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Psychoanalyse und Antisemitismus

Die faschistische Mobilmachung der Aggressionslust

Title: Psychoanalyse und Antisemitismus

Term Paper , 2022 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Leon Maack (Author)

Cultural Studies - Holocaust Studies
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Im Anschluss an Freudsche Überlegungen zum Todestrieb und der menschlichen Aggressionslust haben die Theoretiker der Kritischen Theorie und ihnen geistesverwandte Denker*innen zu ergründen versucht, wie die Regression des Projekts Aufklärung, das der speziell seit den 1920er Jahren in Europa erstarkende Antisemitismus bedeutete, und das weit verbreitete Einverstandensein oder gar Mitwirken der deutschen Bevölkerung an dem staatlich organisierten Verwaltungsmassenmord möglich sein konnten. Außerdem untersuchten sie, wie Erkenntnisse der psychoanalytischen Theorie der Gefahr der potentiellen Wiederholbarkeit von Auschwitz entgegenwirken können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Antisemitismus und kapitalistische Herrschaft

Das Unbehagen in der Kultur und die menschliche Aggressionslust

Die Dialektik der Aufklärung und die Zweckmäßigkeit des Antisemitismus für die Herrschaft

Ausblick: Erziehung nach Auschwitz und Antisemitismus heute

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und gesellschaftlichen Ursachen des modernen Antisemitismus unter Rückgriff auf die psychoanalytische Kulturtheorie Sigmund Freuds und die Kritische Theorie. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die menschliche Aggressionslust im Kontext kapitalistischer Herrschaftsverhältnisse kanalisiert wird und welche Rolle die Erziehung bei der Prävention solcher destruktiven Dynamiken spielt.

  • Die psychoanalytische Fundierung menschlicher Aggression und Triebunterdrückung.
  • Die Funktion des Antisemitismus als Projektionsfläche im modernen Kapitalismus.
  • Das Verhältnis von Zivilisation, Barbarei und gesellschaftlichen Tabubrüchen.
  • Die Bedeutung von Erziehung und Reflexionsfähigkeit nach Auschwitz.

Auszug aus dem Buch

Die Dialektik der Aufklärung und die Zweckmäßigkeit des Antisemitismus für die Herrschaft

In der Vorrede zu ihrer unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges und der Shoa gemeinsam verfassten Dialektik der Aufklärung stellen sich Max Horkheimer und Theodor W. Adorno im Anschluss an Freud, der in einer vor dem März 1938 verfassten Vorbemerkung zum ersten Teil seiner dritten Abhandlung Moses, sein Volk und die monotheistische Religion den „Rückfall in nahezu vorgeschichtliche Barbarei“ in Nazideutschland festgestellt hatte die Frage, warum nun „die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt.“ In seinem 1966 gehaltenen Vortrag Erziehung nach Auschwitz bezeichnete Adorno als eine der tiefsten Einsichten Freuds, „daß die Zivilisation ihrerseits das Antizivilisatorische hervorbringt und es zunehmend verstärkt.“ Mit Freud meint Adorno, dass gerade die von der psychoanalytischen Kulturtheorie beschriebenen „repressiven Momente der Kultur in den der Kultur Ausgelieferten die Barbarei produzieren und reproduzieren.“

Im faschistischen Deutschland werden die Jüdinnen und Juden zum Repräsentanten für „die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches; von ihrer Ausrottung soll das Glück der Welt abhängen.“ Die Wurzeln des Vernichtungswillen, der sich auf die Jüdinnen und Juden richtet, machen Horkheimer und Adorno wie Freud im Unbewussten der vergesellschafteten Individuen aus, ergänzen aber gleichzeitig dessen fehlenden Gesellschaftsbegriff: „die falsche gesellschaftliche Ordnung“, womit die kapitalistische Gesellschaftsformation und die in ihr potenziell enthaltene und in Deutschland und Italien real gewordene faschistische gemeint ist, produziert aus sich heraus den Vernichtungswillen, der im nationalsozialistischen Deutschland auf die Jüdinnen und Juden projiziert wird.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Antisemitismus und kapitalistische Herrschaft: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung des modernen Antisemitismus ein und skizziert die Notwendigkeit, Freudsche Psychoanalyse mit marxistischer Gesellschaftskritik zu verbinden.

