„Glück ohne Ruh’ “– Goethes geheimnisvolle Liebe zu Anna Amalia

Germanistik - Literaturwissenschaft: "berufsbezogen"


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Goethe und Anna Amalia
2.1. Wer war Anna Amalia und wie war die literaturwissenschaftliche Meinung zum Verhältnis zwischen beiden vor Ghibellinos Veröffentlichung?
2.2. Die Theorien von Ettore Ghibellino
2.3. Darstellung des Verhältnis Anna Amalias und Goethes im Film „Glück ohne Ruh’– Goethe und die Liebe“ produziert im Rahmen des Projekts „Geschichte Mitteldeutschlands“ für den Mitteldeutschen Rundfunk

3. Auf ein Wort zum Schluss

4. Literatur
4.1. Primärquellen
4.2. Sekundärliteratur
4.3. Online-Recherche

1. Einleitung

„Bis zum heutigen Tag gehört es zum Allgemeinwissen nicht nur von Germanistikstudentinnen und- studenten, sondern gleichermaßen einer gebildeten Öffentlichkeit, dass der junge Dichter Johann Wolfgang von Goethe – als gefeierter Autor des „Werther“ – in Weimar durchaus nicht nur begeistert aufgenommen, in Charlotte von Stein mehr als lediglich eine mütterliche Freundin und Begleiterin gefunden hat.“[1]

Erstmals 2003 erscheint ein Buch mit dem Titel „J. W. Goethe und Anna Amalia - eine verbotene Liebe“ von dem promovierten Juristen Ettore Ghibellino. Eben dieses schockierte die germanistische Fachwelt, denn das von Nagelschmidt angesprochene Allgemeinwissen scheine, nach Ghibellino, in punkto Goethe und Frau von Stein wohl fehlerhaft zu sein. Nicht Frau von Stein solle Goethes Geliebte gewesen sein, sondern die Herzogin Anna Amalia. Doch habe Frau von Stein trotzdem eine wichtige Rolle gespielt: die der Mitwisserin und der absolut loyalen Verbündeten. So lautet die Hypothese des in Weimar lebenden Juristen und Schriftstellers, mit der sich angeblich sämtliche Widersprüche in Goethes Leben und Werk erklären ließen. In der Arbeit wird ein kurzer Abriss über Anna Amalia und der Meinung zum Verhältnis von Goethe und der Herzogin vor Ghibellinos Veröffentlichungen gegeben. Überdies werden Ghibellinos Thesen vorgestellt. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der literaturwissenschaftlich kritischen Diskussion der Darstellung des Verhältnis Anna Amalias und Goethes im Film „Glück ohne Ruh’ – Goethe und die Liebe“, welcher 2008 im Rahmen des Projekts „Geschichte Mitteldeutschlands“ für den Mitteldeutschen Rundfunk produziert wurde.

2. Goethe und Anna Amalia

2.1. Wer war Anna Amalia und wie war die literaturwissenschaftliche Meinung zum Verhältnis zwischen beiden vor Ghibellinos Veröffentlichung?

Anna Amalia, die Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde am 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel als Tochter des Herzogs Karl I. von Braunschweig und Nichte Friedrichs des Großen geboren. Schon mit sechzehn heiratete sie den zwei Jahre älteren Herzog Ernst August Konstantin von Sachsen-Weimar und wird Mutter zweier Söhne. Bald darauf stirbt ihr Mann und sie ist gezwungen die Regentschaft über das Herzogtum zu übernehmen. Die aus Braunschweig stammende Rokoko-Fürstin wurde nun mit 18 Jahren Witwe und musste für ihren unmündigen Sohn Carl August, mitten im Siebenjährigen Krieg, die Regentschaft über das verschuldete Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach übernehmen. Diese Frau hatte den Ruf einer hoch gebildeten, klugen und politisch weitsichtigen Frau. Anna Amalia war sehr von den Künsten und im Besonderen der Musik angetan. In Biografien liest man in Beschreibungen ihrer Person häufig die Worte Komponistin und Mäzenin. Anna Amalia, ebenfalls Initiatorin Weimars weltberühmter Bibliothek, regierte nicht nur mit ökonomischem Geschick, sondern schuf auch die Basis für Weimars Musenhof, der die Großen jener Epoche lockte, wie Goethe, Schiller, Humboldt, Hegel und Fichte. Dementsprechend versammelte sie daneben regelmäßig einen Kreis von Musikern um sich. Es heißt zwar, dass sie sich selbst nie als Komponistin im heutigen Sinn betrachtet hätte, aber zeugen ihre Kompositionen wohl von einem soliden Können und musikbegabtem Kunstverständnis. 1775 erreichte ihr Sohn jenes Alter, um nun selbst den Thron des Herzogtums besteigen zu können. Sie konnte sich nun ihren Interessen widmen und begründete im Zuge dessen das Deutsche Schauspiel in Weimar. Des Weiteren war Anna Amalia der italienischen Sprache mächtig und verließ Weimar beispielsweise 1788-90, um in Italien die bildenden Künste wie auch die Musik zu studieren. Ein Zeitgenosse sagte einst über die Herzogin, dass sie klein sei in ihrer Statur, sähe wohl aus, hätte schöne Hände und Füße, einen leichten und doch majestätischen Gang, spräche schön, aber geschwind und hätte in ihrem ganzen Wesen viel Angenehmes und Einnehmendes. Im Alter von siebenundsechzig Jahren, am 10. April 1807, starb Anna Amalia in Weimar.[2]

