Faktoren des Schulmisserfolgs im Kapitel Regensberg anhand der Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771 und 1772


Hausarbeit, 2008

51 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Quellenbeschreibung

3 Allgemeines zum Zürcher Landschulwesen im 18. Jahrhundert

4 Ermittlung des besten Kapitels hinsichtlich des Lernerfolgs
4.1 Die Resultate der einzelnen Kapitel in Prozentwerten
4.2 Gegenüberstellung der sieben Kapitel

5 Der direkte Vergleich der Kapitel Regensberg und Stein am Rhein
5.1 Interne Faktoren
5.1.1 Schülerbestand
5.1.2 Absenzen / Präsenz
5.1.3 Schuldauer
5.1.4 Schulmeister
5.1.5 Lehrmittel / Schulgüter
5.1.6 Schulfächer
5.2 Externe Faktoren
5.2.1 Armut
5.2.2 Schulhaus
5.2.3 Schulweg
5.2.4 Eltern
5.3 Tabellarische Darstellung der Resultate innerhalb der Kapitel
5.3.1 Interne Faktoren
5.3.2 Externe Faktoren

6 Die „beste“ und die „schlechteste“ Regensberger Gemeinde im Vergleich
6.1 Gegenüberstellung der Regensberger Gemeinden
6.2 Interne Faktoren
6.2.1 Schülerbestand
6.2.2 Absenzen/Präsenz
6.2.3 Schuldauer
6.2.4 Schulmeister
6.2.5 Lehrmittel / Schulgüter
6.2.6 Schulfächer
6.3 Externe Faktoren
6.3.1 Armut
6.3.2 Schulhaus
6.3.3 Schulweg
6.3.4 Eltern
6.4 Tabellarische Darstellung der Resultate von Buchs und Dietlikon
6.4.1 Interne Faktoren
6.4.2 Externe Faktoren

7 Schlussteil

8 Literaturverzeichnis
8.1 Quellen
8.2 Literatur

9 Anhang

1 Einleitung

Im Rahmen des Forschungsseminars „Lesen, Schreiben, Rechnen – eine Sozialgeschichte der Kulturtechniken vor 1900“ wurde die Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771/1772 näher untersucht. Bei der Auswertung des Fragebogens sind in Bezug auf die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler zwei Resultate besonders aufgefallen. Einerseits glänzten die Schulen im verhältnismässig abgelegenen Kapitel Kyburg, welches ungefähr mit dem heutigen Zürcher Oberland zu vergleichen ist, hinsichtlich des Lernerfolgs mit besonders guten Resultaten, andererseits liegen jene des zentral, da in unmittelbarer Nähe der Stadt Zürich, gelegenen Amts Regensberg klar unter dem Durchschnitt.

Diese Ergebnisse überraschen, denn Jens Montandon hat in seiner Lizentiatsarbeit Gemeinde und Schule. Determinanten lokaler Schulwirklichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhand der Bernischen Landschulumfrage von 1806 ermittelt, dass anfangs des 19. Jahrhunderts im Kanton Bern eine hohe Korrelation zwischen den wirtschaftlich wichtigen, mit Verkehrswegen erschlossenen Regionen des Oberaargaus, Seelands, Simmentals sowie Teilen des Mittellandes und dem Vorhandensein von guten bis sehr guten Schulen bestand. Die Schulleistungen der Kinder in abgelegenen Gebieten des Kantons Bern waren in den häufigsten Fällen deutlich schlechter.[1]

Da in der Zürcher Schulumfrage das abgelegene Kapitel Kyburg in der Umfrage in Bezug auf den Lernerfolg sehr gut und das klar zentraler gelegene Amt Regensberg verhältnismässig schlecht abschneidet, müssen auf der Zürcher Landschaft rund 25 Jahre vor Durchführung der von Montandon behandelten Berner Landschulumfrage andere Gründe als der externe Faktor Verkehrslage entscheidender gewesen sein in Bezug auf gute oder schlechte Bildung.

