Aphasie und Textualität


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aphasie
2.1 Amnestische Aphasie
2.2 Broca – Aphasie
2.3 Wernicke – Aphasie
2.4 Globale Aphasie

3 Textualität nach de Beaugrande und Dressler
3.1 Textzentrierte Kriterien
3.2 Verwenderzentrierte Kriterien

4 Auswirkungen der Aphasie auf die Textualität
4.1 Methodik von Stark und Stark
4.2 Kohäsion
4.3 Kohärenz

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die menschliche Kommunikation beschränkt sich nicht auf einzelne unzusammenhängende Worte oder Sätze, sondern beruht auf einem Miteinander von lexikalischen, morphologischen, semantischen und syntaktischen Elementen. Dieses Miteinander umreißt die Grundzüge der komplexen menschlichen Verständigung, deren Erforschung unter anderem der Diskurs- bzw. Textlinguistik obliegt. Diese Disziplin untersucht die genannten linguistischen Einheiten hinsichtlich ihres Zusammenspiels in der sprachlichen Kategorie Text und es erscheint logisch, dass die Störung eines der genannten Elemente die kommunikative Fähigkeit beeinträchtigen würde. Da bei der Sprachstörung Aphasie meistens alle sprachlichen Ebenen gestört sind, soll die Untersuchung der Textproduktion von Aphasikern Gegenstand der vorliegenden Arbeit darstellen.

Um die verschiedenen Einflüsse auf die Sprachproduktion untersuchen zu können, muss zu Beginn das Krankheitsbild der Aphasie vorgestellt werden. Hierbei wird kurz auf die Erkrankung im Allgemeinen eingegangen, bevor anschließend die verschiedenen aphasischen Syndromkomplexe genauer definiert werden. Die Unterteilung in amnestische, Broca –, Wernicke – und globale Aphasie soll hierbei fokussiert werden, da dieses die im deutschsprachigen Raum übliche Klassifikation darstellt. Obwohl die verschiedenen Aphasien in der Regel auch Syndrome aus den anderen Syndromkomplexen aufweisen, soll hier zur Vereinfachung von prototypischen Erkrankungen ohne Mischformen ausgegangen werden. Außerdem wird nicht auf die Probleme in der Schriftsprache eingegangen, da in dieser Arbeit die verbale Sprachproduktion im Mittelpunkt steht.

Nachdem die aphasischen Syndrome mitsamt ihrer Beeinflussung der kommunikativen Fähigkeiten der Erkrankten dargestellt wurden, wird auf die sieben Textualitätskriterien von Robert – Alain de Beaugrande und Wolfgang Dressler eingegangen. Durch ihren Einfluss und ihren definitorischen Charakter erscheinen diese konstitutiven Kriterien besonders dazu geeignet, die linguistische Kategorie Text zu definieren und die kommunikative Kompetenz eines Aphasikers in Form von Texten zu überprüfen.

Diese Überprüfung wird anhand einer von Jacqueline und Heinz Karl Stark durchgeführten Studie durchgeführt. Nachdem die Methodik dieser Studie kurz vorgestellt wurde, sollen nur die sogenannten textzentrierten Kriterien untersucht werden, da diese besonders von der Textproduktion und somit nur wenig von der Rolle des Kommunikationspartners abhängen.

Im abschließenden Fazit wird der zuvor vorgestellte Inhalt zusammengefasst und hinsichtlich der linguistischen Nachhaltigkeit betrachtet.