Das Unbehagen in der Kultur und die menschliche Aggressionslust: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Triebunterdrückung und der zwangsläufigen Entstehung von Aggression in der zivilisierten Gesellschaft gemäß Freuds Werk erörtert.

Die Dialektik der Aufklärung und die Zweckmäßigkeit des Antisemitismus für die Herrschaft: Dieses Kapitel analysiert, wie der Faschismus die Aggression der Unterdrückten durch Projektion auf das Feindbild des „Juden“ für seine Herrschaftszwecke instrumentalisierte.

Ausblick: Erziehung nach Auschwitz und Antisemitismus heute: Das Kapitel diskutiert das Fortbestehen antisemitischer Strukturen in der Gegenwart und betont Adornos Forderung nach einer reflektierten Erziehung und dem Ideal der Autonomie als Mittel zur Prävention.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Antisemitismus, Kritische Theorie, Kapitalismus, Aggression, Todestrieb, Projektion, Zivilisation, Aufklärung, Shoa, Auschwitz, Erziehung, Autonomie, Triebunterdrückung, Barbarei.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verknüpfung von psychoanalytischer Theorie und gesellschaftlicher Analyse, um zu verstehen, warum der moderne Antisemitismus als „Ritual der Zivilisation“ Bestand hat und welche psychologischen Mechanismen dabei wirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Triebtheorie von Sigmund Freud, die marxistische Analyse des Kapitalismus und die kritische Sicht auf das Verhältnis von Zivilisation und Barbarei.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, wie das Einverstandensein mit dem Antisemitismus möglich war bzw. ist und wie Erkenntnisse der Psychoanalyse und der Kritischen Theorie genutzt werden können, um eine Wiederholung von Auschwitz zu verhindern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit bedient sich einer theoretischen Analyse im Rahmen der Kulturwissenschaften, indem sie vor allem psychoanalytische und sozialphilosophische Konzepte (wie die Kritische Theorie) miteinander in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die menschliche Aggressionslust innerhalb der Kultur, die Zweckmäßigkeit von Antisemitismus als Projektionsfläche für ökonomische Unzufriedenheit und die Rolle der Erziehung in einer autoritären Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kritische Theorie, Antisemitismus, Triebtheorie, Projektion, Kapitalismus, Autonomie und Erziehung nach Auschwitz.

Welche spezifische Rolle spielt der Begriff „Ersatzbefriedigung“ für den Antisemiten?

Bei den Nationalsozialisten diente der Antisemitismus als „Ersatzbefriedigung“, da die gewaltsame Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Mitbürger es erlaubte, verdrängte destruktive Triebe kollektiv auszuleben und das eigene Ich durch die Zugehörigkeit zur Masse moralisch zu entlasten.

Was bedeutet das „Fehlen von Reflexion“ im antisemitischen Kontext laut Arendt und Adorno?

Es bezeichnet die Unfähigkeit des Individuums zu echter Urteilskraft und differenzierter Wahrnehmung, was dazu führt, dass Menschen blind gegenüber der Unmenschlichkeit von Ideologien werden und sich in „Pseudofeinden“ verlieren.

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Details

Title
Psychoanalyse und Antisemitismus
Subtitle
Die faschistische Mobilmachung der Aggressionslust
College
Leuphana Universität Lüneburg
Grade
1,3
Author
Leon Maack (Author)
Publication Year
2022
Pages
17
Catalog Number
V1324487
ISBN (PDF)
9783346812629
ISBN (Book)
9783346812636
Language
German
Tags
psychoanalyse antisemitismus mobilmachung aggressionslust
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Leon Maack (Author), 2022, Psychoanalyse und Antisemitismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324487
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