Der Korea-Krieg - Einige Aspekte zu Ursachen und Auswirkungen


Bachelorarbeit, 2008
50 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Korea-Krieg
(Übersetzung aus „The 21st Century Woongjin Encyclopedia”)
1. Hintergrund
2. Entwicklung
(1) Die Kriegsvorbereitungen und Angriff von Nordkorea
(2) Die Intervention der Vereinten Nationen und Entsendung von UN-Truppen
(3) Der Kriegseintritt Chinas
(4) Festsitzen der Fronten und Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens
3. Ergebnis und Nachwirkungen

3. Ursachen
3.1 Der Kalte Krieg bis 1950
3.2 Die Teilung Koreas
3.3 Vom Bürgerkrieg zum internationalen Konflikt (25.-30. Juni)

4. Auswirkungen
4.1 Korea nach dem Krieg
4.2 Der Kalte Krieg nach 1953
4.3 Die deutsche Wiederbewaffnung
4.4 Auswirkungen auf den Rest der Welt

5. Kommentar der Übersetzung
Schlusswort: Korea heute

Anhänge
Personenregister
Zeittafel
Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als ich eine Dokumentation über das Massaker von Nogunri sah, bei dem hunderte koreanische Flüchtlinge durch amerikanische Soldaten getötet wurden, wurde mein Interesse zum Korea-Krieg verstärkt. Ich begann Bücher und Zeitschriften zu lesen, sowie Dokumentationen und koreanische Spielfilme zu schauen, um ein tieferes Verständnis zu gewinnen. In einem Urlaubssemester flog ich nach Korea und besuchte viele Schauplätze des damaligen Krieges, wie zum Beispiel die DMZ, Panmunjeom, Nogeunri und das War Museum in Seoul. Aufgrund des angeeigneten Wissens wünschte ich mir dann bei meiner Bachelor-Arbeit einen Bezug auf den Korea-Krieg.

Da der Korea-Krieg in Deutschland auch der „unbekannte“ oder der „vergessene Krieg“ genannt wird, soll diese Arbeit die weitgreifende Bedeutung des Krieges, auch hier in Deutschland, in das Bewusstsein der heutigen Zeit rufen.

Die Auswirkungen des Krieges breiten sich in den unterschiedlichsten Themenbereichen aus, wie zum Beispiel Literatur, Film, Gesellschaft und Politik. Auf den folgenden Seiten soll verstärkt auf die global politischen Zusammenhänge eingegangen und ein besonderes Augenmerk auf Entwicklungen und Erkenntnisse der jüngeren Zeit gelegt werden.

Die koreanischen Eigennamen werden nach individuellen Methoden transkribiert, so wie die Namen in der deutschen Sprache am geläufigsten auftreten. Nach der ersten Erwähnung steht, falls abweichend, zusätzlich die revidierte Romanisierung. Diese ist die offizielle Transkription des Koreanischen seit dem Jahr 2000. Sie löste die seit 1984 übliche McCune-Reischauer-Transkription ab, was nun sehr oft zu nicht geläufigen Transkriptionen von Eigennamen führt.

2. Der Korea-Krieg

(Übersetzung aus „The 21st Century Woongjin Encyclopedia”)

Krieg, der am 25. Juni 1950 mit dem Überraschungsangriff der nordkoreanischen Volksarmee ausbrach. Der Korea-Krieg wird in Korea auch als „Krise vom 25.Juni“ oder einfach „6.25“, also 25. Juni, bezeichnet.

Die nordkoreanische Armee wagte den Erstangriff. Somit entfachte sich zwischen Süd- und Nordkorea der Bürgerkrieg. Als sich danach neben der U.S.-Army auch die Truppen der Vereinten Nationen und darauf die chinesische Rote Armee in das Kriegsgeschehen einmischten, artete er zu einem internationalen Krieg aus. Am 27. Juli 1953 wurden ein Waffenstillstandsabkommen getroffen und die Kampfhandlungen unterbrochen. Die militärische Spannung zwischen Nord- und Südkorea hält noch bis heute an.