2 Aphasie

Der Terminus Aphasie wurde durch den französischen Neurologen Armand Trousseau im Jahre 1864 eingeführt und bedeutet dem Wort nach „Sprachlosigkeit“. Trousseau ersetzte damit andere Begriffe wie „verbale Amnesie“ oder „Alalie“, die ebenfalls eine Sprachstörung nach Hirnschädigung bezeichneten. Seit der Einführung dieses Begriffs gab es viele Versuche die Aphasie exakt zu definieren, jedoch stimmen die verschiedenen Definitionen lediglich bei zwei Teildefinitionen überein. Es ist zum einen unbestritten, dass der Aphasie eine Schädigung des Gehirns vorausgeht und zum anderen, dass dadurch die sprachliche Leistung der Betroffenen beeinträchtigt wird. Im weiteren Verlauf soll vor allem der Diskussionsstand aus dem deutschsprachigen Raum wiedergegeben werden, da hier ein großer Konsens über die Einordnung der Symptome und Syndrome der Aphasie besteht.[1] (vgl. Kelter 1990, Tesak 1997, Tesak 2001)

Nach Tesak ist Aphasie „die Folge einer plötzlich auftretenden, umschriebenen kortikalen Läsion der linken Hemisphäre [… und] betrifft die sprachliche Leistung bei relativer Intaktheit von Intelligenz und Gedächtnis.“ (Tesak 1997, 2) Weiterhin lässt sich sagen, dass eine Aphasie nach vollzogenem Spracherwerb auftritt, eine Störung aller sprachlichen Modalitäten und Ebenen darstellt und dabei einen relativ stabilen sowie chronischen Krankheitsverlauf aufweist. Die Ätiologie, also die Ursache für eine Aphasie, lässt sich nach Kelter in 80% der Fälle auf eine Hirngefäßerkrankung zurückführen. Weitere, wenn auch weit weniger häufige Ursachen, sind traumatische Schädigungen, Tumore, Atrophien und Hirnentzündungen.[2] (vgl. Kelter 1990, Tesak 1997, Tesak 2001)

Durch die Verwendung eines etablierten Klassifikationsschemas hat sich die Einteilung der Syndrome in amnestische, Broca – , Wernicke – und globale Aphasie durchgesetzt. Die allgemeine Akzeptanz dieses Schemas beruht vor allem darauf, „dass es im ersten umfassenden standardisierten Aphasietest, dem Aachener Aphasie Test (Huber, Poeck, Weniger & Willmes, 1983) Verwendung findet.“ (Höhle 1995, 22)

Nach diesem sehr knappen Überblick über die Aphasie soll in den folgenden Unterpunkten genauer auf die Klassifikation der verschiedenen aphasischen Symptome und Syndrome eingegangen werden. Abgesehen von den genannten Syndromen gibt es noch weitere sogenannte Nicht – Standardsyndrome, auf die hier zur Vereinfachung und aufgrund ihrer geringen Häufigkeit allerdings nicht weiter eingegangen wird[3]. (vgl. Tesak 1999, 58)

2.1 Amnestische Aphasie

Die Amnestische Aphasie gilt „vorherrschend als die leichteste Form der Aphasie“ (Börner 2000), da die Kommunikationsfähigkeit der Patienten im allgemeinen gut erhalten ist und soll deswegen hier nur kurz Erwähnung finden. Das Leitsymptom sind Wortfindungsstörungen, bei denen die Spontansprache gut artikuliert und in Bezug auf Satzbau, Wort- und Formenbildung größtenteils normal ist. Ebenfalls nur in geringem Maße beeinträchtigt sind Nachsprechen, Sprachverständnis und Schriftsprache. Aufgrund der angesprochenen Wortfindungsstörungen werden häufig Ersatzstrategien wie Füllwörter und Floskeln verwendet, um das Gemeinte zu umschreiben. Nur „gelegentlich treten phonematische und semantische Paraphasien auf, die jedoch in der Form oder in der Bedeutung nicht sehr stark vom Zielwort abweichen.“ (Höhle 1995, 22; Absatz vgl. Tesak 1999, Höhle 1995, Kelter 1990)

Weit schwerwiegender als bei der amnestischen sind die Symptome bei der nach dem französischen Chirurgen Pierre Paul Broca benannten Broca – Aphasie, auf die nun eingegangen wird.

