Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?


Diplomarbeit, 2002
125 Seiten, Note: gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

I. Teil
PARAGUAYS WEG VON DER KOLONIALZEIT BIS ZUR UNABHÄNGIGKEIT
1. Paraguay während der Kolonialzeit
2. Die Unabhängigkeit
2.1. Die Invasion Belgranos
2.2. Die Mairevolution und die Proklamation der Republik

II. Teil
DIE DIKTATUR DES DR. FRANCIA
1. Dr. Francias Aufstieg zur Macht
1.1. Zur Person des Dr. Francia
1.2. Francias wachsender Einfluss auf die paraguayische Politik
1.2.1. Teilnahme an Verschwörung und Regierungsarbeit
1.2.2. Verhandlungen mit Buenos Aires/gleichzeitiger Rücktritt Francias
1.2.3. Abermaliger Rücktritt Francias und Steigerung seines Ansehens
1.2.4. Notwendigkeit der Rückkehr Francias in die Regierung
2. Die Errichtung der Republik und der Konsulatsregierung: Francia wird Konsul
3. Der Übergang von der Konsulatsregierung zur Diktatur Francia wird Diktator
3.1. Der Kongress von
3.2. Das erste Regierungsjahr der Diktatur
3.3. Der Kongress von
4. Die Diktatur
4.1. Ausbau der Macht
4.1.1. Francias Eliten- und Ausländerpolitik
4.1.1.1. Das „Droit d´Aubaine“
4.1.1.2. Heiratsbestimmungen
4.1.1.3. Zur „Fremdenfeindlichkeit“ Francias
4.1.2. Bildung einer loyalen Armee
4.1.3. Aufbau einer paraguayischen Nationalkirche
4.1.3.1. Francias antiklerikale Einstellung
4.1.3.2. Maßnahmen gegen die Kirche
4.1.3.3. Vorteile Francias Kirchenpolitik für den Staat
4.1.4. Verschwörung und Repression
4.1.4.1. Die große Verschwörung von
4.1.4.2. Die Repression
4.1.4.3. Bewertung seiner repressiven Politik
4.2. Das Reformwerk Francias
4.2.1. Verwaltung, Infrastruktur und öffentliche Sicherheit
4.2.2. Wirtschaftsreformen
4.2.3. Landwirtschaft
4.2.4. Industrie und Gewerbe
4.2.5. Bildungspolitik
4.2.5.1. Förderung des Elementarunterrichts
4.2.5.2. Vernachlässigung der höheren Bildung
4.2.5.3. Zur „Intelligenz-Vernichtungss-These“ der Politik Francias
4.3. Außenhandel und Außenpolitik – zur „Isolationspolitik“ Francias
4.3.1. Verhältnis zu Buenos Aires/Argentinien / Handel über Pilar
4.3.2. Verhältnis zu Brasilien / Handel über Itapúa
4.3.3. Verhältnis zu England
4.3.4. Verhältnis zu Entre Ríos / Uruguay
4.3.5. Verhältnis zu Bolivien
4.3.6. Konsequenzen der Isolationspolitik Francias
4.4. Das Erbe der Diktatur Francias

III. Teil
FRANCIAS HERRSCHAFT IM HISTORISCHEN KONTEXT LATEINAMERIKAS: CAUDILLO UND CHARISMATIKER?
1. Die widersprüchliche Darstellung der Diktatur Francias in der Historiographie
1.1. Die Geschichtsscheibung Europas im 19. Jahrhundert
1.2. Die Lateinamerikanische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts
1.3. Die Neuinterpretation moderner Historiker des 20. Jahrhunderts
2. Francias Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?
2.1. Das Herrschaftsmodell laut Weber – die charismatische Herrschaft
2.2. Francia – ein charismatischer Herrscher?
2.3. Allgemeine Betrachtungen zum Begriff Caudillo
2.4. Francia – ein Caudillo?

SCHLUSSBETRACHTUNG

Anhang:
Der Katechismus des Dr. Francia
Portraits von Dr. Francia
Karte von Paraguay

BIBLIOGRAPHIE

EINLEITUNG

Paraguay war das erste Land Lateinamerikas, das offiziell die Unabhängigkeit von Spanien erklärte und sich gleichzeitig vom Vizekönigreich Río de la Plata lossagte. Damit stellte es sich sowohl gegen die Ansprüche der spanischen Krone als auch gegen die Suprematsansprüche von Buenos Aires, das als Hauptstadt des Vizekönigreiches die Führungsrolle über die Provinzen im Prozess der Unabhängigkeit beanspruchte und 1810 sogar ein Invasionsheer ausgeschickt hatte, um die widerspenstige Provinz unter seine Botmäßigkeit zu bringen, welches aber den paraguayischen Truppen unterlag.

1811 wurde die Alleinregierung des spanischen Gouverneurs Velasco durch eine Gruppe revolutionärer paraguayischer Kreolen[1] beendet und ein Triumvirat als Regierungsorgan bestimmt, bei dem Velasco noch mitarbeitete.

Ein Jahr später jedoch schon übernahm durch Beschluss des Kongresses eine fünfköpfige Regierungsjunta die Regierung und schloss den Spanier von der Regierung aus. Dieser Junta gehörten paraguayische Kreolen an, offiziell wurden die Regierungsgeschäfte aber noch im Namen des spanischen Königs Ferdinand VII. weitergeführt, der zu Gunsten des Bruders Napoleons Joseph I. abdanken hatte müssen.

1813 beschloss ein Kongress als Regierungsform Paraguays die Republik mit zwei gewählten Konsuln an der Spitze, was die offizielle Unabhängigkeitserklärung bedeutete.

An diesem Unabhängigkeitsprozess Paraguays hatte der kreolische Advokat Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia einen erheblichen Anteil. Er entsprang der Asuncener Elite und war in Asunción als Rechtsanwalt tätig, wo er Arme und Mittellose ohne Honorar zu verrechnen rechtlich vertrat und für seine Ehrlichkeit und Gerechtigkeitssinn bekannt war.

Durch sein Mitwirken wurde die Republik ausgerufen und daraufhin wurde er gemeinsam mit dem Militär Fulgencio Yegros zum Konsul gewählt.

Schon ein Jahr später ließ er sich auf einem Volkskongress, bei dem zum ersten Mal das allgemeine Wahlrecht für Männer angewandt wurde, zum Diktator[2] für fünf Jahre begrenzt wählen und wurde 1816 vom alljährlich zusammenkommenden Kongress zum „Dictador Supremo“ auf Lebzeiten gewählt.

Seit dem Zeitpunkt seiner Wahl zum Diktator konnte Dr. Francia mit unumschränkter Macht herrschen und bewahrte sich diese absolute Machtstellung bis zu seinem Tod im Jahre 1840. Während seiner fast dreißigjährigen Herrschaft wurde die Opposition, die sich aus der spanischen und kreolischen Elite zusammensetzte, unterdrückt und nicht einmal eine große Verschwörung im Jahre 1820, an der ein großer Teil der Oligarchie beteiligt war, konnten den Diktator seine Machtstellung streitig machen.

Damit stellt er ein seltenes Beispiel eines Herrschers in den Revolutions- und Bürgerkriegen Lateinamerikas der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar, der bis zu seinem Tode seine Macht erhalten konnte und eines natürlichen Todes starb. Selbst im Unabhängigkeitsprozess Lateinamerikas so wichtige Rollen spielende Persönlichkeiten wie Simón Bolívar (musste 1830 abdanken), Juan Manuel de Rosas (bis 1852 Diktator ganz Argentiniens, gestorben 1877), José Antonio Páez (1830 – 1850 Präsident Venezuelas, gestor-ben 1873) oder Antonio López de Santa Anna (ab 1833 Präsident, später Diktator Méxicos bis 1855, gestorben 1876) vermochten es nicht, ihre Machtstellungen bis zu so einem Extrem auszubauen.