1. Hintergrund

Nach der Unabhängigkeitserklärung vom 15. August 1945 bemühten sich die Koreaner einen vereinten Staat zu gründen. Amerika und die Sowjetunion jedoch teilten und besetzten das Land und setzten Militärregierungen ein. Der Entscheidung der „Moskauer Außenministerkonferenz“ der drei Großmächte USA, Großbritannien und Sowjetunion folgend, wurde 1946 und 1947 eine amerikanisch-sowjetische Kommission eröffnet, um über die Koreaproblematik zu debattieren. Nachdem keine Resultate erzielt werden konnten, übergaben die Amerikaner im September 1947 die Koreaproblematik den Vereinten Nationen. In der zweiten UN-Vollversammlung im November beschlossen die Vereinten Nationen, in Nord- und Südkorea gemeinsame Wahlen durchzuführen, eine koreanische Regierung und eine Sonderkommission, die sogenannte UNTCOK (United Nations Temporary Commission on Korea), zu gründen, die diese Wahl beaufsichtigen sollte. Aber die Sowjetunion und Nordkorea widersetzten sich dem Entschluss und ließen die UNTCOK das nordkoreanische Territorium nicht betreten. Einer UN-Versammlung vom Februar 1948 war es also nur möglich, in Südkorea Wahlen durchführen zu lassen. Daraufhin wurde in Südkorea am 10. Mai 1948 separat eine Regierung gewählt und am 15. August des gleichen Jahres die „Republik Korea“ gegründet. In Nordkorea hingegen wurde am 9. September die „Demokratische Volksrepublik Nordkorea“ ausgerufen. Mit der Grenze am 38. Breitengrad wurden in Süd- und Nordkorea zwei politische Systeme mit gegensätzlichen Ideologien eingeführt. Beide Länder festigten ihre Staatsformen und beanspruchten jeweils das Recht für sich, das Land zu einen. Durch vereinzelte militärische Zwischenfälle blieb die unsichere Lage weiter bestehen.

2. Entwicklung

(1) Die Kriegsvorbereitung1en und der Angriff von Nordkorea

Sobald Kim Il-Sung (Gim Ilseong) die nordkoreanische Regierung gefestigt hatte, präsentierte er sich mit einer Politik eines ‚gleichzeitigen Rückzuges amerikanischer und sowjetischen Truppen’ und der ‚Einigung des Vaterlandes’. Kim Il-Sungs „Einigung“ sollte Korea vollständig kommunisieren. Dafür begann er militärische Außenbeziehungen für einen Krieg zu knüpfen und sich auf die Aufrüstung der Militärstreitkräfte zu konzentrieren. Sobald sowjetische Truppen im Land stationiert waren, bildete Nordkorea systematisch sein Militär aus und gründete im Februar 1948 die „Nordkoreanische Volksarmee“. Die Streitkraft wuchs, als ab der zweiten Hälfte des Jahres 1948 mehr als 20.000 koreanische Soldaten der Kommunistischen Partei Chinas in die nordkoreanische Armee eingetreten waren. Besonders ab September 1949 unterstützte die Sowjetunion im großen Maße die nordkoreanische Armee, welche mittlerweile zu einer beachtlichen Streitmacht geworden war. Als sich 1949 die U.S.-Army zurückzog und China kommunistisch wurde, gewann Kim Il-Sung die Zuversicht, das Land unter dem Kommunismus zu einen. So besuchte er Ende 1949, Anfang 1950 die Sowjet-Union und holte auf einer gemeinsamen Konferenz mit Stalin das sowjetische Einverständnis zu einem Krieg. Auch Mao Zedong sicherte Chinas Unterstützung zu.

Das somit zum Krieg gerüstete Nordkorea überschritt um 4 Uhr morgens des 25. Juni 1950 den 38. Breitengrad, der von der Halbinsel Ongjin an der Westküste bis zur Ostküste reicht, und vollzog somit einen Überraschungsangriff. Die südkoreanische Armee, die zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage war, sich der Situation zu stellen, zog sich zurück. So besetzten die Truppen Nordkoreas am 27. Juni zunächst Seoul, überschritten am 3. Juli den Han, der durch Seoul fließt, und bewegten sich weiter Richtung Süden. Der südliche Vorstoß der nordkoreanischen Truppen kam am Nakdong, einem Fluss im Südosten Koreas, zum Stillstand.

