Die Völkerwanderung

Überblick und Folgen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

27 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Rettung der Theorie der Moderne
2.1 Was zeichnet eine moderne Gesellschaft aus?
2.2 Die Modernisierung und das Weltsystem
2.3 Die Kultur der Moderne
2.4 Beherrschung oder Weltrisikogesellschaft?
2.5 Entgrenzung und Aberglaube

3. Ein postmodernes Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die katholische Kirche bildet, zwecks steigender Nachfrage, wieder verstärkt Exorzisten aus. Der Jakobsweg findet neue Beachtung auch unter der Jugend und wird zum neuen Ballermann für Sinnsuchende. Besuche des Papstes sind längst zu Massenevents geworden und ziehen Menschen in ihren Bann, welchen den kirchlichen Gottesdienst ansonsten zu Weihnachten und familiären Pflichtterminen besuchen. Aber nicht nur die staatlichen Kirchen scheinen sich verstärkter Beachtung zu erfreuen. Der heutige Mensch sucht sich die richtigen Teile jedes Glaubenssystems heraus und bildet für sich seine eigene Patchwork-Religion, losgelöst von der Institution Kirche. Esoterische Bücher sind noch immer hoch in den Bestsellerlisten aufzufinden und scheinen sich an zumindest gleichbleibend hoher Beliebtheit erfreuen zu können. Menschen freuen sich noch immer über vierblättrige Kleeblätter und erwarten Gutes davon.

All dies geschieht in einer Gesellschaft, welche sich selbst als modern kennzeichnet. Dies scheint im Widerspruch miteinander zu stehen. Darf ein moderner Mensch glauben? In welchem Verhältnis stehen Pluralisierung und Modernisierung? Diesen Fragen widmet sich folgender Text und will beleuchten, inwiefern die Theorie der Modernisierung eine Antwort auf diese Fragen geben kann und wo sie an ihre Grenzen stößt. Hierzu werden die Merkmale einer modernen Gesellschaft beleuchtet und kritisch mit heutigen gesellschaftlichen Tendenzen in Verbindung gesetzt. Zudem ist generell zu klären, ob man überhaupt und wenn in welchen Grenzen sich eine Respiritualisierung bzw. eine sogenannte Glaubensrenaissance feststellen lässt. Es stellt sich letztendlich die Frage, ob zukünftig von einer modernen Gesellschaft gesprochen werden kann oder der Weg zu einer postmodernen Form eingeschlagen worden ist. In diesem Spannungsverhältnis zwischen Modernisierungsglauben und dessen Kulturpessimistischer Gegner, die Postmoderne, soll die Verbreitung von spirituellen Glauben und Religiosität beleuchtet werden. Angeregt durch Entwicklungen der letzten Jahre, wie einleitend beschrieben, soll deren Tragweite ausgeleuchtet werden und die Theorie der Modernisierung getestet werden.

Dies umfasst zudem eine globale Betrachtung der Theorie der Modernisierung, als ersten Teil dieser Arbeit. Wie stellt sich die Ausbreitung der Moderne heute dar, wie gehen die klassischen modernen Gesellschaften damit um und welche alternative Erklärungen kann zum Beispiel die Weltsystemtheorie geben. Zunächst folgt eine kurze Charakteristik der Theorie der Modernisierung.

2. Die Rettung der Theorie der Moderne

2.1 Was zeichnet eine moderne Gesellschaft aus?

Die Theorie der Modernisierung arbeitet generell mit der Erklärung des Verlaufs von Gesellschaften, welche sich von einer traditionellen zu einer fortschrittlichen Form entwickeln. Dies baute in ihren Ursprüngen auf die Entwicklung westlicher Gesellschaftlicher Gesellschaften auf. Diese ideologisierte Form einer modernen Vorstellung wurde der Modernisierungstheorie immer wieder zum Vorwurf gemacht, obwohl mit dem Begriff der Moderne eigentlich ein wertfreier Ausdruck für Fortschrittlichkeit gefunden werden sollte. Es wird davon ausgegangen, dass die Gesellschaft der Bundesrepublik, sowie alle anderen europäischen Staaten, sowie die Vereinigten Staaten als moderne Gesellschaften gedeutet werden, wobei natürlich in dieser Aufzählung längst nicht alle modern zu geltenden Gesellschaften aufgelistet sind.

So sind nach Lerner (1968: 386ff) das Wachstum der Wirtschaft und die Ausbreitung säkularer Normen zwei von mehreren strukturellen und institutionellen herausstechenden Merkmalen moderner Gesellschaften. Zählt man noch die Expansion des Bildungswesens hinzu (Berger 1996: 53) hat man, frei nach Parson, die drei Revolutionen, die als Ursprung der Moderne geltend gemacht werden können, zusammen: Die industrielle Revolution, die demokratische Revolution und die Bildungsrevolution. Weiterhin zählt Berger und Lerner Rationalisierung, Komplexitätssteigerung, Inklusion und eine Leistungsorientierung und Empathie in Richtung Individuierung als Charakteristika der Modernisierung auf, wobei Vollständigkeit in diesem Fall nicht gewährleistet werden kann. In ihren formalen und inhaltlichen Eigenschaften lassen sich folgende Punkte herausstellen: Modernisierung ist ein revolutionärer Prozess, da sich traditionale und moderne Gesellschaft von Grund auf radikal unterscheiden. Weiterhin handelt es sich bei der Modernisierung um einen Prozess, welcher viele verschiedene Dimensionen miteinschließt, welche sich systemisch untereinander durchdringen. „Changes in one facto rare related to and affect changes in the other factors.” (Huntington 1971: 288)

