Das Ziel dieser Arbeit ist es, die iranisch-amerikanischen Beziehungen zu beleuchten, vor allem aus der Sichtweise Irans heraus. In der Analyse wird untersucht, wie es zu der derzeitigen Situation gekommen ist, welche Faktoren und Triebkräfte, Ideen und Einstellungen Iran dazu bewegen, den Konflikt durch sein Verhalten weiter zu verschärfen und nicht auf amerikanische Kooperationsangebote einzugehen. Der Nuklearkonflikt wird im Rahmen dieser Analyse Beachtung finden, aber nur als ein Bereich des Konflikts zwischen beiden Staaten untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
1.1. Herangehensweise
1.2. Literaturstand
2. Theorie
2.1. Ideelle Ontologie
2.2. Das Agency-Structure-Problem
2.3. Bildung von Identität und Interesse
2.4. Verschiedene Kulturen der Anarchie
2.5. Wandel in den internationalen Beziehungen
3. Verschiedene Kulturen der Außen- und Sicherheitspolitik: Identitätssgruppen im Iran
3.1. Prinzipalisten
3.2. Moderate Konservative
3.3. Reformer
3.4. Die Herrschaft der Ideen
4. Agency-Structure-Konstituierung
4.1. Identitätsbildung des Iran
4.2. Interaktionsgeschichte mit den USA
4.3. Negative Identität als Basis des Konflikts
4.4. Gescheiterter Wandel des Rollenverständnisses I – Kommunikation
4.5. Gescheiterter Wandel des Rollenverständnisses II – Vertrauensaufbau
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die iranische Außenpolitik gegenüber den USA aus der Perspektive des Sozialkonstruktivismus. Dabei wird untersucht, wie historische Erfahrungen und divergierende Identitätsgruppen innerhalb des Irans das Verhalten gegenüber den USA prägen und warum bisherige Bemühungen um Kooperation weitgehend scheiterten.
- Sozialkonstruktivistische Analyse der iranisch-amerikanischen Beziehungen
- Identitätsbildungsprozesse und die Rolle von Feindbildern
- Einfluss unterschiedlicher politischer Machtgruppen im Iran
- Historische Traumata als Faktoren der Außenpolitik
Auszug aus dem Buch
3.4. Die Herrschaft der Ideen
Um den Wandel der amerikanisch-iranischen Beziehungen zu erklären, bietet sich die Parallele zu den Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion an. Dem Übergang von der Aufrechterhaltung militärischen Drohpotentials zur friedlichen Beilegung des Kalten Kriegs ging ein Wandel des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses voraus. Weg von Konfrontation, hin zu Kooperation, war das Merkmal dieser Auseinandersetzung – diese Parallele lässt sich auch im Iran finden, nur in der umgekehrten Reihenfolge.
Prinzipiell teilen alle drei Gruppen bestimmte Wertvorstellungen. Alle drei Gruppen agieren auf Grundlage der Regel, dass die theokratisch-religiösen Basis der Republik nicht angetastet wird. Ebenso sind alle drei Gruppen bestrebt, möglichst unabhängig von fremden Akteuren Entscheidungen treffen zu können, was sich aus der langen Geschichte der kolonialen Fremdbestimmung Irans ergibt. Aber darüber hinaus divergieren die Werte und Interessen der Gruppen, da sie sich auf Grundlage ihrer Gruppenidentität außenpolitisch unterschiedlich verhalten. Welche Gruppe gerade das System dominiert, hat damit massiven Einfluss auf iranische Außenpolitik. So fand in der Phase nach Ajatollah Chomeinis Tod eine Annäherung von moderaten Konservativen und später von den Reformern an die USA sowie eine außenpolitische Mäßigung statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Vorstellung des langjährigen Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie Darlegung der Forschungsfrage zur Ursache der iranischen Kooperationsverweigerung.
2. Theorie: Einführung in den Sozialkonstruktivismus als Analyseinstrument und Darstellung zentraler Konzepte wie das Agency-Structure-Problem und die Bedeutung ideeller Faktoren für internationale Beziehungen.
3. Verschiedene Kulturen der Außen- und Sicherheitspolitik: Identitätsgruppen im Iran: Vorstellung der inneriranischen Identitätsgruppen – Prinzipalisten, moderate Konservative und Reformer – und deren unterschiedliche außenpolitische Ansätze.
4. Agency-Structure-Konstituierung: Analyse des historischen Identitätsaufbaus des Irans und der gescheiterten Versuche zur Verbesserung der Beziehungen durch Kommunikation und Vertrauensaufbau.
5. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse, die darlegen, dass die Identität des Irans maßgeblich durch negative historische Interaktionen geprägt ist und die derzeitige Dominanz der Prinzipalisten einen konfrontativen Kurs begünstigt.
Schlüsselwörter
Iran, USA, Außenpolitik, Sozialkonstruktivismus, Identität, Konflikt, Prinzipalisten, Reformer, Nuklearprogramm, Geschichte, Interaktion, Vertrauensaufbau, Rollenverständnis, Ideelle Faktoren, Internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für das anhaltend konfrontative Verhalten Irans gegenüber den USA unter Anwendung einer sozialkonstruktivistischen Analyse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die iranische Identitätsbildung, die Einflüsse unterschiedlicher politischer Gruppen innerhalb des Irans sowie die historische Interaktionsgeschichte beider Staaten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, warum Iran trotz verschiedener, auch kooperationsorientierter Ansätze der USA und unter Berücksichtigung verschiedener politischer Strömungen im eigenen Land so konsequent eine kooperative Haltung verweigert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Als theoretische Basis dient der Sozialkonstruktivismus, der den Fokus auf die gegenseitige Konstituierung von Akteur und Struktur sowie die Bedeutung von Ideen und Normen statt nur auf materielle Faktoren legt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der theoretischen Fundierung werden die drei wichtigsten politischen Identitätsgruppen Irans (Prinzipalisten, Moderate Konservative, Reformer) porträtiert und historische Ereignisse analysiert, die das heutige Weltbild des Irans geformt haben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Sozialkonstruktivismus", "Rollenverständnis", "negative Identität", "interne Machtgruppen" und "historische Interaktion".
Welche Rolle spielen die "Prinzipalisten" laut dem Autor?
Die Prinzipalisten sind derzeit die einflussreichste Gruppe, deren Identität auf einem tief verwurzelten Antiamerikanismus und dem Verständnis des Konflikts als Kampf "Gut gegen Böse" basiert, was diplomatische Lösungen als nahezu unmöglich erscheinen lässt.
Warum wird der "Grand Bargain" im Buch erwähnt?
Der Grand Bargain von 2003 wird als bedeutendste, aber verpasste Chance für eine Normalisierung der Beziehungen angeführt, bei der der Iran umfassende Kooperation anbot, was jedoch von der US-Regierung unter Bush abgelehnt wurde.
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- Anonym (Author), 2009, Iranische Außenpolitik gegenüber den USA. Eine sozialkonstruktivistische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1319649