Thomas Buddenbrook: Untersuchung eines Charakters


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 „Buddenbrooks“: Themen und Figuren im Roman

3 Die Figur von Thomas Buddenbrook im Roman

4 „Was ist der Erfolg?“

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Thomas Buddenbrook ist einer der Protagonisten im T. Manns Roman „Budden­brooks“. Wie keine andere Figur im Roman verkörpert er die Dekadenz, den ge­schäftlichen und seelischen Niedergang der Familie. In der vorliegenden Arbeit un­ternehme ich den Versuch, mich mit der Entwicklung von Thomas’ Charakter aus­einander zu setzen und den allmählichen Verfall seiner Persönlichkeit zu analysieren. Dabei soll vor allem eine Antwort auf die folgende Frage gefunden werden: Inwie­weit trägt die zunehmende Reflexivität und Sensibilisierung zur Schwächung und schließlich zur Zerstörung von Thomas’ Persönlichkeit bei? Dieser Aspekt bildet den Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.

2 „Buddenbrooks“: Themen und Figuren im Roman

In seinem weltberühmten Roman „Buddenbrooks“ schildert Thomas Mann die Ge­schichte des Verfalls einer reichen kaufmännischen Familie aus Lübeck. Die Hand­lung erstreckt sich über fast vierzig Jahre (von 1835 bis 1877) und umfasst das Leben von vier Generationen. Die Zentralfiguren im Roman sind die Mitglieder der Familie Buddenbrook: der alte Johann Buddenbrook, sein Sohn Jean und seine Schwieger­tochter Elisabeth, seine Enkel Thomas, Antonie, Christian und Clara sowie seine Urenkel: Thomas’ Sohn Hanno und Antonies Tochter Erika. Auch andere Figuren spielen im Roman eine bedeutende Rolle, die ewigen Rivalen von Buddenbrooks Hagenströms, Antonies Ehemänner Herr Grünlich und Herr Permaneder, Thomas’ Ehefrau Gerda, die Dienstfrau Ida Jungmann u.a.

Einer der „Protagonisten“ im Roman ist die Getreidefirma „Johann Buddenbrook“, gegründet 1768 vom Vater des alten Johann Buddenbrook. Die Zukunft und das Ge­deihen der Firma stehen im Mittelpunkt der Familiengeschichte und bestimmten nicht selten das Schicksal der Familienmitglieder. Alle ihre persönlichen Wünsche und Ziele werden der Firma dermaßen untergeordnet, dass es einer „freiwilligen Ver­sklavung“ gleicht, die Identifikation mit der Firma ist so stark, dass ihr Untergang gleichzeitig den Untergang der Familie bedeutet.

Der Roman beginnt mit der Einweihung des neuen Hauses der Buddenbrooks. Es ist die „goldene Zeit“ der Familie, in der sie den Höhepunkt des geschäftlichen und ge­sellschaftlichen Erfolgs erreicht hat, nicht zuletzt dank dem Familienoberhaupt, dem alten Johann Buddenbrook.

Der alte Johann Buddenbrook ist ein Vertreter der ersten Generation. Er verfügt über eine große Vitalität und hat eine starke, integre Persönlichkeit, die unter den Schlä­gen des Schicksals resistent geblieben ist. Er reflektiert nicht viel über die Vergan­genheit, ist ein Mann der Tat und steht „mit beiden Beinen in der Gegenwart“ (S. 54, II, 1).

In der zweiten Generation, die im Roman vor allem in der Gestalt von Konsul Jean repräsentiert ist, geht diese Integrität und Lebenskraft allmählich verloren. Jean Bud­denbrook, der an die Stelle seines Vaters als Firmen- und Familienoberhaupt tritt, ist viel mehr als dieser den Zweifeln zugänglich. Sensibel und sentimental von Natur aus, wendet er sich der Religion und der Frömmigkeit zu, die er auf eine naive, etwas kindliche Art lebt. Wie sein Vater ist Jean ein tüchtiger und ziemlich erfolgreicher Geschäftsmann, jedoch sind die Quellen, aus denen die beiden ihre Kraft schöpfen, unterschiedlich. Wenn der alte Johann seinen Erfolg der eigenen vitalen Energie, dem unerschütterlichen Vertrauen in sich selbst und seine Stärke verdankt, so wur­zeln Jeans Lebenskraft und Tüchtigkeit in seinem Glauben an Gott. Anders als sein Vater ist er ein Nachdenker, der sich der Tradition und der Vergangenheit der Fami­lie bewusst ist und es als seine Pflicht erachtet, dem Vermächtnis seines Großvaters zu folgen: „Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können“ (S. 174, IV, 1). In der Gestalt von Jean zeichnet sich der erste, noch nicht deutlich erkennbare Bruch zwischen seinem persönlichen und kaufmännischen „Ich“ ab. Dieser Bruch führt noch nicht zu einem inneren Konflikt, da Jean seine christliche Seite nicht als unvereinbar mit seiner Tä­tigkeit empfindet. Jedoch ist jener Zwiespalt in seiner Persönlichkeit bereits vorhan­den, der in den nächsten zwei Generationen ein zerstörerisches Ausmaß annehmen wird.

