In dieser Arbeit wird die Fragestellung behandelt, inwieweit das St. Galler Managementmodell nach Walter Krieg und Hans Ulrich, entwickelt in den Jahren 1972 bis 19741 und seitdem zahlreich modifiziert und weiterentwickelt, unter heutigen Bedingungen Relevanz hat.
Um diese Fragestellung nachzugehen, wurde zuerst untersucht, in welche Ansätze (die sog. „Schulen“) die Managementlehre im Zeitraum der Entstehung des St. Galler Managementmodells einzuteilen war. Denn diese Ansätze sind stellvertretend für grundlegende Definition und Auffassung vom Management. Mit Hilfe dieser Einteilung wird deutlich, im welchen Kontext das St. Galler Managementmodell entstanden ist, das heißt welche Denkweise und Auffassung hinter dem St. Galler Managementmodell bei der Entwicklung stand.
Nachdem die erste Positionierung abgeschlossen war, wurde das St. Galler Managementmodell ausführlich inhaltlich untersucht und dargestellt, denn dieser Ansatz bildet die Basis für weitere Entwicklungen des systemorientierten Managementansatzes.
Das St. Galler Managementmodell wurde seit der Veröffentlichung 1974 von verschiedenen Autoren anhand den sich ergebenen Veränderungen und Fortschritt im technischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich weiterentwickelt. Diese Weiterentwicklungen wurden meist nicht systematisch aufbauend vorgenommen sondern erfolgte von den Autoren aus unterschiedlichen Sichtweisen und Ansätzen zum Teil autark, sodass nun kein, an die Entwicklungen und Veränderungen modifiziertes St. Galler Managementmodell existiert sondern zahlreiche Weiterentwicklungen der ursprünglichen Basis. Um die relevantesten Weiterentwicklungen im Sinne der sog. St.Galler Schule zu erfassen, wurde sich besonders den weiteren Arbeiten von Ulrich4, Malik5 und Bleicher gewidmet. Diese Autoren wurden ausgewählt, weil sie in besonderem Maße mit der an der Hochschule St. Gallen von dem Forschungsteam um die Autoren des St. Galler Managementmodells Ulrich und Krieg entwickelten Denktradition verbunden waren und somit die begründete Annahme zugrunde lag, dass die Weiterentwicklungen dieser Autoren annähernd im Sinne des ursprünglichen St. Galler Managementmodells getätigt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Gang der Untersuchung
2. Inhaltliche Einteilung der Denktraditionen in der Managementlehre
2.1. Der „klassische“ Managementansatz
2.2. Die verhaltenswissenschaftliche „Schule“
2.3. Die quantitativ-mathematisch orientierte „Schule“
2.4. Der systemtheoretische Ansatz
3. Das St. Galler Managementmodell von 1974
3.1. Das Unternehmensmodell
3.2. Das Führungsmodell
3.3. Das Organisationsmodell
4. Weiterentwicklungen des St. Galler Managementmodells
4.1. Weiterentwicklungen von Hans Ulrich
4.2. Erweiterungen von Fredmund Malik
4.3. Erweiterungen von Knut Bleicher
5. Das St. Galler Managementmodell im aktuellen Bezug
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und die inhaltliche Ausgestaltung des St. Galler Managementmodells nach Walter Krieg und Hans Ulrich und bewertet dessen Relevanz unter modernen, komplexen Rahmenbedingungen. Das primäre Ziel besteht darin, durch die Analyse der Weiterentwicklungen führender Theoretiker zu klären, inwiefern der systemtheoretische Ansatz des Modells heute noch als valide Grundlage für die Unternehmensführung dienen kann.