Diese Arbeit soll untersuchen, welche Faktoren sich auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler im Kapitel Regensberg im 18. Jahrhundert trotz zentraler Lage derart negativ ausgewirkt haben. Dabei steht die Schulumfrage als Quelle ganz klar im Vordergrund, weshalb nur zu Beginn der Arbeit zusätzliche Literatur hinzugezogen wird.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll das Kapitel Regensberg mit sechs weiteren Kapiteln auf der Zürcher Landschaft hinsichtlich des Lernerfolgs verglichen werden. Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, das in Bezug auf die Schulleistungen beste Kapitel zu ermitteln und jenes anschliessend mit Regensberg zu vergleichen. Dadurch sollen interne und externe Faktoren ermittelt werden, welche dafür verantwortlich waren, dass die Regensberger Schulen, zumindest in Bezug auf den Lernerfolg, unter dem Durchschnitt liegen. Im zweiten Teil, welcher weniger ausführlich ausfällt als der erste, werden anschliessend innerhalb des Kapitels Regensberg die Gemeinde mit dem grössten und diejenige mit dem kleinsten Lernerfolg einander gegenübergestellt, um so die Relevanz der inneren und äusseren Faktoren intern gewichten zu können.

In beiden Teilen konnten mehr Anhaltspunkte für die inneren als für die äusseren Einflussfaktoren gefunden werden, da sich die Umfrage hauptsächlich mit den schulinternen Angelegenheiten beschäftigt.

Als Grundlage für die Ermittlung dieser Einflussfaktoren dienten die bereits erwähnte Lizentiatsarbeit von Montandon aus dem Jahre 2006 und die im selben Jahr erschienene Lizentiatsarbeit „Allerdings haben die Rekruten seit ihrem Austritt aus der Schule manches vergessen; aber Manches, was man nun von ihnen verlangt, haben sie schon damals nicht besessen“. Die Berner Abschlussprüfungen von 1879[2] von Eva Straumann, welche sich beide unter anderem mit verschiedenen internen und externen Einflussfaktoren des Schulerfolgs beschäftigen.

Abschliessend sollen die Ergebnisse der beiden Teile im Schlussteil zusammengetragen, miteinander verglichen und dadurch die Fragestellung der Arbeit beantwortet werden.

2. Quellenbeschreibung

Die moralische Gesellschaft Zürich, welche 1764 gegründet wurde[3], verfolgte das Ziel, im Untergrund das Gute, im sittlich-moralischen Sinne, zu fördern. Aus diesem Grund gab sie beispielsweise eine Bibelübersetzung und biblische Erzählungen für die Jugend heraus, regte einen Katechismus für Kinder an und verteilte milde Gaben an Bedürftige.[4]

1770 startete diese Gesellschaft ein Projekt zur Erhebung des moralischen und ökonomischen Zustandes der Zürcher Landschaft. Daraus wollte sie ein erstes Bild der Landgemeinden gewinnen, welches bei der Herauskristallisierung allfälligen Handlungsbedarfs hätte behilflich sein sollen. Die in dieser Zeit immer heftiger werdenden Reformdebatten über die Landschulen bewirkten aber die thematische Verengung auf einen Fragebogen zu Schule und Unterricht, welcher in den Jahren 1771/1772 an jede Schulgemeinde der Zürcher Landschaft verteilt wurde.[5] Da das gesamte Unterrichtswesen vor 1798 als kirchliche Angelegenheit galt, waren zu dieser Zeit die Pfarrer für schulische Angelegenheiten verantwortlich. Demnach waren sie es, welche die verteilten Fragebogen beantworteten und zurücksandten.[6] Über zwei Drittel aller Antwortschreiben sind erhalten und lagen bis vor wenigen Jahren nur als handschriftliche Originale im Zürcher Staatsarchiv.[7] Um einen besseren Zugang zu diesem Quellenkorpus zu schaffen, wurden die Manuskripte transkribiert und in digitaler Version auf CD-Rom ediert. Auf diese Edition stützt sich die Arbeit.[8] Erschienen ist sie im Jahre 2006 gemeinsam mit dem Band Volksschule im 18. Jahrhundert. Die Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771/1772, welcher die neue Reihe Quellen und Dokumente zur Alltagsgeschichte der Erziehung begründet. Der Band enthält drei Aufsätze, welche bei der inhaltlichen Einordnung der Texte in den zeitgenössischen Kontext behilflich sind.[9]

Die Umfrage selbst umfasst insgesamt 81 Fragen und enthält drei thematische Teile. Die 19 Fragen des ersten Teils beschäftigen sich mit den äusseren Eckdaten des Schulwesens wie beispielsweise der Anzahl Schulen, dem Lehrerlohn und der Dauer der Winterschule. Der zweite Abschnitt enthält 49 Fragen, welche die innere Einrichtung des Schulwesens behandeln. Darin wird zum Beispiel nach der Person des Schulmeisters, den im Unterricht verwendeten Büchern und Schriften sowie den Lernmethoden gefragt. Im letzten Teil werden schliesslich 11 Fragen zum Nutzen und der Effektivität der Schule gestellt.

