Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Aktien Lotteriescheine sind.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Forschung mit der Thematik, unter welchen Kriterien Aktien als sogenannte „Lottery Stocks“ betrachtet werden. Zum einen aktienspezifische Merkmale, wie die idiosynkratische Volatilität, die idiosynkratische Schiefe und der niedrige Aktienkurs, aber auch die Beziehung zwischen den maximalen Tagesrenditen im letzten Monat (MAX) und den erwarteten Aktienrenditen.
Zum anderen wird das Anlageverhalten und die Präferenzen der Anleger nach lotterieähnlichen Aktien betrachtet. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Beitrag zur Beschreibung und Erklärung in Bezug auf lotterieähnliche Aktien zu liefern. Hierzu werden der gegenwärtige Zeitpunkt der Forschung anhand empirischer Ergebnisse aufgezeigt sowie Forschungslücken dargelegt.
Die Arbeit beschäftigt sich mit weltweiter Forschung, bezieht sich aber ab Kapitel 3 auf Perspektiven, die in den deutschen Aktienmarkt investieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Begriffliche und theoretische Grundlagen
2.1 Definition und Charakteristika von Lotterieaktien
2.2 Behavioral Portfolio Theory und Mental Accounting
2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
3. Sind Aktien Lotterietickets? – Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse auch unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse
3.1 Auswahl der Untersuchungsperspektiven und deren Beurteilungskriterien
3.2 Analyse aus Perspektive 1: Fondsmanager
3.3 Analyse aus Perspektive 2: Privatinvestor
3.4 Analyse aus Perspektive 4: Großinvestor
3.5 Analyse aus Perspektive 4: Finanzberater
3.6 Konfligierende und harmonisierende Beziehungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob Aktien als "Lotterietickets" betrachtet werden können, indem sie die Perspektiven verschiedener Akteure am Finanzmarkt (Fondsmanager, Privatinvestor, Großinvestor, Finanzberater) unter Berücksichtigung von Rendite und Risiko systematisch analysiert.
- Charakterisierung von "Lottery Stocks" durch idiosynkratische Volatilität, Schiefe und niedrigen Aktienkurs
- Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Theorien wie der Prospect Theory und des Mental Accounting
- Gegenüberstellung von Motivationen und Risikowahrnehmung unterschiedlicher Anlegertypen
- Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen am deutschen Aktienmarkt
- Diskussion von marktübergreifenden Interessenkonflikten und Anlagestrategien
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswahl der Untersuchungsperspektiven und deren Beurteilungskriterien
Um die Forschungsfrage „Sind Aktien Lotterietickets?“ - objektiv und differenziert beantworten zu können, werden im Anschluss verschiedene Perspektiven und Kriterien definiert, anhand derer das Thema kontrovers diskutiert wird.
Untersuchungsperspektive 1 repräsentiert einen 45-jährigen Fondsmanager einer Investmentgesellschaft. In seiner täglichen Arbeit ist er für die Portfoliozusammensetzung eines von ihm verwaltenden Aktienfonds mit einem Kapital von rund 2,4 Milliarden Euro zuständig. Durch seine langjährige Erfahrung und sein Wissen besitzt er die Fähigkeit Wertpapiere weitestgehend im Interesse seiner Anleger auszuwählen und das Risiko bei der Auswahl nach Möglichkeit zu beschränken.
Untersuchungsperspektive 2 beschreibt einen 25-jährigen Privatinvestor, der seit seiner Ausbildung in einem mittelständigen Unternehmen als Kaufmann für Bürokommunikation arbeitet, mit geringem Bildungsstand und Einkommen. Sein Privatvermögen beläuft sich auf circa 5.000 Euro. Im privaten Umfeld entwickelte er eine Begeisterung für den Finanzmarkt und setzt bei seinen Investments vor allem auf kurzfristigen Vermögensaufbau. So setzt er auch auf lotterieähnliche Aktien, da diese durch niedrige Kurse attraktiv für ihn sind und die Möglichkeit besteht hohe Renditen mit diesen Aktien zu generieren. Daneben spielt er auch gelegentlich Lotto, in der Hoffnung auf den großen Jackpot.