Die Frage der germanistischen Fachwelt zur Beziehung zwischen Goethe und Anna Amalia wurde vor Ghibellino derart nicht gestellt. Es stand fest, so weit dies gesagt werden kann, dass es eine geheimnisvolle Liebe Goethes zu Charlotte Albine Ernestine von Stein gab. 1775 soll, und darin stimmen auch Ghibellinos Ausführungen überein, diese Liebesbeziehung begonnen und bis ins Jahr 1789 bestanden haben. Einziges Überbleibsel dieser Liaison sind Goethes Briefe an Frau von Stein, doch in den Mittheilungen über Goethe von seinem langjährigen und engen Mitarbeiter Friedrich Wilhelm Riemer wird Frau von Stein nur in einer Fußnote bedacht.[3] Erst mit der Veröffentlichung von Goethes Briefen an Charlotte von Stein in drei Bänden (1848 – 1851) wurden Details ihrer Liebesbeziehung bekannt.[4]

2.2. Die Theorien von Ettore Ghibellino

Doch genau das Gegenteil behauptet eine von Ghibellinos Thesen in der er sagt, dass diese eben erwähnten Briefe in Wirklichkeit an die Herzogin Anna Amalia gerichtet wären.[5] Dennoch muss, um Ghibellinos Werk im Ganzen zu verstehen, in chronologischer Reihenfolge mit seiner Beweisführung begonnen werden. Ghibellinos Prolog beginnt mit dem Staatsgeheimnis, welches Goethe Zeit seines Lebens hätte wahren müssen und welches die von ihm unsterblich geliebte Frau beträfe.[6] Wie schon erwähnt, sei das Wissen um dieses Geheimnis von basaler Wichtigkeit, um Goethes Werk in seiner Gesamtheit und Größe zu verstehen. Es drängt sich demnach die Frage auf, warum diese Liebesbeziehung denn überhaupt geheim gehalten werden sollte, wenn doch Anna Amalia als Witwe eine freie Frau war. Ghibellino schreibt dazu in seinem Vorwort, dass dies erstens aus persönlichen Gründen wichtig gewesen wäre, da es durch die Statusunterschiede als Skandal gelten würde und zweitens, weil sie auch eine Gefahr für das Herzogtum dargestellt hätte. Bekanntermaßen gab es 1773 einen ähnlichen Fall, in den die Königin von Dänemark verwickelt war. Die Königin hatte einen bürgerlichen Geliebten, mit diesem auch ein Kind und als dies publik wurde, wurde sie verbannt und ihr Angebeteter hingerichtet. Ghibellinos Fazit daraus ist, dass die Liebe geheim gehalten werden musste.[7] Dies würde angeblich auch erklären, warum alle Papiere und Briefe von Anna Amalia und Goethe, die von Müller, Carl Augusts Kanzler, 1827 katalogisiert wurden, heute nicht mehr auffindbar sind. Weiterführend verweist Ghibellino auf Archivmaterial außerhalb von Weimar, welches vielleicht Aufschluss geben könnte. Doch wird diesem Argumentationsstrang logisch gefolgt, so liegt hier ein argumentum ad nihilum vor, da Ghibellino mit dem Nichtvorhandensein von Unterlagen versucht einen Beweis zu erbringen.

[...]


[1] Nagelschmidt, Ilse: Landesfürstin und Geliebte – Zwischen Ausbruch und Entsagung. Eine andere Sicht auf Anna Amalia. In: Nagelschmidt, Ilse (Hg.): „Alles um Liebe“. Anna Amalia und Goethe. 1. Interdisziplinäres Symposium 2007. Weimar: Denkena Verlag 2008. S.11.

[2] http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/anna-amalia-herzogin-von-sachsen-weimar-eisenach/

[3] Ghibellino, Ettore: J.W. Goethe und Anna Amalia. Eine verbotene Liebe. Weimar: Denkena Verlag 20042. S.16.

[4] Ebd. S.17.

[5] Ebd.

[6] Ghibellino, Ettore: J.W. Goethe und Anna Amalia. Eine verbotene Liebe. Weimar: Denkena Verlag 20042. S.15.

[7] Ebd. S.10.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
„Glück ohne Ruh’ “– Goethes geheimnisvolle Liebe zu Anna Amalia
Untertitel
Germanistik - Literaturwissenschaft: "berufsbezogen"
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Proseminar: Praxisbezug in den Literaturwissenschaften
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V132366
ISBN (eBook)
9783640415106
ISBN (Buch)
9783640410736
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ruh’, Goethes, Liebe, Anna, Amalia, Germanistik, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Katharina Ströhl (Autor:in), 2009, „Glück ohne Ruh’ “– Goethes geheimnisvolle Liebe zu Anna Amalia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132366

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