Vokale Signale im Bereich nonverbaler Kommunikation am Beispiel von Vorstellungsgesprächen


Hausarbeit, 2009
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 NICHTSPRACHLICHE MOMENTE IN DER KOMMUNIKATION
2.1 WAS IST NONVERBALE - WAS IST VERBALE KOMMUNIKATION?
2.2 DIE SIGNALE DES KÖRPERS: KÖRPERSPRACHE UND IHRE EINZELNEN ELEMENTE
2.3 GESCHLECHTLICHE UNTERSCHIEDE
2.4 KULTURELLE UNTERSCHIEDE UND UNIVERSALITÄT NONVERBALER SIGNALE

3 VOKALE ASPEKTE DER NONVERBALEN KOMMUNIKATION: DIE PARALINGUISTIK
3.1 PARALINGUISTIK: EINE BEGRIFFSKLÄRUNG
3.2 VOKALE LAUTÄUßERUNGEN OHNE INHALT (STÖHNEN, SEUFZEN, GÄHNEN. LACHEN)
3.3 MERKMALE DER STIMME
3.3.1 Dialekt/ ausländischer Akzent/ Soziolekte
3.3.2 Lautstärke/ Deutlichkeit/ Stimmvolumen/ Stimmfarbe
3.3.3 Sprechtempo
3.3.4 Sprechpausen
3.3.5 Rhythmus
3.3.6 Stimmbewegungen

4 FAZIT: DIE BEDEUTUNG DER VOKALEN NONVERBALEN SIGNALE IN VORSTELLUNGSGESPRÄCHEN

LITERATURVERZEICHNIS

GLOSSAR

1 Einleitung

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ (WATZLAWICK1)

Schon PAUL WATZLAWICK vertrat die Ansicht, dass jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat, denn sobald sich zwei Personen wahrnehmen können, kommunizieren sie miteinander - auch nonverbal und unbewusst - und treten somit in eine Interaktion miteinander. So kommuniziert jeder Mensch nonverbal; keiner kann sich dem entziehen. Das nonverbale Verhalten anderer Menschen ist eine Informationsquelle, auf die der Mensch sich stützt. Durch diese nonverbale Kommunikation werden Emotionen kodiert oder ausgedrückt, Persönlichkeitseigenschaften kommuniziert und der verbale Ausdruck erleichtert und reguliert. Aber nicht jeder ist in der Lage, gleich gut nonverbal zu kommunizieren. Abhängig ist dies vom Alter, dem Geschlecht oder dem sozialen Status. So gibt es auch kulturelle und geschlechtliche Unterschiede innerhalb der nonverbalen Kommunikation. Dabei kommt es aber nicht nur auf Aspekte, wie Mimik, Gestik oder Körperhaltung an, auch Pausen beim Sprechen, der jeweilige Dialekt oder das Sprechtempo können viel über eine Person und seine Charakterzüge aussagen.

Bedeutend ist die nonverbale und vokale Interaktion im aktuellen Kontext auch in Vorstellungsgesprächen. Auch hier geschieht sie unbewusst und lässt sich schwer steuern und definieren. So ziehen beispielsweise Mitarbeiter der Personalabteilung bei der Personalentscheidung Schlüsse, die sie kaum begründen können, deren Grund aber bei der divergenten nonverbalen Kommunikation des Bewerbers liegt. Hier zeigt sich unter anderem, dass das Wissen über nonverbales Verhalten und deren Wahrnehmung und Interpretation nicht primär im Bewusstsein des Menschen verankert ist.

Da das Thema der nonverbalen Kommunikation in seiner Komplexität zu umfangreich ist, kann in dieser Arbeit nur ein kleiner Einblick darüber gegeben werden.

Doch zunächst gebe ich einen Überblick über den Bereich der nonverbalen Kommunikation und werde dabei die Begriffe verbal und nonverbal gegeneinander abgrenzen. Anschließend gehe ich auf die Körpersprache näher ein. Hierbei betrachte ich die Signale des Körpers sowie einzelne Elemente, wie Mimik, Gestik, Abstand oder Kleidung näher. Folgend stelle ich die Frage nach kulturellen Unterschieden in der nonverbalen Kommunikation. Dabei diskutiere ich eine vorherrschende Universalität in Bezug auf einzelne Elemente der Körpersprache und ihre spezifischen Interpretationen.