Untersuchungsperspektive 3 stellt einen 65-jährigen Großinvestor dar. Dieser besitzt ein Vermögen von 100 Milliarden Euro. Als Mitgründer eines großen Technologieunternehmens gilt er als einer der führenden Köpfe, die die digitale Revolution vorantrieben. Noch heute hält er 500 Millionen Aktien des Unternehmens, zog sich aber aus dem Tagesgeschäft weitestgehend zurück. Durch seine langjährige Erfahrung, setzt er mittlerweile auf langfristigen Vermögensaufbau und tätigt spekulative Investments nur noch bei äußerst attraktiven Gelegenheiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Relevanz lotterieähnlicher Aktien sowie der methodischen Vorgehensweise der Arbeit.
2. Begriffliche und theoretische Grundlagen: Erläuterung der Definition von Lotterieaktien sowie wichtiger verhaltensökonomischer Ansätze wie der Prospect Theory und dem Mental Accounting.
3. Sind Aktien Lotterietickets? – Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse auch unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse: Detaillierte Fallanalyse der verschiedenen Akteursgruppen und deren jeweiliger Sichtweise auf Lotterieaktien im Kontext von Rendite- und Risikokriterien.
4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten am deutschen Aktienmarkt.
Schlüsselwörter
Lotterieaktien, Behavioral Finance, Prospect Theory, Mental Accounting, Rendite, Risiko, Fondsmanager, Privatinvestor, Großinvestor, Finanzberater, Aktienmarkt, idiosynkratische Volatilität, idiosynkratische Schiefe, Anlageverhalten, Vermögensaufbau.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert die Frage, ob bestimmte Aktien aufgrund ihrer Merkmale – wie eine hohe idiosynkratische Volatilität und Schiefe – als „Lotterietickets“ wahrgenommen und gehandelt werden.
Welche zentralen Akteure werden für die Analyse herangezogen?
Zur kontroversen Diskussion werden vier spezifische Perspektiven betrachtet: der Fondsmanager, der Privatinvestor, der Großinvestor und der Finanzberater.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie unterschiedliche Akteure aufgrund ihrer individuellen Ziele und Rahmenbedingungen (z.B. Provisionsanreize vs. Eigenkapitallage) auf lotterieähnliche Aktien reagieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine qualitative, perspektivengetriebene Analyse, die auf empirischen Forschungsergebnissen der Finanzwissenschaft und verhaltensökonomischen Theorien aufbaut.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Anlegerperspektiven und die anschließende Untersuchung der konfligierenden und harmonisierenden Beziehungen zwischen diesen Gruppen in Bezug auf Rendite und Risiko.
Welche Kriterien sind bei der Beurteilung entscheidend?
Die Analyse stützt sich maßgeblich auf die Beurteilungskriterien "Rendite" (Gewinn in Relation zum eingesetzten Kapital) und "Risiko" ( Unsicherheit über den Eintritt erwarteter Renditen).
Warum betrachten Privatinvestoren Aktien teilweise wie Lotterielose?
Laut der Studie sind Privatinvestoren häufig risikoaffin und hoffen aufgrund eines geringen Einstiegspreises und hoher Volatilität auf den „schnellen Gewinn“ bzw. den Jackpot.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise des Großinvestors von der des Privatanlegers?
Während der Privatanleger oft kurzfristig agiert, setzt der Großinvestor primär auf langfristigen Vermögensaufbau und nutzt spekulative Investitionen nur äußerst selektiv, da seine Vermögensbasis eine höhere Risikotoleranz ermöglicht.
Welche Rolle spielt die Vergütungsstruktur beim Finanzberater?
Die provisionsabhängige Vergütung erzeugt ein Spannungsfeld zwischen der Erfüllung der Kundenbedürfnisse und der Motivation, durch den Verkauf von Finanzprodukten den eigenen Ertrag zu maximieren.
- Arbeit zitieren
- Christina Unger (Autor:in), 2019, Sind Aktien Lotterietickets?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324354