Der Schöpfer und sein Geschöpf in Mary Shelleys Frankenstein


Hausarbeit, 2006

20 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Frankenstein
2.1. Einführung der Figur
2.2 Kindheit
2.3 Frankensteins Wissensdrang

3 Das Monster
3.1 Einführung der Figur
3.2 Die ersten Begegnungen mit Menschen
3.2.1 In der Hütte eines alten Mannes
3.2.2 In einem Dorf
3.2.3 In der Hütte einer Familie
3.2.4 An einem Fluss
3.2.5 In einem Schlupfwinkel
3.3 Folgen dieser Begegnungen
3.4 Vergleich zwischen Frankenstein und dem Monster

4 Der Konflikt zwischen Schöpfer und Geschöpf
4.1 Kapitel 10
4.2 Kapitel 17
4.3 Kapitel 20
4.4 Kapitel 24

5 Fazit

6 Bibliographie

1 Einleitung

Prometheus gilt in der antiken Sage als Freund der Menschen und Begründer ihrer Kultur; in einigen Versionen fungiert er sogar als Schöpfer des Menschengeschlechts. Er steht den Menschen bei, als sie von Zeus unterdrückt werden und bringt ihnen das Feuer. Als Strafe dafür wird er von Hephaistos an einen Felsen des Kaukasus geschmiedet, wo ihm ein Adler oder Geier jeden Tag die nachwachsende Leber abfrisst.[1]

Mary Shelleys Werk Frankenstein trägt den Untertitel Der moderne Prometheus. Darin wird die Rebellion des Prometheus verdoppelt – einerseits widersetzt sich Frankenstein, welcher Gott spielt und ein aus Leichenteilen zusammengesetztes Geschöpf zum Leben erweckt, der natürlichen Ordnung, andererseits rebelliert die daraus hervorgegangene Kreatur gegen ihren Schöpfer.[2]

In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, aus welchen Gründen die Beziehung zwischen dem Schöpfer, Frankenstein, und seinem Geschöpf, dem Monster, nicht funktioniert und tödlich endet. Um dies zu ermitteln, wird näher auf die zweite Rebellion des Monsters gegen seinen Schöpfer, also die zweite Rebellion im Werk, eingegangen. Zudem soll ermittelt werden, wie im Werk mit der Thematik der Schöpfertätigkeit umgegangen wird.

Zu Beginn der Arbeit werden die beiden Hauptfiguren des Werks, Frankenstein und das Monster, näher betrachtet. Das Schwergewicht dieser Betrachtung wird auf die Lebensläufe der beiden Figuren gelegt, welche im Anschluss miteinander verglichen werden. Des Weiteren wird der Konflikt zwischen Frankenstein und dem Monster in vier entscheidenden Kapiteln des Werks näher unter die Lupe genommen mit dem Ziel, die jeweilige Sicht der Hauptfiguren zu ergründen. Dabei wird der Fokus auf das letzte Kapitel des Buches, das Kapitel 24, gelegt.

Im Fazit soll abschliessend erklärt werden, weshalb die Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf nicht funktioniert und wer der beiden die Hauptschuld dafür trägt. Zudem soll Frankensteins Schöpfertätigkeit mit derjenigen im Mythos des Prometheus und in Goethes Gedicht Prometheus verglichen werden.

2. Frankenstein

2.1. Einführung der Figur

Frankenstein oder der moderne Prometheus beginnt mit vier Briefen, welche der ehrgeizige Forscher Robert Walton an seine Schwester Margaret Saville schreibt. Walton ist mit seiner Besatzung auf einem Schiff unterwegs und will den Nordpol erkunden. Dabei informiert er Margaret über die wichtigsten Ereignisse. In seinem vierten Brief erwähnt Walton erstmals Victor Frankenstein, welcher dem Schiff Waltons auf einer grossen Eisscholle zugetrieben worden ist. Er hat nur einen Schlitten und einen einzigen lebenden Hund bei sich. Frankenstein macht auf Walton einen kultivierten Eindruck und letzterer vermutet, dass er aus Europa stammt.[3] Erst als Frankenstein erfährt, dass Walton und seine Besatzung sich auf dem Weg zum Nordpol befinden, ist er bereit, an Bord des Schiffes zu kommen. Robert Walton ist fasziniert von dem geheimnisvollen Fremden, erkennt aber auch, dass diesen etwas bedrückt:

