Außerschulischer Lernort am Oberrhein: Das Römermuseum Stettfeld

Einblicke in die Blütezeit des Handwerks und Handels am Beispiel einer römischen Siedlung


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Der Oberrhein
3.1 Geographische Lokalisierung
3.2 Zur Zeit des Imperium Romanums

4. Stettfeld: Leben und Arbeiten
4.1 Römische Siedlungen
4.2 Straßennetze
4.3 Zentrum des Töpferei- und Ziegeleigewerbes

5. Römermuseum Stettfeld
5.1 Gang durch das Museum
5.2 Kritisch betrachtet: positive und negative Aspekte

6. Fachdidaktisches Material für einen Museumsbesuch
6.1 Einordnen in den Bildungsplan 2004
6.2 Arbeitsblatt
6.3 Arbeitsblatt

7. Schlussbetrachtung

8. Quellenverzeichnis
8.1 Bibliographie
8.2 Internetquellen
8.3 Bildverzeichnis

1. Vorwort

Das vorliegende Thema trägt den Titel: Außerschulischer Lernort am Oberrhein – Das Römermuseum Stettfeld. Einblicke in die Blütezeit des Handwerks und Handels am Beispiel einer römischen Siedlung. Der Schwerpunkt liegt also auf der Alltagskultur römischer Kleinsiedlungen im Oberrheingebiet und stützt sich hierbei auf die durch Ausgrabungen gewonnenen Erkenntnisse der römischen Siedlung von Stettfeld, einem Ortsteil von Ubstadt- Weiher. Eingebettet in die Veranstaltung Außerschulische Lernorte - Leben und Arbeiten am Oberrhein des Wintersemesters 2008 / 2009 reflektiert die vorliegende Arbeit einen kleinen Teil der weitläufigen historischen Betrachtungsebene. Der Fokus liegt zum einen auf den Entstehungshintergründen der römischen Siedlung bei Stettfeld und zum anderen auf den wirtschaftlichen Aspekten, die mit der Entwicklung der Siedlung Hand in Hand gehen. Beispielgebend stehen hierbei die begünstigten Straßenknotenpunkte und das blühende Handwerk zur Herstellung von Gebrauchskeramik im Vordergrund. Das Römermuseum Stettfeld entstand Mitte der 80er Jahre zur musealen Nutzung der gut erhaltenen Fundmaterialien und stellt noch heute einen Anziehungspunkt für Familien, Schulklassen und Touristen dar. Das Museum selbst wird vom Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V. unterstützt und von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. In diesem Sinne gilt der Dank Klaus Höfer vom Freundeskreis Römermuseum, der uns eine interessante und aufschlussreiche Einführung in die Ausstellung geboten hat.

Die Wahl des Themas fiel uns leicht, da im gleichen Semester die Veranstaltung Das Altertum stattfand und wir hofften, hierbei Verknüpfungen zu unserer Thematik herzustellen zu können.

2. Einleitung

„Geschichte vor Ort aufsuchen“1 versteht sich als ein neuer Leitgedanke der modernen Geschichtsdidaktik. Der außerschulische Lernort als Zugang zum historischen Lernen und Erfahren steht im Zentrum des Interesses zahlreicher geschichtsdidaktischer Werke. Die Idee ist es, Schülerinnen und Schüler anhand von außerschulischen Lernorten elementare Einsichten in die Erarbeitung historischer Erkenntnisse2 zu ermöglichen. Es gilt, den Blick des Lernenden auf die regionale Vergangenheit anhand einer noch heute teilweise sichtbaren Wirklichkeit3 zu schärfen. Die Begegnung mit realen historischen Objekten aus der Heimat findet zum Beispiel an historischen Stätten oder in Museen statt. Das regionale Lernen4 im Museum leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturhistorischen Verständnis der jungen Heranwachsenden und kann dort Neuzugänge schaffen, wo der Unterricht in der Schule an seine Grenzen stößt. Ausgehend von dieser Erkenntnis stellt sich nun die Aufgabe, den Schulunterricht praxisorientierter zu gestalten. Das Museum als außerschulischer Lern- und Erfahrungsort ist einer von vielen Ansätzen.