3 Allgemeines zum Zürcher Landschulwesen im 18. Jahrhundert

Betrachtet man die Beschreibungen der Pfarrer, welche im Zusammenhang mit der Umfrage den Zustand ihrer Dorfschulen zu eruieren hatten, so scheint der Erfolg allfälliger Bestrebungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Landbevölkerung mittels Bildung noch höchst zweifelhaft gewesen zu sein. Einige der Pfarrer konnten zwar ehemalige Schüler ihrer Gemeinde nennen, welche die in der Schule erworbenen Kenntnisse nutzbringend im eigenen Gewerbe anwendeten, andere wiesen jedoch auf Faktoren hin, die eine solch produktive Umsetzung des Gelernten verhinderten – beispielsweise das Fehlen schriftlicher Anleitungen zur Haushaltführung und vor allem die negative Einstellung mancher Eltern der Schule gegenüber. Zahlreiche Eltern hielten ihre Kinder vom Schulbesuch ab oder nahmen sie verfrüht von der Schule, damit jene für Arbeiten auf dem Feld, am Spinnrad oder am Webstuhl eingesetzt werden konnten. In der Ökonomie des einzelnen Haushalts stand der Schulbesuch ganz offenkundig nicht auf der Ertrags-, sondern auf der Kostenseite. Ohne Frage behinderte dieser Faktor den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler beträchtlich.

Zwar konnte eine Mehrheit der Kinder am Ende der Schulzeit lesen, aber nur eine Minderheit war beim Verlassen der Schule des Schreibens mächtig. Noch drastischer verhielt es sich in Bezug auf das Rechnen. Dieses wurde nur für ausdrücklich „Interessierte“ durchgeführt, zu welchen typischerweise beinahe nur der männliche Nachwuchs reicher Bauern oder Handwerker gehörte. Dementsprechend fand der Rechenunterricht, wenn überhaupt, nur in Nacht- oder Nebenstunden statt, weil sonst der allgemeine Schulbetrieb gestört worden wäre.

Die Dauer der im Winter stattfindenden Schulzeit in den Zürcher Landschulen um 1771/1772 betrug relativ einheitlich 20 Wochen. Für gewöhnlich wurde der Unterricht gegen Mitte November aufgenommen, um ihn dann um Ostern wieder einzustellen.

Die Räumlichkeiten für den Schulbetrieb stellten in irgendeiner Form immer die Gemeinden. Oft wurde auch in abgelegenen Weilern ein Schulbetrieb organisiert. Rund zwei Drittel der Gemeinden verfügten zur Zeit der Umfrage über ein Schulhaus, die übrigen stellten einen Raum im Gemeindehaus bereit oder gaben den Lehrern Geld für die Benutzung ihrer Wohnung für den Unterricht.

Der Lohn der Schulmeister fiel meist nur sehr bescheiden aus. An der Besoldung beteiligten sich für gewöhnlich die Kirche, die Obrigkeit, die örtliche Gemeinde und meist auch einzelne Eltern. Folglich gab es in allen Gemeinden der Zürcher Landschaft eine Gemeinschaft, die als Kollektiv in die elementare Bildung „investierte“. Betrachtet man das organisatorische Arrangement wie auch die zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs erforderlichen Ressourcen, so präsentiert sich das Zürcher Landschulwesen des 18. Jahrhunderts als flächendeckend institutionalisierte und auch bereits ein Stück weit über die einzelnen Gemeinden hinweg standardisierte Einrichtung.

Auf der anderen Seite belegt die Umfrage aber auch, dass es trotz mancher Ähnlichkeiten der Organisation des Schulwesens doch erhebliche Unterschiede zwischen den Gemeinden gab. Sie betrafen insbesondere die Dauer und Ausgestaltung der Sommerschule sowie das Schulein- und -austrittsalter. Versucht man auf Grundlage der Umfrage die Dauer des Schulbesuchs grob abzuschätzen, gelangt man zum Ergebnis, dass diese im Mittel etwas weniger als sieben Jahre betragen haben dürfte.

