Um Bewegungen darzustellen, wird die Biomechanik als wissenschaftliche Grundlage verwendet. Im Mittelpunkt dieser Betrachtung stehen Bewegung und Belastung des menschlichen Körpers. Hierbei werden physikalische Gegebenheiten genutzt, um Bewegungsvorgänge zu beschreiben oder zu optimieren. Dies führt dazu, den Körper zu mechanisieren und das Empfinden des Individuums außer Acht zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bewegungsbild und Bewegungsbildung
2.1. Konstruktion von Bewegungsbildern
2.2. Empfinden und Wahrnehmen von Bewegungen
3. Bewegungen sehen und beurteilen
3.1. Dominanz der äußeren Bilder
3.2. Phänomenologische Sicht
4. Bewegungshandeln im Sport
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spannungsreiche Beziehung zwischen der biomechanischen, physikalisch orientierten Bewegungsanalyse und der phänomenologischen Sichtweise, die das subjektive Erleben und innere Bilder des Sportlers in den Mittelpunkt stellt, mit dem Ziel, Konsequenzen für den Leistungssport und den Schulunterricht abzuleiten.
- Biomechanik als wissenschaftliche Grundlage der Bewegungsbeschreibung
- Konstruktion und Bedeutung innerer Bewegungsbilder
- Empfinden und wahrnehmende Kommunikation in Bewegungsprozessen
- Phänomenologische Betrachtung als Gegenentwurf zur rein mechanischen Analyse
- Integration subjektiver Erfahrungen im sportlichen Training und Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.2. Phänomenologische Sicht
Bei den zuletzt genannten Beispielen sieht man, dass Bewegungshandlung und Bewegungsanalyse auseinander fallen. Es gibt hierbei zwei Wahrnehmungsinstanzen. Diese sind der Sportler selbst und sein Trainer. Der Sportler ist zugleich Bewegungssubjekt und Analysesubjekt, während der Trainer auf Fachwissen zurückgreift und Bewegungskorrekturen einbringt. Das Gegenkonzept dazu ist die phänomenologische Bewegungsauslegung. Diese beschreibt Paul Christian in seinem Aufsatz „Vom Wertbewußtsein im Tun“ (vgl. Trebels, 1990). Er erläutert dabei vier zentrale Fragen. Wie eignen Menschen sich Bewegungen an? Wie stellt sich dabei das Gefühl der Stimmigkeit für das Individuum ein? Wie verändert sich dieses Gefühl? Und wie wird das Individuum fähig, die Differenzen zu erfassen?
Für Paul Christian ist das ein unabgeschlossener Prozess. In seinem Aufsatz über das Wertbewußtsein im Tun beschreibt Christian dies sehr gut an einem Beispiel. Vor ihm hängt ein Seil, an dem eine Glocke befestigt ist. Dieses kommt durch ein Loch an der Decke. Die Glocke und deren Betätigung ist für ihn nicht bekannt und existiert somit nicht. Erst durch das ziehen am Seil wird die Glocke wahrgenommen. Das System der schwingenden Glocke wird nach Größe, Richtung und Verlauf durch die entfachten Kräfte bestimmt (vgl. Christian, zitiert in Trebels, 1990). Daraus lässt sich schließen, dass Bewegungen ein wechselseitiges Zusammenspiel zwischen antreibenden und entfachten Kräften sind. Diese stellen zugleich die Grenzen und Möglichkeiten des Tuns dar. Es kann beobachtet werden, wenn Kinder beispielsweise Fahrrad- oder Skateboard fahren erlernen. Sie setzen sich dabei über ihre eigenen entfachten Kräfte mit der Bewegung auseinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, neben der biomechanischen Beschreibung von Bewegung auch das subjektive Empfinden des Individuums zu berücksichtigen.
2. Bewegungsbild und Bewegungsbildung: Dieses Kapitel erläutert, wie durch äußere Abbildungen innere Vorstellungswelten beim Sportler konstruiert werden können, um Bewegungsabläufe zu optimieren.
3. Bewegungen sehen und beurteilen: Hier wird die Dominanz der äußeren biomechanischen Betrachtung der phänomenologischen Sicht gegenübergestellt, wobei der Fokus auf dem "inneren Bild" liegt.
4. Bewegungshandeln im Sport: Das Kapitel diskutiert, wie biomechanische Idealmodelle und individuelles Empfinden in der Praxis des Leistungssports und im Schulunterricht verknüpft werden müssen.
Schlüsselwörter
Biomechanik, Phänomenologie, Bewegungsbild, Wahrnehmung, Sportpädagogik, Bewegungshandeln, Innenansicht, Fremdbeobachtung, ideomotorisches Training, Wertbewusstsein, motorisches Lernen, individuelle Technik, Körperhaltung, Bewegungsanalyse, Sportunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die unterschiedlichen Zugänge zur Bewegungsbetrachtung im Sport, insbesondere die Differenz zwischen biomechanischer Analyse und phänomenologischem Erleben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Konstruktion von Bewegungsbildern, die Rolle der Wahrnehmung beim Erlernen von Bewegungen und die Bedeutung des subjektiven Empfindens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob sich die biomechanische und die phänomenologische Sicht ausschließen oder ergänzen und welche Konsequenzen dies für die Sportpraxis hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sportpädagogischer und bewegungswissenschaftlicher Literatur sowie der kritischen Gegenüberstellung bestehender Theorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Konstruktion von Bewegungsbildern, die Phänomene des Wahrnehmens, die Problematik der "äußeren Bilder" und die Anwendung im Bewegungshandeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Biomechanik, Phänomenologie, Bewegungsbild, Wahrnehmung, Bewegungsbeobachtung und das subjektive Wertbewusstsein im Tun.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von Biomechanik und individueller Bewegung?
Der Autor zeigt auf, dass Biomechanik zwar physikalische Parameter liefert, aber das individuelle "innere Bild" des Sportlers entscheidend für das Erlernen und die Ausführung ist.
Welche Rolle spielt das "innere Bild" beim Lernen?
Das innere Bild ist die Voraussetzung für eine gelungene Bewegungsvorstellung und wird durch freie Auseinandersetzung mit dem Bewegungsproblem, nicht durch bloße Instruktion, entwickelt.
Was bedeutet der Begriff "Wertbewusstsein im Tun" nach Paul Christian?
Es beschreibt das Verständnis, dass die Zielsicherheit in einer Bewegung nicht rein mechanisch oder physiologisch analysiert werden kann, sondern aus der Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt entsteht.
Was ist die Schlussfolgerung für die Arbeit mit Kindern im Sport?
Trainer sollen den Fokus von der rein mechanischen Korrektur auf die Förderung der individuellen inneren Bilder der Kinder legen, um deren persönliche Bewegungsvorstellung zu stärken.
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- Martin Krauße (Author), 2009, Die Wahrnehmung von Bewegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132018