Spezifische Phobien - Die Blut-, Verletzungs-, Katastrophen- (BVK-) Phobie


Hausarbeit, 2009

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist eine Phobie?
2.1 Beschreibung der Störung

3. Was ist eine Spezifische Phobie?
3.1 Beschreibung der Störung
3.2 Epidemiologie Spezifischer Phobien
3.4 Komorbidität
3.5 Ätiologie Spezifischer Phobien
3.6 Diagnostik Spezifischer Phobien
3.7 Die Behandlung Spezifischer Phobien

4. Die Blut-Verletzungs-Katastrophen- (BVK-)Phobie
4.1 Beschreibung der Störung
4.2 Erklärung der physiologischen Reaktionen bei BVK-Phobie-Patienten
4.3 Der Zusammenhang von BVK-Phobien und Ekel
4.4 Die Behandlung einer BVK-Phobie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff Phobie ist in der Alltagssprache sehr gebräuchlich und wird zuweilen inflationär für Ängste und ängstliches Verhalten aller Arten verwendet. Im Folgenden werde ich darlegen, wie eine Phobie und insbesondere die Gruppe der Spezifischen Phobien definiert sind, wie häufig sie vorkommen. Ich werde auf die Ursachen für die Entwicklung einer Phobie zu sprechen kommen und schließlich Diagnostik- und Interventionsmöglichkeiten beschreiben.

Anschließend werde ich den Blut-, Verletzungs-, Katastrophen-Typus der Spezifischen Phobie beschreiben und dort vor allem auf die physiologischen Besonderheiten der Furchtreaktion sowie auf die Behandlung einer solchen Phobie eingehen. Gerade die bemerkenswerten Unterschiede bezüglich der körperlichen Furchtreaktionen zu anderen Phobien interessieren mich besonders, da BVK-Phobiker nicht wie alle anderen Phobiker eine Flucht-/Abwehrreaktion zeigen, sondern eine gegenteilige Reaktion: Sie verlieren beim Anblick des gefürchteten Objekts das Bewusstsein auf Grund einer Art ‚Kapitulation des Körpers‘.

2. Was ist eine Phobie?

2.1 Beschreibung der Störung

Der Begriff Phobie entstammt der griechischen Mythologie und leitet sich aus dem Namen des Gottes Phobos ab. Im Auftrag des Kriegsgottes Ares verbreitete dieser schon vor Beginn eines Angriffs Angst und Schrecken im feindlichen Lager, was bereits auf die Furcht als Hauptmerkmal von Phobien hinweist (Hamm, 2006).

Als Phobien werden konsistent und zuverlässig auftretende Furchtreaktionen sehr intensiver Ausprägung bezeichnet, welche von spezifischen Situationen oder Objekten ausgelöst werden. Diese Reize sind außerhalb der Person angesiedelt und erscheinen nicht betroffenen Personen in der Regel als ungefährlich. Aus diesem Grund erscheint die Reaktionsintensität des Patienten nach außen oft übertrieben und des realen Risikos der Situation nicht angemessen. Die Irrationalität der eigenen Angst und die Einsicht, dass die Mitmenschen die gefürchtete Situation als ungefährlich empfinden, haben in der Regel keinen Effekt auf das Angsterleben des Betroffenen. Charakteristisch ist auch das Erleben von Erwartungsangst bei rein gedanklicher Beschäftigung mit dem angstauslösenden Reiz. Typischerweise entwickelt der Phobiker ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber den gefürchteten Objekten oder Situationen (Dilling et al., 2008). Davison und Neale (1998) definieren eine Phobie „...als ein zerrüttendes, angstvermittelndes Vermeidungsverhalten, das in keinem Verhältnis zu der Gefahr steht, die vom gemiedenen Objekt oder der gemiedenen Situation droht, und das der Leidende in der Tat auch als grundlos erkennt.“ (Davison & Neale, 1998, S. 143) Oft treten in phobischen Situationen Panikattacken auf. Diese werden als Ausdruck für den Schweregrad der Phobie angesehen. Eine Panikstörung als eigenständige Diagnose wird nur vergeben, wenn keine der unten genannten Phobien diagnostiziert werden kann (Dilling et al., 2008).

