Im Kerncurriculum ist die hier dargestellte Lerneinheit im Jahrgang 9/10 unter dem Schwerpunkt „Aufgaben des Staates im Wirtschaftsprozess“ zu verorten. Groblernziel: Die Schülerinnen und Schüler problematisieren die Tragik der Allmende im Spannungsfeld zwischen individuell rationalem Verhalten und kollektiv suboptimalen Ergebnissen, indem sie eine eigens formulierte Forschungsfrage nach der Durchführung des Planspiels ‚Fischereispiel‘ beantworten.
Im schulischen Kontext versteht man unter dem forschenden Lernen, dass die Lernenden die eigentliche Fragestellung des Forschungsvorhabens, die möglichen Forschungswege und damit einhergehend die Lösungen der genannten Fragestellung möglichst selbstständig erarbeiten. Durch das forschende Lernen sollen unter anderem die intrinsische Lernmotivation gefördert, die kognitiv-psychologische Entwicklung entwickelt und die Problemlösefähigkeit der Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Eine für das forschende Lernen notwendige Umstrukturierung des Unterrichts erfordert auch eine Verhaltensveränderung der jeweiligen Lehrperson. Hierbei legt die Lehrkraft in der Regel die Rolle der frontal-instruierenden Zentralperson ab und versucht sich innerhalb der entdeckenden und erforschenden Prozesse der Schülerinnen und Schüler zurückzuziehen und unterstützt dabei lediglich in einer Beraterfunktion bei Unklarheiten innerhalb der selbstständigen Forscherprozesse.
Oftmals stehen Experimente im Fokus des forschenden Lernens. Experimente haben besonders im Ökonomieunterricht den Vorteil, dass spielerisches Entdecken praktiziert wird, ohne die Fachlichkeit des Unterrichtsfachs zu vernachlässigen. Ferner können hierbei aktuelle Forschungsergebnisse mit den eigentlichen Lehrinhalten des Faches verknüpft werden. Diese Herangehensweise kann dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler eine hohe Lernbereitschaft und Motivation für die an sie herangetragenen Unterrichtsinhalte entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Beschreibung der Lerngruppe
3. Sachanalyse
4. Didaktische Analyse / Methodik
5. KC / Kompetenzen / Lernziele
6. Darstellung der Unterrichtsreihe
7. Darstellung des Stundenentwurfs
8. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Ausarbeitung konzipiert einen Projekttag für eine 9. Klasse, der das Prinzip des Forschenden Lernens nutzt, um wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge erlebbar zu machen. Das primäre Ziel ist es, die Lernenden dazu zu befähigen, die sogenannte "Tragik der Allmende" kritisch zu hinterfragen und im Spannungsfeld zwischen rationalem individuellem Handeln und kollektiv suboptimalen Ergebnissen Lösungsansätze für einen nachhaltigen Ressourcengebrauch zu entwickeln.
- Forschendes Lernen als didaktisches Prinzip im Wirtschaftsunterricht
- Strukturmerkmale und ökonomische Analyse von Allmendegütern
- Didaktische Legitimation und Verknüpfung mit staatlichen Handlungsfeldern
- Einsatz von Planspielen (Fischereispiel) zur Förderung von Perspektivwechseln
- Analyse und Reflexion von kooperativem Verhalten in Dilemmasituationen
Auszug aus dem Buch
3. Sachanalyse
Im Kern des Projekttages steht das Allmendegut, welches die Schülerinnen und Schüler mithilfe des Fischereispiels kennen lernen und verstehen sollen. Allmendegüter unterscheiden sich hinsichtlich der Rivalität in der Nutzung sowie der Ausschließbarkeit potenzieller Nutzer von anderen Güterarten. Öffentliche Güter weisen weder eine Rivalität in der Nutzung, noch eine Ausschließbarkeit potenzieller Nutzer auf (z.B. fallen hierunter die Landesverteidigung oder öffentliche Deiche). Im Gegenzug hierzu weisen Clubgüter zwar keine Rivalität in der Nutzung, jedoch eine Ausschließbarkeit potenzieller Nutzer auf (Golfclub, Pay-TV). Private Güter weisen sowohl eine Rivalität in der Nutzung, als auch eine Ausschließbarkeit potenzieller Nutzer auf (an dieser Stelle wären beispielhaft Kleidung, Nahrung oder Möbel zu nennen). Die Güterart der Allmendegüter, welche für diese Ausarbeitung im Schwerpunkt ausgewählt wurden, weisen eine Rivalität in der Nutzung auf, rivalisierende potenzielle Nutzer können jedoch von der Nutzung nicht ausgeschlossen werden (z.B. das öffentliche Straßennetz oder Fischgründe). Diese Eigenschaften machen die Allmendegüter zu einer besonderen Güterart, zumal die vorhandene Rivalität in der Nutzung und die nicht vorhandene Ausschließbarkeit von potenziellen Nutzenden in der Realität auf relativ wenige Güter zutrifft.