Als die UNO-Truppen am 15. September 1950 in Incheon, einer Hafenstadt westlich von Seoul, landeten, wendete sich die Kriegssituation, und die nordkoreanische Armee zog sich nach Norden zurück. Im Zeitraum, in dem Nordkorea den Großteil Südkoreas besetzte, gründete es dort ein ‚Bürgerkomitee’ und zwang so genannte ‚freiwillige Soldaten’, die nordkoreanische Streitmacht zu füllen. Es eröffnete ein Bürgergericht und entfernte Personen, welche sich der nordkoreanischen Politik widersetzten.

(2) Die Intervention der Vereinten Nationen und Entsendung von UN-Truppen

Als der Krieg ausbrach, berief die USA eine Sicherheitsversammlung ein. Am 26. Juni verurteilte sie den Angriff Nordkoreas als Aggressionsakt und forderte den Rückzug der nordkoreanischen Truppen nördlich des 38. Breitengrades. Doch als Nordkorea weiter südlich vorstieß, befahl der amerikanische Präsident Harry S. Truman am 27. Juni der US Navy und Air Force die südkoreanischen Truppen zu unterstützen. Am selben Tag entschied das UN-Sicherheitskomitee den Angriff Nordkoreas zurückzuwerfen. Die Mitgliedsländer stimmten für die Wiederherstellung des internationalen Friedens und der Sicherheit und boten deshalb Südkorea Unterstützung an und gewährten den USA den Kriegseintritt. Am 7. Juli beschlossen sie eine Resolution, welche den USA die Befehlsmacht über die UN-Truppen gab. Sie stellten den Amerikaner Douglas MacArthur als Oberbefehlshaber ein und entschieden sich für die Entsendung von UN-Truppen. Schließlich nahmen 16 Nationen, mit den USA als zentrale Rolle, England, Australien, Niederlande, Kanada, Neuseeland, Frankreich, Philippinen, Türkei, Thailand, Griechenland, Südafrika, Belgien, Luxemburg, Kolumbien und Äthiopien, zu Boden, See und Luft am Krieg teil und lieferten Ausrüstung.

Nach der erfolgreichen Landungsoperation bei Incheon am 15. September eroberten die UN-Truppen am 28. September Seoul zurück, schritten weiter nordwärts und erreichten am 1. Oktober den 38. Breitengrad. Gemäß der Erlaubnis der UN-Generalversammlung vom 7. Oktober weiter zu marschieren, überschritten sie den 38. Breitengrad und rückten bis zu den Flüssen Yalu (in Korea Amnok genannt) und Tumen (Duman) vor. Als die chinesische Armee im Dezember 1950 ins Kriegsgeschehen eingriff, forderte die UN-Generalversammlung im Februar des nächsten Jahres den Rückzug der Truppen Chinas und entschied sich für eine Resolution, die China als Invasor verurteilte.

(3) Der Kriegseintritt Chinas

Da Nordkorea ein beinahe identisches kommunistisches System hatte, war China um den Zusammenbruch Nordkoreas besorgt. Als die UN-Truppen inzwischen den 38. Breitengrad durchbrachen und weiter nordwärts vordrangen, kritisierte der chinesische Sender „Beijing-Broadcast“ am 9. Oktober ‚die Überschreitung des 38. Breitengrades der UN-Truppen als drohende Gefahr für die Sicherheit Chinas‘. Als die Truppen der UN bis an die Flüsse Yalu und Tumen vorrückten, publizierte es das Leitwort „Amerika zu widersetzten, Nordkorea zu helfen und China zu beschützen“. China verkündete am 4. November 1950 offiziell den Kriegseintritt Chinas.