Im Anschluss daran gehe ich auf Geschlechterunterschiede hinsichtlich antagonistischer2 körperlicher Signale ein.

Mein Hauptaugenmerk in dieser Arbeit liegt bei den vokalen Aspekten der nonverbalen Kommunikation. In diesem Kapitel findet zunächst eine Begriffsklärung für den Teilbereich „vokale Aspekte“ statt. Beschreiben lässt sich dieser Bereich als Paralinguistik in dem unter anderen vokale Geräusche, wie beispielsweise Stöhnen oder Gähnen mit eingebunden sind. Doch auch die Art und Weise, wie etwas gesprochen wird, fällt in das Gebiet der nonverbalen Kommunikation. Hierbei werden beispielsweise der Dialekt, das Sprechtempo oder die Stimmbewegung näher betrachtet. Oftmals werden so schon Charaktereigenschaften und Gemütszustände unbewusst preis gegeben.

Im abschließenden Fazit werde ich zunächst das Zusammenspiel von verbaler und nonverbaler Kommunikation aufzeigen und klären, welche der beiden Kommunikationsarten den größeren Einfluss auf unsere tägliche soziale Interaktion mit anderen Menschen hat. Am Schluss weise ich noch einmal nach, welche Einflüsse vokale Aspekte auf ein Vorstellungsgespräch haben und wie eine ideale Verhaltens- und Interaktionsweise des Bewerbers erfolgen kann.

Für die Klärung von diversen Begrifflichkeiten, die jedoch den Umfang dieser Arbeit sprengen würden, habe ich mich für ein Glossar am Ende der Hausarbeit entschieden. Begriffe, die dort näher erläutert werden, sind im Text mit einer verweisenden Fußnote gekennzeichnet.

2 Nichtsprachliche Momente in der Kommunikation

In diesem Teil der Arbeit geht es darum, einen kurzen Überblick über nichtsprachliche Momente in der Kommunikation zu geben. Dabei werden als erstes nonverbale Kommunikation und verbale Kommunikation als Begrifflichkeiten abgegrenzt und dargestellt, welche Funktionen und Aufgaben sie zu erfüllen haben. Folgend werden die Körpersprache und ihre einzelnen Elemente in Augenschein genommen. Anschließend betrachte ich zwei, für mich sehr interessant erscheinenden Perspektiven der nonverbalen Kommunikation. Dabei werde ich auf kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowie auf die geschlechtsspezifische nichtsprachliche Kommunikation eingehen. Schlussfolgernd daraus kann eine vorhandene Universalität von nonverbalen Elementen im Bereich der Kommunikation diskutiert werden.

Doch zunächst einmal die Frage: Was ist Kommunikation3?

Zum Begriff Kommunikation4 besteht keine allgemein gültige Definition, da jede Sicht- und Herangehensweise zu unterschiedlichen Begriffsbildungen führt, die willkürlich geschieht. Die Lexikonreihe „BROCKHAUS“ definiert Kommunikation als „Austausch, Verständigung, der Prozess der Übermittlung und Vermittlung von Information durch Ausdruck und Wahrnehmung [...] von Zeichen aller Art, systematisch einzuordnen auf einer biophysischen Ebene (körperliche Berührungen und Affekte wie Lachen oder Weinen), einer motorischen Ebene (Körperhaltung, Mimik, Gestik), einer lautlosen (Geräusch und Sprache) und einer technischen Ebene (Medien).“ (Brockhaus 1990, S. 211). Nach FRINDTE ist Kommunikation im Bereich der Kommunikationspsychologie „ein sozialer Prozess, in dessen Verlauf sich die beteiligten Personen wechselseitig zur Konstruktion von Wirklichkeit anregen.“ (Frindte 2001, S.17). WATZLAWICK´S erstes Axiom5 „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ besagt, dass alles Verhalten in Gegenwart eines Zweiten kommunikativ ist. Somit ist es unmöglich, nicht zu kommunizieren. (vgl. Delhees 1994, S.14). Zudem hat WATZLAWICK vier weitere Axiome6 der menschlichen Kommunikation aufgestellt.

Kommunikation kann dabei einseitig, gegenseitig, direkt oder indirekt verlaufen. Da der Mensch in der Regel mehrere Dinge gleichzeitig tut, ist auch die soziale Kommunikation multifunktional.

