Forderungsausfälle drohen Unternehmen, die ihren Kunden Lieferantenkredite gewähren. Die Einräumung von Zahlungszielen stellt – vor allem im Außenhandel – ein höheres Risiko für Unternehmen im Vergleich zum Binnenhandel dar. Dies haben Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit wiederholt gezeigt. Um die Liquidität oder sogar die eigene Existenz nicht zu gefährden,
sichern Unternehmen ihre Auslandsforderungen mit Absicherungsinstrumenten wie z. B. einer Ausfuhrkreditversicherung ab.
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die staatliche Ausfuhrkreditversicherung, die von der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG im Auftrag und für Rechnung der Bundesrepublik Deutschland angeboten wird. Vorgestellt werden die Grundlagen des Systems sowie die für Unternehmen der chemischen Industrie relevanten Deckungsformen.
Mit dem von den Unternehmen der Branche meistgenutzten Deckungsinstrument, der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung, können Exporteure Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
gegen eine Vielzahl ausländischer Kunden in verschiedenen Ländern absichern.
Die Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung wurde zum 01.01.2006 reformiert. Diese Arbeit untersucht die Änderungen sowie die Gründe für die Reform und setzt sich mit den Auswirkungen
der einzelnen Reformpunkte auf die Unternehmenspraxis auseinander. Die Ergebnisse werden durch eine empirische Untersuchung belegt, welche im Kreise von ausgewählten Großunternehmen der chemischen Industrie durchgeführt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Motivation der Arbeit
1.2 Terminologische Vorbemerkungen
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Methode der Untersuchung
2. Grundlagen der Ausfuhrgarantien des Bundes
2.1 Deckungsfähige Risiken
2.2 Motive der Außenwirtschaftsförderung
2.3 Zur Historie der Ausfuhrgarantien
2.4 Ordnungspolitische und rechtliche Grundlagen
2.5 Internationale Zusammenarbeit
3. Abgrenzung der Ausfuhrgarantien des Bundes
3.1 Abgrenzung zu den privaten Exportkreditversicherern
3.2 Abgrenzung zur Exportfinanzierung
4. Das System der staatlichen Ausfuhrgarantien
4.1 Systematische Grundlagen
4.1.1 Garantien und Bürgschaften
4.1.2 Kurzfristige und mittel-/langfristige Geschäfte
4.1.3 Fabrikations- und Kreditrisiken
4.2 Lieferantenkreditdeckungen
4.2.1 Einzeldeckung
4.2.2 Revolvierende Deckung
4.2.3 Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung
4.2.4 Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung-light
4.2.5 Nutzung der Deckungsformen
4.3 Antrags- und Entscheidungsverfahren
4.3.1 Organisatorische Grundlagen und Verfahren
4.3.2 Kriterien der Indeckungnahme
4.4 Entschädigungsverfahren und Umschuldung
5. Die Reform der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung
5.1 Die Punkte der Reform
5.1.1 Einbeziehungsrecht statt Einbeziehungspflicht
5.1.2 Entgeltsystem und Bonus/Malus-System
5.1.3 Verkürzte Vertragslaufzeit auf ein Jahr
5.1.4 Wegfall der Kursbegrenzung bei Hartwährungen
5.1.5 Umsatzmelderecht bei isolierter politischer Deckung
5.1.6 Senkung der Selbstbeteiligung für wirtschaftliche Schäden
5.1.7 Einführung einer Anbietungsgrenze
5.1.8 Wegfall der isolierten politischen Deckung bei Sichtakkreditiven
5.1.9 Neustrukturierung der Umsatzmeldungen
5.1.10 Obligatorische Onlineabwicklung
5.2 Software für die Abwicklung der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung
6. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung staatlicher Exportkreditgarantien, insbesondere der zum 01.01.2006 reformierten Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung (APG), für Unternehmen der chemischen Industrie. Ziel ist es, die Auswirkungen der Reform auf die Unternehmenspraxis zu analysieren, wobei die Ergebnisse durch eine empirische Umfrage unter Großunternehmen der Branche untermauert werden.
- Grundlagen und Systematik der staatlichen Exportkreditgarantien (Hermesdeckungen).
- Abgrenzung der staatlichen Absicherung zu privaten Versicherern und Exportfinanzierungsmitteln.
- Detaillierte Analyse der APG-Reformpunkte und deren Einfluss auf die betrieblichen Abläufe.
- Empirische Auswertung der Zufriedenheit von Industrieunternehmen mit den neuen Regelungen.
- Bedeutung von Softwarelösungen (z.B. KVsprint) bei der administrativen Abwicklung der APG.