Die Lebenszeit-Prävalenz von Angststörungen bei deutschen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren liegt nach der Bremer Jugendstudie von Essau et al. (1998), einer Längsschnittstudie psychischer Störungen an der 1035 deutsche Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren teilnahmen, bei 18,6 %. Die 12-Monate-Prävalenz liegt laut dieser Studie bei 11,3 %. Die Phobie trat in dieser Studie als häufigste Angststörung auf. Mädchen leiden laut Essau et al. (1998) ungefähr zweimal häufiger an einer Angststörung als Jungen.

Phobien haben eine hohe Komorbidität mit einigen anderen psychischen Störungen. Besonders häufig treten Phobien mit Depressionen und somatoformen Störungen auf. Essau et al. (1998) berichten in der Bremer Jugendstudie: „Das Hauptmuster von Komorbidität war das von Angst- und Depressiven Störungen. Von den Depressiven Störungen trat Angst am häufigsten mit Major Depression zusammen auf, bei den Somatoformen Störungen waren es die Undifferenzierten Somatoformen Störungen, die am häufigsten zusammen mit Angststörungen auftraten.“ (Essau et al., 1998, S. 184)

Als eigene separate Kategorie wurden Phobien zum ersten Mal im sechsten internationalen Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (ICD-6) im Jahr 1948 aufgeführt. Die Aufnahme ins Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (DSM) folgte 4 Jahre später (Hamm, 2006). Im ICD-10 sind Phobien unter dem Schlüssel F40-41.9 im Bereich Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen zu finden.

Den ersten Differenzierungsbemühungen von Phobien, bei denen eine Orientierung an den auslösenden Reizen stattfand, folgte 1970 eine „Unterteilung von Phobien anhand klinisch deskriptiver Merkmale [Hervorhebung im Original] “ (Hamm, 2006, S. 2). „Die schier endlose Liste von Phobien, bei denen einfach lateinische oder griechische Übersetzungen der gefürchteten Situation dem Wort Phobie als Präfixe vorangestellt wurden“ (Hamm, 2006, S. 1), konnte so in die folgenden Gruppen zusammengefasst werden:

1. Tierphobien
2. Sozialphobien
3. Agoraphobien
4. Gemischte Spezifische Phobien

Im ICD-10, sowie im DSM-IV werden die Tierphobien und die Spezifischen Phobien zusammen unter dem Terminus Spezifische Phobien geführt (Hamm, 2006). Die drei Kategorien werde ich im Folgenden erläutern:

Eine Soziale Phobie ist an die Gegenwart anderer Menschen gebunden und beginnt oft bereits im Jugendalter. Das Zentrum der Phobie liegt in der Angst vor der prüfenden Betrachtung durch Mitmenschen in kleineren Gruppen. Menschenmassen werden hingegen nicht gefürchtet. Soziale Situationen, in denen eine solche prüfende Betrachtung durch andere Menschen, sowie Kritik befürchtet wird, werden zunehmend gemieden, was letztendlich bei beträchtlichem Vermeidungsverhalten zu einer vollständigen sozialen Isolation führen kann (Dilling et al., 2008).

Die Agoraphobie, deren Name sich vom griechischen Wort agora, zu Deutsch Versammlungsplatz, ableitet, „...ist ein ganzes Gewebe von Ängsten, die sich auf öffentliche Plätze und die Befürchtung beziehen, nicht entkommen oder bei plötzlicher eigener Unfähigkeit keine Hilfe finden zu können.“ (Davison & Neale, 1998, S. 146). Die Beschreibung der Agoraphobie im ICD-10 erweitert diese Definition um Ängste vor Menschenmengen und die Furcht davor, sich nicht sofort an einen sicheren Ort bzw. nach Hause zurückziehen zu können. „Der Terminus beschreibt also eine zusammenhängende und sich häufig überschneidende Gruppe von Phobien, mit der Angst, das eigene Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, sich in eine Menschenmenge oder auf öffentliche Plätze zu begeben oder alleine in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen.“ (Dilling et al., 2008, S. 169). Die Agoraphobie gilt als besonders einschränkend, weil die Betroffenen in manchen Fällen überhaupt nicht mehr in der Lage sind, ihr Haus zu verlassen. Laut Davison & Neale (1998) können 60% aller untersuchten Phobien als Agoraphobie klassifiziert werden.