Ein so interessanter Mensch ist mir noch nie begegnet: In seinen Augen liegt meist ein Ausdruck von Wildheit, ja sogar Wahnsinn, aber gelegentlich, wenn ihm jemand eine Freundlichkeit oder auch nur einen geringfügigen Gefallen erweist, leuchtet sein ganzes Gesicht auf, wie von einem unvergleichlichen Strahl von Güte und Sanftheit getroffen. Aber meist ist er niedergeschlagen und bedrückt, und manchmal knirscht er mit den Zähnen, als könne er die Last der ihn drückenden Leiden nicht mehr ertragen.[4]

Walton erfährt von Frankenstein, dass er jemanden verfolgt, der sich auf der Flucht vor ihm befindet und bezeichnet diesen Jemand als „Dämon“. Walton beschreibt Frankenstein als „entgegenkommend“ und „liebenswürdig“ und ist überzeugt davon, dass jener zu einem früheren Zeitpunkt ein „edler Mensch“ gewesen sein muss.[5] Zudem stellt Walton fest, dass Frankenstein sehr gebildet und wortgewandt ist und er ist sich sicher, dass jener allen Menschen, die er kennt, überlegen sei:

Ich glaube, es ist intuitiver Scharfblick, rasche, aber unbestechliche Urteilskraft, Einsicht in die Ursachen von Dingen, die an Klarheit und Genauigkeit ihresgleichen sucht; hinzu kommt eine Gewandtheit im Ausdruck und eine Stimme, deren Modulationsfähigkeit die Seele wie Musik betört.[6]

2.2 Kindheit

Frankenstein bemerkt, dass Walton einen ähnlichen Drang nach Wissen und Weisheit verspürt wie er selbst vor seiner unglücklichen Tat. Also beschliesst er, Walton seine Lebensgeschichte zu erzählen.[7] Dabei erfährt der Leser, wie Frankensteins Kindheit ausgesehen hat:

Frankenstein wird in eine angesehene Genfer Familie hineingeboren, sein Vater ist eine angesehene Persönlichkeit.[8] In seiner Kindheit wird Frankenstein von seinen Eltern geradezu mit Liebe überschüttet:

Bei all ihrer Zuneigung zueinander schienen sie doch über einen unerschöpflichen Vorrat an Liebe wie über einen Schatz zu verfügen, den sie an mich verschwendeten. Die zärtlichen Liebkosungen meiner Mutter und das glückliche, gütige Lächeln meines Vaters, während er mich betrachtete, machen meine ersten Erinnerungen aus. Ich war ihr Spielzeug und ihr Abgott und mehr noch – ihr Kind, das unschuldige und hilflose Wesen, das der Himmel ihnen geschenkt hatte, damit sie einen ordentlichen Menschen aus ihm machten, dessen Glück oder Unglück in seinem späteren Leben davon abhing, ob sie ihre Pflicht ihm gegenüber erfüllten. So trat zu der unerschöpflichen Zärtlichkeit, die sie beide ausstrahlten, noch die tiefe Verpflichtung dem Geschöpf gegenüber hinzu, dem sie das Leben geschenkt hatten, […].[9]

Als Frankenstein fünf Jahr alt ist, nehmen seine Eltern Elisabeth, ein armes, kleines Mädchen aus Italien, unter ihre Obhut. Rasch entsteht zwischen Frankenstein und ihr eine sehr enge Bindung.[10] Als Frankenstein sieben Jahre alt ist, wird sein Bruder William geboren.[11] Grundsätzlich pflegt Frankenstein in der Schule keine engeren Kontakte – einzig mit dem Schulkameraden Henry Clerval verbindet ihn eine sehr enge Freundschaft.[12] Frankenstein darf auf eine behütete Kindheit zurückblicken und zeigt sich seinen Eltern gegenüber sehr dankbar:

Niemand hat wohl eine glücklichere Kindheit verbracht als ich. Meine Eltern waren die Güte und Nachsicht selbst. Für uns waren sie keine Tyrannen, die nach Gutdünken über unser Schicksal bestimmten, sondern die Vermittler und Schöpfer all der Freuden, die wir genossen.[13]

Als Frankenstein 17 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter, was für die ganze Familie ein schwerer Schicksalsschlag bedeutet. Kurz vor ihrem Tod hat sie den Wunsch geäussert, dass Frankenstein und Elisabeth einmal heiraten sollten:

„Meine lieben Kinder“, sagte sie, „in der Aussicht auf eure Heirat bestand meine ganze Hoffnung auf zukünftiges Glück. Diese Erwartung wird nun der Trost eures Vaters sein.“[14]

Für Frankenstein und auch für seine Mutter ist seine Verbindung zu Elisabeth also immer etwas Besonderes und sehr Wichtiges gewesen.