China mobilisierte eine 200.000 Mann starke Streitkraft. Diese griff die Truppen der Vereinten Nationen mit der so genannten „Strategie der menschlichen Wellen“ an, eine Strategie, die den Feind durch zahlenmäßige Überlegenheit und ohne Rücksicht auf Verluste überrollt. Die Truppen der UNO zogen sich weiter zurück und gaben am 4. Januar erneut Seoul auf. Die südkoreanische Regierung verlegte die Hauptstadt nochmals nach Pusan. Aus dem nordkoreanischen Gebiet flohen auch viele Zivilisten über den 38. Breitengrad in den Süden. Ende Januar startete die Armee der Vereinten Nationen den Gegenangriff, befreite am 14. März Seoul und überschritt am 24. März ein weiteres Mal den 38. Breitengrad. Während sich die UNO-Truppen und die kommunistische Armee darauf in fortwährende Nahkämpfe verstrickten, fiel die Frontbewegung in einen Stillstand und eine Waffenstillstandskonferenz wurde eröffnet.

Nachdem China in den Krieg eintrat, stritten der amerikanische Präsident Harry S. Truman und der Obertruppenbefehlshaber der UNO-Truppen Douglas MacArthur, ob sie China angreifen sollten. MacArthur wollte die Mandschurei bombardieren und das gesamte militärische Arsenal mobilisieren, um China anzugreifen. Doch Truman widersetzte sich einer Ausweitung des Krieges. Schließlich entließ er am 11. April 1951 MacArthur von seinem Amt und ersetzte ihn durch General Matthew B. Ridgway.

(4) Festsitzen der Fronten und Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens

Im Juni 1951 kam es am 38. Breitengrad zu heftigen Nahkämpfen zwischen den Truppen der UNO und der Roten Armee, doch eine Verschiebung der Frontlinien gab es kaum.

Währenddessen schlug der russische Vertreter bei den Vereinten Nationen Jakow Malik am 23. Juni 1951 einen Waffenstillstand vor, welcher seitens der UN akzeptiert wurde. Beide Parteien diskutierten in den Waffenstillstandsverhandlungen, welche am 8. Juli 1951 begannen, die auf der Tagesordnung gesetzten Fragen einer Festlegung einer Demarkationslinie, der Durchführung des Waffenstillstandes, eines Austausches der Kriegsgefangenen und der Empfehlungen an die im Krieg beteiligten Regierungen. Da sich beide Seiten nicht so leicht einigen konnten, zogen sich die Verhandlungen beinahe zwei Jahre hin, während die Kampfhandlungen weitergingen. Besonders bei der Frage der Rückführung der Kriegsgefangenen war keine Einigung in Sicht. Die UN bestand darauf, dass nur die Kriegsgefangenen zurückgeführt werden sollten, die freiwillig in ihre Heimat zurück wollten; die Kommunisten wollten eine „bedingungslose“ Rückführung, nämlich eine „Zwangsrepatriierung“ aller Nordkoreaner und Chinesen. So wurde das Waffenstillstandsabkommen für lange Zeit vertagt. 1953 wurde in Amerika Dwight D. Eisenhower, welcher auf ein Beenden des Korea-Krieges drang, zum Präsidenten gewählt. In Russland starb der Diktator Stalin, und Nikita Chruschtschow trat an die Macht. Auf Drängen der neuen Oberhäupter in den USA und Russland wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Der südkoreanische Präsident Syngman Rhee (I Seungman) war gegen einen Waffenstillstand und nahm an den Waffenstillstandsverhandlungen nicht teil. Doch aufgrund von Versprechungen, wie des Abschlusses eines „Koreanisch-Amerikanischen-Verteidigungsvertrages“, eines langwierigen militärisch-ökonomischen Beistandes und einer Unterstützung der südkoreanischen Armee, akzeptierte er den Waffenstillstand.