Komplexe Kausalität durchdringt somit alle Merkmale einer sich modernisierenden Kultur. Besonders interessant scheint, in Bezug auf den Focus dieses Aufsatzes, die Tatsache der Tendenz der Säkularisierung und der damit verbundenen zunehmenden Rationalisierung und Wertverallgemeinerung zu sein. So kann als Ursache von westlich geprägter Rationalisierung Webers protestantische Ethik herangezogen werden. Er begründet die Entstehung des Kapitalismus mit einem starken Rationalismus der protestantischen Ethik: „[Die Protestanten hatten] sowohl als herrschende wie als beherrschte Schicht, sowohl Majorität wie als Minorität eine spezifische Neigung zum ökonomischen Rationalismus.“ (Weber 1984: 101) Schon hier lässt sich die kausale Komplexität deutlich hervorheben. Religiöser Glauben gilt hier als Auslöser einer Wirtschaftsform, welche insbesondere als Merkmal, in mehr oder weniger ausgeprägter Form, moderner Gesellschaften gilt. Säkularisierung und Aufklärung im Gegenzug trennen den praktizierten Rationalismus von seinen Wurzeln und lassen ihn im Kapitalismus bzw. in einer bürokratischen Ordnung neu entstehen.

Zwei weitere sehr interessante Modernisierungsmerkmale in Bezug auf das Thema der Arbeit sind Irreversibilität und Fortschrittlichkeit des Prozesses der Modernisierung. Irreversibilität soll heißen, dass wenn eine Gesellschaft ein gewisses Entwicklungsniveau erreicht hat, dieses zumindest auch hält und nicht auf ein niedrigeres, bereits vorher erreichtes Niveau, zurückfällt (Huntigton 1971: S.290). Dies ist natürlich als probabilistische Aussage zu verstehen, sodass die Wahrscheinlichkeit ein höheres Niveau zu erreichen, als größer angenommen werden kann, als auf niedrigeres Niveau zurückzufallen. (Berger 1996: 50) Hier offenbart sich der evolutionäre Charakter der Theorie der Modernisierung, im Gegensatz zu zyklischen Geschichtsbetrachtungen. Es gibt eine mehr oder weniger lineare, wenn nicht sogar progressive Entwicklung hin zu einem bestimmten Zustand, welcher sich in den Ausprägungen einer wesentlichen Merkmalskombination darstellt. Diese sind die beschriebenen Merkmale der Moderne.

Kritisch wird es allerdings bei einer solchen Sichtweise in dem Moment, in welchem die Frage auftaucht, wohin dieser Prozess letztendlich führt. Sprich es können zwar Tendenzen beschrieben werden, aber der Versuch, Merkmalsausprägungen zu definieren, welche für „die Moderne“ stehen, stellt sich als unmöglich dar. Da die Moderne sich ständig weiterentwickelt, ist es auch wenig sinnvoll diese zu definieren. Die Reichweite der Theorie kann jedoch trotzdem einer Überlegung zum Gegenstand werden. Letztendlich bezieht sich die Entwicklung der Moderne schließlich auf die westlichen Kulturen, welche zum Zeitpunkt der drei großen Revolutionen ihren Ursprung hatte. Der Theorie der Modernisierung ist somit ein zeitlicher Rahmen gesetzt, welcher zumindest in seinem Anfang mehr oder minder präzise zu beschreiben ist. Das Ende jedoch ist weitgehend undefiniert, das es letztendlich keinen Zeitpunkt gibt, an dem die Idealvorstellung einer modernen Kultur Realität ist.

Mit anderen Worten ist die Gesellschaft der Bundesrepublik in 10 Jahren als moderner anzusehen als heute oder ist ein Grad von Modernität erreicht, der sich in seinen klassischen Ausprägungen nicht mehr zugunsten dieser verändern kann? So sieht auch Eisenstadt Europa durchaus als erstes, aber sehr spezifisches Muster der Moderne, welches keine Allgemeingültig beanspruchen darf. „Insofern kommt es also darauf an, die internen und interkulturellen Rahmen des Begriffs der Moderne letztlich immer wieder in ihrer jeweiligen Besonderheit zu bestimmen." (Eisenstadt 2005: 171) Nach Eisenstadt wird der Begriff der Moderne also immer wieder neu definiert, sich richtend an der Kultur mit den höchsten Ausprägungen, in Bezug auf modernitätscharakterisierende Merkmale. Des Weiteren soll die Vorstellung der Moderne losgelöst sein, von spezifischen Kulturen. Dies ist durchaus auch angebracht, in Anbetracht der globalen wirtschaftlichen Wachstumsprognosen in den nächsten Jahrzehnten, speziell im asiatischen Raum.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Völkerwanderung
Untertitel
Überblick und Folgen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Fakultät für Philosophie und Geschichte)
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V132087
ISBN (eBook)
9783640379873
ISBN (Buch)
9783640379583
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Völkerwanderung, Spätantike, Niedergang, Römisches Reich, Germanen, Wanderungsbewegung, Migration, Auswanderung, Frühmittelalter, Goten, Hunnen, Vandalen, Angeln, Sachsen, Franken, Langobarden, Burgunder
Arbeit zitieren
Mstti Ostrowski (Autor), 2009, Die Völkerwanderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132087

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