In der Historiographie löste die Persönlichkeit Francias eine recht widersprüchliche Diskussion aus, die bis heute nicht entschieden zu sein scheint. Lange Zeit im 19. Jahrhundert bot die Politik Francias großen Anlass zur Kritik, die vor allem von seinen politischen Gegnern, der kreolisch-spanischen Oligarchie und den sich in Paraguay aufhaltenden Aus-ländern, geführt wurde. Deswegen war seine Herrschaft lange hindurch nur als reine Tyrannei bekannt, die er durch grausame Repression aufrechterhalten konnte.

Die moderne Historiographie jedoch unternahm eine gewaltige Anstrengung, dieses Bild des Tyrannen einer sorgfältigen Analyse zu unterziehen und entdeckte in ihm einen Vorläufer sozialistischer Ideen, der durch aufgeklärtes Gedankengut das Wohl der Mehrheit der Be-völkerung im Auge hatte und vor allem den Aufbau einer sicheren, souveränen und unabhängigen Nation gewährleisten wollte.

Durch seine Isolationspolitik, die er Zeit seines Lebens vorantrieb und verstärkte, um ein unabhängiges Paraguay sichern zu können, wurde Paraguay im 19. Jahrhundert bald als „China Südamerikas“ bekannt, ein sonderbares Land, von dem man wenig Informationen erhielt und in dem ein merkwürdiger Diktator herrschte. Diese Isolationspolitik Francias wurde jedoch in der entwicklungstheoretischen Diskussion der 60er und 70er Jahre zu einem frühen Beispiel eines dissoziativen Entwicklungsmodells[3], das bald in der entwicklungstheoretischen Forschung als Musterbeispiel einer funktionierenden Alternative außerhalb des liberalen-kapitalistischen System galt, wie sich ein Staat entwickeln konnte, ohne in ausländische Abhängigkeit zu geraten.

Diese in viele Richtungen laufende Diskussion beantwortet jedoch nicht die Frage, wie sich Francia an der Spitze des Staates halten konnte, bzw. worauf er seine Herrschaft begründete.

Diese zentrale Fragestellung zu beantworten soll Ziel dieser Arbeit sein.

Um diese Frage zu beantworten, habe ich zu Beginn einen kurzen Abriss der paraguayischen Kolonialgeschichte dargestellt, um die besonderen Entwicklungen Paraguays verstehen zu können, das durch die geographische Lage bestimmt nie besondere Aufmerksamkeit bei der spanischen Krone erweckte und durch die starke Anlehnung an die autochthone Bevölkerung schon früh einen Sonderweg entwickelte. Später erweckte Paraguay durch die an der paraguayischen Grenzregion angelegten Jesuitenmissionen weltweites Interesse.

In diesem Sinne führte Francia eine schon früh begonnene Sonderentwicklung weiter. Deswegen ist es wichtig, seine Herrschaft im paraguayischen Kontext zu betrachten.

Als theoretischen Hintergrund ist es andererseits auch wichtig zu fragen, in welcher Situation Francia an die Macht kam und wie. Deswegen betrachtet diese Arbeit das Herrschaftsmodell Max Webers, der drei Arten von Herrschaft unterscheidet, die legale, traditionale und charismatische Herrschaft. Laut diesem Konzept müsste Francia der dritten Herrschaftsform, der charismatischen Herrschaft entsprechen.

Ist also Francia ein Charismatiker, bildet das Charisma die Grundlage seiner Herrschaft? Und falls nein, auf welche Fähigkeiten oder Umstände konnte Francia seine Macht aufbauen und beibehalten?

Im historischen Kontext Lateinamerikas der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist es dabei unerlässlich, seine Machtausübung im Zusammenhang des CAUDILLOS zu betrachten und sich die Frage zu stellen, ob Francia diesem lateinamerikanischen Phänomen entspricht, ob Francia als Caudillo zu bezeichnen ist.

Im letzten Teil dieser Arbeit soll eine Antwort auf diese beiden Fragen – war Francia ein Caudillo, und kam er aufgrund seines Charismas an die Macht – beantwortet werden, die somit die Hauptfragestellungen dieser Arbeit darstellen.

I. Teil PARAGUAYS WEG VON DER KOLONIALZEIT BIS ZUR UNABHÄNGIGKEIT

1. Paraguay während der Kolonialzeit:

Nach der Eroberung des aztekischen Reiches in Mexiko und des Inkaimperiums in Peru konzentrierte die spanische Krone ihr Interesse auf den Südwesten des amerikanischen Kontinents.[4]

Im Verlauf der Entdeckungs- und Eroberungsreisen spanischer Seefahrer im Namen der Krone kam erstmals Juan Díaz de Solis im Jahre 1516 bis zur Mündung des Río de la Plata.

Im Auftrag Karls V. nahm Pedro de Mendoza die La Plata – Region im Jahre 1536 für die spanische Krone in Besitz und errichtete dort das Fort „Puerto de Nuestra Señora de Santa María del Buen Aire“ – das heutige Buenos Aires.[5]

Buenos Aires und andere nördliche Befestigungen konnten jedoch den ständigen Angriffen der Einheimischen nicht standhalten, weswegen Buenos Aires 1541 verlassen werden musste. Die wenigen Überlebenden zogen sich auf den Stützpunkt „Casa Fuerte de Nuestra Señora de Santa María de la Asunción“ zurück. Diese Befestigung war am 15. August 1537 von Juan de Salazar y Espinosa, gegenüber der Mündung des Río Pilcomayo in den Río Paraguay, gegründet worden und befand sich in einer Zone, die von einem friedlichen Guaranístamm bewohnt wurde. Durch diese vergleichsweise sichere Lage wurde Asunción bald zum wichtigsten Ausgangspunkt für die weitere Erschließung der La Plata – Region.

Domingo de Irala vollbrachte es, bei einer Expedition im Jahre 1547 auf der Suche nach der sagenhaften „Sierra de la Plata“, den bis dahin unpassierbaren Chaco zu durchqueren und erreichte die Bergpässe der Anden, wo die Spanier nicht schlecht staunten, als sie auf Indios stießen, die dem Spanischen mächtig waren. Sie mussten erkennen, dass der Traum des „El Dorado“ Wirklichkeit war, dass dieser Traum jedoch bereits von Pizarro und seinen Gefährten entdeckt worden war.

Die Eroberung der „Sierra de la Plata“ war gescheitert, dennoch war diese unendliche Enttäuschung das entscheidende Moment für die spätere Entwicklung von Asunción. Sich dessen bewusst, keine wertvollen Metalle zu finden, wählten die Spanier den Weg, sich den naturgebundenen Realitäten anzupassen und die ökonomischen Ressourcen der Region zu erschließen.

Durch diese Begebenheiten und der vergleichsweise sicheren Lage verwandelte sich Asunción in Zentrum und Ausgangspunkt der Eroberung und Kolonisierung der La Plata – Region. Die wichtigsten Gründungen der Region, wie z.B. Santa Cruz de la Sierra (1561), die zweite Gründung von Buenos Aires (1580) oder Corrientes (1588), um nur einige zu nennen, wurden von Söhnen Asuncións durchgeführt, die bald „madre de ciudades“ – Mutterstadt – genannt wurde.

Zu dieser Zeit, Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, als Paraguays Vormachtstellung im Süden des Kontinents gesichert erschien, begann auf allen Gebieten die Aktivität der Asuncener Kreolen und Mestizen: Hernando de Trejo y Sanabria legte den Grundstein zur Universität Córdoba, Pater Roque González de Santa Cruz, den heidnische Indianer erschlugen, wurde zum ersten paraguayischen Märtyrer und Ruy Díaz de Guzmán schrieb als erster Paraguayer die Geschichte seines Landes.

Bereits in der kolonialen Epoche Hispanoamerikas nahm Paraguay eine Sonderstellung ein. Seine abgeschlossene geographische Lage und die zahlenmäßig sehr geringe Einwanderung von Europäern nach der Conquista waren die Ursache für eine enge Bindung der Spanier an die autochthone Bevölkerung der Guaraníes.

Die aus der ethnischen Verschmelzung hervorgegangenen Mestizen, die sogenannten „mancebos de la tierra“, drängten Europäer und Indianer numerisch allmählich immer mehr in den Hintergrund.