3. Ergebnis und Nachwirkungen

Der Korea-Krieg war der tragischste Vorfall in der Geschichte Koreas und verursachte riesige Schäden beim koreanischen Volk. In Süd- und Nordkorea gab es insgesamt mindestens vier bis fünf Millionen Tote, Verletzte und Vermisste, größtenteils unter den Zivilisten. Ungefähr 60.000 wurden Kriegswaise, 10 Millionen Familien getrennt, daneben 150.000 Soldaten der UN und 900.000 chinesische Soldaten verletzt oder getötet. Außerdem wurden durch die harten Gefechte die gesellschaftlich-ökonomische Grundlage wie Industrie, Infrastruktur, Kommunikationswesen und Wohnungen beinahe vollständig zerstört. Doch verglichen mit dem Schaden an Mensch und Material war etwas noch Tragischeres festzustellen: das Entstehen von Misstrauen und Feindseligkeit innerhalb des koreanischen Volkes. Mit den Erfahrungen des Krieges wurden in Süd- und Nordkorea ein gegenseitiger Hass und Rachegelüste gesät und der Trend zu einer Spaltung der Nation tat sich auf. Dies wurde in Südkorea dazu benutzt, ein solides antikommunistisches System zu etablieren, und in Nordkorea wurden „Anti-Amerika“ und „Stürzung Südkoreas“ zu den wichtigsten Schlagwörtern.

3. Ursachen

3.1 Der Kalte Krieg bis 1950

Der Kalte Krieg war die Folge eines fundamentalen Systemgegensatzes, den man auch als „Ost-West-Konflikt“ bezeichnet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich zwei feindliche Machtblöcke und die jeweils zugehörigen Militärbündnisse: die NATO (North Atlantic Treaty Organisation) und die Staaten des Warschauer Paktes. Die territoriale Ausdehnung der beiden Machtblöcke in Europa entsprach weitgehend ihrer militärischen Präsenz unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bündnissysteme standen sich militärisch hochgerüstet gegenüber und prägten jahrzehntelang eine vielfach als "bipolare Welt" bezeichnete Situation.[1]

Einige Historiker sehen bereits die Oktoberrevolution der Bolschewiki unter Lenin aus dem Jahre 1917 als Beginn des Kalten Krieges. Die USA und andere Westmächte versuchten durch Interventionstruppen die Machtübernahme Lenins zu vereiteln. Das Scheitern veranlasste den ersten Bruch zwischen der „westlichen Welt“ und dem neuen Russland. Im Jahre 1933 erst erkannten die USA den neuen Staat UdSSR an.[2]

In der Konferenz der „Großen Drei“ in Teheran vom 28. November bis 1. Dezember 1943 einigten sich die USA, Großbritannien und die Sowjetunion auf eine enge Zusammenarbeit, um das Deutsche Reich zu zerschlagen.[3] Es zeigte sich jedoch, dass die militärische Koalition ein reines Zweckbündnis war. Die getroffenen Vereinbarungen der Nachkriegspolitik blieben unverbindlich. Man akzeptierte die sowjetische Expansion während des Zweiten Weltkrieges, da man auf die sowjetische Hilfe angewiesen war und glaubte, dass Stalin sich bloß um die Sicherheit des eigenen Landes sorgte. Die Vereinigten Staaten lieferten den Sowjets sogar Kriegsmaterial, das sogenannte ‚Leih- und Pachtgesetz‘ (Lend-Lease Act).[4]

Auf den darauf folgenden Konferenzen von Jalta vom 4. bis 11. Februar und Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 offenbarten sich in der „Anti-Hitler-Koalition“ enorme Meinungsunterschiede über die Nachkriegsordnung in Europa. Roosevelt wollte der UdSSR keine Garantien für die Nachkriegszeit zusagen, obwohl die Rote Armee die weitaus größeren Verluste und Kriegszerstörungen zu beklagen hatte. Stalin begann mittlerweile in Ost- und Mitteleuropa kommunistische Regierungen zu etablieren.

Mit dem Tode Roosevelt am 12. April 1945 zerbrach die Anti-Hitler-Koalition. Sein Nachfolger Harry S. Truman verfolgte eine antisowjetische und antikommunistische Politik. Er verlangte die sowjetische Kriegserklärung an Japan, die am 8. August erfolgte. 1,5 Millionen Soldaten der Roten Armee zogen in der ‚Operation Auguststurm‘ in den Krieg gegen Japan. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9.August) seien, laut US-Historiker David Horowitz, gezielte Machtdemonstrationen an die UdSSR gewesen.[5] Ein weiter Abwurf sollte ab dem 17. August folgen, die Atombombe war schon unterwegs Richtung Japan. Als Ziel war Tokio vorgesehen, „von Feuerangriffen schon grob verwüstet, doch voll von Abermillionen Lebendiggebliebener. Ihr Ende würde einen ‚psychologischen Effekt auf die Staatsführung‘ nicht verfehlen“.[6]

In der Nacht des 14. August verkündete der japanische Kaiser Hirohito die bedingungslose Kapitulation Japans. Der Zweite Weltkrieg war beendet.

