Zunächst verfolgt die Arbeit eine begründete Einordnung in die Gattung der Balladen. Daraufhin soll die Verwendung von antiker Mythologie und christlichen Motiven zuerst näher betrachtet werden. Schillers Ballade spielt scheinbar in der Zeit des Mittelalters, in der die Antike zwar teilweise präsent war, aber dennoch keine Hauptrolle spielte; viel eher übernahm die christliche Religion letzteres. Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Verwendung dieser verschiedenen Denk- und Glaubensweisen zu erläutern und in einen Zusammenhang zu bringen. Nach einer genauen Betrachtung dessen wird auf weitere gegensätzliche und zusammenhängende Themenbereiche eingegangen werden, bevor die Schlussbetrachtung ein Fazit zieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung in die Gattung der Ballade
3. Antike und Christentum
4. Kontrast und Intertextualität
5. Schlussbetrachtung
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Friedrich Schillers Ballade "Der Taucher" im Hinblick auf ihre gattungsspezifischen Merkmale sowie die komplexe Verschränkung von antiken Mythen und christlichen Motiven. Ziel ist es, die Beweggründe des Protagonisten, die Rolle des Königs als Verführer und die thematische Gewichtung dieser Glaubens- und Denkweisen zu analysieren.
- Gattungsbestimmung von Schillers "Der Taucher"
- Analyse der antiken Mythenrezeption (Odyssee)
- Untersuchung der christlichen Symbolik und Zahlensymbolik
- Die Problematik der Hybris und der menschlichen Unterwürfigkeit
- Kontrastierung von Höhe und Tiefe als erzählerisches Mittel
Auszug aus dem Buch
3. Antike und Christentum
Die Gründe für das Verhalten des Jünglings sind vielfältig. Die Ballade beginnt mit der direkten Rede des – wie sich erst in der zweiten Strophe herausstellen wird – Königs. Er und seine Ritter sowie Knappen befinden sich auf einem Schiff in der Meerenge von Messina. Dies wird durch die Erwähnung des „Charybde Geheul“ (11) klar. Die Charybdis wird in der Odyssee als ein Seeungeheuer beschrieben, welches in jener Meeresenge zu finden ist; drei Mal täglich nimmt sie Wasser auf, um es daraufhin unter Gebrüll auszuspeien. Dadurch entstand ein Wassersog, den bereits Odysseus zu überwinden suchte. Schiller spielt hier klar mit der Zahlensymbolik; drei Mal muss der König fragen, bis sich ein „Edelknecht“ (20) bereit erklärt, in das Meer zu springen um einen vom König hineingeworfenen Becher zu holen, den derjenige bei geglücktem Bergungsversuch behalten kann.
Doch lässt sich die Zahl drei nicht nur mit der zuvor erwähnten Charybdis in Verbindung bringen. Ebenso besteht der Bezug zum Christentum, in dem Zahlensymbolik eine besondere Stelle einnimmt. Um nur das für diese Stelle wichtige zu nennen, wird zuerst auf die dreimalige Verleugnung Christi durch Petrus hingewiesen: „Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Und so geschah es. Des Weiteren scheint hier jedoch vor allem die dreimalige Versuchung Christi durch den Teufel/Versucher von grosser Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Ballade in ihren historischen Kontext und formuliert die Zielsetzung der Untersuchung, die eine Einordnung in die Gattung sowie die Analyse der Motivstruktur umfasst.
2. Einordnung in die Gattung der Ballade: Dieses Kapitel prüft, ob das Werk primär als Naturballade oder anthropologische Ballade zu verstehen ist und analysiert die epischen, dramatischen sowie lyrischen Elemente.
3. Antike und Christentum: Hier wird die zentrale Symbolik der Zahl Drei sowie die Verflechtung christlicher Versuchungsmotive mit antiken Vorbildern aus Homers Odyssee untersucht.
4. Kontrast und Intertextualität: Der Abschnitt widmet sich den Gegensätzen wie Höhe und Tiefe sowie der wechselnden Bedeutung des „goldenen Bechers“ im Kontext von christlichem Glauben und antiker Mythologie.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse, bewertet das Kernmotiv der "Versuchung der Götter" und ordnet Schillers künstlerische Absicht hinsichtlich der Antike ein.
6. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Der Taucher, Ballade, Antike, Christentum, Zahlensymbolik, Hybris, Odyssee, Gattungslehre, Literaturanalyse, Mittelalter, Intertextualität, Motivik, Versuchung, Höfische Unterwürfigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Schillers Ballade "Der Taucher" unter gattungstheoretischen Gesichtspunkten und untersucht die Verzahnung christlicher und antiker Motivwelten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Gattungsmerkmale der Ballade, die Rolle von Zahlensymbolik, religiöse Vokabularik und die psychologische Dynamik zwischen dem König und dem Taucher.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach der Funktion der verschiedenen Denk- und Glaubenssysteme (Antike vs. Christentum) und wie diese zur Charakterisierung der Handlung und der Protagonisten beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text strukturell und motivgeschichtlich erschließt sowie den Bezug zu zeitgenössischen Übersetzungen (wie der von Voß) herstellt.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine gattungstheoretische Einordnung, eine Untersuchung von Zahlensymbolik und Mythenbezügen sowie eine Analyse der erzählerischen Kontraste und Intertextualität.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Hybris", "Zahlensymbolik", "Intertextualität" und die gattungstypologische Differenzierung von Balladen.
Wie deutet die Autorin den "goldenen Becher"?
Der Becher fungiert als ein Symbol, dessen Bedeutung sich wandelt: Zunächst steht er in Verbindung mit dem Christentum, während er am Ende des Werkes zum Symbol für den Tod des Tauchers wird.
Welche Rolle spielt die "Charybdis" in der Analyse?
Sie dient als intertextueller Bezug zur Odyssee, der in Kombination mit der Zahlensymbolik zur dramatischen Strukturierung des Tauchvorgangs beiträgt.
Warum wird die höfische Unterwürfigkeit als zentrales Motiv hervorgehoben?
Die Autorin argumentiert, dass die Unterwürfigkeit des Tauchers gegenüber dem König eine wesentliche Triebfeder für das lebensgefährliche Handeln ist, die über das rein mythologische Motiv der Hybris hinausgeht.
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- Andrea Goletz (Author), 2009, Christliche Religion und Antike Mythologie in Friedrich Schillers 'Der Taucher', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131986