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Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?

Title: Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?

Diploma Thesis , 2002 , 125 Pages , Grade: gut

Autor:in: Birgit Hittenberger (Author)

History - America
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Summary Excerpt Details

Paraguay war das erste Land Lateinamerikas, das offiziell die Unabhängigkeit von Spanien erklärte und sich gleichzeitig vom Vizekönigreich Río de la Plata lossagte.
An diesem Unabhängigkeitsprozess Paraguays hatte der kreolische Advokat Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia einen erheblichen Anteil. Er entsprang der Asuncener Elite und war in Asunción als Rechtsanwalt tätig.
Durch sein Mitwirken wurde die Republik ausgerufen und daraufhin wurde er gemeinsam mit dem Militär Fulgencio Yegros zum Konsul gewählt.
1814 ließ er ließ sich auf einem Volkskongress, bei dem zum ersten Mal das allgemeine Wahlrecht für Männer angewandt wurde, zum Diktator für fünf Jahre begrenzt wählen und wurde 1816 vom alljährlich zusammenkommenden Kongress zum „Dictador Supremo“ auf Lebzeiten gewählt.
Seit dem Zeitpunkt seiner Wahl zum Diktator konnte Dr. Francia mit unumschränkter Macht herrschen und bewahrte sich diese absolute Machtstellung bis zu seinem Tod im Jahre 1840. Während seiner fast dreißigjährigen Herrschaft wurde die Opposition, die sich aus der spanischen und kreolischen Elite zusammensetzte, unterdrückt und nicht einmal eine große Verschwörung im Jahre 1820, an der ein großer Teil der Oligarchie beteiligt war, konnten den Diktator seine Machtstellung streitig machen.
Damit stellt er ein seltenes Beispiel eines Herrschers in den Revolutions- und Bürgerkriegen Lateinamerikas der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar, der bis zu seinem Tode seine Macht erhalten konnte und eines natürlichen Todes starb.
In der Historiographie löste die Persönlichkeit Francias eine recht widersprüchliche Diskussion aus, die bis heute nicht entschieden zu sein scheint. Lange Zeit im 19. Jahrhundert bot die Politik Francias großen Anlass zur Kritik, die vor allem von seinen politischen Gegnern, der kreolisch-spanischen Oligarchie und den sich in Paraguay aufhaltenden Aus-ländern, geführt wurde. Deswegen war seine Herrschaft lange hindurch nur als reine Tyrannei bekannt, die er durch grausame Repression aufrechterhalten konnte.
Die moderne Historiographie jedoch unternahm eine gewaltige Anstrengung, dieses Bild des Tyrannen einer sorgfältigen Analyse zu unterziehen und entdeckte in ihm einen Vorläufer sozialistischer Ideen, der durch aufgeklärtes Gedankengut das Wohl der Mehrheit der Be-völkerung im Auge hatte und vor allem den Aufbau einer sicheren, souveränen und unabhängigen Nation gewährleisten wollte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

