Die Industrielle Revolution kann man als epochale Umwälzung begreifen. Sie beschreibt den Übergang von einer Agrargesellschaft hin zu einer Industriegesellschaft, die gesellschaftliche und technische Veränderungen mit vorher nicht bekannten Ausmaßes bewirkten. "The industrial revolution formed one of the central transformations of human history."
Die Industrielle Revolution beginnt in England im Laufe des 18. Jahrhunderts. Verschiedene Historiker definieren unterschiedliche Anfangszeiten, so definiert Wilhelm Treue: “Die sechziger Jahre des 18.Jahrhunderts bildeten das Anfangsjahrzehnt der Industriellen Revolution.“ England war damit Vorreiter und beispielgebend für die späteren Entwicklungen in Teilen Kontinentaleuropas, Amerikas, Russlands und Japans bzw. bis zur Gegenwart in weiten Teilen der Welt. Dabei ist zu bemerken, dass die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen daher auch zu anderen Entwicklungen geführt haben. "Im Zusammenhang mit der Industriellen Revolution wird schließlich die Geschichte der Wirtschaft und der Technik mehr als in jeder anderen Phase zur Geistesgeschichte". Im Folgenden möchte ich die Vorbedingungen für die Industrielle Revolution in England analysieren und aufzeigen warum gerade in England die Voraussetzungen gegeben waren, in ein neues Zeitalter aufzubrechen.
"Zur Erfassung der technisch- wirtschaftlichen Ereignisse des 19. Jahrhunderts und für ihre richtige Einordnung in die Gesellschaftsgeschichte ist es nicht so wichtig, die Erfindungen und Entwicklungen bis zur kleinsten Einzelheit aufzuzählen und ihre Auswirkungen auf Produktion, Preise und Konsum bis zur letzten Dezimale zu berechnen und zu vergleichen, als vielmehr ihre grundsätzlichen Ursachen und Wirkungen zu betrachten. Häufig ist es sogar ergiebiger, die "Vorgeschichte" der bedeutungsvollsten Ereignisse sorgfältig zu beleuchten, als ihre Auswirkungen bis zum Vorabend des ersten Weltkrieges zu verfolgen." Dabei möchte ich im Einzelnen auf die sozialen, politischen und religiösen Vorbedingungen eingehen. Des weiteren werde ich die Handels- und Agrarspezifischen Vorbedingungen untersuchen, technische Errungenschaften beurteilen und den Stellenwert der Bevölkerungsentwicklung, des Verkehrswesens und die natürlichen Ressourcen in England im Zusammenhang mit der Industriellen Revolution bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Politische und Gesellschaftliche Vorrausetzungen
2.1.2. Bevölkerungsentwicklung
2.2. Außenpolitische und Handelspolitische Faktoren
2.3. Technische Vorrausetzungen
2.3.2 Verkehrswesen
2.4. Die Agrarrevolution
3. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die vielfältigen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die England im 18. Jahrhundert zum Ausgangspunkt der Industriellen Revolution machten, um ein tieferes Verständnis für die Entstehung dieses globalen Transformationsprozesses zu gewinnen.
- Analyse der politischen Freiheit und konstitutionellen Stabilität Englands
- Untersuchung demographischer Faktoren und deren Einfluss auf das Arbeitskräfteangebot
- Bewertung der Rolle von Außenhandel, Kolonialismus und Kapitalakkumulation
- Einfluss technischer Innovationen im Baumwollgewerbe und Bergbau
- Bedeutung der Agrarrevolution für die Versorgungssicherheit und Kapitalbildung
Auszug aus dem Buch
2.3. Technische Vorrausetzungen
Natürlich gab es auch technische Erfindungen und Innovationen, welche die Produktion, den Verkehr und den Handel verbesserten. Die Zahl der angemeldeten Patente vervielfachte sich im Laufe der Jahrzehnte ab1750. „Natürlich ist die Zeitreihe der Patente in keiner Weise ein Maßstab für die Neuerungsrate. Sie ist lediglich als Indikator für den Zeitpunkt einer grundlegenden Richtungsänderung bedeutsam.“ Durchaus hatten einige Erfindungen wie zu Beispiel Watts Dampfmaschine und Hargreaves ‚spinning Jenny’ unmittelbare Auswirkung auf die Baumwollindustrie, aber viele Erfindungen wurden erst im Laufe der Industriellen Revolution zu richtigen Innovationen. Die technischen Vorrausetzungen zu Beginn der Industriellen Revolution waren nicht so eindrucksvoll und vergleichbar mit den Bedingungen Kontinentaleuropas. „Das Niveau technischer Tüchtigkeit und das Interesse an ‚Maschinen’ waren in England während des 18.Jahrhunderts nicht größer als auf dem Kontinent.“ Die Entdeckungen und Erfindungen wurden oft durch das ‚Trial and Error’ Prinzip beziehungsweise durch empirische Experimente zufällig gemacht, denn Akademische Bildung war nur den oberen Schichten vorbehalten. Außerdem waren die, im Kapitel 2.2. schon besprochenen, individualistischen Freiheiten, nicht vorhandenen Behinderungen durch Zünfte und der Austausch unter den sozialen Gruppen, mit Ursachen für diese Entwicklungen. Durch das weitere Anwachsen des Außen - und Binnenhandels und damit bedingten Kapitalzuflusses, wurden die Risiken in neue Methoden und Verfahren zu investieren geringer und somit stieg die Innovationstätigkeit stetig an.