Basierend auf diesen Leitgedanken werden auf den folgenden Seiten Einblicke in die historischen Wurzeln des baden-württembergischen Stettfeld gewährt. Diese sind in einer römischen Siedlung zu finden deren eindrucksvolle Überreste bei Ausgrabungen in den 80er Jahren archäologisch analysiert und ausgewertet wurden. Die bescheidene antike Sammlung ist seither im nördlich von Karlsruhe gelegenen Römermuseum Stettfeld zu bewundern. Nach einem unabdingbaren Blick auf die Region des Oberrheins und ihrer Bedeutung zur Zeit des Römischen Reiches, folgt eine tiefere Auseinandersetzung mit der Stettfelder Handwerkskultur und der begünstigten Verkehrslage der Siedlung. Des Weiteren wird ein Gang durch das Museum geschildert und kritisch beleuchtet. Anschließend wird ein fachdidaktischer Teil schulpraxisorientierte Anregungen für den Geschichtsunterricht anhand von Arbeitsblättern geben, bevor eine persönliche Stellungnahme und Einschätzung zum Thema die Ausführung abschließt.

3. Der Oberrhein

3.1 Geographische Lokalisierung

Als Oberrhein wird heute ein ca. 350km langer Abschnitt des Rheines zwischen Basel und Bingen bezeichnet. Diese Region setzt sich aus vier Teilgebieten zusammen: Das Elsass, die Nordwestschweiz, die Südpfalz und Baden. Die Gesamtfläche dieser Region beträgt 21.500km² und ist mit 5,7 Mio Einwohnern besiedelt (Stand 2001). Das Elsass hat mit 38,5% den größten Flächenanteil, dicht gefolgt von Baden mit 37,8%, während auf die Nordwestschweiz 16,7 % und die Südpfalz 7 % der Gesamtfläche entfallen.5

Als Nahrungs- und Arbeitsquelle sowie als Transportweg war der Rhein von jeher für die dort lebenden Menschen von großer Bedeutung.

Das Rheinland war vom Altpaläolithikum an besiedelt. Bereits in der Bronzezeit, die um 1800 v. Chr. beginnt, zeigt sich, wie wichtig der Rhein als Transportweg war. Der Fluss selbst und seine säumenden Terrassen bieten sehr viele Fundstätte, die zugleich einen wichtigen Hinweis auf die Handelswege6, von denen im Folgenden noch berichtet wird, geben.

3.2 Zur Zeit des Imperium Romanums

Baden-Württemberg gehörte zwei römischen Provinzen an: Obergermanien, Provincia Germania Superior genannt und Rätien, bekannt als Provincia Raetia. Dieses Gebiet lag im Interessenszentrum der römischen Hegemonialpolitik. Der bekannte römische Imperator Cäsar selbst hat den Rhein in den Jahren 55 v. Chr. und 53 v. Chr. zweimal überschritten. Nach acht - von 58 bis 50 v. Chr. dauernden - Kämpfen zwischen den römischen Truppen und den Bewohner des germanischen Raums war Gallien schließlich vom Atlantik bis zum Rhein unterworfen. Das linksrheinische Gallien war fortan der römischen Herrschaft unterstellt - das Imperium Romanum konnte einen immensen Zugewinn an Land verzeichnen. Der Rhein wurde zur Grenze des Imperiums gegen die Germanen.7 FILTZINGER spricht vom Rhein als „Operationsbasis der Germanenkriege“8. Im Jahre 12 v. Chr. erfolgte eine der größten Offensiven im rechtsrheinischen Germanien unter Kaiser Augustus, der das germanische Gebiet östlich des Rheines bis an die Elbe in das Römische Reich einzugliedern9 versuchte. Der Prozess der Romanisierung der neu hinzugewonnenen Gebiete10 begann.