I. Teil PARAGUAYS WEG VON DER KOLONIALZEIT BIS ZUR UNABHÄNGIGKEIT

1. Paraguay während der Kolonialzeit

2. Die Unabhängigkeit

2.1. Die Invasion Belgranos

2.2. Die Mairevolution und die Proklamation der Republik

II. Teil DIE DIKTATUR DES DR. FRANCIA

1. Dr. Francias Aufstieg zur Macht

1.1. Zur Person des Dr. Francia

1.2. Francias wachsender Einfluss auf die paraguayische Politik

1.2.1. Teilnahme an Verschwörung und Regierungsarbeit

1.2.2. Verhandlungen mit Buenos Aires/gleichzeitiger Rücktritt Francias

1.2.3. Abermaliger Rücktritt Francias und Steigerung seines Ansehens

1.2.4. Notwendigkeit der Rückkehr Francias in die Regierung

2. Die Errichtung der Republik und der Konsulatsregierung: Francia wird Konsul

3. Der Übergang von der Konsulatsregierung zur Diktatur Francia wird Diktator

3.1. Der Kongress von 1814

3.2. Das erste Regierungsjahr der Diktatur

3.3. Der Kongress von 1816

4. Die Diktatur

4.1. Ausbau der Macht

4.1.1. Francias Eliten- und Ausländerpolitik

4.1.1.1. Das „Droit d´Aubaine“

4.1.1.2. Heiratsbestimmungen

4.1.1.3. Zur „Fremdenfeindlichkeit“ Francias

4.1.2. Bildung einer loyalen Armee

4.1.3. Aufbau einer paraguayischen Nationalkirche

4.1.3.1. Francias antiklerikale Einstellung

4.1.3.2. Maßnahmen gegen die Kirche

4.1.3.3. Vorteile Francias Kirchenpolitik für den Staat

4.1.4. Verschwörung und Repression

4.1.4.1. Die große Verschwörung von 1820

4.1.4.2. Die Repression

4.1.4.3. Bewertung seiner repressiven Politik

4.2. Das Reformwerk Francias

4.2.1. Verwaltung, Infrastruktur und öffentliche Sicherheit

4.2.2. Wirtschaftsreformen

4.2.3. Landwirtschaft

4.2.4. Industrie und Gewerbe

4.2.5. Bildungspolitik

4.2.5.1. Förderung des Elementarunterrichts

4.2.5.2. Vernachlässigung der höheren Bildung

4.2.5.3. Zur „Intelligenz-Vernichtungss-These“ der Politik Francias

4.3. Außenhandel und Außenpolitik – zur „Isolationspolitik“ Francias

4.3.1. Verhältnis zu Buenos Aires/Argentinien / Handel über Pilar

4.3.2. Verhältnis zu Brasilien / Handel über Itapúa

4.3.3. Verhältnis zu England

4.3.4. Verhältnis zu Entre Ríos / Uruguay

4.3.5. Verhältnis zu Bolivien

4.3.6. Konsequenzen der Isolationspolitik Francias

4.4. Das Erbe der Diktatur Francias

III. Teil FRANCIAS HERRSCHAFT IM HISTORISCHEN KONTEXT LATEINAMERIKAS: CAUDILLO UND CHARISMATIKER?

1. Die widersprüchliche Darstellung der Diktatur Francias in der Historiographie

1.1. Die Geschichtsscheibung Europas im 19. Jahrhundert

1.2. Die Lateinamerikanische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts

1.3. Die Neuinterpretation moderner Historiker des 20. Jahrhunderts

2. Francias Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?

2.1. Das Herrschaftsmodell laut Weber – die charismatische Herrschaft

2.2. Francia – ein charismatischer Herrscher?

2.3. Allgemeine Betrachtungen zum Begriff Caudillo

2.4. Francia – ein Caudillo?

SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Herrschaft des paraguayischen Diktators Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia (1814–1840) im historischen Kontext Lateinamerikas. Das zentrale Ziel ist es, die Grundlagen seiner absoluten Machtausübung zu analysieren, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, ob Francia als "Charismatiker" nach Max Weber oder als "Caudillo" einzustufen ist, und inwieweit seine Isolationspolitik zur Konsolidierung des Staates beitrug.

  • Historische Entwicklung Paraguays von der Kolonialzeit zur Unabhängigkeit
  • Analyse des Diktaturmodells von Dr. Francia und seine Herrschaftstechniken
  • Theoretische Einordnung mittels Max Webers Herrschaftsmodell und dem Caudillo-Phänomen
  • Bedeutung der Isolationspolitik für die staatliche Souveränität
  • Historiographische Aufarbeitung der Diktatur zwischen Tyrannei-Mythos und moderner Neuinterpretation

Auszug aus dem Buch

4.1.3.2. Maßnahmen gegen die Kirche:

Nach seiner Wahl zum Diktator begann Francia gegen die in Paraguay noch befindlichen spanischen Priester vorzugehen.

Um die Ordensgeistlichen gegen jeden ausländischen Einfluss abzuschirmen, unternahm er 1815 den ersten Schritt, um die Kirche unter die nationale Jurisdiktion zu stellen. Er verbot jegliche Einmischung von ausländischen Geistlichen in Kirchen- und Gemeindeangelegenheiten Paraguays und entband die paraguayischen Geistlichen von ihrer Gehorsamspflicht gegenüber den Ordensprovinzialen, Dom- und Ordenskapiteln und Kircheninspektoren ausländischer Staaten.

Zugleich wurde ihnen verboten, von kirchlichen Würdenträgern des Auslands Titel oder Ehrungen anzunehmen.