Im Gegensatz zu der Entwicklung im übrigen Hispanoamerika wurden die paraguayischen Mestizen bald zur tragenden Bevölkerungsschicht und glichen sich sowohl in sozialer als auch in politischer Hinsicht weitgehend ihren weißen Vätern an.

Durch den engen Kontakt, der zwischen den Spaniern und der Urbevölkerung entstand, begann sich aber schon sehr früh eine paraguayische Eigenart herauszubilden, die nicht nur in ihrer materiellen Kultur, sondern auch in ihrem geistigen Leben durch die Übernahme der Guaranísprache viele indianische Züge aufwies.

Weitgehende Sonderrechte, wie die „Real Provisión“ vom 12. September 1537, aus der die Paraguayer das Recht ableiteten, ihre Gouverneure unter bestimmten Umständen selbst zu wählen, oder die stillschweigende Billigung der den besonderen Umständen angepassten paraguayischen Encomienda[6] durch die Krone, ermöglichten der Provinz eine ihrer Art entsprechende Entwicklung und garantierten die freie Entfaltung der vorhandenen Kräfte.

Zwei Entscheidungen der spanischen Krone, die im 17. Jahrhundert gefällt wurden, beeinflussten das Leben und die Entwicklung der Provinz beträchtlich:

Die erste war die Teilung der Provinz Río de la Plata in zwei autonom regierte Provinzen durch Philipp III. bzw. dem Gouverneur Hernando Arias de Saavedra (auch Hernandarias genannt) im Jahre 1617. Es entstanden die Binnenprovinz Guaira, das spätere Paraguay, mit Asunción als Hauptstadt, und die Provinz Río de la Plata mit der Hauptstadt Buenos Aires, die beide weiterhin dem Vizekönigreich Peru unterstanden. Durch diese Teilung verlor Asunción seinen Zugang zum Meer und seinen atlantischen Küstenstreifen.

Die zweite war die Autorisation durch Philipp III., die es den Jesuiten erlaubte, ihre Arbeit der Evangelisation bei den Guaraníes durchzuführen, der Ausgangsbasis für die Gründung der so berühmt gewordenen Jesuitenmissionen auf paraguayischen Boden.

Die Jesuiten fassten die Stämme der Guaraníes in Reduktionen (Siedlungen) zusammen und hatten auf Basis kollektiver Arbeit und Güterverteilung die Sesshaftmachung und Christianisierung der nomadischen Indianer zum Ziel.

Diese Reduktionen waren jedoch den Angriffen der sklavenjagenden und –handelnden Portugiesen[7] ausgesetzt, weswegen sich die Jesuiten von ihren ursprünglichen Missionsgebieten im heutigen brasilianischen Bundesstaat Paraná in die Gebiete südlich der Flüsse Iguazú und Tebicuary zurückzogen.

Hier begann eine neue Etappe der jesuitischen Theokratie, die den Antagonismus zwischen „Gottesstaat“ und der zivilen Provinz Paraguays erzeugen sollte. Als sich die Missionen der zivilen und klerikalen Autorität Asuncións unterordnen mussten, wuchs der Neid der Asuncener gegen die Jesuiten, nachdem die Krone den Jesuiten weitgehende Sonderrechte gestattet hatte. Seit 1639 durften sie indigene Truppen rekrutieren und bewaffnen, 1645 wurde ihnen der Handel mit dem Yerba Maté[8] erlaubt. Außerdem waren sie von der Steuerpflicht befreit und nahmen den Encomenderos[9] ihre indianischen Arbeitskräfte weg, wodurch sie zusätzlich über unbezahlte Arbeitskräfte verfügten.

Diese daraus resultierende Feindschaft zwischen Jesuiten und Kolonisten eskalierte in den Comunero-Aufständen (1721 – 1735) gegen die spanische Herrschaft unter der Führung von José Antequera und Mompox, die von königlichen Truppen 1735 endgültig niedergeworfen wurden, Paraguay alle bis dahin gültigen Sonderrechte kosteten und zusätzliche Sondersteuern aufbürdeten

Die Jesuiten selbst wurden auf Betreiben der Encomenderos 1767/68 durch ein königliches Dekret aus Paraguay ausgewiesen. In der Folge lösten sich die Siedlungen auf und die Indios zogen sich in ihr ursprüngliches nomadisches Leben zurück, nachdem sie den Kontakt zur Zivilbevölkerung der Provinz verloren hatten.

Im Zuge der Reformpolitik König Karls III. kam es 1776 zur Gründung des Vizekönigreiches Río de la Plata, dessen Hauptstadt Buenos Aires sich schon auf dem Weg zur wirtschaftlichen Vormachtstellung in der La Plata – Region befand. Die administrative Trennung brachte auch die wirtschaftliche und politische Selbständigkeit von Lima.

Die Provinz Paraguay wurde eine von acht dem Vizekönigreich unterstellte Intendancia (Steuerbezirk). Man erhoffte sich davon eine Verbesserung der administrativen Organisation.[10]

Die ab 1720 einsetzende liberalere Handelspolitik der kastilischen Kolonialmacht lockerte nach und nach die Handelsrestriktionen von Madrid. Entscheidend waren aber die Reformen von 1777/78, die das Ende der Handelsbeschränkungen zwischen südamerikanischen Häfen und den Beginn des freien Handels mit dem Mutterland brachten. Sie bedeuteten das Aus für Peru und seine Vorherrschaft über die La Plata – Region und für Buenos Aires den endgültigen Durchbruch zu einer der bedeutendsten Handelsmetropolen an der Ostküste Südamerikas.

Die Reformpolitik Karls III., die durch die Stärkung der königlichen Autorität in den Kolonien die anhaltende Abhängigkeit Lateinamerikas von seinem Mutterland zum Ziel hatte, bewirkte, dass alle wichtigen Ämter ausschließlich durch europäische Spanier besetzt werden durften. Durch diese Regelung war den Nachkommen der Conquistadoren und Einwanderer, den Kreolen, die Möglichkeit zu administrativen und bürokratischen Aufstiegschancen verwehrt.

Diese daraus resultierenden politischen und ökonomischen Spannungen in den spanischen Kolonien fanden ihren Ausdruck in den Unabhängigkeitskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts.[11]

2. Die Unabhängigkeit:

2.1. Die Invasion Belgranos:

Im Zuge der französischen Invasion Spaniens wurde Ferdinand VII. 1808 von Napoleon abgesetzt und sein Bruder Joseph als spanischer König eingesetzt.

Die Folge dieser Ereignisse waren die Volksaufstände in Spanien gegen die Herrschaft der Franzosen. Daraufhin übernahm in Spanien vorerst eine Junta Suprema Central die Regierung, die sich jedoch 1809 auflöste, woraufhin sich ein Regentschaftsrat bildete.

Diese Situation der innenpolitischen Instabilität Spaniens nützte 1810 eine Gruppe von Kreolen in Buenos Aires um, eine revolutionäre Junta unter Vorsitz von Cornelio de Saavedra zu bilden, die am 25. Mai die Regierungsgewalt übernahm und den Vizekönig Cisnero zum Rücktritt zwang.

Die Junta rechtfertigte ihre Handlungsweise, indem sie darauf hinwies, dass in Spanien keine geschäftsfähige Regierung mehr existiere, und gab vor, die Regierungsgeschäfte im Namen König Ferdinands VII. zu führen, dessen Oberhoheit von ihr formell weiterhin anerkannt wurde.[12]

Als Hauptstadt des Vizekönigreiches Río de la Plata nahm Buenos Aires das Recht in Anspruch, für alle zu dessen Gebiet gehörende Provinzen zu sprechen und schickte Emissäre in die jeweiligen Provinzhauptstädte, die die Botschaft überbrachten, die Bonarenser Junta anzuerkennen und sich ihr unterzuordnen.[13]

Mit dem Emissär José de Espínola, der die Botschaft in Asunción überbrachte, hatte die Junta eine etwas unglückliche Wahl getroffen, da dieser sich als Stellvertreter des früherern Gouverneurs Lázaro de Ribera durch sein brutales Verhalten einen verhassten Namen gemacht hatte. Dementsprechend kühl verlief der Empfang in Asunción.