Wenn Schule auf der Zürcher Landschaft um 1771 überall als Angebot eingerichtet und organisiert war, so gab es doch beträchtliche Unterschiede in Bezug auf die Nutzung dieses Angebots. Der Grad, in dem die Schule ihre Adressaten tatsächlich zu erreichen vermochte beziehungsweise in dem die Familien vom Bildungsangebot Gebrauch machten, variierte erheblich.[10]

4 Ermittlung des besten Kapitels hinsichtlich des Lernerfolgs

Die Fragebogen der Umfrage wurden an insgesamt zwölf Kapitel geschickt, nämlich Eglisau, Elgg, Frauenfeld, Kyburg, Oberthurgau, Regensberg, Rheintal, Steckborn, Stein am Rhein, Wetzikon, Winterthur und Zürichsee. Das Kapitel Wetzikon kann jedoch für diese Auswertung nicht hinzugezogen werden, da der Dekan des Wetzikoner Kapitels für alle 13 Pfarreien eine Globalantwort zurückgesendet hat, welche es verunmöglicht, Prozentwerte zu ermitteln. Auch die Kapitel Frauenfeld, Oberthurgau, Rheintal und Steckborn werden nicht berücksichtigt, weil sie sich nicht im heutigen Kanton Zürich befinden. Des Weiteren werden auch die Filialgemeinden Adliswil, Albisrieden, Hütten, Kreuz, Schwamendingen, Wallisellen, Wipkingen und Zollikon nicht näher unter die Lupe genommen, da sie zur Zeit der Umfrage keinem Kapitel angehörten.

Um das bezüglich des Lernerfolgs beste der sieben ausgewählten Kapitel ausfindig zu machen, dient der dritte Teil der Umfrage, welcher sich mit dem Nutzen des Schulunterrichts und dem Schaden dessen Versäumnisses beschäftigt, als Basis. Anhand der Antworten auf die Fragen dieses Teils werden die einzelnen Kapitel einander gegenübergestellt, womit natürlich auch aufgezeigt werden kann, wo das Kapitel Regensberg im Vergleich liegt.

Die folgenden Fragen sind in diesem letzten Abschnitt der Umfrage enthalten, wobei die Fragen 2, 4 und 11 in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, da sie entweder zu sehr ins Detail gehen oder mit ihren Antworten keine Prozentwerte ermittelt werden können:

C. Ueber den Nuzen des Schul-Unterrichts, und den Schaden des Versaumnisses.

1. Bringen es die meisten Schul-Kinder zulezt zu einer wirklichen Fertigkeit im Lesen und Schreiben?
2. Zeigen sich etwa bey dem eint und andern Kind auch ausserordentliche Fähigkeiten des Verstandes? Man wünscht, wann solche sind, sie mit Namen zu kennen – Was wird mit solchen fähigen Köpfen vorgenommen? In was für Umständen sind sie?
3. Wie verhält sich ungefähr die Anzahl der Geschikten gegen die Ungeschikten – Der Fleissigen gegen die Unfleissigen – Derer die sich sittlich und unklagbar aufführen, gegen die Schlechten und Ungesitteten?
4. Was zeigen sich für allgemein herrschende Fehler bey den Schul-Kindern? Was für allgemeine herrschende gute Eigenschaften?
5. Verspürt man am Ende einen merklichen Unterschied zwischen denen, die fleissig und lange zur Schule gegangen, und denen, die hierinn vernachlässigt worden?
6. Wo in einer Gemeinde grosse und kleinere Schulen sind, haben da die, so in die grosse gehen, wo der Schulmeister wegen der Menge der Kinder fast nicht herumkommen kan, #cæteris #paribus in Absicht auf den Unterricht einen Nachtheil, oder die andere einen beträchtlichen Vortheil?
7. Wie hilft sich der Schulmeister in solchen grossen Schulen, wo er wegen Menge der Kinder fast nicht an alle kommen kan?
8. Verspüret man an denen Orten, wo Sommer-Schulen sind, einen so merklichen Nuzen von denselben, und hingegen wo keine sind, einen so merklichen Schaden der Unterlassung, dass wirklich zu wünschen wäre, dass man aller Orten Sommer-Schulen einführte?
9. Was lässt sich von dem Nuzen und dem Schaden der Nacht-Schulen sagen?
10. Hat man Beyspiele, dass Kinder durch das, was sie in der Schule gelernt, (Lesen – Schreiben – Rechnen) etwa auch in Stand gekommen, ihre Bauren-Oekonomie desto besser zu besorgen?
11. Was für Einfluss hat wohl die gegenwärtige Theurung auf das Schul-Wesen und die Erziehung überhaupt?