Die USA konnten aufgrund des Atombombenmonopols, welches bis 1949 hielt, und der wirtschaftlichen Führungsposition weiterhin darauf vertrauen, der Sowjetunion überlegen zu sein. Sie wollten ein vereintes Europa auf privatwirtschaftlicher Basis gründen. Die Sowjets wollten jedoch ihre Sicherheitssphäre in Europa nicht aufgeben. Die Zahl der Soldaten der Roten Armee war der der westlichen Alliierten weitaus überlegen, und hätte das Atombombenmonopol nicht in amerikanischer Hand gelegen, wäre „das Stalin-Reich die einzig verbliebene Weltmacht gewesen“.[7] Anfang 1949 rechnete man mit 155 Divisionen, weitere 115 Divisionen in den sowjetischen Satellitenstaaten und 1,5 Millionen rotchinesische Soldaten. Im Falle eines Krieges hätte Russland seine Streitmacht innerhalb ein, zwei Jahre auf 774 Divisionen aufstocken können, genug um gleichzeitig in Europa, im Mittleren Osten und Asien Krieg führen zu können.

Am 12. März 1947 hielt Truman vor dem amerikanischen Kongress eine Rede, die als „Truman-Doktrin“ in die Annalen einging. Er versprach, dass die USA „allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist“, Beistand leisten werden.[8] Grund dieser Rede war die Lage in Griechenland und der Türkei, die in Gefahr liefen, kommunistische Regime zu erhalten. Oft wird auch gerade diese Doktrin als der Auslöser des Kalten Krieges betrachtet.[9]

Als die in Potsdam vereinbarte gemeinsame Deutschlandpolitik als nicht realisierbar erkannt wurde, reagierten die Amerikaner mit dem Marshall-Plan, offiziell European Recovery Program (ERP) genannt. 13,1 Milliarden US-Dollar (entspricht im Jahr 2008 etwa 100 Milliarden Euro) wurden von 1948 bis 1952 investiert, um drei Ziele zu verfolgen: Hilfe für die notleidenden Kriegsopfer, Schaffung eines Absatzmarktes für die amerikanische Überproduktion und Eindämmung der kommunistischen Sowjetunion.[10] Die Hilfe war an alle europäischen Staaten gerichtet, sogar an die Sowjetunion selbst. Die UdSSR verbot jedoch den Staaten des sowjetischen Einflussbereiches am Europäischen Wiederaufbauprogramm teilzunehmen. Somit begann die Blockbildung zwischen Ost und West.

In den drei Westzonen Deutschlands führten die westlichen Alliierten Anfang 1948 eine Währungsreform durch, welches die Sowjetunion wiederum veranlasste, am 24. Juni 1948 eine vollkommene Handels- und Wirtschaftsblockade in Berlin aufzustellen. Sie war der Meinung, dass die anderen Besatzungsmächte Deutschlands gegen die Potsdamer Erklärung verstießen und dessen Bruch suchten. Die UdSSR versuchte damit, die Versorgung West-Berlins zum Erliegen zu bringen, um die Amerikaner, Briten und Franzosen zu einem Abzug der Besatzungstruppen aus Berlin zu zwingen. Verhindert wurde dies mit der so genannten „Luftbrücke“. Zwei Millionen Menschen in West-Berlin wurden bis zur Aufhebung der Blockade am 12. Mai 1949 aus der Luft versorgt. Rund 280.000 Flüge wurden es insgesamt. Oft flogen 40 Flugzeuge gleichzeitig, auf fünf Ebenen im Drei-Minuten-Takt. Die Berlin-Blockade war bis dahin der Höhepunkt des Kalten Krieges.[11]