Außerdem traf ziemlich zeitgleich eine Nachricht des spanischen Regentschaftsrates in Paraguay ein, der von den einzelnen amerikanischen Provinzen seine Anerkennung forderte.

Um zu beraten, wie sich Paraguay verhalten sollte, wurde am 24. Juli 1810 vom spanischen Gouverneur Bernardo de Velasco y Huydobro in Asunción ein Cabildo abierto[14] einberufen, der einstimmig die Anerkennung des spanischen Regentschaftsrates, aber auch die Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen mit Buenos Aires beschloss. Angesichts der unsicheren Lage entschloss man sich aber auch, sich auf den Verteidigungsfall vorzubereiten.[15]

Die Regierung Buenos Aires verhängte daraufhin eine Blockade über die widerspenstige Provinz und rüstete zu einer militärischen Expedition, die Paraguay unterwerfen sollte. Dieses Heer stand unter dem Befehl Manuel Belgranos, einem Mitglied der Bonarenser Junta.

Das Invasionsheer konnte jedoch von den Paraguayern geschlagen werden, woraufhin Belgrano diplomatische Beziehungen mit den paraguayischen Heeresführern aufnahm und es durch diplomatisches Geschick vermochte, trotz der militärischen Niederlage den freien Abzug seiner Truppen nach Buenos Aires zu erwirken.

Trotz des Sieges über das Bonarenser Heer hatte der spanische Gouverneur Velasco inzwischen das Vertrauen der Paraguayer verspielt, da er sich einerseits nicht persönlich an den Kampfhandlungen beteiligt hatte und andererseits die Portugiesen im benachbarten Brasilien um militärische Unterstützung gebeten hatte, die in der Vergangenheit Paraguay immer wieder überfallen hatten und deswegen als größte Bedrohung ihrer territorialen Integrität empfunden wurden.[16]

2.2. Die Mairevolution und die Proklamation der Republik:

Seit der Bildung der Junta in Buenos Aires hatten sich in Asunción drei Parteien gebildet: Die „partido españolista“ mit Spanien-loyalen Tendenzen, die „porteñistas“, die für eine Anerkennung der Bonarenser Junta eintraten und die „patriotas“, die zwar die Junta von Buenos Aires wohlwollend gegenüberstanden, sich zuerst aber abwartend verhielten.[17]

Im April 1811 begannen verschiedene Anhänger der „patriotas“, Vorbereitungen für einen gewaltsamen Umsturz in Paraguay gegen den spanischen Gouverneur Velasco zu treffen und besetzten am 14. Mai alle wichtigen Plätze der Stadt.

Der Advokat Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia und Capitán Juan Baleriano de Zevallos wurden als Abgeordnete bestimmt, die zusammen mit Velasco die neue provisorische Regierung übernehmen sollten. Damit wurde der Alleinherrschaft des Gouverneurs ein Ende gesetzt.

Im Juni desselben Jahres wurde ein Kongress einberufen, der über die Zukunft Paraguays beraten sollte.

Auf Antrag Mariano Antonio Molas, dem Sprecher der „patriotas“, wurde Velasco die Befehlsgewalt entzogen und eine fünfköpfige Junta Gubernativa gebildet.

Die Präsidentschaft dieser Regierungsjunta übernahm Fulgencio Yegros, ein Militäroffizier, der sich im Kampf gegen das Bonarenser Invasionsheer einen Namen gemacht hatte. Als weitere Mitglieder gehörten der Regierungsjunta Dr. Francia, Francisco Javier Bogarín, ein konservativer Kleriker, der Militär Pedro Juan Cavallero sowie Fernando de la Mora, der die kreolische Elite Asuncións repräsentierte, an.[18]

In den folgenden zwei Jahren nahm die Regierungsjunta Verhandlungen mit Buenos Aires auf. Im Oktober 1811 wurde zwar mit Buenos Aires ein Freundschaftsvertrag geschlossen, in dem Wirtschaftsbeziehungen geregelt wurden, jedoch kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten aufgrund verschiedener Interpretationsmöglichkeiten dieses Ab-kommens, und Buenos Aires versuchte, seine Wünsche mittels wirtschaftlichen Sanktionen durchzusetzen.[19]

Im September 1813 wurde ein Kongress in Asunción einberufen, der die Republik mit Beibehaltung des indianischen Namens Paraguay proklamierte und als neue Regierungsform eine Konsulatsregierung mit den beiden Konsuln Dr. Francia und Fulgencio Yegros vorsah.[20]

Die Ausrufung der Republik bedeutete die faktische Loslösung vom Mutterland Spanien, nachdem die Junta Gubernativa vorher zumindest noch formell die Re-gierungstätigkeit im Namen Ferdinands VII. weitergeführt hatte.

Diese Unabhängigkeit richtete sich aber sowohl gegen Spanien als auch gegen Buenos Aires, und damit gehörte Paraguay zu den ersten lateinamerikanischen Staaten, die ihre Unabhängigkeit von Spanien verkündeten.

II. Teil DIE DIKTATUR DES DR. FRANCIA

1. Dr. Francias Aufstieg zur Macht:

Seit dem Cabildo abierto von 1810, der über die Verhaltensweise Paraguays in Bezug auf die Bonarenser Junta beraten sollte, begann der Advokat Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia eine führende Rolle auf politischer Ebene einzunehmen und hatte an der Entwicklung Paraguays zu einem unabhängigen und selbständigen Staat erheblichen Anteil.

1.1. Zur Person des Dr. Francia:

José Gaspar Rodríguez de Francia wurde am 6. Jänner 1766[21] in Asunción als Sohn von García Rodríguez de Francia und María Josefa Fabiana Velazco y Yegros geboren.[22] Sein Vater dürfte brasilianischer oder portugiesischer Abstammung gewesen sein[23], wobei sich die Quellen jedoch nicht ganz über sein Tätigkeitsfeld einig sind. Die „Encyclopedia of Latin American History and Culture“ spricht von seinem Vater als brasilianischen Militäroffizier, der mit einer Paraguayerin der Elite verheiratet war.[24] Andere Quellen sprechen von einem portugiesischen Immigranten, der Tabakpflanzer war[25] oder einem brasilianischen Kaffeepflanzer.[26] Unumstritten dürfte jedoch sein, dass er der Elite von Asunción entstammte.

Die gesellschaftliche Stellung der Familie Francia manifestiert sich auch in der Tatsache, dass er eine höhere Bildung erhielt. Nachdem er eine elementare Ausbildung in seiner Heimatstadt erhalten hatte, studierte er von 1781 – 85 Theologie und kanonisches Recht am „Colegio de Nuestra Señora de Monserrat“ in Córdoba, von wo er wegen disziplinären Problemen entlassen wurde. 1785 promovierte er zum Doktor der Theologie mit dem Status eines externen Studenten.[27]

Nach seiner anschließenden Rückkehr nach Asunción übte er eine vorübergehende Lehrtätigkeit am „Real Colegio y Seminario de San Carlos“, der einzigen höheren Bildungsanstalt Paraguays dieser Zeit, aus, verließ dieses jedoch 1792, um einer Advokatentätigkeit nachzugehen, wobei er sich den Ruf einbrachte, Arme ohne Bezahlung zu vertreten[28] und für seine Unbestechlichkeit und seinen Gerechtigkeitssinn bekannt war.[29]

1807 wurde er nach anfänglicher Ablehnung als Mitglied des Cabildo de Asunción, dem Stadtrat, zugelassen, wo er politische Erfahrung sammelte und sich auch Respekt für sein rechtliches und administratives Wissen verschuf.[30]

1.2. Francias wachsender Einfluss auf die paraguayische Politik:

Schon auf dem Cabildo abierto von 1810 trat Francia vehement für die Unabhängigkeit Paraguays ein und überraschte die Asuncener Elite, indem er erklärte, dass jegliche Debatte darüber, wer als Souverän Paraguays anerkannt werden sollte, irrelevant wäre. Denn, nachdem Spanien nicht mehr die Macht habe zu regieren, fiele die Souveränität natürlicherweise ans Volk zurück. Daher müsse Paraguay seine Unabhängigkeit erklären, anstatt abhängig von einer Bonarenser Zentralregierung zu verbleiben.