SCHULZ VON THUN7 hat ein Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation entwickelt, die sogenannte „Anatomie einer Nachricht“. Nach diesem Modell hat jede Nachricht vier Seiten: die Seite des Sachinhalts, die Selbstoffenbarung, die Beziehungsseite und der Appell. Mit Hilfe dieses Konzepts ist es möglich, Mitteilungen zu analysieren und gegebenenfalls Kommunikationsstörungen offenzulegen. (vgl. Delhees 1994, S. 31)

Eine Kommunikation kann dann als erfolgreich gelten, wenn die Interaktionspartner ihre Situationsdefinition sowie ihre Vorstellungen vom gegenwärtigen Kontext aufeinander abstimmen konnten und sich somit verstanden haben. (vgl. Delhees 1994, S. 11).

Die Personenwahrnehmung8 ist ein wichtiger Bestandteil der sozialen Kommunikation. Eine Voraussetzung, um andere Personen wahrnehmen9 zu können, ist die Ausbildung eines Selbstkonzeptes. Denn unser Selbst10 hat wiederum entscheidenden Einfluss auf unser Kommunikationsverhalten. DELHEES stellt dazu fest, dass zwischen Wahrnehmung und Kommunikation eine Wechselwirkung besteht, dass heißt die Wahrnehmung beeinflusst die Kommunikation und die Kommunikation verändert die Wahrnehmung. (vgl. Delhees 1994, S. 89). Die Beurteilung einer Person ist stark von den ersten Eindrücken des Wahrnehmenden bestimmt. Dafür werden die eigenen Leistungen und das Selbstkonzept benutzt. Sie werden als Maßstab für die Beurteilung anderer eingesetzt, so stellt BIERHOFF fest. Das Selbstschema ist stabil und konstant über die Zeit. Aus diesem Grund haben die ersten Eindrücke und Wahrnehmungen einer Person nachhaltige Wirkung, und nachfolgenden Informationen wird weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Bei späteren Eindrücken, wird die Wahrnehmung differenzierter, da sich Personen im Verlauf der Zeit besser kennen lernen. Der erste Eindruck verliert mehr und mehr an Bedeutung, und auch das Selbstschemata kann sich dadurch beeinflussen lassen und verändern. Die Eindrucksbildung, das Selbstkonzept und die soziale Interaktion bilden ein Dreieck, bei dem durch Veränderungen auf einer Seite auch Veränderungen auf den anderen beiden Seiten hervor gerufen werden (vgl. Delhees 1994, S. 100/101; Bierhoff 2000, S.221).

2.1 Was ist nonverbale - was ist verbale Kommunikation?

Eine Grundlage für diese Arbeit ist die Klärung der Begriffe nonverbale und verbale Kommunikation, die an dieser Stelle stattfindet. Da das Thema diese Arbeit die nonverbale Kommunikation ist, wird diese vordergründig beleuchtet und charakterisiert.

Nonverbale Kommunikation ist mit der verbalen Kommunikation eng verbunden, denn nonverbale Signale können das Verbale unterstreichen, betonen, ersetzen, ihm widersprechen oder es abschwächen. Wenn wir beispielsweise beschreiben wollen, wie groß der geangelte Fisch war, nehmen wir die Hände dazu. ARGYLE sagt dazu, dass das Sprechen durchweg von nonverbalen Signalen begleitet ist. (vgl. Argyle 2002, S.17).

Verbale Kommunikation

Die Form der Verständigung im Bereich der verbalen Kommunikation erfolgt auf digitaler Basis mittels willkürlicher, konkreter Zeichen, die nach bestimmten Regeln (Grammatik) kombiniert sind. In diesem Rahmen existiert nur eine begrenzte Anzahl von Lauten, die durch eine korrekte Verwendung verständlich sind und Sinn ergeben. Über die verbale Kommunikation werden kognitive Informationen weiter gegeben, mit denen die Außenwelt beschrieben werden kann. So können beispielsweise Angaben über Menschen, öffentliche Geschehnisse und Gegenstände gemacht werden. Es gibt einen klaren Anfang sowie ein eindeutiges Ende. Auch kann die verbale Kommunikation jederzeit unter- oder abgebrochen werden. Die Länge sowie die Pausen sind bestimmbar. Die verbale Kommunikation kann bewusst gesteuert werden, ist somit planbar und kann durchaus Lügen enthalten. (vgl. Unbekannter Autor)

