In der vorliegenden Hausarbeit soll daher exemplarisch das retroperspektive Wiederaufgreifen der Taten Peter Kürtens durch die (über-)regionale Tagespresse, im Zeitraum von 1930 bis 2021, untersucht werden. Dafür wurden Beiträge verschiedener Zeitungen stichprobenartig ausgewählt. Von diesen wird ausschließlich der schriftliche Teil analysiert. Dabei soll der Fragestellung auf den Grund gegangen werden, wieso die Fälle berühmter Gewaltverbrecher uns immer wieder in Tageszeitungen begegnen und ob sie dabei Konjunkturen oder Veränderungen unterworfen sind.
Im zweiten Kapitel, welches in thematische Unterkapitel geordnet und chronologisch aufgebaut ist, werden daher die Texte, nach einer kleinen Erklärung zur Stichprobenwahl, formal untersucht. Indem Zeitpunkt der Veröffentlichung, Platzierung und der Anlass für die Retroperspektive, sowie die Art und Weise des Erzählens, genauer beleuchtet werden. So wird bei Letzt genanntem ein besonderes Augenmerk auf inhaltliche Schwerpunkte, die Bezeichnung des Täters und sprachliche oder sonstige Auffälligkeiten in den Beiträgen gelegt. Im nachfolgenden dritten Kapitel wird eine zweite allgemein vergleichende Analyse aller Artikel stattfinden, die die Konjunkturen und Veränderungen ergründet. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Formale Textanalyse
2.1 Tagesaktuelle Berichterstattung
2.2 Teil einer Fallreihe
2.3 Kurze Rückblicke
2.4 Buchbesprechungen
2.5 Zeitzeugengespräch
3. Allgemein vergleichende Analyse
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärquellen
5.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht exemplarisch, wie die Tagespresse im Zeitraum von 1930 bis 2021 retrospektiv über die Taten des Serienmörders Peter Kürten berichtet. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Berichterstattung Konjunkturen unterworfen ist und ob sich in der medialen Darstellung eine Entwicklung hin zum Sensationalismus feststellen lässt, wobei der Fokus konsequent auf der Täterfigur liegt.
- Analyse der medialen Retroperspektive auf den Fall des "Vampirs von Düsseldorf"
- Untersuchung sprachlicher Auffälligkeiten und Bezeichnungen des Täters über neun Jahrzehnte
- Vergleichende Betrachtung von Print- und Online-Berichterstattung
- Kritische Reflexion der Kriminalberichterstattung und des Sensationalismus
Auszug aus dem Buch
2.1 Tagesaktuelle Berichterstattung
Beide Zeitungsberichte wurden in kurzen Abstand zueinander verfasst und bei beiden erfuhren die Reporte eine prominente, mittige und seiteneinnehmende Platzierung auf der dritten Seite. Der Beitrag im Jeverschen Wochenblatt wurde am 26. Mai 1930, zwei Tage nach der Verhaftung Peter Kürtens, publiziert. Er beschreibt, durch Unterüberschriften in Sinnabschnitte gegliedert, genauestens den Vorgang der Verhaftung und die dazugehörigen Hintergründe. Der zwei Tage später gedruckte Beitrag im Karlsruher Tagblatt, beschäftigt sich hauptsächlich mit den neuesten Erkenntnissen der polizeilichen Ermittlungen, die mit dem ersten Geständnis neuen Anstoß erfahren hatten. Wohingegen sich die Karlsruher Tagespresse einer nüchternen Sprache bediente und sich auf eine neutrale Schilderung der bekannten Tatsachen beschränkte. Hier wird Peter Kürten nur mit seinem Namen oder „Täter“, „Massenmörder“ angesprochen. Dies war zum Zeitpunkt der Erscheinung eine berechtigte Anrede, da ihm bereits mehrere Morde nachgewiesen waren.
