Feedback oder klassisch die Rückmeldung ist Teil unseres menschlichen Alltags. Sei es durch Selbstreflexion oder durch Fremdeinwirkung, wir generieren stets Informationen über uns und unser Handeln. Wie diese Arbeit zeigen wird, hat das Feedback eine Auswirkung auf die Motivation, auf Lernerfolge, das nachhaltige Interesse an Bewegung, die zwischenmenschlichen Beziehungen und den Selbstwert von Lernenden, was das Thema so vordringlich für den schulischen Alltag werden lässt. Da nicht jede Rückmeldung förderlich für das Lernen ist und die Aufnahmebereitschaft der Lernenden, das Timing, das Setting und weitere Faktoren die Qualität und die Intention von Feedback beeinflussen, liegt das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit darin, konkrete Handlungsempfehlungen für Rückmeldungen im Sportunterricht zu unterbreiten.
Um diese Empfehlungen und das daraus resultierende Feedback von Grund auf nachvollziehbar zu machen, wird zunächst der allgemeine Diskurs zu dem Thema dargestellt. Hierbei wird besonders der Bezug zur Motivationsforschung und der Selbstbestimmungstheorie deutlich. Dies hat die Bewandtnis, dass motivationale Tendenzen laut Götz einen erheblichen Einfluss auf den Prozess der Lernhandlung haben und sich auf die Qualität der Lernergebnisse und das Lernen als solches auswirken. Im Hauptteil wird der Begriff Feedback definiert, es werden diverse Arten der Rückmeldung mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt und das Feedback zur Förderung des Lernens wird erörtert. Als Besonderheit wird auf nonverbale Kommunikation als Rückmeldemedium eingegangen, da dieser Form von Feedback im dazugehörenden Diskurs, kaum bis gar keine Bedeutung zuteil kommt, wie sich nach intensiver Literaturrecherche herausstellt.
Im vierten Kapitel werden die im Kapitel drei erörterten Feedbackarten und Hinweise um sportunterrichtspezifische Rückmeldekriterien ergänzt. Darunter fallen die Rückmeldefrequenz, Timing und Präzision. All das wird mit Praxisempfehlungen aus diversen Erfahrungsberichten vermengt, um ein Konglomerat an konkreten Handlungsempfehlungen zu erzeugen, welches (angehenden) Sportlehrkräften helfen kann, dieses komplexe Feld greifbar zu machen.
Gliederung
1 Einleitung
2 Grundlagen der Motivationsforschung zur Einordnung von Feedback
2.1 Ursachen menschlichen Verhaltens
2.2 Die Selbstbestimmungstheorie
2.2.1 Relevanz für das Thema Feedback
2.3 Die unterschiedlichen Arten motivierten Handelns
2.3.1 Die automatisierten und automatischen Handlungen
2.3.2 Die selbstbestimmten Handlungen
2.4 Die motivationalen Subsysteme und Ausprägungen motivierten Handelns
2.4.1 Intrinsisches motivationales Subsystem und intrinsisch motivierte Handlungen
2.4.2 Extrinsisches motivationales Subsystem und extrinsisch motivierte Handlungen
2.4.3 Amotivationales Subsystem und nicht motivierte Handlungen
2.5 Die „Cognitive Evaluation Theory“
2.5.1 Eine Skizze der CET
2.5.2 Task-involvement und Ego-involvement
2.5.3 Internalisierung von extrinsisch motivierten Verhaltensweisen
3 Feedback: Arten und Nutzen
3.1 Definition
3.2 Warum Rückmeldung wichtig ist
3.2.1 Feedback zur Förderung des Lernens
3.2.2 Die Wirkung von Feedback auf das emotionale Erleben der Lernenden
3.3 Positives und negatives Feedback
3.4 Feedback in Form von Noten
3.5 Nonverbales Feedback
3.5.1 Warum nonverbale Kommunikation wichtig für uns ist
3.5.2 Signale, Zeichen, Mitteilungen, Gefühle
3.5.3 Körpersprache deuten
3.5.4 Möglichkeiten zum Erwerb und der Schulung nonverbaler Kompetenzen
4 Weitere Implikationen für den Sportunterricht
4.1 Frequenz des Feedbacks
4.2 Das Timing des Feedbacks
4.3 Die Präzision des Feedbacks
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, konkrete Handlungsempfehlungen für Sportlehrkräfte zu generieren, wie Rückmeldungen (Feedback) im Unterricht zielgerichtet eingesetzt werden können, um bei den Lernenden eine nachhaltige und selbstbestimmte Bildung zu fördern.