In seiner Rede vor der Versammlung meinte er:

„La única cuestión que debe discutirse en esta asamblea y decidirse por mayoría de votos es: cómo debemos defender y mantener nuestra independencia contra España, contra Lima, contra Buenos Aires y contra Brasil; cómo debemos mantener la paz interna; cómo debemos fomentar la pública prosperidad y el bienestar de todos los habitantes del Paraguay; en suma, qué forma de gobierno debemos adoptar para el Paraguay.“[31]

Natürlich wurde dieser radikale Vorschlag vom Cabildo, an dem ca. 200 Abgeordnete der Asuncener Elite teilnahmen, abgelehnt,[32] dennoch ist hier klar zu erkennen, welche Ideen Francia für die Zukunft Paraguays hatte. Es kommt hier schon klar zum Ausdruck, dass Francias größtes Anliegen für die Zukunft Paraguays dessen absolute Unabhängigkeit gegenüber jeglicher ausländischen Macht war . Auch sein aufgeklärtes Gedankengut lässt sich anhand seiner Forderung nach Wohlergehen für alle Einwohner Paraguays erahnen.

1.2.1. Teilnahme an Verschwörung und Regierungsarbeit:

Während der Verschwörung der „patriotas“ von 1811 gegen den Gouverneur Velasco nahm Francia in einer kritischen Situation eine entscheidende Rolle ein. Als nämlich Velasco die Nachricht vom portugiesischen Gouverneur von Río Grande do Sul erhielt, dass ihm portugiesische Truppen zur Verfügung gestellt werden würden, um Paraguay gegen Buenos Aires zu verteidigen, brauchte Velasco auch keinen Aufstand der „patriotas“ mehr zu befürchten. Dadurch schienen die Pläne der Verschwörer gefährdet, weil sich die militärischen Führer der Verschwörung gerade im Süden des Landes befanden und nicht mehr rechtzeitig in Asunción eingetroffen wären. Eine Revolution konnte nur noch Erfolg haben, wenn sie sofort geschehen würde.

In diesem kritischen Moment allgemeiner Verwirrung übernahm Francia die Führung und gab den jungen Offizieren in Asunción die notwendigen Anweisungen für ihr Handeln.

Nach dem erfolgreichen Aufstand war Francia sowohl Regierungsmitglied des provisorischen Dreierrates, in dem Velasco noch mitregierte, als auch der fünfköpfigen Junta Gubernativa, die, wie vorher erwähnt, am 17. Juni 1811 von einem Kongress gewählt wurde.[33]

In den folgenden eineinhalb Jahren der Regierung dieser fünfköpfigen Junta konnte Francia seinen politischen Einfluss erheblich ausbauen und wurde durch seine politische Arbeit bald zum wichtigsten Regierungsmitglied.

1.2.2. Verhandlungen mit Buenos Aires / gleichzeitiger Rücktritt Francias:

Wie schon an der Rede Francias auf dem Cabildo abierto von 1810 zu erkennen ist, war sein größtes Anliegen, die Unabhängigkeit Paraguays, sowohl von Buenos Aires als auch von Spanien, zu erreichen. Für Kahle

„(...) war Francia der einzige unter den Verschwörern, der eine klare Vorstellung von der Bedeutung der paraguayischen Revolution und den Möglichkeiten hatte, die sich aus ihr für die Schaffung eines souveränen Staates ergaben. Unter allen „Patrioten“ war es allein Francia, der sich völlig selbstlos für die Ideen der Revolution einsetzte, ohne den geringsten persönlichen Vorteil für sich dabei zu erhoffen. Er war unter vielen Revolutionären der einzige Nationalist, der gläubig und fanatisch sein Ziel verfolgte; die Errichtung einer in jeder Hinsicht freien und unabhängigen Republik Paraguay.“[34]

Jedoch sah er sich der Schwierigkeit gegenübergestellt, dass der größte Teil der Revolutionäre eine Buenos Aires-freundliche Gesinnung hatte und dass Buenos Aires durch seine wirtschaftlichen Blockaden die Politik Paraguays beeinflussen konnte.

Als sich Buenos Aires in der misslichen Lage befand, dass seine Truppen in Alto Perú durch Spanien-treue Truppen geschlagen worden waren und dringend einen Bündnispartner gegen die spanischen Truppen benötigte, schickte es im Oktober 1811 Emissäre nach Asunción, die Verhandlungen mit der Junta Gubernativa aufnehmen sollten.

Zur selben Zeit befand sich die Paraguayer Junta Gubernativa gerade in einer kritischen Lage. Durch die anhaltende Wirtschaftsblockade von Buenos Aires war es zu einem Mangel an Lebensmittel in Asunción gekommen und die Junta Gubernativa wurde immer unbeliebter durch die Neigung militärischer Mitglieder zu vielen Festen und teuren Vergnügungen.

In dieser kritischen Situation lehnte Francia auch als Protest gegen die militärische Dominanz in der Junta eine weitere Arbeit in der Regierung ab und zog sich auf seinen Landsitz in Ybiraí zurück.

Nachdem auch Bogarín auf Betreiben Francias[35] aus der Junta ausgeschieden war, waren nur noch Yegros, Cavallero und de la Mora übriggeblieben, die sich mit der Aufgabe überfordert fühlten, alleine in Verhandlungen mit den Bonarenser Delegierten zu treten.

Nach eindringlichen Bitten an Francia, der für seine Redegewandtheit bekannt war, wieder an der Regierung teilzunehmen und die Verhandlungen mit Buenos Aires zu führen, kehrte Francia in die Junta zurück.

Eine Woche dauerten die Besprechungen in Asunción, die im Wesentlichen nur zwischen Francia und Belgrano, einem der Delegierten, geführt wurden und führten zur Unterzeichnung des vorher erwähnten Freundschaftsvertrages zwischen Paraguay und Buenos Aires, in dem Buenos Aires neben anderen wirtschaftlichen und politischen Bestimmungen die Unabhängigkeit Paraguays formal anerkannte.

Jedoch kam es etwa zum gleichen Zeitpunkt zu einem Regierungswechsel in Buenos Aires. Das neue Bonarenser Triumvirat missbilligte die Bestimmungen des Freundschaftsvertrages und in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Streitigkeiten und gegenseitigen Beschuldigungen, die einzelnen Bestimmungen nicht einzuhalten.

Buenos Aires forderte immer wieder militärische Unterstützung von Asunción gegen Spanien, die jedoch von Asunción verweigert wurden, weil Buenos Aires die wirtschaftlichen Vereinbarungen nicht eingehalten hatte.

Nachdem Buenos Aires daraufhin versuchte, Paraguay durch wirtschaftliche Sanktionen unter seine Botmäßigkeit zu bekommen, gab Francia seinen letzen Versuch auf, mit Buenos Aires zu einem Ausgleich zu kommen.[36]

1.2.3. Abermaliger Rücktritt Francias und Steigerung seines Ansehens:

Durch die von Francia geführten Verhandlungen mit Buenos Aires war einerseits das Ansehen Francias weiter gestiegen, andererseits sah er sich einer Opposition gegenübergestellt, die ihm vorwarf, eigene Interessen vor die Anliegen des Vaterlandes zu stellen. Franica wies diese Vorwürfe aufs Schärfste zurück und forderte, dass ein neuer Kongress einberufen werden sollte, der über eine neue Regierungsform beraten sollte.

