Formen und Funktionen von Gewalt in Anthony Burgess "A Clockwork Orange"

Mit einer ethischen Kritik nach Wayne C. Booth


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. A Clockwork Orange von Anthony Burgess
2.1 Handlung
2.2 Entstehung und Titel
2.3 Sprachgebrauch

3. The Company We Keep von Wayne C. Booth
3.1 Ethical Criticism
3.2 Die Macht der Metapher

4. Gewalt und Ethik in A Clockwork Orange
4.1 Gewaltdarstellung
4.2 Gewaltursachen
4.3 Ethik und Moral
4.4 The Company with A Clockwork Orange

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit wird der Roman A Clockwork Orange von Anthony Burgess vorgestellt und diskutiert.

Nach einer Zusammenfassung der Handlung wird zunächst auf die Genese und den Titel des Romans eingegangen, dann die benutzte Sprache erläutert.

Ferner werden die Theorien über die Ethische Kritik an literarischen Werken und über die Metapher von Wayne C. Booth, die er in seinem Buch The Company We Keep. An Ethics of Fiction erörtert, kurz vorgestellt.

Anschließend wird der Frage nachgegangen werden, inwiefern der Leser durch Gewaltdarstellungen beeinflusst wird.

Zum Schluss wird noch auf die Gesellschaft, die der Leser dem literarischen Werk leistet, eingegangen, um die Frage zu klären, ob und in wie weit sie realisiert wurde.

2. A Clockwork Orange von Anthony Burgess

2.1 Handlung

Der fünfzehnjährige Alexander Delarge genannt Alex und seine ‚droogs’ – Dim, Georgie und Pete - verbringen ihre Nächte damit, in der Korova-Milchbar gedopte Getränke zu sich zu nehmen und danach Raubüberfälle und Vergewaltigungen auszuüben oder sich mit anderen Gangs zu schlagen. Bei einem Hausüberfall schlägt Alex die Hausbesitzerin, die letztlich an den Verletzungen stirbt. Von seinen Kumpanen im Stich gelassen wird er von der Polizei festgenommen und eingesperrt.

Die Regierung hat eine Therapieform entwickelt, genannt ‚Ludovico’s technique’, deren Ziel es ist, Gefängniskosten zu senken, indem sie Gewaltstraftäter von ihrer krankhaften Veranlagung zur Gewalt auskurieren soll. Im Gefängnis erfährt Alex davon und unterzieht sich dieser in der Hoffnung, schneller in die Freiheit entlassen zu werden. Bei der Behandlung wird er nach dem Pawlowschen Prinzip konditioniert. Ihm werden Mittel verabreicht, die Übelkeit auslösen und er wird gezwungen, sich Gewaltfilme mit Musikbegleitung anzuschauen. Die Therapie ist insofern erfolgreich, dass das krankhaft Böse aus seinem Körper vertrieben zu sein scheint. Alles was mit Gewalt und Sex zusammenhängt löst Übelkeit und Ängste bei ihm aus. Als ‚perfekter’ guter Mensch wird der in die Freiheit entlassen.

Wieder zuhause, merkt Alex dass dort kein Platz mehr für ihn ist. Seine Eltern haben einen anderen jungen Mann aufgenommen, der ihnen Sohnersatz ist. Alex muss sich eine neue Bleibe suchen. Die Therapie hat aber auch zur Folge, dass Alex keinen freien Willen mehr hat, sondern seinen Reflexen ausgeliefert ist. Er kommt in der ‚normalen’ Welt nicht mehr zurecht, weil er sich nicht verteidigen kann. Er trifft auf seine ehemaligen Opfer und erfährt wehrlos ihre Rache.

Schließlich findet er Zuflucht bei dem Schriftsteller F. Alexander, dessen Frau auch an den Folgen eines Überfalls und der Vergewaltigung durch Alex’ Gang gestorben ist. Dort wird er aufgenommen, aber der Schriftsteller will ihn für politische Zwecke auszunutzen. Der Versuch, Alex als politischen Märtyrer zu missbrauchen und ihn zum Selbstmord zu bewegen indem er aus dem Fenster springt, misslingt.

Alex erhält medizinische Hilfe, die nicht nur sein Leben rettet, sondern auch die Konditionierung rückgängig macht. Er wird danach von der Regierung zu Werbezwecken benutzt und bekommt ein Job. Er gründet eine neue Gang und geht weiter seinen kriminellen Neigungen nach. Zum Schluss wird er aber der Gewalt überdrüssig und träumt von einem konventionellen bürgerlichen Leben, eine Utopie mit Frau und Kindern.

2.2 Entstehung und Titel

Anthony Burgess (1917-1993) war englischer Erziehungsoffizier und Lehrer. A Clockwork Orange wurde bald nach seinem Erscheinen zum Kultbuch und erreichte mitunter auch durch Stanley Kubricks erfolgreiche Verfilmung internationalen Bekanntheitsgrad. Es entstand 1962 als einer der fünf Romane, die Anthony Burgess schrieb als er erfuhr, dass er nur noch ein Jahr zu leben hat. Er wollte seiner Frau nach seinem Tod eine materielle Sicherheit geben. Damit erklärte er auch seine Einwilligung, bei dem ersten Erscheinen des Buches in Amerika das letzte Kapitel zu streichen, weil der Verlag das Buch nur so drucken wollte. Daher hat die amerikanische Ausgabe nur 20 Kapiteln. Leider ging mit dem 21. Kapitel auch der systematische Charakter des Buches verloren. A Clockwork Orange besteht aus drei Teilen à jeweils 7 Kapiteln. In dem ersten Teil wird Alex und seine Gewalttaten beschrieben, in dem zweiten Teil seine Zeit in der ‚Staja’ (State Jail) und die Konditionierung durch die Ludovico-Technik und im dritten Teil wird der neue Alex nach der Entlassung dargestellt, Alex’ ehemalige Opfer nehmen jetzt Rache an ihm, die Spiegelung der Ereignisse aus dem ersten Teil.

