Diese Arbeit will folgende Forschungsfrage beantworten: "Inwiefern haben Inklusions- und Exklusionsmechanismen, die in digitalen Infrastrukturen wie Plattformen und Apps und damit in der StepStone App zu finden sind, Auswirkungen auf Nutzende?" Dazu wird sich beispielhaft die App der Jobplattform StepStone herangezogen. Der Lebensbereich Beruf betrifft etwa die Hälfte der Einwohner:innen von Deutschland. Geht man davon aus, dass der Großteil dieses Bevölkerungsanteils
unteranderem digitale Wege nutzt, um einen Job zu finden, kann durch die StepStone App ein guter Einblick zu den potenziellen Nutzer:innen gewonnen werden.
Um die StepStone App für die Forschungsfrage dieser Arbeit sinnvoll zu analysieren, wird die App Walkthrough Methode nach Light, Burgess und Duguay verwendet. Dabei wird der technische Aspekt der App mit kulturellen und gesellschaftlichen Thematiken in Verbindung gebracht. In Kapitel 2 werden zunächst die theoretischen Grundlagen für die Fragestellung erläutert. Um einen ganzheitlichen Überblick über die angesprochenen Themenfelder zu geben, werden im Verlauf der Arbeit verschiedene theoretische Ansätze thematisiert. Dabei soll zunächst aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive auf Infrastrukturen eingegangen werden, um die Hintergründe des Mediums App zu beleuchten.
Aufbauend darauf werden Plattformen definiert und ebenfalls in einen medienwissenschaftlichen Kontext gesetzt, wodurch sich den theoretischen Gegebenheiten einer App genähert wird. Als eine Form der definierten Plattformen werden dann Apps als digitale Infrastrukturen erläutert, um die Basis für den späteren App Walkthrough zu schaffen. Anschließend werden Inklusions- und Exklusionsmechanismen aus einer soziologischen Perspektive definiert. In Anschluss an den Theorieteil soll dann der App Walkthrough durchgeführt und anhand der Ergebnisse die Inklusions- und Exklusionsmechanismen der StepStone App ausfindig gemacht und vor dem Hintergrund des theoretischen Rahmens erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Infrastrukturen
2.2 Plattformen
2.2.1 Die Plattform
2.2.2 Das Plattformen Ökosystem
2.2.3 Die Plattformgesellschaft
2.3 Apps
2.4 Inklusions- und Exklusionsmechanismen
3 Methodik – Der App Walkthrough
4 Analyse
4.1 StepStone
4.2 Geschäftsmodell, Vision, Verwaltung
4.3 Beginn und Registrierung
4.4 Tägliche Nutzung
4.5 App schließen und verlassen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Inklusions- und Exklusionsmechanismen, die in digitalen Infrastrukturen am Beispiel der Job-App StepStone wirken. Dabei wird analysiert, wie die technischen Strukturen der App die Nutzererfahrungen beeinflussen und inwiefern diese Mechanismen zu einer Kategorisierung der Nutzenden führen, anstatt sie von der Nutzung auszuschließen.
- Medienwissenschaftliche Analyse von Plattformen und Apps
- Soziologische Perspektive auf Inklusion und Exklusion nach Luhmann und Stichweh
- Methodische Anwendung des "App Walkthrough" nach Light, Burgess und Duguay
- Kritische Reflexion der ökonomischen Logik hinter der App-Struktur
Auszug aus dem Buch
2.4 Inklusions- und Exklusionsmechanismen
Der Begriff der Exklusion taucht politisch und wissenschaftlich erstmals in den späten 1980er Jahren in Frankreich (fr. exclusion) auf und wurde folgend auch in ganz Europa immer bekannter. In dieser Arbeit möchte ich mich auf die soziologische Debatte zum Thema Inklusion und Exklusion beziehen, um daraus Rückschlüsse auf Inklusions- und Exklusionsmechanismen zu ziehen.
