Der Bereich der Außenpolitik 1918/1919 soll näher beleuchten werden. Gegenstand dieser Arbeit werden das Auswärtige Amt und die Neuordnung nach außen in der Übergangszeit von Krieg zu Frieden sein. Außerdem stellen sich die Fragen, inwiefern man von einer außenpolitischen Neuordnung sprechen kann, welche neuen außenpolitischen Aufgaben das Auswärtige Amt inne hat und wie es sich im Zusammenhang mit den Prinzipien Wilsons verhalten hat. Als Leitfrage soll also dienen: Verhielt sich das Auswärtige Amt der machtpolitischen Situation 1918/1919 angemessen?
Deutschland 1918. Nachdem der erste Weltkrieg angesichts der drohenden militärischen Niederlage verloren schien, gründete der neue Reichskanzler Max von Baden am 3. Oktober 1918 eine parlamentarische verantwortliche Regierung. Relativ zügig trat der Reichskanzler Max von Baden jedoch zurück und übergab das Reichskanzlertum dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Die neue Regierung bestand demnach aus dem SPD-Politiker Friedrich Ebert und drei weiteren Mitgliedern der Mehrheitssozialdemokratie (MSPD) und der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD). Man nannte diese neue Regierung den Rat der Volksbeauftragten.
Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstandsvertrag in Compiegne unterzeichnet, zu einer Zeit, als es noch nicht zu einer offenkundigen militärischen Niederlage gekommen war, denn die Front verlief weiterhin auf französischem und belgischem Gebiet. Man kann also sagen, dass die bedingungslose Kapitulation des deutschen Reiches Voraussetzung für den Waffenstillstandsvertrag war. Im November 1918 war die politische Neuordnung ein zentrales Element.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Ausgangslage und politische Situation der Übergangsperiode
2.1. Die militärische Niederlage zwingt zum Waffenstillstand
2.2. Improvisationscharakter der Demokratie
2.3. Die Frage nach einem dritten Weg und die Legende der bolschewistischen Gefahr
3. Die außenpolitische Hauptambition: Hoffnungen in Wilsons Friedenspolitik
4. Das Auswärtige Amt
4.1. Personelle Kontinuität in der Übergangszeit?
4.2. Gliederung des Auswärtigen Amtes
5. Aufgaben und Umsetzung
5.1. Die Stelle für Friedensverhandlungen und die Waffenstillstandskommission
5.2. Militärische Stellen und der Beamtenapparat
5.3. Die Umsetzung der Aufgaben
6. Resümee und Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle und Funktionsweise des Auswärtigen Amtes in der Umbruchphase 1918/1919. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob sich die Behörde der machtpolitischen Situation der Nachkriegszeit angemessen verhielt oder ob durch personelle und strukturelle Kontinuitäten eine notwendige außenpolitische Neuausrichtung verhindert wurde.
- Analyse der personellen Kontinuität im Auswärtigen Amt nach der Novemberrevolution.
- Untersuchung der außenpolitischen Erwartungen an Wilsons 14-Punkte-Programm.
- Bewertung des Einflusses militärischer Stellen und des Beamtenapparats auf die Diplomatie.
- Betrachtung des Verhältnisses zwischen Innenpolitik und außenpolitischem Handlungsspielraum.
- Kritische Analyse der mangelnden Problemanalyse und Anpassung an neue demokratische Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
2.2. Improvisationscharakter der Demokratie
Schon in der Geburtsstunde der Weimarer Demokratie zu erkennen ist, dass ihr Konstrukt den Charakter der Improvisation trug. Zimmermann äußert sich in diesem Kontext, er spricht von einem „Notbau, der auf dem Trümmerfeld des Kaiserreichs errichtet wurde“ und bis zur Zerstörung vorhanden blieb und dass der Parlamentarismus als eine strategische Aushilfe galt. Es gab keine gute Grundlage, daher hat „die Demokratie aus der Niederlage den Weimarer Staat zu Siechtum und Untergang verurteilt“.