A Clockwork Orange wurde geschrieben als Antwort auf ein Vorschlag im Britischen Parlament, dass die moderne Jugend zu mehr Respekt gegenüber dem modernen Britischen Staat konditioniert werden sollte. Solche Tests wie in dem Roman beschrieben hat es wirklich gegeben, auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Massenmörder-Problem zu lösen. Burgess kritisiert durch das Buch solche Versuche und argumentiert dagegen. Der Staat hat kein Recht, mit der Natur des Menschen herumzuhantieren und ihn zu einer gutfunktionierenden Maschine zu machen.1 Das Buch behandelt ein einfaches Thema, zugleich aber auch ein weitreichendes: die Konditionierung, die Umwandlung der menschlichen Natur. Burgess wirft damit die Frage auf, ob der Zweck die Mittel heiligt und inwiefern man den Menschen um seinen freien Willen, seiner ‚freedom of choice’ berauben darf. Was soll, kann und darf eine Gesellschaft mit solchen Mitgliedern machen, die sich für die Gewalt entscheiden? Darf man sie zu gutfunktionierenden Maschinen, zu ‚Uhrwerken’ ummodeln?

Burgess sagte zum Titel des Buches, „The book was called A Clockwork Orange for various reasons. I had always loved the Cockney phrase ‘queer as a clockwork orange’ that being the queerest thing imaginable, and I had saved up th eexpression for years, hoping some day to use it as a title. When I began to write the book, I saw that this title would be appropriate for a story about the application of the Pavlovian, or mechanical, laws to an organism which, like a fruit, was capable of colour and sweetness. But I also served in Malaya, where the word for human being is orang.”2

Der Titel des Buches taucht an mehreren Stellen im Roman auf. Der Autor F. Alexander, bei dem Alex und seine Gang einbricht, schreibt an einem Buch namens „A Clockwork Orange“. Es ist eine Parallele zu dem Buch selber, denn der Roman wird in der ersten Person erzählt, von Alex selbst, und das Buch, das dem Leser vorliegt, ist das, welches quasi Alex selbst geschrieben hat.

2.3 Sprachgebrauch

Die von Alex und seine Gang benutzte Kunstsprache ‚Nadsat’ ist ein Gemisch aus russischen Wörtern und Jugendslang. Das Wort ‚gulliver’ z.B. kommt aus dem russischen Wort ‚golova’ (Kopf). Burgess hat Nadsat eigens für das Buch erfunden, da es im Vergleich zu anderen jugendlichen Jargons zeitlos und somit allen Lesergenerationen gleichermaßen zugänglich ist. Das Wort ‚nadsat’ ist die russische Zehnerendung und entspricht übersetzt dem englischen Wort ‚teenie’. Zu Beginn erscheint die Sprache etwas opak und befremdlich aber die Bedeutungen der Wörter lassen sich aus dem Kontext erkennen und nach den ersten Seiten ist der Leser daran gewöhnt. Nadsat ist auch eine eher emotive Sprache, sie drückt Gefühle und Empfindungen eindeutiger aus als eine referentielle Sprache, z.B. das Wort ‚bezoomny’ statt ‚mad’ oder ‚creech’ statt ‚shout’ oder ‚scream’. Einerseits wirkt diese Sprache wie ein Neologismus, es ‚verschönert’ die dargestellten Gewalttaten. Es ist weniger grausam, über „tolchocking an old veck“ zu lesen als z.B. über „beating on old men“, und sich den ganzen Roman mitten unter Blut und Grausamkeit zu befinden.3 Andererseits hat sie auch einen Distanzierungseffekt, weil es eine Sprache ist, die der Leser nicht richtig versteht. Nicht zuletzt hat ‚Nadsat’ auch eine gewisse Ästhetik:

„[...] but there was no law yet against prodding some of the new veshches which they used to put into the old moloko, so you could peet it with vellocet or synthemesc or drencroom or one or two other veshches which would give you a nice quiet horrorshow [...] (S. 3)

[...]


1 Geoffrey Aggeler, Critical Essays on Anthony Burgess. Boston: G.K.Hall & Co., 1986, S. 8

2 Zitat von Anthony Burgess , 1985. London, 1978 aus Gottfried Hanselmann, Die Zukunftsromane von Anthony Burgess. Pfaffenweiler: Centaurus-Verlagsgesellschaft, 1985

3 Esther Petix: “Linguistics, Mechanics and Metaphysics: Anthony Burgess’s A Clockwork Orange (1962)” in: Geoffrey Aggeler, Critical Essays on Anthony Burgess. Boston: G.K.Hall & Co., 1986, S. 124/5

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Formen und Funktionen von Gewalt in Anthony Burgess "A Clockwork Orange"
Untertitel
Mit einer ethischen Kritik nach Wayne C. Booth
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V132385
ISBN (eBook)
9783640381630
ISBN (Buch)
9783640381784
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturwissenschaft, Anglistik, Amerikanistik, Philosophie, Ethik, A Clockwork Orange von Anthony Burgess, Theorien über Ethische Kritik an literarischen Werken, Metapher von Wayne C. Booth, Macht der Metapher, Gewaltdarstellung, Gewaltursachen. Stanley Kubrick, Ludovico’s technique, Therapie. Pawlowscher Effekt, Bach.
Arbeit zitieren
Laura Hordoan (Autor), 2003, Formen und Funktionen von Gewalt in Anthony Burgess "A Clockwork Orange" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132385

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