- Grundlagen der Motivationsforschung (Selbstbestimmungstheorie)
- Die verschiedenen Arten von Feedback und deren Wirkung
- Die Bedeutung nonverbaler Kommunikation als Rückmeldemedium
- Sportunterricht-spezifische Kriterien wie Rückmeldefrequenz, Timing und Präzision
Auszug aus dem Buch
3.5.3 Körpersprache deuten
Es gibt eine Vielfalt an Kanälen, derer der Mensch sich körpersprachlich bedient: Handgesten, Blickverhalten, Gesichtsausdruck, Berührung, Körperhaltung, Verhalten im Raum, körperliches Erscheinungsbild, nonverbale Vokalisierungen, Geruch, usw. (Doherty-Sneddon, 2005). Da die Körpersprache nur ein Unterkapitel dieser Arbeit ist, wird nur sporadisch auf einige Gesten eingegangen, um ein Gefühl dafür zu erwecken, Signale bewusster wahrzunehmen. Es werden Blickverhalten, Handgesten und Interaktionssignale betrachtet und Deutungsvarianten vorgestellt. Als Grundvoraussetzung soll davor gewarnt sein, voreilige Schlüsse aus der Interpretation von Signalen zu schließen, da man, wie im letzten gezeigt worden ist, dazu neigt, seine Deutung auf die Umwelt zu projizieren. Hinzu kommt, dass man das situative Verhalten von Personen stets in Relation zu einem Normalverhalten der Person setzten sollte, da manche Menschen über Angewohnheiten verfügen, die man als Signale wahrnehmen kann (z.B. Kauen der Fingernägel), die aber keine sind. Außerdem senden Menschen häufig falsche Signale aus, um ein bestimmtes Ziel bei einem anderen Menschen zu erreichen. Es lohnt sich jedoch sein Auge für Anzeichen zu schulen, um mehr Informationen für ein Urteil zu generieren.
Das Blickverhalten von Menschen ist vielseitig und kann laut Doherty-Sneddon (2005) Botschaften wie Liebe, Hass, Dominanz, Empathie, auf etwas deuten und sogar den Status von Konzentration übermitteln. Sie schreibt, dass man von Natur aus viel auf die Augen anderer achtet und sich von ihnen beeinflussen lässt. Da Blicke ebenfalls eine Form von Feedback sein können, soll diese Arbeit darüber aufklären, dass eine Vermeidung des Blicks häufig negative Gefühle wie Angst Scham und Verlegenheit begleitet (Argyle, 2005), gleichermaßen kann es nach einer Frage ein Anzeichen dafür sein, dass Nachdenklichkeit vorherrscht oder nach einer Lösung gesucht wird (Doherty-Sneddon, 2005). Bei Furcht sind die Augen stark geöffnet, während sie bei Ärger zusammengekniffen werden (Argyle, 2005). Wird dies bei Lernenden beobachtet, könnte es ein Anzeichen dafür sein, dass diese in dem Moment nicht empfänglich für eine Rückmeldung sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Herausforderung des Sportunterrichts ein, den Doppelauftrag der Erziehung durch Sport zu erfüllen, und stellt die Bedeutung von Feedback als zentrale Kommunikationsform zur Förderung von Motivation und Lerninteressen heraus.