Die Basis für die heutige soziologische Systemtheorie zu Inklusion und Exklusion legte Niklas Luhmann, der sich auf die ersten Ausführungen dazu von Talcott Parsons bezog. Luhmanns geht davon aus, dass die Differenzierung zwischen Inklusion und Exklusion „zu den Konstitutionsbedingungen moderner Gesellschaften“ gehört. Er beschreibt eine Gesellschaft, die aus verschiedenen Funktionssystemen wie zum Beispiel Wirtschaft, Recht, Wissenschaft und Politik besteht. Diese Funktionssysteme grenzen sich voneinander ab, indem sie durch interne Kommunikationsformen kommunizieren. Dabei definierte Luhmann die Exklusion aus den Funktionssystemen nicht als Ausschließung. Er geht von einer Vollinklusion aus, bei der die Funktionssysteme einen offenen Charakter aufweisen. Die Exklusion hat im Rahmen der Vollinklusion die Aufgabe „die Bestandteile von Individualität zu bezeichnen, die Menschen nicht in die Kommunikation innerhalb der Funktionssysteme einbringen können“. Die Exklusion nach Luhmann bedeutet also die Abspaltung von Individualität und Rolle aus Voraussetzung für die Vollinklusion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Apps im Alltag ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Inklusions- und Exklusionsmechanismen in der StepStone App.
2 Theorie: Dieses Kapitel erläutert die medienwissenschaftlichen Grundlagen zu Infrastrukturen und Plattformen sowie soziologische Theorien zu Inklusion und Exklusion.
3 Methodik – Der App Walkthrough: Hier wird der App Walkthrough als zentrale Analyse-Methode vorgestellt und dessen theoretische Einbettung in die Akteur-Netzwerk-Theorie begründet.
4 Analyse: Das Hauptkapitel wendet die Walkthrough-Methode auf die StepStone App an und untersucht die verschiedenen Beobachtungsdimensionen von der Registrierung bis zur täglichen Nutzung.
5 Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und resümiert, dass die Mechanismen der App in der Regel inklusiv wirken und keine systemischen negativen Exklusionen vorliegen.
Schlüsselwörter
StepStone, App Walkthrough, Inklusion, Exklusion, Plattformökonomie, Digitale Infrastruktur, Medienentwicklung, Soziologische Systemtheorie, Datenverarbeitung, Algorithmus, Nutzerverhalten, Jobplattform, App-Analyse, Plattformisierung, Interaktionssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Job-App StepStone als digitale Infrastruktur unter medienwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive, insbesondere hinsichtlich der Mechanismen von Inklusion und Exklusion.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Die zentralen Themen sind plattformbasierte Infrastrukturen, die Funktionsweise von mobilen Applikationen als Massenmedien und die soziologische Systemtheorie der Inklusion und Exklusion.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Inklusions- und Exklusionsmechanismen der StepStone App Auswirkungen auf die Nutzenden haben und ob sie diese von der Nutzung ausschließen oder lediglich in bestimmte Gruppen einordnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die gewählte Methode ist der "App Walkthrough" nach Light, Burgess und Duguay, ergänzt durch die Akteur-Netzwerk-Theorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der praktischen Analyse der StepStone App, wobei Bereiche wie das Geschäftsmodell, die Registrierung, die tägliche Nutzung und das Verlassen der App detailliert geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Kritisch sind Begriffe wie Inklusion, Exklusion, Datenökonomie, digitale Infrastrukturen und die spezifische "Walkthrough"-Methode.
Wie geht die App mit geschlechtergerechter Sprache um?
Die Analyse zeigt, dass StepStone überwiegend geschlechtsneutral formuliert oder korrekt gendert, wobei es punktuelle Unterschiede zwischen der App-Oberfläche und den Stellenanzeigen der Unternehmen gibt.
Gibt es eine formelle Exklusion von Nutzenden?
Nein, die Analyse kommt zu dem Schluss, dass keine negativen Exklusionen stattfinden; Nutzer werden über personalisierte Algorithmen lediglich in spezifische Interessen- oder Berufsgruppen eingeordnet.
- Arbeit zitieren
- Clara Strerath (Autor:in), 2022, Eine kritische Analyse der StepStone App. Wie hoch ist die Benutzerfreundlichkeit wirklich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1321789