2.3 Frankensteins Wissensdrang

Frankenstein ist von Natur aus sehr neugierig und zeigt sich fasziniert von der Welt und ihren Geheimnissen. Schon in sehr jungen Jahren möchte er „die verborgenen Gesetze der Natur“ begreifen.[15] Er ist geprägt von einem ausserordentlichen Wissensdrang, der sich hauptsächlich auf die Metaphysik bezieht. Frankenstein ist kein ruhiger Mensch, denn er besitzt seinen Angaben zufolge eine „leidenschaftliche Natur“ und eine „erhitzte Einbildungskraft“.[16] Mit 17 Jahren beginnt er, an der Universität Ingolstadt Naturwissenschaften zu studieren.[17] Besonders fasziniert zeigt er sich dabei von der Chemie:

Sie [die Chemiker] dringen in die verborgensten Winkel der Natur vor und zeigen, wie sie im geheimen am Werk ist. Sie steigen zum Himmel empor; sie haben entdeckt, wie das Blut zirkuliert und woraus sich die Luft, die wir atmen, zusammensetzt. Sie haben neue und beinahe unumschränkte Macht gewonnen; sie können himmlischen Donner auslösen, Erdbeben nachahmen und sogar die unsichtbare Welt mit deren eigenen Schatten narren.[18]

Frankenstein gibt sich aber mit dem, was bisher erforscht worden ist, nicht zufrieden. Er möchte noch viel mehr erreichen als alle Wissenschaftler vor ihm:

So viel ist schon erreicht worden, rief Frankensteins Seele, aber mehr, viel mehr habe ich vor zu erreichen; über die vorgezeichneten Bahnen hinaus werde ich neue Wege einschlagen, unbekannte Kräfte erforschen und der Welt die tiefsten Geheimnisse der Schöpfung offenbaren.[19]

Bei seinen angestrengten Forschungen entdeckt Frankenstein, wie tote Materie belebt werden kann.[20] Er beschliesst, mit Hilfe dieser Erkenntnis selbst ein Wesen zu kreieren.[21]

[...]


[1] Riedel, Volker: Wandlungen des Prometheus-Bildes in Literatur und Philosophie, in: Aufsätze und Vorträge

zur literarischen Antikerezeption II, in: Ders. (Hg.): „Der Beste der Griechen“ – „Achill das Vieh“, in: Jenaer

Studien (2002): 11-22, S. 11.

[2] Lindemann, Uwe: Prometheus und das Ende der Menschheit. Posthume Gesellschaftsentwürfe bei Mary

Shelley, H.G. Wells, Aldous Huxley, Michael Marshall Smith, Michel Houellebecq, Peter Sloterdijk und in

dem Film Gattaca, in: Schmitz-Emans, Monika / Lindemann, Uwe: Komparatistik als Arbeit am Mythos.

Heidelberg 2004: 237-254, S. 239.

[3] Shelley, Mary: Frankenstein oder der moderne Prometheus. Aus dem Englischen übersetzt von Ursula und

Christian Grawe. Stuttgart 2005, S. 32.

Im Folgenden „Frankenstein“.

[4] Frankenstein, S. 33.

[5] Frankenstein, S. 35.

[6] Frankenstein, S. 38.

[7] Frankenstein, S. 39.

[8] Frankenstein, S. 41.

[9] Frankenstein, S. 44.

[10] Frankenstein, S. 44ff.

[11] Frankenstein, S. 47.

[12] Frankenstein, S. 48.

[13] Frankenstein, S. 48.

[14] Frankenstein, S. 55.

[15] Frankenstein, S. 46.

[16] Frankenstein, S. 48ff.

[17] Frankenstein, S. 55.

[18] Frankenstein, S. 61f.

[19] Frankenstein, S. 62.

[20] Frankenstein, S. 68.

[21] Frankenstein, S. 69.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Schöpfer und sein Geschöpf in Mary Shelleys Frankenstein
Hochschule
Universität Bern
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V132470
ISBN (eBook)
9783640418596
ISBN (Buch)
9783640418237
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Schöpfer, Geschöpf, Mary, Shelleys, Frankenstein
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Der Schöpfer und sein Geschöpf in Mary Shelleys Frankenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132470

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