- Historische Einordnung verschiedener Denktraditionen in der Managementlehre
- Strukturelle Analyse des ursprünglichen St. Galler Managementmodells von 1974
- Vergleichende Untersuchung der Modifikationen durch Hans Ulrich, Fredmund Malik und Knut Bleicher
- Bewertung der Anwendbarkeit systemorientierter Managementkonzepte in einem dynamischen Umfeld
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Unternehmensmodell
Unternehmungen sind produktive, sozio-technische Systeme, die auf ständige und individuelle Veränderungsprozessen individuell reagieren müssen. Gleichzeitig hat, wie in einem System üblich, jede Reaktion wiederum eine individuelle Reaktion zur Folge. Somit sind Prozesse in Bewegung, die sich nicht nur gegenseitig bedingen sondern auch ineinander verbunden und individuell in jedem System unterschiedlich ausgeprägt sind.
Diese sozio-technische Systeme sind aus folgenden Bestandteilen mehrdimensional zusammengesetzt: Umwelt, Marktleistungen, Funktionsbereiche, Gestaltungsebenen und Unterscheidung nach Art der Aufgaben. Als Umwelt der Unternehmung wird der externe Bereich der Unternehmung bezeichnet, welcher direkt mit vielfältigen Austausch- und Einwirkungsprozessen mit dem Unternehmen in ständiger Interaktion steht. Für die einzelnen Bereiche wurde im St. Galler Managementmodell die Umwelt differenziert in technologische- , ökonomische- und soziale Umwelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Gang der Untersuchung: Definiert die Forschungsfrage nach der heutigen Relevanz des St. Galler Managementmodells und erläutert den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Inhaltliche Einteilung der Denktraditionen in der Managementlehre: Bietet einen Überblick über den klassischen Ansatz, die verhaltenswissenschaftliche Schule, die quantitativ-mathematische Schule sowie den systemtheoretischen Ansatz.
3. Das St. Galler Managementmodell von 1974: Beschreibt den Kern des Modells mit seinen drei Säulen: Unternehmensmodell, Führungsmodell und Organisationsmodell.
4. Weiterentwicklungen des St. Galler Managementmodells: Analysiert die spezifischen Modifikationen und Erweiterungen durch die Wissenschaftler Hans Ulrich, Fredmund Malik und Knut Bleicher.
5. Das St. Galler Managementmodell im aktuellen Bezug: Zieht ein Resümee über die Aktualität des systemtheoretischen Managementansatzes angesichts heutiger Komplexität und Unsicherheit.
Schlüsselwörter
St. Galler Managementmodell, Systemtheorie, Unternehmensführung, Managementlehre, Hans Ulrich, Fredmund Malik, Knut Bleicher, Unternehmensmodell, Führungsmodell, Organisationsmodell, Komplexität, Systemorientierung, Soziale Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und der heutigen Relevanz des St. Galler Managementmodells, einem einflussreichen systemorientierten Ansatz der Unternehmensführung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Managementlehre, die Struktur des Modells von 1974 sowie die Weiterentwicklung durch verschiedene Wissenschaftler der St. Galler Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob das St. Galler Managementmodell trotz der sich ständig verändernden Anforderungen in der modernen Unternehmenswelt weiterhin als tragfähiges Führungskonzept fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und vergleichende Analyse der bestehenden Management-Denktraditionen sowie eine systematische Auswertung der theoretischen Erweiterungen des Modells.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen Ansätze, die detaillierte Beschreibung der Komponenten des St. Galler Modells und eine tiefgehende Analyse der Modifikationen durch Malik, Ulrich und Bleicher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind St. Galler Managementmodell, systemtheoretische Managementlehre, Unternehmensmodell und sozio-technische Systeme.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Fredmund Malik vom ursprünglichen Modell?
Malik legt einen besonderen Schwerpunkt auf den dynamischen Aspekt der Führung und führt das Konzept der vier Säulen ein, um eine bessere Anwendbarkeit in komplexen Organisationen zu erreichen.
Was versteht Knut Bleicher unter dem integrierten Management?
Bleicher erweitert das Modell um eine normative Ebene und gliedert das Management in strategische und operative Bereiche, um die verschiedenen Lebensphasen eines Unternehmens besser abbilden zu können.
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- Diplom-Betriebswirt, MBA Jonny Grape (Author), 2002, Das St. Galler Managementmodell und seine Relevanz unter aktuellen Bedingungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13224