In der vorindustriellen Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts gab es neben den Neuerungen im Baumwollgewerbe zwei weitere Erfindungen, die im Laufe der Industriellen Revolution ihre bahnbrechende Auswirkungen zeigten. Abraham Darby erfand ein Verfahren zur Verkoksung von Steinkohle, das es ermöglichte, die Abhängigkeit von Holzkohle zu durchbrechen. Darby legte damit die Grundlage für die Expansion der Eisenindustrie Ende des 18. Jahrhunderts, obwohl sein Verfahren im Laufe des Jahrhunderts noch verbessert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Industrielle Revolution als epochemachenden Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft und skizziert den methodischen Ansatz, primär die sozialen und institutionellen Vorbedingungen in England zu untersuchen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert die komplexen, sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren wie das liberale politische System, demographisches Wachstum, den Außenhandel und die technische Innovation, die England als Vorreiter begünstigten.
2.1. Politische und Gesellschaftliche Vorrausetzungen: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie politische Freiheit, Rechtssicherheit und ein geringes staatliches Eingreifen ein günstiges Klima für privates Unternehmertum schufen.
2.1.2. Bevölkerungsentwicklung: Der Autor beschreibt hier die demographische Revolution, die durch steigenden Wohlstand, medizinische Fortschritte und bessere Versorgung die Heiratsraten und damit das Bevölkerungswachstum ankurbelte.
2.2. Außenpolitische und Handelspolitische Faktoren: Hier wird der Fokus auf die koloniale Expansion, die Bedeutung der Seemacht und den florierenden Export als Treiber für Kapitalakkumulation und technologische Anreize gelegt.
2.3. Technische Vorrausetzungen: Dieses Kapitel analysiert die Rolle von Erfindungen (wie die Dampfmaschine) und wie ein freierer Markt ohne Zunftzwang technische Experimente ermöglichte.
2.3.2 Verkehrswesen: Der Text verdeutlicht, wie durch Kanäle und verbesserte Infrastruktur der Warenverkehr effizienter wurde und so die industrielle Entwicklung beschleunigte.
2.4. Die Agrarrevolution: Die Einhegungen und neue Anbaumethoden führten zu einer effizienteren Landwirtschaft, die das Bevölkerungswachstum stützte und Kapital für andere Wirtschaftszweige freisetzte.
3. Schlussbetrachtungen: Der Autor fasst zusammen, dass die Industrielle Revolution nicht als plötzlicher Umsturz, sondern als langwieriger, durch gesellschaftliche Freiheit begünstigter Prozess zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Industrielle Revolution, England, 18. Jahrhundert, Wirtschaftswachstum, Politische Rahmenbedingungen, Demographische Revolution, Außenhandel, Kapitalakkumulation, Technische Innovationen, Agrarrevolution, Infrastruktur, Binnennachfrage, Unternehmertum, Industrielle Transformation, Sozioökonomischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die spezifischen sozioökonomischen und politischen Ausgangsbedingungen, die England im 18. Jahrhundert zum Pionier und "Mutterland" der Industriellen Revolution machten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die politische Freiheit, demographische Entwicklungen, die Bedeutung der Seemacht im Außenhandel, technische Neuerungen sowie die Fortschritte in der Landwirtschaft.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum gerade in England die Voraussetzungen für einen Übergang in das Industriezeitalter gegeben waren und die Interdependenz der verschiedenen Faktoren zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er wesentliche wirtschaftsgeschichtliche Theorien (z.B. nach Treue oder Supple) heranzieht und diese durch eine systematische Untersuchung der sozialen und politischen Determinanten untermauert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die Vorbedingungen für die Industrialisierung analysiert, wobei soziale, politische und religiöse Faktoren sowie die spezifischen Auswirkungen des Handels, der Technik und der Agrarrevolution diskutiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff "Industrielle Revolution" sind "demographische Revolution", "Kapitalakkumulation", "Liberales Klima" und "technische Innovation" entscheidende Charakteristika der Arbeit.
Warum spielt die calvinistische Ethik in dieser Arbeit eine Rolle?
Sie wird als ein kultureller Faktor genannt, der wirtschaftliches Gewinnstreben legitimierte und somit das Klima für ein freies Unternehmertum in England stützte.
Welche Rolle spielte die Agrarrevolution für die industrielle Entwicklung?
Sie ermöglichte durch Ertragssteigerungen die Versorgung einer wachsenden Bevölkerung und führte zu einer Kapitalisierung, die als Grundlage für weitere industrielle Aktivitäten diente.
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- MA Sven Sochorik (Author), 2004, Die Ausgangsbedingungen für die Industrielle Revolution im „Mutterland“ Großbritannien , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132123