Weist der zweite untersuchte Artikel, zwar augenscheinlich auf den ersten Blick, ebenfalls eine objektive Bezeichnung Peter Kürtens auf. Es wird in unterschiedlichen Kombinationen von einem „mutmaßlichem (Massen-) Mörder“ oder „Verhafteten“ gesprochen. Aber es lassen sich immer wieder Bezeichnungen wie „Bestie“, „Scheusal in Menschengestalt“ oder „Unhold“ finden. Dies sind Wörter mit einer eindeutig negativen Konnotation und können als eine Verunglimpfung der Person Peter Kürtens gesehen werden. Es müsste verglichen werden, wie zu dieser Zeit in anderen Zeitungen über andere Gewalttäter berichtet wurde, um heraus finden zu können, ob eine solche Wortwahl der übliche Stil war. Auffällig ist, dass man keinen der später gängigen Titel, wie „Werwolf bzw. Vampir von Düsseldorf“, in den Texten von 1930 findet. Ebenso misst man genauere Details zu den Tathergängen. Diese wurden der Polizei mittels Geständnisses mitgeteilt, aber scheinbar nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Fall Peter Kürten und Zielsetzung der Untersuchung der medialen Retroperspektive von 1930 bis 2021.
2. Formale Textanalyse: Untersuchung ausgewählter Zeitungsberichte, unterteilt in thematische Kategorien wie aktuelle Berichterstattung, Fallreihen, Rückblicke, Buchbesprechungen und Zeitzeugengespräche.
3. Allgemein vergleichende Analyse: Synthese der Ergebnisse zur Identifikation von Konjunkturen, narrativen Mustern und der Rolle des Sensationalismus in der Berichterstattung.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die eine Abnahme der journalistischen Tiefe und eine Stärkung voyeuristischer Interessen feststellt.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der herangezogenen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Peter Kürten, Vampir von Düsseldorf, Serienmörder, Tagespresse, Kriminalgeschichte, Retroperspektive, Medienanalyse, Sensationalismus, Fallreihe, True Crime, Zeitungsarchiv, Berichterstattung, Deutschland, Weimarer Republik, Journalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die deutsche Tagespresse über einen Zeitraum von etwa 90 Jahren retrospektiv über den Serienmörder Peter Kürten berichtet und welche mediale Entwicklung dabei sichtbar wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die zeitliche Spanne der Berichterstattung, der Wandel von Bezeichnungen und Narrativen sowie der Vergleich zwischen Printmedien und modernen Online-Formaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Konjunkturen und Veränderungen in der journalistischen Verarbeitung des Falls zu ergründen und kritisch zu hinterfragen, ob sich der Fokus hin zu einer sensationalistischen Darstellung verschoben hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Verfasser nutzt eine exemplarische Textanalyse von stichprobenartig ausgewählten Zeitungsartikeln, um die formale und inhaltliche Gestaltung der Berichte zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formalorientierte Analyse verschiedener Artikeltypen wie Rückblicke und Buchbesprechungen sowie eine allgemein vergleichende Analyse der gefundenen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Peter Kürten, Vampir von Düsseldorf, Kriminalberichterstattung, Medienanalyse und Sensationalismus.
Inwiefern hat sich die Bezeichnung des Täters im Laufe der Jahrzehnte gewandelt?
Während zeitgenössische Berichte 1930 noch sehr sachlich oder mit negativen Schlagworten arbeiteten, etablierte sich der Beiname „Vampir von Düsseldorf“ erst später breiter; aktuell sind zudem Begriffe wie „Serienkiller“ neu hinzugekommen.
Welche Rolle spielt das Medium Internet bei der heutigen Darstellung des Falls?
Der Internet-Journalismus ermöglicht durch Online-Abrufe eine einfache Neuauflage alter Geschichten, wobei das Streben nach Klicks oft journalistische Sorgfalt oder neue Erkenntnisse verdrängt.
- Arbeit zitieren
- Felix Lodermeier (Autor:in), 2022, Massenmörder und Massenmedium Zeitung. Untersuchung der Retroperspektiven des Falls Peter Kürtens in der Tagespresse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1319140