Auszug aus dem Buch
1.1 MOTIVATION DER ARBEIT
„Unternehmen, die sich vor Forderungsausfällen … schützen wollen, schließen eine Kreditversicherung ab.“
Ganz im Sinne dieses Zitats sieht die heutige Unternehmenspraxis aus. Mit einer Warenkreditversicherung als Teil des Risikomanagements können Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abgesichert werden, die durch die Vergabe von Lieferantenkrediten an Kunden entstehen. Forderungsausfälle bedrohen Unternehmen mit geringer Eigenkapitalausstattung und schlechter Bonität in ihrer Existenz. Aber auch solvente Unternehmen müssen sich die Frage stellen, wie sich ein Forderungsausfall auf die Bilanz auswirken könnte – zumindest, wie viel schadensfreier Mehrumsatz nötig wäre, um einen Forderungsausfall zu amortisieren.
Genutzt werden kann eine WKV sowohl im In- als auch im Ausland. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den Außenhandel und die für dieses Segment angebotenen Kreditversicherungen. Im Gegensatz zum Binnenhandel geht die Abwicklung von Geschäften in anderen Ländern oft mit höheren Risiken einher. Längere Transportwege, ein eventuell nötiger Wechsel der Transportmittel oder länderspezifische Einflussfaktoren, wie z. B. die Zollabwicklung, sorgen für längere Transport- und Bearbeitungszeiten. Diese wirken direkt auf die Zahlungsziele, die dadurch länger als im Inland ausfallen und das Risiko eines Forderungsausfalls für den Lieferanten anwachsen lassen. Höhere Risiken ergeben sich aber auch aus anderen, dem Exporteur teilweise unbekannten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Motivation, Terminologie, den Aufbau der Arbeit sowie die verwendete postalische Umfragemethode unter Unternehmen des VCI-Arbeitskreises vor.
2. Grundlagen der Ausfuhrgarantien des Bundes: Erläutert die Risikostruktur (Länder- und wirtschaftliche Risiken), die Motive der Außenwirtschaftsförderung sowie den historischen und ordnungspolitischen Rahmen.
3. Abgrenzung der Ausfuhrgarantien des Bundes: Differenziert das staatliche System von privaten Exportkreditversicherern und ordnet es in den Bereich der staatlichen Nicht-Exportfinanzierung ein.
4. Das System der staatlichen Ausfuhrgarantien: Beschreibt die systematischen Grundlagen, Deckungsformen wie die APG, Antragsverfahren sowie die Entschädigungs- und Umschuldungsprozesse.
5. Die Reform der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung: Analysiert die einzelnen Reformpunkte zum 01.01.2006, deren Auswirkungen auf die Unternehmenspraxis sowie die Rolle von IT-Software bei der Abwicklung.
6. Schlussbetrachtung und Ausblick: Bewertet das staatliche System als unverzichtbares Instrument für die Exportwirtschaft und fasst die Reform als praxisorientierte Flexibilisierung zusammen.
Schlüsselwörter
Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung, APG, Hermesdeckung, Exportkreditgarantie, Kreditversicherung, Warenkreditversicherung, Exportförderung, Chemische Industrie, Risikomanagement, Außenhandel, Risikodeckung, Bonitätsprüfung, Reform, Exportfinanzierung, Forderungsausfall.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der staatlichen Exportkreditgarantien (bekannt als Hermesdeckungen) für Unternehmen der deutschen chemischen Industrie und untersucht spezifisch die Auswirkungen der Reform der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung (APG) zum 01.01.2006.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Risikostruktur des Außenhandels, die Funktionsweise staatlicher Absicherungsinstrumente, die Abgrenzung zu privaten Versicherern sowie eine detaillierte Evaluation der APG-Reform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen und die Anwendungspraxis der reformierten APG für Chemieunternehmen aufzuzeigen und die Reformschritte auf ihre Praktikabilität hin zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine postalische Umfrage unter elf Unternehmen des Arbeitskreises „Außenwirtschaftliche Absicherung“ des Verbandes der Chemischen Industrie durchgeführt, ergänzt durch eine statistische Auswertung der Antworten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der staatlichen Garantien, das System der verschiedenen Deckungsformen, die detaillierte Analyse der einzelnen Reformpunkte sowie deren Implementierung in IT-Softwarelösungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere APG, Hermesdeckung, Exportkreditgarantie, Risikomanagement, Außenhandel, Chemische Industrie und staatliche Außenwirtschaftsförderung.
Wie bewerten die Unternehmen das neue Einbeziehungsrecht für Länder?
Das Einbeziehungsrecht wurde von den befragten Unternehmen durchweg positiv aufgenommen und in der Umfrage als eine der wichtigsten und am meisten geschätzten Neuerungen der Reform hervorgehoben.
Gibt es noch Verbesserungspotenzial bei der Softwareanbindung?
Ja, laut der Umfrage besteht insbesondere der Wunsch nach einer direkten Schnittstelle für monatliche Umsatzmeldungen aus der Software KVsprint, um den verbleibenden manuellen Aufwand bei der Onlineabwicklung zu eliminieren.
- Quote paper
- Christian Ludwig (Author), 2006, Die Bedeutung der staatlichen Exportkreditgarantien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132152