2.2 Broca – Aphasie

Die Broca – Aphasie (auch nicht – flüssige bzw. motorische Aphasie genannt) wurde lange Zeit als die Folge einer Läsion des ebenfalls nach Pierre Paul Broca benannten Broca – Zentrums im motorischen Assoziationskortex, am Fuß der 3. Stirnwindung der sprachdominanten Hemisphäre angesehen. Broca lokalisierte dort die Fähigkeit zur artikulierten Sprache und führte die im Folgenden beschriebenen Leitsymptome einer Broca – Aphasie auf besagte Läsion dieses Gebietes zurück.[4] (vgl. Bußmann 2002, Kelter 1990, Tesak 2001)

Als das auffallendste und charakteristischste Leitsymptom einer Broca – Aphasie kann die Verwendung des sogenannten Telegrammstils bei der spontanen Sprachproduktion angesehen werden. Die Betroffenen sprechen hierbei selten mehr als drei oder vier zusammenhängende Inhaltswörter, wobei in ganz schweren Fällen sogar nur noch Zweiwortsätze benutzt werden können. Als weiteres Leitsymptom lässt sich eine erheblich verlangsamte sowie stockende und dysprosodische Spontansprache einhergehend mit großer Sprachanstrengung und erheblichen Sprachstörungen feststellen, die häufig von phonematischen Paraphasien und Agrammatismus begleitet werden. In seltenen Fällen treten auch semantische Paraphasien auf, welche meist dem Zielwort so ähnlich sind, dass dieses ohne große Schwierigkeit identifiziert werden kann. Gleiches gilt für das Verständnis der phonematischen Paraphasien, die ebenfalls meist nur eine geringe Abweichung vom Zielwort aufweisen. Eine Verständigung mit Broca – Aphasikern ist somit möglich, auf Seiten des Kommunikationspartners bedarf es allerdings meist einer Interpretation des Gesagten und gezieltem Nachfragen. Zusätzlich ermöglicht wird die Kommunikation durch das meist ungestört wirkende Sprachverständnis der Patienten, das sich aber bei gezielter Testung als beeinträchtigt erweist. (vgl. Bußmann 2002, Kelter 1990, Höhle 1995)

[...]


[1] Auf das Bostoner Diagnoseschema, welches die Grundlage für die sogenannte Aachener Schule war, soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Weiteres siehe Tesak 1997, 27f. und Tesak 2001, 194ff.

[2] Zwar können an degenerativen Hirnerkrankungen (Demenz etc.) leidende Patienten ähnliche Symptome wie Aphasiker aufweisen, da hier die Hirnschädigung jedoch nicht plötzlich auftritt, werden diese nicht als „echte“ Aphasien angesehen (vgl. Tesak 1999, 14)

[3] Zu den sogenannten Nicht – Standardsyndromen zählen die Leitungsaphasie, die Transkortikal – sensorische, die transkortikal – motorische und die gemischt transkortikale Aphasie. Für die Zuordnung der einzelnen Formen im Diagnoseprozess spielen einzelne Leistungen und vor allem das Nachsprechen eine besondere Rolle. (vgl. Tesak 1997 und Tesak 1999)

[4] Nach neueren Untersuchungen wird die Broca – Aphasie nicht mehr auf eine Läsion dieses Gebiet zurückgeführt, sondern auf eine Störung im Versorgungsgebiet der Aorta praerolandica, wonach es, wie die Wernicke – Aphasie, ein typisches Gefäßsyndrom ist. (vgl. Bußmann 2002)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aphasie und Textualität
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Allg. Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Gesprächskultur und Gesprächsanalyse in Geschichte und Gegenwart
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V132275
ISBN (eBook)
9783640383481
ISBN (Buch)
9783640383177
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aphasie, Textualität
Arbeit zitieren
Michael Heina (Autor), 2009, Aphasie und Textualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132275

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