2 Grundlagen der Motivationsforschung zur Einordnung von Feedback: In diesem Kapitel wird die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan erläutert, um die motivationalen Hintergründe menschlichen Verhaltens und die Relevanz von intrinsischer Motivation für Lernprozesse zu verdeutlichen.
3 Feedback: Arten und Nutzen: Hier wird der Begriff Feedback definiert sowie dessen komplexe Wirkungsweise auf das emotionale Erleben, die Stärken und Schwächen verschiedener Feedbackarten (einschließlich Noten und nonverbaler Signale) im schulischen Kontext analysiert.
4 Weitere Implikationen für den Sportunterricht: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis des Sportunterrichts und entwickelt spezifische Handlungsempfehlungen zum Einsatz von Frequenz, Timing und Präzision von Rückmeldungen.
5 Diskussion: Die Diskussion fasst die theoretischen Erkenntnisse und praktischen Implikationen zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Feedback als differenziertes Werkzeug zur nachhaltigen Förderung selbstbestimmter Lernprozesse zu begreifen.
Schlüsselwörter
Feedback, Rückmeldung, Sportunterricht, Selbstbestimmungstheorie, intrinsische Motivation, extrinsische Motivation, Motivationsforschung, nonverbale Kommunikation, Körpersprache, Lernprozess, Noten, Kompetenzempfinden, Autonomie, Lehrkraft, Sportmotorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle von Feedback im Sportunterricht. Ziel ist es, auf Basis motivartionspsychologischer Theorien Handlungsempfehlungen für Sportlehrkräfte zu formulieren, um durch effektive Rückmeldungen die intrinsische Motivation und eine nachhaltige, selbstbestimmte Bildung der Lernenden zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Selbstbestimmungstheorie, die Funktionsweise von verschiedenen Feedbackarten (verbal und nonverbal), der Einfluss von Noten auf die Motivation sowie spezifische sportmotorische Kriterien wie Frequenz, Präzision und Timing von Rückmeldungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist, Sportlehrkräften ein grundlegendes Verständnis darüber zu vermitteln, wie unterschiedliche Formen, Zeitpunkte und Ausgestaltungen von Feedback (Feedback-Design) die Motivation und den Lernerfolg von Schülern beeinflussen, um daraus konkrete, praxisorientierte Empfehlungen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse. Sie stützt sich primär auf die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan, die Forschung von Hattie und Timperley sowie ergänzende Studien zu Feedback im schulischen und sportlichen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Motivationssubsystemen, eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Definition und Wirkung verschiedener Feedbacktypen – inklusive eines Kapitels zur nonverbalen Kommunikation – sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse auf sportunterrichtsspezifische Faktoren wie Timing und Präzision.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Begriffe wie Feedback, Selbstbestimmungstheorie, Sportunterricht, intrinsische Motivation, Lernprozess, Kompetenzempfinden und nonverbale Kommunikation.
Wie beeinflusst nonverbales Feedback das Lernklima im Sportunterricht?
Nonverbales Feedback, wie Gestik, Mimik und Körperhaltung, ist laut der Arbeit entscheidend, da es oft unbewusst vermittelt wird. Es dient als Indikator dafür, ob Schüler für eine verbale Rückmeldung überhaupt aufnahmebereit sind. Eine bewusste Steuerung dieser Signale durch die Lehrkraft kann Missverständnisse vermeiden und eine förderliche Lernatmosphäre unterstützen.
Welche Relevanz haben Noten laut dieser Untersuchung?
Noten werden kontrovers diskutiert. Die Arbeit zeigt, dass Noten als extrinsische Reize die intrinsische Motivation hemmen können, wenn sie in einem kontrollierenden, wettbewerbsorientierten Umfeld vergeben werden. Wenn Noten jedoch autonomieunterstützend eingesetzt werden, können sie auch als notwendige Information über den Leistungsstand dienen.
- Citation du texte
- Ilja Trojan (Auteur), 2022, Feedback im Sportunterricht. Handlungsempfehlungen für Sportlehrkräfte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324789