Gefühlsmensch und Sonderling, die Dynamik zwischen Individuum und Gesellschaft, die Rolle der Natur sowie der Konflikt mit beruflichen und sozialen Pflichten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erörtern, inwiefern Werthers Handlungen, insbesondere sein Unvermögen zur sozialen Integration und seine radikale Subjektivität, ihn bewusst und unbewusst in die Rolle des gesellschaftlichen Außenseiters drängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär den Primärtext mit fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur verknüpft, um so eine soziologische und psychologische Einordnung des Charakters vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Werthers Sicht auf die Welt, seiner Probleme innerhalb der Arbeitswelt und Ständegesellschaft sowie eine tiefgehende Analyse seiner Liebesbeziehung zu Lotte und der anschließenden Suizidproblematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem Protagonisten „Werther“ vor allem „Außenseiter“, „Sturm und Drang“, „Gefühlsmensch“ und „gesellschaftliche Konventionen“.
Inwiefern spielt die Natur eine Rolle für Werthers Außenseitertum?
Die Natur dient Werther als Rückzugsort, der seine Introvertiertheit fördert und ihn gleichzeitig von seinen rationalen Mitmenschen entfremdet, da er hier eine eigene Gefühlswelt kultiviert, statt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Warum scheitert Werther bei seinem Versuch, als Gesandter zu arbeiten?
Sein Scheitern ist auf die Unvereinbarkeit seines emotionalen Wesens mit dem pflichtbewussten, rationalen Bürokratentum des Gesandten zurückzuführen, was in ihm ein Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit auslöst.
- Arbeit zitieren
- Naomi Berrend (Autor:in), 2020, Gefühlsmensch, Sonderling, Rebell. Goethes "Werther" als Außenseiter der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1318439