Der Westen, aber auch der Osten Europas, stärkte daraufhin seine politische sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit. Am 23. Mai 1949 wurden mit der Verkündung des Grundgesetzes die drei Westzonen Deutschlands zur Bundesrepublik Deutschland vereint, am 7. Oktober antwortete der Ostblock mit der Gründung der DDR. Mit der Teilung Nachkriegsdeutschlands in zwei Staaten und der Unterzeichnung des NATO-Vertrages und der Gründung des Warschauer Paktes, wurde die Teilung in eine bipolare Weltordnung gefestigt.[12]

Mit der ersten erfolgreichen Explosion einer sowjetischen Atombombe am 29. August 1949, begann sich das Blatt langsam zu wenden. Den Krieg in China gewannen die Kommunisten und Mao Zedong rief am 1. Oktober die Volksrepublik China aus. Stalin gewann mit Mao einen mächtigen Verbündeten, der den Lauf des Kalten Krieges entscheidend mit beeinflusste. Die USA verstärkten ihre Eindämmungspolitik, erkannten die neue chinesische Regierung nicht an und verweigerten der Volksrepublik China den Beitritt in die Vereinten Nationen. Die Souveränität der Westmächte schien sich aufzulösen, die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges stieg von Tag zu Tag. Spätestens in fünf Jahren würde das Mächteverhältnis nicht mehr eindeutig bei den Westmächten liegen.

Im Falle eines Angriffes der Kommunisten auf Südkorea, äußerten sich die Stabschefs der USA, dass den Amerikanern die koreanische Halbinsel nur von geringer strategischer Bedeutung für sie sei. Sie konzentrierten sich nun mehr auf Japan, um es zu einem Gegengewicht zum kommunistischen China aufzubauen. Sie sagten aber vor der NATO auch aus, dass sie jeden nicht näher definierten kommunistischen Expansionsversuch mit „massiver Vergeltung“ (massive retaliation) ahnden werden. Die Briten waren Anfang 1950 besorgt, dass die Vereinigten Staaten bereit waren, einen atomaren Krieg mit Russland auszulösen. Die verbreitete Haltung wäre dort nämlich, dass wenn die USA gegen die Sowjetunion in den Krieg ziehen würde, sie es am Besten so früh wie möglich sollten, um ihre atomare Überlegenheit noch ausnutzen zu können.

Die Sorge verbreitete sich auf den Rest der Welt, als am Morgen des 25. Juni 1950 mit einem Überfall des stalinistischen Nordens auf den Süden der Korea-Krieg ausbrach. Trotz wiederholten Warnungen des amerikanischen Geheimdienstes, dass Nordkorea massiv aufrüste, rechnete niemand mit diesem Angriff. Der Kalte Krieg war zum ersten Mal heiß geworden.

[...]


[1] Die folgende Darstellung stützt sich auf: Steininger, 2006: S. 18-37

[2] Steininger, 2006: S. 22

[3] Boesch / Schläpfer, 1997: S.227

[4] Ball, 1998: S. 9-11

[5] 1983: S. 48

[6] Friedrich, 2007: S. 16

[7] Friedrich, 2007: S. 42

[8] Choi, 1994: S. 67-72

[9] Meiertöns, 2006: S.27

[10] Choi, 1994: S. 74-76

[11] Der Spiegel Nr. 25, 2008: S.49

[12] Spiegel Special – Geschichte Nr. 3, 2008: S. 9-12

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Der Korea-Krieg - Einige Aspekte zu Ursachen und Auswirkungen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Orient- und Asienwissenschaften)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
50
Katalognummer
V132492
ISBN (eBook)
9783640384082
ISBN (Buch)
9783640384341
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korea, Krieg, Koreakrieg, Korea-Krieg, Kalter Krieg, Übersetzung, Südkorea, Nordkorea, Bürgerkrieg, Kim Yong Il, Ursache
Arbeit zitieren
B.A. Michael Hess (Autor), 2008, Der Korea-Krieg - Einige Aspekte zu Ursachen und Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132492

Kommentare

  • B.A. Michael Hess am 6.2.2010

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