Schon im Jahre 1968 hat der Mikrobiologie Garrett Hardin sich in seinem Aufsatz „The Tradegy of he Commons“ mit dem Phänomen der Allmendegüter beschäftigt. In diesem Aufsatz beschrieb er die Ressourcenübernutzung von Gütern und die daraus resultierenden Folgen für beteiligte Individuen anhand des Beispiels der Weidenutzung. Die Nutzung der Grasflächen durch verschiedene Bauern und deren Kühe ist bis zu einem bestimmten Zeitpunkt als unproblematisch zu bewerten. Ab der Überschreitung einer bestimmten Anzahl an weidenden Kühen kommt es jedoch zu einer Übernutzung der gemeinsamen Weidefläche, die nach Hardin das Allmendegut darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Erläuterung des Konzepts des Forschenden Lernens und dessen Bedeutung für die intrinsische Motivation und Problemlösefähigkeit im Schulkontext.
2. Beschreibung der Lerngruppe: Vorstellung einer fiktiven 9. Klasse einer niedersächsischen Oberschule und Darlegung der Voraussetzungen für den geplanten Projekttag.
3. Sachanalyse: Theoretische Herleitung des Begriffs der Allmendegüter sowie Darstellung der Thematik der Ressourcenübernutzung nach Garrett Hardin.
4. Didaktische Analyse / Methodik: Begründung der Unterrichtsinhalte durch wirtschaftsdidaktische Leitfragen und Erläuterung des Planspiels als zentrale Methode.
5. KC / Kompetenzen / Lernziele: Einordnung der Lerneinheit in das Kerncurriculum und Definition der angestrebten Grob- und Teillernziele.
6. Darstellung der Unterrichtsreihe: Übersicht über die sieben Unterrichtsstunden des gewählten Themenkomplexes mittels einer tabellarischen Auflistung.
7. Darstellung des Stundenentwurfs: Detaillierte Planung des Projekttages unter Einbeziehung des Fischereispiels und der zugehörigen Lernphasen.
8. Literatur: Auflistung der im Rahmen der Ausarbeitung herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Literaturangaben.
Schlüsselwörter
Forschendes Lernen, Wirtschaftsunterricht, Allmendegüter, Tragik der Allmende, Planspiel, Fischereispiel, Ressourcenökonomie, ökonomische Bildung, Kerncurriculum, Nachhaltigkeit, Marktwirtschaft, kollektives Handeln, Wettbewerb, Lernmotivation, Unterrichtsplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption eines Projekttages zum Thema "Forschendes Lernen" innerhalb der ökonomischen Bildung für eine 9. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Begriffs der Allmendegüter, die didaktische Planung einer Unterrichtsreihe sowie die praktische Umsetzung eines Planspiels zur Förderung des ökonomischen Verständnisses.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, den Schülern durch das "Fischereispiel" die Tragik der Allmende verständlich zu machen und sie zur Reflexion über nachhaltiges Verhalten zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Vermittlung verwendet?
Die Arbeit setzt primär auf die Methode des Planspiels, da dieses komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge durch den aktiven Rollenwechsel erfahrbar macht.
Welche Inhalte werden in den Hauptkapiteln behandelt?
Neben einer theoretischen Sachanalyse finden sich die didaktische Begründung, eine Aufschlüsselung der Kompetenzziele sowie die konkrete tabellarische Planung der Unterrichtsreihe und des Stundenverlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Allmendegüter, Planspiel, Forschendes Lernen und nachhaltige Wirtschaftsführung definiert.
Warum wird im Projekttag ein spezielles "Fischereispiel" durchgeführt?
Das Spiel dient als Simulation, um das Spannungsfeld zwischen der Gewinnmaximierung des Einzelnen und dem drohenden Ruin der gemeinsamen Ressource (Allmende) unmittelbar nachvollziehbar zu machen.
Welchen Stellenwert nimmt die "Tragik der Allmende" nach Garrett Hardin ein?
Sie bildet das theoretische Fundament der Sachanalyse, um das rationale, aber destruktive Verhalten von Wirtschaftsakteuren bei der Nutzung gemeinsamer Ressourcen zu erklären.
- Arbeit zitieren
- Alexander Mansholt (Autor:in), 2020, Die Tragik der Allmende am Beispiel der Fischereiwirtschaft. Ein Unterrichtsentwurf zum Thema "Forschendes Lernen" (Wirtschaft, 9. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1323591