Diese Arbeit soll sich eingehend mit dem Schicksal des Bergischen Landes zu Zeiten Napoleons befassen. Der Schwerpunkt liegt auf den ständigen Veränderungen, die das Bergische Land unter Einfluss der französischen Herrschaft erlebte. Des Weiteren soll ein Blick auf die wirtschaftliche Lage der Region geworfen werden. Abschließend wird die Frage gestellt, ob die „Franzosenzeit“ im Bergischen Land eine Epoche des Fortschrittes oder der Unterdrückung war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zur aktuellen Quellen- und Literaturlage
2. Die Herzogtümer Jülich und Berg zum Ende des 18. Jahrhunderts
2.1 Das Herzogtum Berg als Zentrum der beginnenden Industrialisierung
2.2 1789 bis 1806: Dreiteilung des Herzogtums und Ende der Herrschaft des Hauses Wittelsbach
3. Franzosenzeit
3.1 Die Entstehung des Großherzogtum Berg
3.2 1806 bis 1808: Joachim Murat und die Entstehung des Großherzogtums Berg
3.2.1 Das Großherzogtum Berg als Sprungbrett zum Königreich Neapel
3.3 1808 bis 1813: Das Großherzogtum unter direkter Herrschaft Napoleons
3.3.1 Die wirtschaftliche Situation unter Napoleon
3.3.2 Truppen für den Kaiser – Bergische Soldaten für Napoleon
3.3.3 Der Aufstand von 1813
4. Vom Großherzogtum zur Rheinprovinz
4.1 Das Ende des Großherzogtums Berg
5. Schlussbetrachtung
5.1 Das Erbe Napoleons / Befreiung oder Besatzung durch Preußen?
6. Zeittafel
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Verwendete Literatur
7.2 Verwendete Quellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Bergischen Landes während der napoleonischen Ära. Ziel ist es, die Auswirkungen der französischen Fremdherrschaft auf die Region zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob diese Periode als Fortschritt oder Unterdrückung zu bewerten ist.
- Strukturelle Veränderungen im Bergischen Land vor und während der französischen Besatzung
- Die Auswirkungen der napoleonischen Wirtschaftspolitik und der Kontinentalsperre
- Militärische Rekrutierungspraktiken und deren Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung
- Die Hintergründe des Aufstands von 1813 im Bergischen Land
- Die territoriale Neugliederung und der Übergang zur preußischen Rheinprovinz
Auszug aus dem Buch
Truppen für den Kaiser – Bergische Soldaten für Napoleon
Durch den Artikel 38 der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 wird das Großherzogtum dazu verpflichtet dem Kaiser ein Truppenkontingent von insgesamt 5.000 Mann zur Verfügung zu stellen. Die Rekrutierung der Truppen in Berg ist allerdings schwierig und verläuft nur unter Widerwillen der Bevölkerung. Am 21. September erfolgt der Befehl Napoleons die erforderlichen Truppen gegen Preußen bereitzustellen. Um die auferlegte Truppenzahl auch stellen zu können, wird am 9. Juni 1807 eine Vorstufe zur allgemeinen Wehrpflicht eingeführt.
Bergische Truppen kämpfen in der Folgezeit als Teil der „Grand Armee“ in verschiedenen Teilen Europas, unter anderem in Spanien und gegen Preußen.
Besonders prekär wird die Situation nach Napoleons Rückkehr vom Russlandfeldzug 1812. Nahezu Napoleons gesamte Armee wurde in Russland aufgerieben und von 5.000 Soldaten die das Großherzogtum nach Russland schickte, kehren nur ca. 300 zurück. Dies entspricht einer Verlustquote von 94 %.