Die dritte Kategorie der Phobien, die der Spezifischen Phobien, wird im folgenden Kapitel ausführlicher beschrieben, da die Blut-, Verletzungs-, Katastrophen- (BVK-) Phobie, welche das zentrale Thema dieser Arbeit ist, in die Kategorie der Spezifischen Phobien einzuordnen ist.

3. Was ist eine Spezifische Phobie?

3.1 Beschreibung der Störung

Bei Spezifischen Phobien „...handelt es sich um Phobien, die auf ganz spezifische Situationen beschränkt sind wie auf die Nähe bestimmter Tiere, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäzieren auf öffentlichen Toiletten, Verzehr bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch, Anblick von Blut oder Verletzungen oder die Furcht, bestimmten Krankheiten ausgesetzt zu sein.“ (Dilling et al., 2008, S. 172).

Um eine Spezifische Phobie von einer nicht pathologischen intensiven Furchtreaktion mit gekoppeltem Vermeidungsverhalten abzugrenzen, ist die erlebte Beeinträchtigung und die emotionale Belastung des Patienten durch die Symptome das entscheidende Kriterium (Hamm, 2006).

Für eine eindeutige Diagnose nach ICD-10 müssen die körperlichen und psychischen Symptome zweifelsfrei auf die Angst zurückzuführen sein und dürfen nicht auf Grund von Wahn oder Zwangsgedanken auftreten. Weiterhin darf die Angst nicht generalisiert sein, sondern muss sich auf spezifische Objekte oder Situationen begrenzen, welche nach Möglichkeit gemieden werden. Typisch für die Spezifische Phobie ist der Umstand, dass „die betroffenen Personen in Abwesenheit des phobischen Objekts bzw. der gefürchteten Situation keine Furcht und damit auch keinen Leidensdruck verspüren.“ (Hamm, 2006, S.8)

Ausschlussdiagnosen sind die Nosophobie, die Furcht vor dem Leiden an einer Krankheit, und die Dysmorphobie, der Angst vor einer körperlichen Entstellung. Diese Störungen werden im ICD-10 unter F45.2, hypochondrische Störung, klassifiziert, da bei diesen Ängsten das Phobie-Kriterium der externalen Lokalisierung des phobischen Objektes nicht gegeben ist. Eine Ausnahme besteht, wenn die Angst vor einer Krankheit auf eine bestimmte Situation beschränkt ist, in der die Ansteckung mit dieser Krankheit befürchtet wird. In diesem Fall ist die gefürchtete Situation als außerhalb der Person liegender Reiz für die Diagnose ausschlaggebend (Dilling et al., 2008).

Die Diagnosekriterien des DSM-IV, welche eine ausführlichere Beschreibung der spezifischen Phobie liefern als das ICD-10, zeigen weitere Kriterien auf: Charakteristisch für die Spezifische Phobie ist demnach, dass der phobische Reiz fast immer eine unmittelbare Angstreaktion auslöst, die das Ausmaß einer situationsgebundenen Panikattacke annehmen kann und die betroffene Person in ihrer Lebensführung enorm einschränkt und belastet (Saß et al. 2003). Hamm (2006) betont die unmittelbare und zuverlässige Angstreaktion außerdem als wichtiges Kriterium für die Unterscheidung zwischen Spezifischen Phobien und der Agoraphobie, bei der die Betroffenen an guten Tagen oft gar keine Furchtreaktion in der phobischen Situation zeigen. Weitere DSM-IV Kriterien für die Spezifische Phobie sind die Einsicht des Betroffenen in die Irrationalität der Angst, welche bei Kindern auch fehlen darf und das Anhalten der Phobie über mindestens 6 Monate bei Personen unter 18 Jahren (Saß et al. 2003).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Spezifische Phobien - Die Blut-, Verletzungs-, Katastrophen- (BVK-) Phobie
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V131969
ISBN (eBook)
9783640378272
ISBN (Buch)
9783640378692
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verletzungsphobie, Blutphobie, Phobie, Angst, Spritzenphobie, Spezifische Phobie, Katastrophenphobie, BVK, BVK-Phobie, Ekel, Panik, Panikattacke, Angststörung, Psychologie
Arbeit zitieren
Stephan Polowinski (Autor), 2009, Spezifische Phobien - Die Blut-, Verletzungs-, Katastrophen- (BVK-) Phobie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131969

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Spezifische Phobien - Die Blut-, Verletzungs-, Katastrophen- (BVK-) Phobie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden