Das Präsens ist nicht nur in der Lage, gleichzeitige Ereignisse auszudrücken, sondern kann auch Situationen, die nachzeitig zum Sprechakt angeordnet sind, beschreiben. Diese Verwendung des Praesens pro futuro kommt insbesondere dann vor, wenn
temporale Adverbien Nachzeitigkeit suggerieren.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die vorhandene Forschung über das futurische Präsens darzulegen und die Bedingungen für dessen Gebrauch zu schildern. Dazu wird anfangs auf das Gegenwart anzeigende Präsens eingegangen und die schematische
Darstellung des Präsens denen des Praesens pro futuro gegenübergestellt. Anschließend wird analysiert, unter welchen Bedingungen das futurische Präsens verwendet werden kann. Diese werden unter zwei Faktoren zusammengefasst: der
Etablierung eines Orientierungspunktes durch temporale Adverbien und durch die Generierung einer (unmittelbaren) nachzeitigen Situation durch kontextuelle Bezüge. Am Ende wird auf Besonderheiten des Phänomens in verschiedenen Sprachen eingegangen, da die Bedingungen für den Gebrauch je nach Sprache variieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Präsens – Bedeutung und schematische Darstellung
3. Bedingungen für den Gebrauch des Praesens pro futuro
3.1 Einfluss der Verbform auf die Nachzeitigkeitsbedeutung
3.2 Einführung eines Orientierungspunktes durch adverbiale Bestimmungen der Zeit
3.3 Kontextabhängige Futurbedeutung
3.4 Besonderheiten im Gebrauch des Praesens pro futuro in verschiedenen Sprachen
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen für den Gebrauch eines im Präsens ausgedrückten zukünftigen Ereignisses, bekannt als "Praesens pro futuro". Das Ziel ist es, die sprachwissenschaftlichen Voraussetzungen zu klären, unter denen ein Präsensverb eine nachzeitige Bedeutung annehmen kann, wobei insbesondere die Rolle von Temporaladverbien, Aspekten und kontextuellen Hinweisen analysiert wird.
- Schematische Darstellung des Präsens nach Reichenbach und Rojo
- Einfluss der Verbform und des Aspekts auf die Zeitreferenz
- Etablierung von Orientierungspunkten durch temporale Adverbien
- Kontextabhängige Futurbedeutung und modale Werte
- Sprachspezifische Unterschiede zwischen Deutsch, Englisch und Spanisch
Auszug aus dem Buch
3.1 Einfluss der Verbform auf die Nachzeitigkeitsbedeutung
Während in der deutschen und französischen Sprache die Unterscheidung des Aspekts eine untergeordnete Rolle spielt, hat er im Spanischen und Englischen einen großen Einfluss. Dort wird zwischen imperfektiven, also nicht abgeschlossenen und perfektiven Verformen unterschieden, die dadurch charakterisiert sind, dass sie einen Endpunkt haben. Generell lässt sich feststellen, dass alle Verben das futurische Präsens bilden können, allerdings ist diese Form besonders charakteristisch für perfektive Verbformen. Sánchez erklärt das damit, dass imperfektive Verben mit der einfachen Präsensform eine gleichzeitige Situation ausdrücken können, da es sich dabei um permanente Aktionen handelt, die simultan zum Sprechmoment existieren können, siehe Beispiel (3). Bei den perfektiven Verben verhält es sich jedoch anders: Um eine zum Sprechakt gleichzeitige Situation auszudrücken, muss im Spanischen die zusammengesetzte Form verwendet werden. Die simple Form hingegen drückt meistens aufgrund ihrer Abgeschlossenheit und kurzen Dauer entweder ein Ereignis vor oder nach dem Sprechakt aus, auch wenn es im Präsens formuliert wurde (4).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt das Forschungsfeld ab und definiert die zentrale Fragestellung zur Verwendung des Präsens für zukünftige Ereignisse.
2. Präsens – Bedeutung und schematische Darstellung: Dieses Kapitel erläutert die Grundbedeutung des Präsens als Gleichzeitigkeit und stellt diese grafisch anhand gängiger Modelle gegenüber.
3. Bedingungen für den Gebrauch des Praesens pro futuro: Der Hauptteil analysiert detailliert die Faktoren wie Verbform, Adverbien und Kontext, die eine futurische Deutung des Präsens ermöglichen.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die sprachabhängige Nutzung des Praesens pro futuro zusammen.
Schlüsselwörter
Praesens pro futuro, Nachzeitigkeit, temporale Adverbien, Sprachwissenschaft, Präsens, Aspekt, Orientierungspunkt, Verbform, Zeitreferenz, Sprachvergleich, Kontext, Modaler Wert, Futurbedeutung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die grammatikalische Verwendung des Präsens zur Beschreibung zukünftiger Ereignisse, ein Phänomen, das fachsprachlich als "Praesens pro futuro" bezeichnet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die zeitliche Orientierung, der Einfluss von Aspekten auf die Verbmorphologie und die pragmatische Funktion von Zeitadverbien innerhalb verschiedener Sprachen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Bedingungen zu identifizieren, die es erlauben, ein Verb im Präsens für eine nachzeitige Situation zu verwenden, ohne die temporale Form des Verbs zu ändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse semantischer Modelle (wie die von Reichenbach und Rojo) sowie den Vergleich sprachlicher Daten aus dem Deutschen, Englischen, Französischen und Spanischen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Verbform, die Rolle von Orientierungspunkten durch Adverbien, kontextabhängige Faktoren und einen Vergleich der sprachspezifischen Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Praesens pro futuro, Nachzeitigkeit, temporale Adverbien, Aspekt, Zeitreferenz und Sprachvergleich.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung von perfektiven und imperfektiven Verben?
Perfektive Verben eignen sich aufgrund ihres definierten Endpunkts besser für eine futurische Deutung, während imperfektive Verben im Präsens meist eine anhaltende Gleichzeitigkeit ausdrücken.
Warum wird im Spanischen häufig "ya" benötigt?
Die temporale Ergänzung "ya" dient dazu, dem Verb eine explizite nachzeitige Konnotation zu verleihen, die in manchen Fällen durch die reine Verbform nicht klar genug markiert wäre.
Was unterscheidet das Englische vom Deutschen in Bezug auf das futurische Präsens?
Während das Deutsche die Form recht flexibel nutzt, ist sie im Englischen stark an Planbarkeit, Vorhersagbarkeit und ein hohes Maß an Sicherheit für ein zukünftiges Ereignis gebunden.
Können auch extralinguistische Faktoren das Präsens in die Zukunft verschieben?
Ja, der inhaltliche Kontext oder das Register (z.B. Programmvorschau im Radio) können eine zukünftige Bedeutung suggerieren, auch ohne dass ein spezifisches Zeitadverb im Satz vorhanden ist.
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- Anonym (Author), 2020, Bedingungen für den Gebrauch von Praesens pro Futuro, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1323048