Mitte der 80er Jahre des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde die Provinz Obergermanien, die Provincia Germania Superior, mit der Hauptstadt Mainz eingerichtet. „[Es] entstanden im heutigen Landreis Karlsruhe die Gebietskörperschaft der Civitas Lopodunum mit Ladenburg als Hauptort und im Süden die Civitas Aquensis mit dem Hauptort Baden-Baden“.11 Römische Militäranlagen und so genannte Kastellendörfer erstreckten sich über das Land - von ihnen ging die Verwaltung aus. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts erhielt das rechtsrheinische Gebiet unter dem von 98 bis 117 n. Chr. regierenden Kaiser Traian eine zivile Verwaltungsstruktur. Sie wurde bis zum Ende der römischen Herrschaft, also bis zur Aufgabe des obergermanisch-rätischen Limes im Jahre 259 n. Chr.12 beibehalten.

4. Stettfeld: Leben und Arbeiten

4.1 Römische Siedlungen

Die bürgerlichen und oft ländlich gelegenen Siedlungen, die so genannten Vici, symbolisierten den rasanten Urbanisierungsprozess der römischen Kultur und Zivilisation. Die Blütezeit der römischen Siedlungen im rechtsrheinischen Obergermanien ist in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.13 und zu Beginn des 3. Jahrhunderts zu finden.

Die im rechtsrheinischen Gebiet lebenden Menschen waren zum Großteil umgesiedelt und kamen ursprünglich aus den besetzten linksrheinischen Gebieten. Aber erst in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts erfolgte ein bedeutender Siedlungsschub14, bei dem größere Siedlungen vorzugsweise an besonders wichtigen Straßenkreuzungen entstanden. An dieser Stelle sind beispielsweise die Siedlungen von Stettfeld und Wiesloch zu nennen15. In Stettfeld datieren die frühesten auf eine römische Siedlung hinweisenden Spuren auf ca. 85 n. Chr.16. Noch heute ist ersichtlich, dass es sich bei dem Vicus von Stettfeld um eine offene ländliche Ansiedlung,17 handelte, da sich das Landschaftsbild diesbezüglich wenig verändert hatte. Die eigentliche, flächendeckende Besiedlung setzte um 110 n. Chr.18 ein. Das derzeitige Fundmaterial (Abb. 1) der Stettfelder Siedlung liefert einen Überblick über die Zeit zwischen 110 und 259/60 n. Chr., in der der Vicus seine heute bekannte Größe erreichte19. Da es sich in erster Linie um Heereswege handelte, wurden die wichtigen Knotenpunkte oftmals als Lager genutzt und zu Kastellen ausgebaut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Plan der römischen Siedlung Stettfeld

Bewohnte Siedlungen, die an solchen Lagerdörfern entfalteten, unterstanden der Aufsicht des Militärs20 und waren mit ihm wirtschaftlich eng verbunden - die einheimische Landbevölkerung profitierte sowohl von seinem Schutz als auch von seinem Konsum. Die Nachfolgesiedlungen der Kastellendörfer entwickelten sich zu geselligen und vermutlich auch kultischen Zentren.21

Im gesamten rechtsrheinischen Gebiet der Provincia Germania Superior gab es nur einen Ort mit offiziellem Stadtrecht: Rottweil, bekannt unter dem Namen Arae Flaviae22. Neben Arae Flaviae gab es ein großes Vorkommen an stadtartigen Siedlungen, den Vici. Erstaunlicherweise hatten diese Siedlungen gegenüber Arae Flaviae fast durchweg eine wesentlich größere Ausdehnung23. Die Hauptinformationsquellen stellen Funde dar, die meist zufällig bei Ausgrabungen ans Tageslicht kommen. Wer das tägliche Leben am römerzeitlichen Oberrhein schildern will, muss also – sofern vorhanden - Texte und Grabungsergebnisse verarbeiten, so wie im Beispiel Stettfelds geschehen. Bisher konnten dort Gebäude, Brunnen, Öfen und Verkehrswege nachgewiesen24 werden.