Der Kaiser benötigt allerdings dringend weitere Truppen um seinen Kampf gegen die Alliierten fortzusetzen. Am 29. Januar 1813 ordnet Napoleon die Aushebung neuer Truppen im Großherzogtum an. Die Soldaten sollen mittels eines Losverfahrens bestimmt werden. Einen bildhaften Eindruck von der Praxis der Rekrutierung schilder Georg Farmer, ein von Bergischen Truppen gefangener englischer Dragoner, in seinen Tagebüchern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Zäsur des Endes des Heiligen Römischen Reiches ein und skizziert das Forschungsziel der Arbeit bezüglich des Bergischen Landes unter napoleonischer Herrschaft.
2. Die Herzogtümer Jülich und Berg zum Ende des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beschreibt die sozioökonomische Struktur des Bergischen Landes als florierenden Wirtschaftsraum am Vorabend der französischen Besatzung.
3. Franzosenzeit: Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Großherzogtums, die Herrschaft von Joachim Murat sowie die direkten Auswirkungen der napoleonischen Verwaltung, Wirtschaftspolitik und Militärzwangsmaßnahmen auf die Region.
4. Vom Großherzogtum zur Rheinprovinz: Dieses Kapitel dokumentiert den Zusammenbruch der französischen Herrschaft nach 1813 und den Übergang des Territoriums unter preußische Verwaltung.
5. Schlussbetrachtung: Hier wird das Fazit gezogen, ob die napoleonische Zeit als Modernisierungsschub oder als Zeit der Unterdrückung zu werten ist, und die Ambivalenz des preußischen "Befreiungs"-Narrativs beleuchtet.
6. Zeittafel: Eine chronologische Auflistung der wichtigsten politischen und militärischen Ereignisse im Bergischen Land zwischen 1795 und 1822.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur für diese Proseminararbeit.
Schlüsselwörter
Großherzogtum Berg, Napoleon, Joachim Murat, Franzosenzeit, Bergisches Land, Industrialisierung, Rheinbund, Kontinentalsperre, Aufstand 1813, Preußen, Fremdherrschaft, Wehrpflicht, Rheinprovinz, Wittelsbach, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des Bergischen Landes in der Zeit zwischen 1789 und 1815, einer Ära, die stark durch die Auswirkungen der Französischen Revolution und die Herrschaft Napoleons geprägt war.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die wirtschaftliche Situation, die territoriale Umgestaltung, das militärische Rekrutierungswesen und den sozialen Widerstand der Bevölkerung gegen die Besatzungsmacht ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die ambivalente Rolle Napoleons im Bergischen Land zu beleuchten und zu hinterfragen, ob die napoleonische Ära eher als Fortschritt durch Reformen oder als Unterdrückung zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Quellenanalyse, unter anderem durch den Rückgriff auf zeitgenössische Reiseberichte, amtliche Dokumente und historische Standardwerke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Entstehung des Großherzogtums unter Murat, die Zeit der direkten französischen Verwaltung und die Ereignisse, die schließlich zum Aufstand von 1813 und der späteren Übernahme durch Preußen führten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie "Großherzogtum Berg", "napoleonische Ära", "Kontinentalsperre", "Wehrpflicht" und "Rheinbund" geprägt.
Wie reagierte die Bevölkerung konkret auf die Rekrutierung für napoleonische Kriege?
Die Bevölkerung leistete massiven Widerstand. Viele junge Männer versuchten sich der Wehrpflicht zu entziehen, was zu zwangsweisen Aushebungen und der Überwachung durch Militärbehörden führte, was wiederum die Stimmung gegen Napoleon nachhaltig verschlechterte.
Was untersuchte der Autor bezüglich der "Befreiung" durch Preußen?
Der Autor hinterfragt kritisch, ob der Einmarsch preußischer und russischer Truppen 1813 tatsächlich als Befreiung zu werten ist oder ob es sich primär um eine machtpolitische Angliederung handelte, die eher der preußischen Perspektive als dem Willen der Bevölkerung entsprach.
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- Jan Patrick Faatz (Author), 2008, Das Bergische Land zu Zeiten Napoleons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132399