Im Rahmen des Forschungsseminars "Lesen, Schreiben, Rechnen - eine Sozialgeschichte der Kulturtechniken vor 1900" wurde die Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft von 1771/1772 näher untersucht. Bei der Auswertung des Fragebogens sind in Bezug auf die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler zwei Resultate besonders aufgefallen. Einerseits glänzten die Schulen im verhältnismässig abgelegenen Kapitel Kyburg, welches ungefähr dem heutigen Oberland entspricht, hinsichtlich des Lernerfolgs mit besonders guten Resultaten, andererseits liegen jene des zentral, da in unmittelbarer Nähe der Stadt Zürich gelegenen, Amts Regensberg klar unter dem Durchschnitt.
Diese Ergebnisse überraschen, denn Jens Montandon hat in seiner Lizentiatsarbeit "Gemeinde und Schule. Determinanten lokaler Schulwirklichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhand der Bernischen Landschulumfrage von 1806" ermittelt, dass anfangs
des 19. Jahrhunderts im Kanton Bern eine hohe Korrelation zwischen den wirtschaftlich wichtigen, mit Verkehrswegen erschlossenen Regionen des Oberaargaus, Seelands, Simmentals sowie Teilen des Mittellandes und dem Vorhandensein von guten bis sehr guten Schulen bestand. Die Schulleistungen der Kinder in abgelegenen Gebieten des Kantons Bern waren in den häufigsten Fällen schlechter.
Da in der Zürcher Schulumfrage das abgelegene Kapitel Kyburg in der Umfrage in Bezug auf den Lernerfolg sehr gut und das klar zentraler gelegene Regensberg verhältnismässig schlecht abschneidet, müssen auf der Zürcher Landschaft rund 25 Jahre vor Durchführung der von Montandon behandelten Berner Landschulumfrage andere Gründe als der externe Faktor Verkehrslage entscheidender gewesen sein in Bezug auf gute oder schlechte Bildung.
Diese Arbeit soll untersuchen, welche Faktoren sich auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler im Kapitel Regensberg im 18. Jahrhundert trotz zentraler Lage derart negativ ausgewirkt haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Quellenbeschreibung
3 Allgemeines zum Zürcher Landschulwesen im 18. Jahrhundert
4 Ermittlung des besten Kapitels hinsichtlich des Lernerfolgs
4.1 Die Resultate der einzelnen Kapitel in Prozentwerten
4.2 Gegenüberstellung der sieben Kapitel
5 Der direkte Vergleich der Kapitel Regensberg und Stein am Rhein
5.1 Interne Faktoren
5.1.1 Schülerbestand
5.1.2 Absenzen / Präsenz
5.1.3 Schuldauer
5.1.4 Schulmeister
5.1.5 Lehrmittel / Schulgüter
5.1.6 Schulfächer
5.2 Externe Faktoren
5.2.1 Armut
5.2.2 Schulhaus
5.2.3 Schulweg
5.2.4 Eltern
5.3 Tabellarische Darstellung der Resultate innerhalb der Kapitel
5.3.1 Interne Faktoren
5.3.2 Externe Faktoren
6 Die „beste“ und die „schlechteste“ Regensberger Gemeinde im Vergleich
6.1 Gegenüberstellung der Regensberger Gemeinden
6.2 Interne Faktoren
6.2.1 Schülerbestand
6.2.2 Absenzen/Präsenz
6.2.3 Schuldauer
6.2.4 Schulmeister
6.2.5 Lehrmittel / Schulgüter
6.2.6 Schulfächer
6.3 Externe Faktoren
6.3.1 Armut
6.3.2 Schulhaus
6.3.3 Schulweg
6.3.4 Eltern
6.4 Tabellarische Darstellung der Resultate von Buchs und Dietlikon
6.4.1 Interne Faktoren
6.4.2 Externe Faktoren
7 Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Faktoren für den unterschiedlichen Lernerfolg in Schulen auf der Zürcher Landschaft anhand der Schulumfrage von 1771/1772, mit besonderem Fokus auf das leistungsschwache Kapitel Regensberg im Vergleich zu leistungsstärkeren Regionen.
- Analyse von Lernerfolgen im Zürcher Landschulwesen des 18. Jahrhunderts
- Vergleich interner Faktoren wie Schülerbestand, Schuldauer und Lehrqualität
- Untersuchung externer Einflüsse wie Armut, Schulhausbeschaffenheit und elterliches Engagement
- Vergleichende Fallstudien zwischen den Kapiteln und einzelnen Gemeinden (z.B. Buchs vs. Dietlikon)
- Evaluierung der Bedeutung von Sommerschulen für den Bildungsstand
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Im Rahmen des Forschungsseminars „Lesen, Schreiben, Rechnen – eine Sozialgeschichte der Kulturtechniken vor 1900“ wurde die Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771/1772 näher untersucht. Bei der Auswertung des Fragebogens sind in Bezug auf die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler zwei Resultate besonders aufgefallen. Einerseits glänzten die Schulen im verhältnismässig abgelegenen Kapitel Kyburg, welches ungefähr mit dem heutigen Zürcher Oberland zu vergleichen ist, hinsichtlich des Lernerfolgs mit besonders guten Resultaten, andererseits liegen jene des zentral, da in unmittelbarer Nähe der Stadt Zürich, gelegenen Amts Regensberg klar unter dem Durchschnitt.
