„Lacan […] the most important and influential psychoanalyst since Freud.“ hatte einen sehr erheblichen Einfluss auf die Literaturkritik, da er die Einsichten in die menschliche Psyche Freuds mit den linguistischen und strukturalistischen Untersuchungen von Ferdinand de Saussure und Roman Jakobson kombinierte. Für die Ausführung seiner Theorie bilden die Kategorien des Imaginären, des Symbolischen und des Realen den methodologischen Kern. Er vertrat die Ansicht, dass es ohne diese drei Ordnungen „unmöglich sei, irgendetwas von der Freudschen Technik oder Erfahrung zu verstehen“ , die die Grundlagen für seine Arbeit darstellen. Das Imaginäre umschreibt den Bereich des Bildhaften und Eingebildeten. Am Beispiel lacanscher Psychoanalyse: der „imaginäre Vater“ wird im Ödipuskonflikt vom Kinde als allwissend und Phallus tragend imaginiert, auf den sich die kindliche Kastrationsangst richtet. Das Symbolische stellt die Struktur einer Gesellschaft oder Kultur dar, was für Lacan der Struktur von Sprache gleichkommt. Der „symbolische Vater“ entspricht der Funktion eines Vaters oder Ahnen, zu dem eine symbolische Schuld besteht. Das Reale ist „die am schwierigsten zu fassende Kategorie […] nicht die ‚Realität‘ […] das, was weder imaginierbar noch symbolisierbar ist.“ Der leibliche Vater stellt den „realen Vater“ dar. Lacan schreibt dem Symbolischen eine Dominanz zu gegenüber dem Realen und dem Imaginären (S.R.I.-Hierarchie).
Inhaltsverzeichnis
1. Die Trias der Ordnung: Imaginäres, Symbolisches und Reales
2. Das Spiegelstadium und die Konstituierung des Ich
3. Fötalisation und der Prozess der Subjektwerdung
4. Begehren und Spiegelbild bei Lacan und Foucault
5. Aggreganda
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den zentralen psychoanalytischen Konzepten von Jacques Lacan, insbesondere der Strukturierung des Subjekts durch das Spiegelstadium, die Kategorien des Imaginären, Symbolischen und Realen sowie der Dynamik des menschlichen Begehrens.
- Methodologische Grundlagen: Einführung in die Ordnungen des Imaginären, Symbolischen und Realen.
- Spiegelstadium: Analyse der Konstituierung des Ichs und der narzisstischen Selbsttäuschung.
- Subjektwerdung: Untersuchung der frühen Phasen der Fötalisation und Abnabelung.
- Begehrensstruktur: Erläuterung der Verbindung zwischen Mangel, Begehren und Bildhaftigkeit.
- Mediale Perspektive: Rezeption durch Denker wie Michel Foucault und Bezüge zum filmischen Apparat.
Auszug aus dem Buch
Das Spiegelstadium und die Konstituierung des Ich
Lacan entwickelt den Begriff des Spiegelstadiums für den Entwicklungsprozess der psychischen Verfassung, eines Kleinkindes zwischen 12 und 18 Monaten, der auf der damals noch jungen freudschen Forschungslandschaft der Psychodynamik des Unbewussten basiert. Das Kleinkind, an der Schwelle zur Erlangung eines eigenen Bewusstseins über sich selbst, nimmt sich, also den eigenen Körper und Gesichtsausdruck, als ganzheitliche Entität war, wenn es sich im Spiegel ansieht. Es kommt zur Konstituierung des Ich, die Vorstellung über sich selbst als Körper. Dieses konstituierte Ich sucht das Kleinkind immer wieder mit seinem tatsächlichen Körper mittels des Spiegelbildes abzugleichen, sobald es in einen Spiegel blickt.
Lacan bezeichnet dieses ich „moi“ mit einer imaginären Funktion, das in Opposition zum „je“ steht. Es ist deshalb imaginär, da das Bild vom Ich nicht das Subjekt ist. „Das Ich ist jener Herr, den das Subjekt in einem anderen findet und der sich in seiner Herrschaftsfunktion in seinem eigenen Herzen errichtet.“ Wie Lacan in seinem Aufsatz „Le stade du miroir comme formateur de la fonction du Je“ aufzeigt, erfährt das Kind, wenn es sich beim Blick in den Spiegel selbst erkennt, einen „aha-Moment“ mit großem Jubel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Trias der Ordnung: Imaginäres, Symbolisches und Reales: Das Kapitel führt in die drei für Lacan grundlegenden Kategorien ein, die das Verständnis der menschlichen Psyche und der Struktur der Sprache prägen.
2. Das Spiegelstadium und die Konstituierung des Ich: Hier wird der Prozess der Identitätsbildung des Kleinkindes durch das Spiegelbild erläutert, wobei insbesondere die Spannung zwischen imaginärer Entfremdung und der Suche nach Ganzheit hervorgehoben wird.
3. Fötalisation und der Prozess der Subjektwerdung: Dieses Kapitel thematisiert die traumatische Erfahrung der Trennung sowie das Konzept des zerstütekelten Körpers (corps morcelé), das die Basis des lebenslangen Begehrens bildet.
4. Begehren und Spiegelbild bei Lacan und Foucault: Der Abschnitt verknüpft die Lacan'sche Theorie mit der Sichtweise Foucaults, um zu zeigen, wie das Spiegelbild als Medium die Selbsterkennung und Unterwerfung des Subjekts beeinflusst.
5. Aggreganda: Ein abschließender ergänzender Teil, der die Anwendung der Lacan-Rezeption auf die filmische Erfahrung und die gesellschaftliche Entfremdung kurz zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Jacques Lacan, Spiegelstadium, Psychoanalyse, Subjektwerdung, Imaginäres, Symbolisches, Reales, Begehren, corps morcelé, Ich, Narzissmus, Michel Foucault, Identität, Entfremdung, Subjekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychoanalytischen Theorien von Jacques Lacan und deren Bedeutung für das Verständnis der menschlichen Subjektivität und Identitätsentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das Spiegelstadium, die drei psychischen Ordnungen (Imaginäres, Symbolisches, Reales), das menschliche Begehren und die Rolle des Anderen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie Lacan die Konstituierung des Ichs beschreibt und wie diese Erkenntnisse helfen, das menschliche Streben sowie die daraus resultierende Entfremdung zu deuten.
Welche wissenschaftlichen Bezüge werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Schriften Lacans und greift zur Erläuterung auf Interpretationen von Denkern wie Michel Foucault, Slavoj Žižek und Bruce Fink zurück.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entwicklung der psychoanalytischen Kategorien, gefolgt von einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem Spiegelstadium und der Entstehung des Begehrens durch den Verlust der ursprünglichen dyadischen Einheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Schlagworte sind Psychoanalyse, Spiegelstadium, Imaginäres/Symbolisches/Reales, corps morcelé und die Konstituierung des Ichs.
Wie unterscheidet Lacan zwischen dem Ich (moi) und dem Subjekt (je)?
Lacan definiert das „moi“ als eine imaginäre Funktion und Konstruktion durch das Spiegelbild, während das „je“ die Position des Subjekts in der Sprache darstellt.
Warum spielt die Fötalisation eine Rolle in der Theorie?
Die Fötalisation verdeutlicht die absolute Abhängigkeit und den Mangel, der bei der Geburt entsteht und als Motor für das lebenslange Begehren des Subjekts fungiert.
- Arbeit zitieren
- Fred Benthien (Autor:in), 2018, Jacques Lacans Theorie für die Allgemeinheit gewinnbringend erklärt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1323617