Zu der dritten Generation der Familie gehören Jeans Kinder Thomas, Antonie, Christian und Clara. Jede von diesen Figuren ist tragisch auf ihre Art, jede trägt in sich ein Anzeichen des Verfalls. In der dritten Generation kiommt zum ersten Mal die Schwächung der Persönlichkeit deutlich zum Ausdruck, indem sie sich in den überspitzten Charaktereigenschaften der jungen Buddenbrooks widerspiegelt. Es ist eine zu starke Identifikation mit dem Namen Buddenbrook und der Firma bei Tony, der Drang zum makellosen Aussehen bei Thomas, eine krankhafte, bisweilen ins Komische übergehende Besorgnis um seine eigene Gesundheit bei Christian und eine strenge, fast düstere Devotion bei Clara.

Die Lebensgeschichte von Tony Buddenbrook ist vor allem durch ein „Über-Ich“ determiniert, dem sie ihre eigene Persönlichkeit unterwirft. Sie versteht sich vor al­lem als eine Buddenbrook, als Angehörige einer angesehenen Patrizierfamilie, der sie zu einem noch größeren Erfolg verhelfen muss, auch wenn es sie ihr eigenes Glück kostet. Bereits als Kind ist Tony sich dieser Angehörigkeit bewusst, was in der betonten Würde in ihrem Auftreten zum Ausdruck kommt. Als Vertreterin einer Fa­milie mit Tradition, verachtet sie die neureiche Kaumannsfamilie Hagenström, die zum Rivalen der Buddenbrooks geworden ist. In jeder Lebenssituation verhält sie sich so, wie es nach ihrem Verstehen einer Buddenbrook zukommt, indem fast jeder ihrer Auftritte einer Inszenierung gleicht. Nur einmal im Leben macht Tony Erfah­rung mit sich selbst, als sie sich in einen Jungen aus einfachen Verhältnissen ver­liebt. Jedoch ist ihr bewusst, dass eine solche Heirat den Erwartungen ihrer Familie nicht entsprechen würde, deshalb verzichtet sie auf eigene Wünsche und heiratet pflichtbewusst einen von den Eltern für sie bestimmten Mann. Tony scheitert, weil sie in ihrem Bestreben, dem Namen Buddenbrook gerecht zu werden, auf ihre eigene Persönlichkeit verzichtet hat. Sie kann den an sie gerichteten Erwartungen sowie ihren Anforderungen an sich selbst trotz aller Mühe nicht genügen, weil sie dafür ihre Natur unterdrücken muss. Das Bewusstsein der eigenen Unfähigkeit, zur Prospe­rität der Familie beizutragen, schwächt Tonys Lebenskraft, so dass sie schließlich, resigniert, alle Hoffnungen auf ihre Tochter und ihren Bruder Thomas verlagert.

Das Thema des Konflikts zwischen der eigenen Persönlichkeit und den Anforderun­gen des Lebens, der Bürgerlichkeit zieht wie ein roter Faden durch den Roman. Der ständige Kampf zwischen dem „Ich“ und der Verpflichtung zur bürgerlichen Tüch­tigkeit beginnt bereits bei Jean Buddenbrook, erreicht bei Thomas den Höhepunkt und lässt bei Christian nach, indem der Letzte auf diesen Kampf fast völlig verzichtet und seine Natur die Oberhand gewinnen lässt.

Christian ist das schwarze Schaf der Familie, ein Taugenichts, der keinen Hehl dar­aus macht, dass die Bürgerlichkeit seinem Wesen fremd ist. Bereits als Kind ist er ein Spaßmacher, ein Clown, der die Leute gern unterhält, indem er andere nachahmt. Er hat eine gewisse künstlerische Begabung, interessiert sich für das Theater und steht gern im Mittelpunkt. Jedoch fehlen ihm die Kraft und der Wille um selbst Künstler zu werden. Sein Verlangen nach Aufmerksamkeit befriedigt er im Kreis seiner Bekannten und seiner Familie, indem er Geschichten erzählt, die manchmal nicht lustig, sondern komisch und peinlich wirken. Seine übersteigerte Sensibilität, die ins Krankhafte, ja ins Hypochondrische übergeht, ist auch ein Mittel, die allge­meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Christian leidet gern und beschwert sich ständig über Schmerzen, die eher psychosomatischer als physiologischer Natur sind. Mit seinem Benehmen zerstört er alle Konventionen, überschreitet die Grenzen der Anständigkeit und macht sich abstoßend für seine Familienangehörigen. Was sie aber so abstoßend an ihm finden, ist nichts anderes als die Auslebung seiner eigenen Natur, sein offenes Geständnis der Unfähigkeit, pflicht- und verantwortungsbewusst zu leben. Jedoch fehlt Christian die Kraft, seine Natur gegen die Konventionen zu behaupten, sie und seinen Lebensstil zu verteidigen. Er empfindet sich selbst als schwach und mangelhaft, ist aber nicht in der Lage, etwas daran zu verändern. Diese Zerrissenheit, die Anfälle der Melancholie und der hektischen Aufregung, verstärkt durch den Schwund der Lebenskraft führen dazu, dass Christian in einer „Anstalt“ für Nervenkranke endet. Diese Lebensunfähigkeit erreicht seinen Höhepunkt in Gestalt von Hanno, Christians Neffen, Sohn von Thomas Buddenbrook.

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Details

Titel
Thomas Buddenbrook: Untersuchung eines Charakters
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Proseminar "Thomas Mann: Buddenbrooks"
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V131936
ISBN (eBook)
9783640378234
ISBN (Buch)
9783640378678
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas, Buddenbrook, Untersuchung, Charakters
Arbeit zitieren
M.A. Schuster Natallia (Autor), 2007, Thomas Buddenbrook: Untersuchung eines Charakters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131936

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