[...]


1 Schreiber, Waltraud: Versuch einer Typologie für historische Exkursionen. In: Schönemann, B., Uffelmann, U. und Voit, H.: Geschichtsbewusstsein und Methoden historischen Lernens. Schriften zur Geschichtsdidaktik Bd. 8. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1998, 213.

2 Vgl. Mayer, Ulrich: Historisches Denken und Geschichtsdidaktik. In: Schönemann, B., Uffelmann, U. und Voit, H.: Geschichtsbewusstsein und Methoden historischen Lernens. Schriften zur Geschichtsdidaktik Bd. 8. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1998, 99.

3 Vgl. Treml, Manfred: Ausgestellte Geschichte. In: Schönemann, B., Uffelmann, U. und Voit, H.: Geschichtsbewusstsein und Methoden historischen Lernens. Schriften zur Geschichtsdidaktik Bd. 8. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1998, 204.

4 Vgl. Schreiber 1998, 213.

5 Vgl. http://www.karriere-guide-oberrhein.de/index.php?v=de&p=region, [Eingesehen am 11. 04. 2009].

6 Vgl. Ternes, Charles-Marie: Die Römer an Rhein und Mosel. Geschichte und Kultur. Philipp Reclam jun., Stuttgart 19752, 6.

7 Vgl. Filtzinger, Philipp: Die Römer in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1976, 30.

8 Filtzinger 1976, 29.

9 Vgl. Gemeinde Ubstadt – Weiher (Hrsg.): Stettfeld: 2000 Jahre Geschichte. Verlag Regionalkultur, Ubstadt – Weiher 2003, 35.

10 Vgl. Filtzinger 1976, 23.

11 Gemeinde Ubstadt – Weiher 2003, 38.

12 Vgl. Filtzinger 1976, 123.

13 Vgl. Gemeinde Ubstadt – Weiher 2003, 38.

14 Vgl. Ebenda, 38.

15 Vgl. Ebenda, 38.

16 Vgl. Gemeinde Ubstadt – Weiher (Hrsg.): Römermuseum Stettfeld. Broschüre zum Museumsbesuch, (Erscheinungsjahr k. A.).

17 Gemeinde Ubstadt – Weiher 2003, 39.

18 Vgl. Kokabi, M., Wahl, J.: Osteologische Untersuchungen der Knochenreste aus dem römischen Gräberfeld. In:

Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Das römische Gräberfeld von Stettfeld I. Osteologische Untersuchung der Knochenreste aus dem Gräberfeld. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, 18.

19 Vgl. Ebenda, 18.

20 Vgl Filtzinger 1976, 126,127.

21 Vgl Filtzinger 1976, 126f.

22 Vgl. Filtzinger 1976, 123 f.

23 Vgl. Filtzinger 1976, 125.

24 Vgl. Gemeinde Ubstadt – Weiher 2003, 47.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Außerschulischer Lernort am Oberrhein: Das Römermuseum Stettfeld
Untertitel
Einblicke in die Blütezeit des Handwerks und Handels am Beispiel einer römischen Siedlung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Fakultät II: Geschichte)
Veranstaltung
Außerschulische Lernorte: Leben und Arbeiten am Oberrhein
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V131950
ISBN (eBook)
9783640396719
ISBN (Buch)
9783640396955
Dateigröße
2717 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit entstand im Rahmen eines regionalgeschichtlichen Seminars in Kooperation.
Schlagworte
Außerschulischer, Lernort, Oberrhein, Römermuseum, Stettfeld, Einblicke, Blütezeit, Handwerks, Handels, Beispiel, Siedlung
Arbeit zitieren
Sandra Triepke (Autor), 2009, Außerschulischer Lernort am Oberrhein: Das Römermuseum Stettfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131950

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