Weiters schloss er einige Geistliche aus dem kirchlichen Leben aus, wie z.B. den Erzdiakon Antonio Miguel de Arcos y Matas und den Generalvikar José Baltasar de Casafús – beide Spanier – und ersetzte sie durch paraguayische Kleriker.

Ferner mussten alle Geistlichen, bevor die Regierung ihre Zugehörigkeit zu einem Orden anerkannte, erst ihre „wahre Vaterlandsliebe“ beweisen. Dies geschah, indem sie rückhaltlos der Souveränität der Republik und der Unabhängigkeit von Spanien zustimmten und der Regierung einen Treueschwur leisteten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Teil PARAGUAYS WEG VON DER KOLONIALZEIT BIS ZUR UNABHÄNGIGKEIT: Dieses Kapitel erläutert die kolonialen Ursprünge Paraguays und den Unabhängigkeitsprozess, der durch die politische Instabilität in Spanien und die Ambitionen von Buenos Aires vorangetrieben wurde.

II. Teil DIE DIKTATUR DES DR. FRANCIA: Der Hauptteil analysiert detailliert den Aufstieg Francias zur Macht, seine Konsolidierung als Diktator durch den Ausschluss der Elite sowie seine tiefgreifenden Reformen in Wirtschaft, Bildung und Kirchenpolitik.

III. Teil FRANCIAS HERRSCHAFT IM HISTORISCHEN KONTEXT LATEINAMERIKAS: CAUDILLO UND CHARISMATIKER?: Hier erfolgt eine theoretische Reflexion über die Herrschaftsmodelle, in der die Autorin Francia als Caudillo qualifiziert, ihm jedoch das von Weber definierte Charisma abspricht.

Schlüsselwörter

Dr. Francia, Paraguay, Diktatur, Unabhängigkeit, Caudillo, Charisma, Max Weber, Isolationspolitik, Historiographie, Nationalkirche, Agrarreform, lateinamerikanische Geschichte, Souveränität, Machtkonsolidierung, Elitenpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit analysiert die 30-jährige Diktatur von Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia in Paraguay und versucht, seine Herrschaftsweise theoretisch sowie historisch einzuordnen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der paraguayischen Unabhängigkeit, die innenpolitische Machtpolitik gegenüber Kirche und Elite, die Isolationspolitik sowie die wissenschaftliche Debatte um seine Person.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, worauf Francia seine absolute Macht gründete und ob er als charismatischer Führer nach Max Weber oder als typischer lateinamerikanischer Caudillo zu betrachten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine historiographische Analyse, vergleicht historische Quellen und setzt diese in Bezug zu soziologischen Herrschaftstheorien (Max Weber) und entwicklungstheoretischen Konzepten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Francias Aufstieg, seine Maßnahmen gegen die spanische Oligarchie und Kirche, seine Reformen in Landwirtschaft und Industrie sowie die Repression während seiner Diktatur detailliert beschrieben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Paraguay, Dr. Francia, Diktatur, Caudillo, Souveränität, Isolationspolitik und nationale Unabhängigkeit.

Wie bewertet Francia die Rolle der Kirche in Paraguay?

Francia sah die Kirche aufgrund ihrer Bindung an das spanische Imperium als Gefahr für die Unabhängigkeit Paraguays, weshalb er sie dem Staat unterordnete und ihre Privilegien beschnitt.

Welche Rolle spielte die "Isolationspolitik" für den Staat?

Die Isolationspolitik war laut der Autorin ein bewusstes Mittel, um Paraguay wirtschaftlich und politisch unabhängig von ausländischen Mächten und imperialistischen Abhängigkeiten zu halten.

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Details

Title
Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?
College
University of Vienna  (FB Geschichte)
Grade
gut
Author
Birgit Hittenberger (Author)
Publication Year
2002
Pages
125
Catalog Number
V13215
ISBN (eBook)
9783638189170
ISBN (Book)
9783640328475
Language
German
Tags
Lateinamerika Paraguay 19. Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Birgit Hittenberger (Author), 2002, Dr. Francia, Diktator Paraguays 1814-1840 - Der Versuch einer Interpretation seiner Herrschaft im lateinamerikanischen Kontext: Caudillo und Charismatiker?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13215
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