Nachdem jedoch sein Vorschlag von der Junta abgelehnt wurde, schied er abermals aus der Regierung aus und zog sich auf seinen Landsitz in Ybiraí zurück.[37]

Von seinem Landsitz in Ybiraí aus startete Francia eine Kampagne, durch die er sein Ansehen im Volke steigerte und vor allem Anhänger auf dem Land suchte. Während des Zeitraums von Dezember 1811 bis November 1812 lud er Bauern, Viehtreiber, Landarbeiter, den niedrigen Adel und Bewohner des Landesinneren in sein Landhaus ein, um mit ihnen über eine neue Form der Regierung zu diskutieren.

Diese Kampagne sollte ihm in den folgenden Jahren dazu verhelfen, die Macht im Lande zu übernehmen.[38]

Die schottischen Kaufmannsbrüder Robertson, die sich zu diesem Zeitpunkt in Paraguay aufhielten und zu den größten Kritikern Francias zählen, kommentieren diese Kampagne Francias auf zynische Weise so:

„In der Zeit beschäftigte sich Francia (...) gerade am allereifrigsten mit den fein gesponnenen Umwälzungs-Intriguen gegen die Regierung.

Er empfing heimliche Besuche von den meisten begüterten Grundeigenthümern des Landes; er ermunterte das ehrsüchtige Trachten von Männern, die bisher nicht im Entferntesten daran dachten, sich eine politische Macht zu ertrotzen; (...) Sein Plan bezweckte hauptsächlich, den Landleuten den Argwohn, das Gefühl einzuflößen, daß sie von einigen wenigen unwissend, verdienstlosen Männern regiert würden, und ihnen vorzugaukeln, wie Alles ganz anders wäre, wenn erst er einst wieder an´s Ruder des schwankenden Staatsschiffes gelangte. (...) Auf solche Weise goß Francia das Gift des Mißtrauens und der Unzufriedenheit in die andächtig lauschenden Ohren seiner Compatrioten, die zugleich seine „reine“ Vaterlandsliebe bewunderten, seinen „biederen“ Sinn schätzten, und seine „erschreckliche“ Weisheit ehrten.“[39]

1.2.4. Notwendigkeit der Rückkehr Francias in die Regierung:

Unterdessen hatte die übriggebliebene Junta Gubernativa (Yegros, Cavallero und de la Mora) ein Regierungsprogramm ausgearbeitet, um die anstehenden Probleme des Landes in den Griff zu bekommen (Sicherung der Freiheit; Verbesserung des Erziehungswesens; Förderung der Kultur; Heeresorganisation; Ausbau der Landwirtschaft; Ausbau der Infrastruktur; soziale Maßnahmen) und um zu beweisen, dass Francias Regierungstätigkeit sehr wohl entbehrlich sei.

Abgesehen von der Erlangung der juristischen Unabhängigkeit (die Junta hatte die Audiencia[40], die sich vorher noch in Buenos Aires befunden hatte, nach Asunción verlegt) erreichte die Junta ihre Ziele nicht.

Die Unzufriedenheit der Bevölkerung stieg aufgrund steigender Lebensmittelkosten und Francia, der inzwischen in Ybiraí durch seine Diskussionszirkel der Wortführer der Opposition geworden war, kritisierte die Regierungsarbeit der Junta.[41]

Inzwischen war es in Buenos Aires im Oktober 1812 wieder zu einem Regierungswechsel gekommen. Die neue Regierung nahm den Gedanken auf, einen Generalkongress aller Provinzen des Vizekönigreiches Río de la Plata einzuberufen, um über eine Union der Provinzen abzustimmen. Buenos Aires kündigte an, Emissäre nach Asunción noch vor dem Kongress zu schicken, an dem auch Paraguay teilnehmen sollte.[42]

Wegen der nicht gelösten Probleme des Landes und der Notwendigkeit, erneut mit Buenos Aires in Verhandlungen einzutreten, machte sich das Fehlen Francias in der Junta Gubernativa immer stärker bemerkbar, und Yegros und Cavallero baten am 12. November 1812 in einem Brief Francia erneut, wieder in die Regierung zurückzukehren:

„Con la variación de circunstancias y urgencias en que actualmente se ve, imperiosamente nosotros necesitamos la pronta reunión e incorporación de Usted a la Junta.“[43]

Dieses Mal machte Francia jedoch seine Rückkehr von der Bedingung abhängig, dass ihm ein eigenes Bataillon und die Hälfte der Munitionsvorräte zur Verfügung gestellt würden, um nicht Werkzeug des Militärs zu werden.

Darüber hinaus forderte er die Einberufung eines allgemeinen Kongresses, der über eine neue Regierungsform und neue Regierungsvertreter entscheiden soll.

Nach Genehmigung seiner Forderungen trat Francia am 16. November 1812 wieder in die Regierung ein.[44]

Die beiden Schweizer Ärzte Rengger und Longchamp, die sich in den Jahren 1818 – 26 in Paraguay aufhielten, kommentieren die steigende Bedeutung Francias in der paraguayischen Politik mit folgenden Worten:

„Le docteur Francia, auquel la supériorité de ses talents et l´étendue de ses connaissances, donnaient un ascendant marqué sur ses compatriotes, devint aussitôt l´âme de ce nouveau gouvernement. (…) et malheureusement, tandis qu´on ne l´écoutait point, lorsqu´il s´efforçait de contenir les excès de la révolution, on suivait ses conseils pour les choses nuisibles. Au lieu de s´occuper d´affaires et d´imprimer une marche régulière au gouvernement, les deux vocales et le président, don Fulgencio Yegros, riche campagnard, qui ne savait que monter à cheval et manier le lacet, passaient leur temps à jouer, à parader, à recevoir et à donner des fêtes. (…) Sans respecter les anciennes lois, on n´en donnait point de nouvelles."[45]

2. Die Errichtung der Republik und der Konsulatsregierung:

Francia wird Konsul

Nach dem Wiedereintritt Francias in die Regierung baute er seinen Einfluss in der Junta weiter aus, indem er dem Sekretär der Junta de la Mora, dem letzten verbleibenden Zivilmitglied der Regierung, durch Nachweisen von Nachlässigkeiten und Verfehlungen in seinem Amt aus der Junta entfernen konnte.

De la Mora war auch der letzte in der Junta gewesen, der in offener Opposition zur Politik Francias stand, nachdem schon Bogarín, ein konservativer Kleriker, auf Betreiben Francias zurückgetreten war (vgl. S. 19).[46]

Von den beiden Militärs Yegros und Cavallero hatte Francia keine Opposition zu befürchten.

Als der Bonarenser Gesandte Herrera im Mai 1813 in Asunción eintraf, um mit der Regierung Verhandlungen über die Teilnahme Paraguays am Generalkongress aller Provinzen des Vizekönigreiches Río de la Plata aufzunehmen, hatte die Junta Gubernativa schon alle Vorbereitungen getroffen, um den von Francia geforderten paraguayischen Kongress einzuberufen.

Herrera trat in Verhandlungen mit Francia ein, musste jedoch bald erkennen, dass Francia nicht an einer Teilnahme Paraguays an einem Generalkongress der Provinzen interessiert war. Jedoch sollte diese Frage auf dem Paraguayer Kongress, der für September geplant war, zur Abstimmung kommen.[47]

Francia überwachte die Vorbereitungen für diesen Kongress und organisierte sein Zustandekommen. Dabei bediente er sich das erste Mal in der Geschichte Paraguays des allgemeinen Wahlrechtes.

Bisher waren die Kongresse nichts anderes gewesen als „Cabildos abiertos“, also öffentliche Versammlungen, an denen nur ein bestimmter Kreis von angesehenen Stadtbürgern auf die Einladungen der Junta und des Cabildos hin teilgenommen hatten, um über die vorgetragenen Fragen und Probleme zu beraten.[48]

Bei diesem Kongress hatten jedoch alle männlichen Bürger Paraguays über 23 Jahre das Recht, in ihrem Ort Abgeordnete gemäß der Einwohnerzahl des Ortes zu wählen, die am Kongress in Asunción teilnehmen sollten.[49]

Diese Wahlordnung war so gewählt, dass sich eine Mehrheit der ländlichen Gemeinden ergaben. Francia wusste, dass er auf die Unterstützung der Landbevölkerung zählen konnte, währenddessen ihm die Opposition von der Asuncener Elite gegenüberstand.

