Zum 01.01.2009 hat sich die deutsche Steuerlandschaft erheblich geändert. Traditionell wird das Privatvermögen im deutschen Ertragsteuerrecht gegenüber dem unternehmerischen Vermögen steuerlich begünstigt. Im Veranlagungszeitraum 2008 sprach dafür unter anderem die Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen außerhalb der Einjahresfrist und unterhalb einer Beteiligungshöhe von einem Prozent.
Die oben genannten steuerfreien Veräußerungsgewinne im Privatvermögen sowie die Spekulationsfristen sind mit der Einführung der Abgeltungsteuer im Privatvermögen weg¬gefallen. Die bisherige Steuerfreiheit gem. § 8 b KStG im Betriebsvermögen einer GmbH bleibt hingegen bestehen.
Die wissenschaftliche Diskussion über die Frage nach der finanziellen Vorteilhaftigkeit der Art der Vermögensverwaltung (private Vermögensverwaltung oder Vermögensverwaltung über eine GmbH) von zins- und dividendenbringenden Kapitalanlagen, ist bereits mit der Einführung des Halbeinkünfteverfahrens durch das Steuersenkungsgesetz entfacht worden. Dieses brachte eine Gleichbehandlung durch Freistellung von laufenden und einmaligen Beteiligungserträgen (z.B. Dividenden, Anteilsveräußerungsgewinne) bei Kapitalgesellschaften, die als Anteilseigner an einer anderen Kapitalgesellschaft beteiligt sind, mit sich. Hingegen war die Ausschüttung einer Kapitalgesellschaft an eine natürliche Person im Veranlagungszeitraum 2008 (VZ 2008) nur zur Hälfte steuerfrei gestellt.
Für die vermögensverwaltende GmbH spricht der niedrigere Körperschaftsteuersatz im Gegensatz zur Einkommensteuer. Weitere Vorteile auf Seiten der GmbH sind zum einen die Steuerfreiheit der Beteiligungserträge und –veräußerungen gemäß § 8 b KStG bei Kapitalgesellschaften und zum anderen der daraus resultierende Zinseszinseffekt (durch diesen kann die Zahlung der Einkommensteuer herausgezögert werden).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Vermögensverwaltung
2.1 Begriff Vermögensverwaltung
2.2 Private Vermögensverwaltung
2.3 Die vermögensverwaltende GmbH
2.4 Vergleichsprämissen
3 Besteuerung von Vermögen in der Hand einer natürlichen Person
3.1 Einkommensteuer
3.2 Ertragsteuerliche Belastung bei privater Vermögensverwaltung
3.2.1 Abgeltungsteuer
3.2.2 Exkurs: Teileinkünfteverfahren
3.2.3 Besteuerung auf der Ebene der natürlichen Person
3.2.4 Besteuerungsebenen bei Beteiligungen an Kapitalgesellschaften
3.2.5 Ertragsteuerliche Belastung ausgewählter Kapitalanlagen
3.3 Zusammenfassung und Zwischenfazit
4 Besteuerung von Vermögen in der Hand einer juristischen Person
4.1 Körperschaftsteuer
4.2 Gewerbesteuer
4.3 Steuerpflicht einer GmbH
4.4 Ertragsteuerliche Belastung der vermögensverwaltenden GmbH
4.4.1 Besteuerungsebenen
4.4.2 Ertragsteuerliche Belastung ausgewählter Kapitalanlagen bei Thesaurierung
4.4.3 Ertragsteuerliche Belastung ausgewählter Kapitalanlagen bei Ausschüttung
5 Steuerliches Gesamtfazit
5.1 Steuersatzvorteil Gesellschaftsebene
5.2 Steuersatznachteil Anteilseigner
6 Finanzielle Vorteilhaftigkeitsanalyse
6.1 Vermögensendwertmodelle
6.1.1 Vermögensendwert bei privater Vermögensverwaltung
6.1.2 Vermögensendwert bei der Vermögensverwaltung über die GmbH
6.1.3 Ergebnis des Vergleichs der Vermögensendwerte
6.2 Handlungsempfehlungen
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die finanzielle Vorteilhaftigkeit der Vermögensverwaltung über eine GmbH gegenüber der privaten Vermögensverwaltung für zins- und dividendenbringende Kapitalanlagen unter Berücksichtigung der steuerlichen Rahmenbedingungen ab dem Jahr 2009.
- Steuerlicher Belastungsvergleich zwischen natürlicher Person und GmbH
- Analyse der Auswirkungen von Thesaurierung und Ausschüttung
- Berechnung von Vermögensendwerten über einen mehrjährigen Anlagezeitraum
- Untersuchung von Einflüssen wie Gewerbesteuerhebesätzen und Beteiligungsquoten
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die Gestaltung der privaten Vermögensverwaltung
Auszug aus dem Buch
2.4 Vergleichsprämissen
Die Vergleichsbetrachtung erfolgt unter folgenden Kriterien:17
• Den Vergleich nur einperiodisch durchzuführen, reicht nicht aus, um die steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Auswirkungen abzuwägen. Deshalb erfolgt die Betrachtung über mehrere Jahre.18
• Nach Abzug der Steuerbelastung erfolgt eine jährliche Reinvestition der Erträge aus den Kapitalanlagen. Bei der GmbH werden die Gewinne bis zu dem Jahr thesauriert, in dem sie an den Anteilseigner ausgeschüttet werden.