Erich Matthias weist darauf hin, dass „nach dem Ausbruch der Revolution nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten bestand, jedoch die bolschewistische Lösung keine ernsthafte Alternative darstellte, da laut Sebastian Haffner, das bolschewistische Programm konkret basisdemokratisch war und das Establishment keine Basisdemokratie duldete und dies nicht dem Grundgedanken einer Republik entsprach. Aber auch vorzeitige Versuche den Parlamenten eine Machterweiterung zuzuschreiben scheiterten daran, dass das Reichsoberhaupt, Wilhelm II. die alleinige Führung in der Außenpolitik beibehalten wollte. Es blieb bis zum Ende des Weltkrieges so, dass den Parlamenten nur indirekte Kontrollbefugnisse zustanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Einleitung beleuchtet die politische Ausgangslage Deutschlands Ende 1918 und definiert die zentrale Forschungsfrage zur außenpolitischen Entwicklung in der Übergangsphase.
2. Ausgangslage und politische Situation der Übergangsperiode: Dieses Kapitel analysiert die militärische Niederlage, den improvisierten Charakter der frühen Weimarer Demokratie sowie die Ängste vor einem bolschewistischen Umsturz.
3. Die außenpolitische Hauptambition: Hoffnungen in Wilsons Friedenspolitik: Hier wird die einseitige Fixierung auf die USA als diplomatische Taktik zur Minderung der Waffenstillstandsbedingungen untersucht.
4. Das Auswärtige Amt: Es wird die personelle Kontinuität innerhalb des Amtes thematisiert und das Scheitern interner Reformbemühungen hinterfragt.
5. Aufgaben und Umsetzung: Untersucht werden die neuen Herausforderungen durch Friedensverhandlungen und die Kompetenzkonflikte mit militärischen Akteuren bei fehlender strategischer Neuausrichtung.
6. Resümee und Abschluss: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass das Auswärtige Amt durch mentale Kontinuität und mangelnde Anpassungsfähigkeit eine notwendige außenpolitische Neugestaltung verpasste.
Schlüsselwörter
Auswärtiges Amt, Übergangszeit 1918/1919, Weimarer Republik, Novemberrevolution, personelle Kontinuität, Woodrow Wilson, 14-Punkte-Programm, Friedensverhandlungen, Außenpolitik, Waffenstillstandsvertrag, Parlamentarismus, deutsche Außenpolitik, Diplomatie, Machtpolitik, Systemumbruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Handeln des Auswärtigen Amtes in Deutschland während der kritischen Übergangsphase vom Ersten Weltkrieg zur Weimarer Republik in den Jahren 1918 und 1919.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die personelle Beständigkeit im Auswärtigen Dienst trotz Regierungswechsels, die diplomatischen Hoffnungen bezüglich Wilsons Friedenspolitik und die Spannungen zwischen ziviler Diplomatie und militärischem Einfluss.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Leitfrage, ob sich das Auswärtige Amt der machtpolitischen Situation während der Übergangsjahre angemessen stellte oder ob strukturelle Defizite eine effektive Neuordnung verhinderten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Fachliteratur sowie gedruckten Primärquellen wie Akten, Dokumenten und zeitgenössischen Aufzeichnungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der politischen Ausgangslage, die Rolle Wilsons, die internen Strukturen und personellen Konstellationen im Auswärtigen Amt sowie die konkreten Herausforderungen bei den Friedensverhandlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind personelle Kontinuität, Auswärtiges Amt, Wilson-Friedenspolitik, Übergangsphase 1918/1919 und die gescheiterte Neuausrichtung der deutschen Diplomatie.
Warum wird im Text der Begriff "Bolschewistische Gefahr" im Kontext des Auswärtigen Amtes verwendet?
Der Begriff beschreibt die Furcht der damaligen Führungsschichten vor einem radikalen politischen Umsturz nach dem Vorbild der russischen Revolution, was die diplomatischen Spielräume und das bündnispolitische Denken stark einschränkte.
Welche Rolle spielte der "Improvisationscharakter" bei der Gründung der Weimarer Demokratie?
Der Autor führt aus, dass mangels tragfähiger Konzepte und aufgrund des Widerstands alter Funktionseliten viele Maßnahmen der neuen Regierung eher provisorisch wirkten, was sich negativ auf die institutionelle Stabilität auswirkte.
- Arbeit zitieren
- Linda Kramell (Autor:in), 2021, Verhalten des Auswärtigen Amts in der machtpolitischen Situation 1918/1919, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1322828