„In dieser wohlüberlegten Berechnung Francias, zu einem für seine Pläne günstigen Mehrheitsbeschluß zu kommen, liegt die alleinige Ursache für das Zustandekommen jenes freien und allgemeinen Wahlrechts“.[50]

Am 30. September 1813 trat der Kongress schließlich in Asunción zusammen. Mehr als tausend Abgeordnete waren aus allen Teilen des Landes gekommen.

Als ersten Sprecher wurde Herrera das Wort erteilt, um die Vorschläge der Bonarenser Regierung zur Diskussion zu stellen.

Herrera erklärte die Vorteile, die Paraguay bei einer Teilnahme am Generalkongress und dem Beitritt der „Vereinigten Provinzen“ hätte und drohte anschließend mit einer wirtschaftlichen Blockade von Buenos Aires, falls Paraguay sich nicht freiwillig unterwerfen würde. Diese Drohung provozierte klarerweise eine ablehnende Haltung der Abgeordneten, die daraufhin einstimmig gegen eine Teilnahme Paraguays am Generalkongress stimmten.

In den folgenden Tagen wurde über den eigentlichen Grund, warum der Kongress zusammengetreten war, beraten und diskutiert – nämlich der Frage der Neuorganisation des Staates und der Regierung.

Nachdem innerhalb mehrerer Tage die Beratungen keine Ergebnisse brachten, provozierte Francia zusammen mit Cavallero eine neue Regierungskrise, indem beide am 10. Oktober von allen Ämtern zurücktraten. Damit verblieb Yegros als einziges Mitglied noch in der Junta.

Wiederum hatte Francia die Taktik des Rücktritts angewandt, um eine Entscheidung zu seinen Gunsten zu erwirken, und wiederum konnte er seinen Willen durchsetzen.

Der Kongress war ohne die Mitarbeit Francias ratlos und beauftragte Francia und Yegros mit der Ausarbeitung und Vorlage eines Regierungsprogramms, das dem Kongress zur Diskussion gestellt werden könnte.

Am 12. Oktober 1813 präsentierten Francia und Yegros dem Kongress das ausgearbeitete Programm, welches sich an römischen Vorbildern orientierte. Die neue Regierung sollte eine Konsulatsregierung sein, in der zwei Konsuln abwechselnd einer Regierungsperiode vorsaßen.

Dieser Plan wurde von den Abgeordneten mit Beifall angenommen und daraufhin wählte man Francia und Fulgencio Yegros zu den Beiden Konsuln der „Republik von Paraguay“.[51]

Der Erlass, den der Kongress am 21. Oktober veröffentlichte, beinhaltete 17 Artikel und stellt die erste Konstitution Paraguays dar.[52]

Die wichtigsten Bestimmungen der Verfassung waren folgende:

- Wie vorher erwähnt, definierte die Konstitution Paraguay als Republik und vollzog somit offiziell die absolute Trennung sowohl vom Vizekönigreich Río de la Plata als auch von Spanien.
- Die Regierung besteht aus zwei Konsuln, die von der Republik Paraguay ernannt werden. Beide verfügen über gleiche Machtbefugnisse, die von ihnen gemeinsam ausgeübt werden. Im Vorsitz wechseln sich die Konsuln alle vier Monate ab. Den Oberbefehl über die Streitkräfte haben beide gemeinsam, wobei jedem Konsul die Hälfte des Heeres zur Verfügung steht. Im Fall von Meinungsverschiedenheiten unter den beiden Konsuln soll die Entscheidungsgewalt beim Konsulatssekretär lieben. In letzter Instanz hat in allen privaten und öffentlichen Streitigkeiten ein „Oberstes Berufungsgericht“ das letzte Wort. Dieses Gericht zu schaffen, wird eine der Aufgaben der neuen Regierung sein. Wenn einer der beiden Konsuln stirbt oder zurücktritt, muss zwecks Neuwahl ein allgemeiner Kongress einberufen werden.

- Gemäß den Bestimmungen, wie sie für den Zusammentritt des Kongresses von 1813 galten, solle jährlich ein allgemeiner Kongress zusammentreten, um über anstehende Probleme und Fragen von nationalem Interesse zu beraten.[53]

[...]


[1] Ein Kreole ist ein in Lateinamerika geborener Nachfahre, dessen Eltern Europäer (meist Spanier) sind.

[2] Der Titel Diktator hatte im 19. Jahrhundert noch keine negative Konnotation und wurde in seiner Bedeutung des römischen Rechtssystems genutzt, demzufolge ein Diktator in Krisenzeiten mit unumschränkten Machtbefugnissen für einen beschränkten Zeitraum versehen wurde. Vgl. dazu: Sandra CARRERAS; Del "reino del terror“ al “modelo de desarrollo autocentrado“. Las diferentes interpretaciones acerca de la figura histórica del Dictador Supremo del Paraguay, Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia; in: Iberoamericana; Lateinamerika, Spanien, Portugal; 16. Jg./Nr. 1 (45); Berlin 1992; S. 17-35; hier S. 21

In Spanisch-Amerika war es zur Zeit der Unabhängigkeitskriege keine Seltenheit, dass in den neu entstandenen Staaten Herrscher mit diesem Titel bekleidet wurden, wie z.B. Simón Bolívar bei mehreren Gelegenheiten in Venezuela, Peru und Kolumbien als Diktator ausgerufen wurde. Vgl. dazu John LYNCH; Caudillos in Spanisch America, 1800-1850; Oxford 1992; S. 7

[3] Das Konzept der autozentrierten Entwicklung durch Dissoziation, oder dissoziatives Entwicklungsmodell, geht davon aus, dass ein Land, das in einer unterentwickelten Phase gegenüber höher entwickelten Ländern steht, durch Dissoziation (Absperrung, Abkoppelung) gegenüber der Außenwelt seine Wirtschaft und Agrikultur entwickeln sollte, um nicht in die Abhängigkeit der Außenwelt zu geraten, was seinerseits hemmend auf die Entwicklung des jeweiligen Landes einwirken würde. Damit steht diese Theorie im starken Gegensatz zur liberalen und imperialistischen Handelspolitik Englands, Europas und später der USA. Geprägt wurde dieser Begriff vom deutschen Volkswirtschaftler Friedrich List (1789 – 1846) und später, in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, von der Entwicklungsdebatte wieder aufgegriffen. Vlg. dazu Frieder SCHMELZ; Paraguay im 19. Jahrhundert – ein früher Fall dissoziativer Entwicklung; Heidelberg 1981; S. 40-43 u. 49-53

[4] Falls nicht anders angegeben, folgt diese kurze Zusammenfassung der Kolonialgeschichte Paraguays den Darstellungen Kahles: Günter KAHLE; Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins; Köln 1962; Dissertation; S. 24-190; sowie Günter KAHLE; Paraguay, un experimento histórico; in: Lateinamerika Studien; Bd. 14; München 1984; S. 109 – 130; hier: S. 109-114

[5] Jene Expeditionen im Auftrag der spanischen Krone, an denen Mendoza zur Eroberung des La Plata – Beckens teilnahm, dienten vorrangig der Suche nach Gold und Silber bzw. einem Landweg nach Peru, wo diese Schätze vermutet wurden. Weiters wollte der spanische König das La Plata – Becken militärisch gesichert wissen, um möglichen portugiesischen Ansprüchen zuvorzukommen.

[6] Institution während des spanischen Kolonialsystems, durch die ein Kolonist über Tribute oder Arbeitskräfte einer Indiogruppe verfügen konnte. Der Kolonist übernahm umgekehrt die Verpflichtung, die Indios zu beschützen und zu evangelisieren.