Nonverbale Kommunikation

Die nonverbale Kommunikation dagegen verständigt sich auf analoger Ebene, enthält reale Zeichen und übernimmt Aufgaben, zu denen die verbale Kommunikation nicht fähig ist. Sie besitzt keine einheitlichen Strukturregeln und hat keine festgelegte Verhaltensabfolge. Ihre Interpretation kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. In diesem Zweig der Kommunikation werden Gefühle und Einstellungen gegenüber Personen und allgemein im zwischenmenschlichen Bereich geäußert. Solange sich Menschen wahrnehmen, besteht nonverbale Kommunikation. Im Vergleich zur verbalen Kommunikation existiert bei der nonverbalen Kommunikation kein konkreter Anfang und kein konkretes Ende. Die nonverbale Kommunikation geschieht größtenteils unbewusst, sie ist schwer steuerbar und reagiert meist spontaner. Durch die Körpersprache können Menschen ihre Lügen leichter verraten. Aus diesem Grund gilt die nonverbale Verständigung als intuitiver und glaubwürdiger. (vgl. Delhees 1994, S.131)

BÜHRIG und SAGER stellen erste wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Bereich der nonverbalen Kommunikation mit Darwins Arbeit „Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren“ von 1872 fest. Weitere Möglichkeiten, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, sehen sie in der Arbeit von Efron von 1941. Ebenso Pioniere auf diesem Gebiet sind Ekman und Friesen mit ihren Arbeiten zur Gestik und später zur Mimik sowie Birdwhistell, der seine Forschungen in diese Richtung als Kinesik charakterisierte. Wie BÜHRIG und SAGER weiter ausführen, erlebt die Kommunikationsforschung in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts einen deutlichen Aufschwung. Dabei wurden immer mehr Aspekte in diese Forschungsrichtung mit aufgenommen. So zum Beispiel Untersuchungen zur Körperhaltung, Distanzverhalten oder Blickkontakt. (vgl. Bührig/Sager 2005, S.6)

DELHEES stellt fest, dass ein Drittel der Kommunikation auf verbaler Ebene und zwei Drittel auf nonverbaler Ebene vollzogen werden. (vgl. Delhees 1994, S. 131). Dabei stellt die Gesamtheit der nonverbalen und verbalen Kommunikation die Art und Qualität der Beziehung der Kommunikationspartner dar. (ebd., S. 129). Verhaltensweisen nonverbaler Art können auch Hinweise geben auf Emotionen, die Einstellung zu sich und zum eigenen Körper oder auf falsche und verschwiegene Informationen geben. (vgl. Oschmann 1986, S.6)

Nonverbale Signale lassen sich in eine Vielzahl von Kategorien einteilen, zum Beispiel in Gestik, Mimik oder Körperhaltung. Diese werden im nächsten Punkt erörtert.

2.2 Die Signale des Körpers: Körpersprache und ihre einzelnen Elemente

Wie erwähnt, hat die nonverbale Kommunikation viele Teilgebiete, die bereits einzeln erforscht wurden. Folgend wird ein kurzer Überblick über diese Bereiche gegeben. Hinzu zählen Mimik, Blickkontakt, Gestik, Körperhaltung, Distanzverhalten/ räumliches Verhalten sowie Kleidung.

[...]


1 siehe Glossar „Watzlawick“

2 antagonistisch: unterschiedlich

3 siehe Glossar „Kommunikation“

4 lat. communicatio: Verbindung, Mitteilung

5 Axiom: festgelegter Grundsatz einer Theorie

6 Siehe Glossar „Watzlawick“

7 Siehe Glossar „Schulz von Thun“

8 Siehe Glossar „Personenwahrnehmung“

9 Siehe Glossar „Wahrnehmung“

10 Siehe Glossar „Selbst“

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Vokale Signale im Bereich nonverbaler Kommunikation am Beispiel von Vorstellungsgesprächen
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
33
Katalognummer
V131938
ISBN (eBook)
9783640378241
ISBN (Buch)
9783640378685
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nonverbal, Kommunikation, vokal, Signal, Vosrtellungsgespräch, Bewerbungsgespräch
Arbeit zitieren
Franziska Marr (Autor), 2009, Vokale Signale im Bereich nonverbaler Kommunikation am Beispiel von Vorstellungsgesprächen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131938

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