• Es wird angenommen, dass die unbeschränkt steuerpflichtige Person über genügend Restvermögen verfügt, so dass sie nicht gezwungen ist, während der Betrachtungsphase auf die erwirtschafteten Erträge zurückzugreifen.19
• Sowohl bei der privaten als auch bei der Vermögens-Verwaltung über die GmbH (bei Ausschüttung an den privaten Anteilseigner) wird bei der Einkommensteuerbelastung der Spitzensteuersatz unterstellt.
• Es gilt die Gesetzeslage ab dem 01.01.2009.
• Freibeträge, Freigrenzen, Werbungskostenpauschbeträge oder der Sparerfreibetrag bleiben zu Gunsten der Übersichtlichkeit der Berechnungen unberücksichtigt.
• Das Einbringen von bereits vorhandenen Kapitalanlagen aus dem Privatvermögen in das Betriebsvermögen der GmbH kann zu steuerlichen Problemen führen. Diese bleiben ebenfalls unberücksichtigt. Eine Investition von liquiden Mitteln wird bei beiden Verwaltungsvarianten unterstellt.20
• Auf die Darstellung der Kapitalertragsteuer wird in dieser Arbeit verzichtet. In der Praxis kann man diese nicht vermeiden, sie ist aber nur eine unterjährige Vorauszahlung und wird von der endgültigen Zahllast wieder abgezogen. Deshalb kann sie bei der Ermittlung der steuerlichen Gesamtbelastung vernachlässigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Vorstellung des steuerlichen Wandels ab 2009 und der Forschungsfrage zur Vorteilhaftigkeit der Vermögensverwaltung über eine GmbH.
2 Vermögensverwaltung: Definition des Begriffs der Vermögensverwaltung, Abgrenzung zwischen privat und GmbH sowie Festlegung der methodischen Vergleichsprämissen.
3 Besteuerung von Vermögen in der Hand einer natürlichen Person: Detaillierte Analyse der Besteuerung bei privater Vermögensverwaltung inklusive Abgeltungsteuer und Teileinkünfteverfahren.
4 Besteuerung von Vermögen in der Hand einer juristischen Person: Untersuchung der Steuerbelastung auf Ebene der GmbH sowie der steuerlichen Behandlung von Ausschüttungen an den Anteilseigner.
5 Steuerliches Gesamtfazit: Vergleich der Steuerbelastungen beider Verwaltungsformen und Gegenüberstellung des Steuersatzvorteils auf Gesellschaftsebene mit dem Nachteil bei Ausschüttungen.
6 Finanzielle Vorteilhaftigkeitsanalyse: Durchführung dynamischer Vergleichsrechnungen anhand von Vermögensendwertmodellen und Ableitung von Handlungsempfehlungen.
7 Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung praktischer Schwierigkeiten und aktueller steuerlicher Unsicherheiten.
Schlüsselwörter
Vermögensverwaltung, GmbH, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Abgeltungsteuer, Thesaurierung, Ausschüttung, Teileinkünfteverfahren, Vermögensendwert, Steuerbelastung, Kapitalanlagen, Zinseszinseffekt, Doppelbesteuerung, Steuerfreistellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem steuerlichen Vergleich zwischen einer privaten Vermögensverwaltung und der Verwaltung von Kapitalanlagen über eine vermögensverwaltende GmbH.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die steuerliche Belastung bei der Thesaurierung von Gewinnen in der GmbH sowie die Auswirkungen einer späteren Ausschüttung an den Anteilseigner unter Berücksichtigung der Gesetzeslage ab 2009.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine dynamische Vermögensendwertrechnung zu ermitteln, ob und unter welchen Voraussetzungen sich eine Investition über eine vermögensverwaltende GmbH gegenüber der privaten Verwaltung finanziell lohnt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein investitionsrechnerisches Modell, das den Vermögensendwert über einen Zeitraum von 20 Jahren bei jährlicher Reinvestition nach Steuern vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die steuerlichen Grundlagen der Einkommen- und Körperschaftsteuer, die Analyse der Gewerbesteuer, die Berechnung der Thesaurierungs- und Ausschüttungsbelastung sowie die finanzielle Vorteilhaftigkeitsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Vermögensverwaltung, GmbH, Steuersatzvorteil, Thesaurierung, Ausschüttung, Abgeltungsteuer und Vermögensendwert.
Warum spielt der Hebesatz bei der Gewerbesteuer eine so große Rolle für die GmbH?
Der Hebesatz bestimmt die Höhe der Gewerbesteuerbelastung der GmbH; bei einem niedrigeren Hebesatz sinkt die Ertragsbesteuerung auf Gesellschaftsebene, was den Steuersatzvorteil für die GmbH im Thesaurierungsfall erhöht.
Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten "Strafsteuer"-Effekt?
Der Begriff beschreibt die zusätzliche steuerliche Belastung bei einer Ausschüttung der zuvor in der GmbH thesaurierten Gewinne an den Anteilseigner, wodurch der anfängliche Steuervorteil der GmbH aufgehoben werden kann.
- Quote paper
- Michaela Reichelt (Author), 2009, Vermögensverwaltungsgesellschaft als alternative Form der privaten Vermögensverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132213