[7] Diese Raubzüge der Portugiesen – in diesem Zusammenhang auch Paulistaner (aus der Herleitung der Stadt São Paolos), Bandeirantes oder Mameluken genannt – stellten für Paraguay eine ständige Bedrohung dar. Hinzu kamen auch immer wieder Angriffe feindlich gesinnter Indianerstämme und anhaltende Grenzkonflikte. In der Folge entstand schon sehr früh ein chronischer Selbstverteidigungszwang, der die Militarisierung Paraguays vorantrieb, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl des Volkes zunehmend stärkte. (Denselben Effekt hatte auch die gemeinsame Indianersprache Guaraní.)

[8] Der Yerba Maté bildete neben Tabak, Wein , Zucker und Branntwein den Hauptexportartikel Paraguays. Da dieser Tee ein begehrtes Genussmittel des Gebietes war, wurde der Kultivierung dieser Pflanze besondere Aufmerksamkeit geschenkt

[9] Betreiber einer Encomienda; vgl. Fußnote 6

[10] Susanne SOUCEK; Der Fall Paraguay 1811 – 1870. Eine entwicklungssoziologische Interpretation der Geschichte Paraguays; Wien 1993; Diplomarbeit; S. 13

[11] vgl. dazu: John LYNCH; The Spanish American Revolutions 1808 – 1826; New York, London 1986 (2. Aufl.); S. 7-36

[12] KAHLE; Grundlagen; S. 233

[13] Barbara POTTHAS – JUTKEIT; „Paradies Mohammeds“ oder „Land der Frauen“? Zur Rolle von Frau und Familie in Paraguay im 19. Jahrhundert; Köln, Weimar, Wien 1994; S. 57

[14] „Öffentliche Versammlung“, an der nur männliche Mitglieder der Asuncener Elite teilnehmen durften.

[15] POTTHAST; Paradies; S. 57 f.

[16] KAHLE; Grundlagen; S. 236 - 240

[17] KAHLE; Grundlagen; S. 234 f.

[18] ebd.; S. 241-246

[19] Daniela KRAUS und Renée LUGSCHITZ; Der Tripel-Allianz-Krieg – das Ende des paraguayischen Sonderwegs und seine Wahrnehmung in Österreich; Wien 1995; Diplomarbeit; S. 24 f.

[20] KAHLE; Grundlagen; S.269 ff.

[21] Rengger gibt fälschlicherweise das Geburtsjahr Francias mit 1776 an, weswegen häufig dieses Jahr als Resultat eines Folgezitatfehlers angegeben wird; vgl. dazu: Johann R. RENGGER und LONGCHAMP; Essai Historique sur la Révolution du Paraguay, et le Gouvernement dictatorial du Docteur Francia; Paris 1827; S. 7

[22] Luis G. BENÍTEZ; Manual de Historia del Paraguay; Asunción 1993; S. 87

[23] Rengger leitet jedoch seinen Namen de Francia daraus ab, dass sein Vater geborener Franzose gewesen wäre , seine Jugend später aber in Portugal verbracht hätte, weswegen man ihn in Paraguay portugiesischen Ursprungs glaubte. Francia würde aber bevorzugen zu behaupten, dass französisches Blut in seinen Adern fließt; RENGGER; Essai Historique; S. 7 f.

[24] ENCYCLOPEDIA of Latin American History and Culture; (Hg. Barbara A. Tenenbaum);Vol. I; New York 1996; S. 607

[25] R. Andrew NICKSON; Historical Dictionary of Paraguay; London 1993 (2. Aufl.); S. 240

[26] ENCYCLOPAEDIA BRITANICA; A New Survey of Universal Knowledge; London 1962; Vol. 9; S. 665

[27] CARRERAS; “reino del terror”; S. 19

[28] NICKSON; Dictionary; S. 240

[29] POTTHAST; Paradies; S. 58

[30] ENCYCLOPEDIA of Latin American History; S. 607

[31] “Die einzige Frage, worüber in dieser Versammlung diskutiert und mit Mehrheit abgestimmt werden muss, ist: Wie sollen wir unsere Unabhängigkeit gegenüber Spanien, Lima, Buenos Aires und Brasilien verteidigen und bewahren; wie sollen wir den inneren Frieden bewahren; wie sollen wir die öffentliche Prosperität und den Wohlstand von allen paraguayischen Bürgern fördern; zusammengefasst: Welche Regierungsform sollen wir in Paraguay anwenden?“ (Übers. d. Verf.); Cecilio BÁEZ; Historia Colonial del Paraguay y Río de la Plata; Asunción 1926; zitiert nach: Richard Alan WHITE; La Primera Revolución Popular en América, Paraguay (1810 – 1840); Asunción 1989; S. 40

[32] WHITE; Revolución; S. 40

[33] KAHLE; Grundlagen; S. 242-246

[34] KAHLE; Grundlagen; S. 251

[35] White argumentiert in diesem Zusammenhang, dass Francia von Ybiraí aus schon einen ersten Angriff auf die Kirche gemacht habe und den Rücktritt des konservativen Klerikers Bogarín zur Bedingung seiner Rückkehr gemacht habe; vgl. dazu: WHITE; Revolución; S. 54

[36] KAHLE; Grundlagen; S 246-260

[37] KAHLE; Grundlagen; S. 261

[38] WHITE; Revolución; S. 57 f.

[39] J. P. und W. P. ROBERTSON; Dr. Francia, Dictator von Paraguay, geschildert während eines vierjährigen Aufenthalts in dieser Republik, nebst den nöthigen Erläuterungen über die südamerikanische Revolution; 3 Bde.; Leipzig 1839; Bd. I; S. 359 ff.

[40] Gemeinsames Justiztribunal eines Territoriums

[41] KAHLE; Grundlagen; S. 263 f.

[42] WHITE; Revolución; S. 61

[43] „Wegen der verschiedenartigen Umstände und Dringlichkeiten, in denen wir uns zur Zeit sehen, benötigen wir dringend Ihre baldige Vereinigung und Inkorporation in die Junta.“ (Übers. d. Verf.) ; BNJR (Biblioteca Nacional, Río de Janeiro, Brasil); CRB; 1-30; 2; leg. 80 (Coleção de Angelis, Salón 1, armario 28, estante 36, legajo 32); Yegros y Caballero a Francia, 12 de Noviembre de 1812; zitiert nach: WHITE; Revolución; S. 61

[44] KAHLE; Grundlagen; S. 264

[45] "Durch die Überlegenheit seiner Talente und die Vielfalt seiner Kenntnisse, die ihm einen Aufstieg ermöglichten und weswegen er von seinen Landsmännern geschätzt wurde, war Dr. Francia von Anfang an die Seele der neuen Regierung. (...)Leider befolgte man seinen Rat nur für unbedeutende Dinge und hörte ihm kaum zu, während er sich anstrengte, die Exzesse der Revolution in Zaum zu halten. Statt sich den Geschäften zu widmen und der neuen Staatsverfassung einen geregelten Gang zu geben, brachten die beiden Vocales und der Präsident Don Fulgencio Yegros, ein reicher Gutsbesitzer, der nichts anderes konnte als auf entspannte Weise zu reiten, ihre Zeit mit Spielen, mit öffentlichen Aufzügen und mit Lustbarkeiten zu. (...) Neue Gesetze gab es nicht und die alten wurden nicht mehr geachtet.“ (Übers. d. Verf.); RENGGER; Essai Historique; S. 12 ff.

[46] WHITE; Revolución; S. 54

[47] KAHLE; Grundlagen; S. 270 f.

[48] KAHLE; Grundlagen; S. 271

[49] WHITE; Revolución; S. 64

[50] vgl. Efraím CARDOZO; Paraguay Independiente; Barcelona 1949; S. 44; zitiert nach: KAHLE; Grundlagen; S. 272

[51] KAHLE; Grundlagen; S. 273 f.

[52] WHITE; Revolución; S. 66

[53] KAHLE; Grundlagen; S. 274 f.

Ende der Leseprobe aus 125 Seiten

Details

Titel
Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?
Hochschule
Universität Wien  (FB Geschichte)
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
125
Katalognummer
V13215
ISBN (eBook)
9783638189170
ISBN (Buch)
9783640328475
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lateinamerika, Paraguay, 19. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Birgit Hittenberger (Autor), 2002, Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13215

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