Diese Ergebnisse überraschen, denn Jens Montandon hat in seiner Lizentiatsarbeit Gemeinde und Schule. Determinanten lokaler Schulwirklichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhand der Bernischen Landschulumfrage von 1806 ermittelt, dass anfangs des 19. Jahrhunderts im Kanton Bern eine hohe Korrelation zwischen den wirtschaftlich wichtigen, mit Verkehrswegen erschlossenen Regionen des Oberaargaus, Seelands, Simmentals sowie Teilen des Mittellandes und dem Vorhandensein von guten bis sehr guten Schulen bestand. Die Schulleistungen der Kinder in abgelegenen Gebieten des Kantons Bern waren in den häufigsten Fällen deutlich schlechter.
Da in der Zürcher Schulumfrage das abgelegene Kapitel Kyburg in der Umfrage in Bezug auf den Lernerfolg sehr gut und das klar zentraler gelegene Amt Regensberg verhältnismässig schlecht abschneidet, müssen auf der Zürcher Landschaft rund 25 Jahre vor Durchführung der von Montandon behandelten Berner Landschulumfrage andere Gründe als der externe Faktor Verkehrslage entscheidender gewesen sein in Bezug auf gute oder schlechte Bildung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den Vergleich der Schulleistungen im 18. Jahrhundert.
2. Quellenbeschreibung: Vorstellung der Schulumfrage von 1771/1772 als primäre Datengrundlage dieser Untersuchung.
3 Allgemeines zum Zürcher Landschulwesen im 18. Jahrhundert: Überblick über die Rahmenbedingungen und den generellen Zustand des Schulwesens zur Zeit der Umfrage.
4 Ermittlung des besten Kapitels hinsichtlich des Lernerfolgs: Methodische Herleitung zur Identifikation der erfolgreichsten Region anhand quantitativer Daten.
5 Der direkte Vergleich der Kapitel Regensberg und Stein am Rhein: Detaillierte Gegenüberstellung der internen und externen Faktoren zwischen dem leistungsstarken und dem leistungsschwachen Kapitel.
6 Die „beste“ und die „schlechteste“ Regensberger Gemeinde im Vergleich: Analyse auf Gemeindeebene zur weiteren Differenzierung der Einflussfaktoren innerhalb des Kapitels Regensberg.
7 Schlussteil: Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage über die Gründe für den Lernerfolg.
Schlüsselwörter
Zürcher Landschulwesen, Schulumfrage 1771/1772, Lernerfolg, Regensberg, Stein am Rhein, interne Faktoren, externe Faktoren, Sommerschule, Winterschule, Schulmeister, Bildung, Sozialgeschichte, 18. Jahrhundert, Bildungsstand, Schulgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die Ursachen für unterschiedliche Schulleistungen im Zürcher Landschulwesen des späten 18. Jahrhunderts anhand einer historischen Umfrage.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die inneren und äußeren Bedingungen des Schulbetriebs, wie die Qualität der Ausbildung, die Rolle der Schulmeister und der Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf den Erfolg der Schüler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erklären, warum das zentral gelegene Kapitel Regensberg trotz vermeintlich günstigerer Lage deutlich schlechter abschnitt als abgelegenere Regionen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die statistische Auswertung der überlieferten Fragebogen-Antworten aus dem Jahr 1771/1772, um Prozentwerte und qualitative Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen zu ermitteln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Kapitelsvergleich und eine detaillierte Gegenüberstellung von Gemeinden innerhalb des Kapitels Regensberg unter Berücksichtigung verschiedener Lern- und Lebensbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Zürcher Landschulwesen, Sommerschule, Schulhaus, Lernerfolg und Sozialgeschichte der Bildung aus.
Welche Rolle spielt die Sommerschule in dieser Untersuchung?
Die Sommerschule erweist sich als ein entscheidender Faktor, da ihre Existenz und Nutzung in den erfolgreicheren Kapiteln maßgeblich zur Vertiefung des Lernstoffs beigetragen hat.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Regensberger Gemeinden?
Der Autor stellt fest, dass das schlechte Abschneiden wesentlich mit der Seltenheit von Sommerschulen und einer generell negativen Gesinnung der Bevölkerung gegenüber der schulischen Bildung korreliert.
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- Anonym (Author), 2008, Faktoren des Schulmisserfolgs im Kapitel Regensberg anhand der Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771 und 1772, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132494