4.1 Die Resultate der einzelnen Kapitel in Prozentwerten

Die erste Frage (C1) erkundigt sich danach, ob es die meisten Schulkinder zuletzt zu einer wirklichen Fertigkeit im Lesen und Schreiben bringen würden. Die Antworten auf diese Frage können durchaus als wichtige Aussagen über den Lernerfolg der Schüler und somit auch über die Effizienz der Schulen angesehen werden.

Tatsächlich erlangten die meisten Kinder auf der Zürcher Landschaft eine Fertigkeit im Lesen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Wieviele Schulkinder konnten schlussendlich lesen?

Die Kapitel Stein am Rhein und Regensberg waren Spitzenreiter was das Lesen anbelangt, denn sämtliche Antworten der verschiedenen Pfarreien fielen positiv aus. In Kyburg und Zürichsee waren es 93%, in Eglisau und Elgg 90% und Winterthur bildete mit 84% das Schlusslicht. Die Resultate in Bezug auf das Lesen liegen mit einer Differenz von 16% sehr nahe beieinander, denn in Kyburg, Zürichsee, Eglisau und Elgg hat jeweils nur ein Ort diese Frage verneint und in Winterthur deren zwei. Dadurch verlieren diese Angaben ein gewisses Mass an Aussagekraft.

Um einiges grösser ist jedoch das Spektrum der ermittelten Prozentwerte bezüglich des Schreibens, denn zwischen dem besten und dem schlechtesten Kapitel beträgt die Differenz knapp 30%. An erster Stelle ist diesmal überraschenderweise das „Leseschlusslicht“ Winterthur mit 73%, dicht gefolgt von Stein am Rhein und Kyburg mit je 71% und Zürichsee mit 69%. Unter dem Durchschnitt liegen die drei Kapitel Regensberg mit 56% sowie Eglisau und Elgg mit jeweils 44%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Wieviele Schulkinder konnten schlussendlich schreiben?

Die Frage C3 dreht sich um drei Eigenschaften der Kinder, nämlich Geschicklichkeit, Fleiss und Sittlichkeit und fragt, ob diese bei den Schülerinnen und Schülern insgesamt überwiegen würden oder nicht. Dabei wurden verschiedene Antworten gegeben. In Bezug auf das Verhältnis von geschickten zu ungeschickten Kindern wurden Antworten wie 1:4 (Weiningen, Kapitel Regensberg), 2:10 (Glattfelden, Kapitel Eglisau) oder auch 2:1 (Dübendorf, Kapitel Kyburg) gegeben. Andere Pfarrer antworteten nicht ganz so präzise auf diese Frage und notierten einfach, welcher Teil überwiegt. Ähnlich vielfältig wie diese Antworten waren auch die Resultate der einzelnen Kapitel in Bezug auf die Geschicklichkeit der Kinder:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Überwogen die geschickten Schüler die ungeschickten?

75% der Pfarrer in Eglisau gaben an, mehr geschickte als ungeschickte Schüler zu besitzen, 62% taten dies so in Zürichsee, 60% in Stein am Rhein, 56% in Winterthur, 50% in Regensberg und 46% in Kyburg. Elgg bildet mit 0% ganz klar das Schlusslicht.

Diese Zahlen, welche sich mit der Geschicklichkeit der Kinder befassen, geben Auskunft über die Bewertung der Fähigkeiten der Kinder seitens der Pfarrer und Schulmeister. Doch sie sind nicht sonderlich aussagekräftig, da Geschicklichkeit zwar gefördert, aber nicht gelehrt werden kann.

Anders sieht es aber mit dem fleissigen Lernverhalten und der Sittlichkeit der Schulkinder aus. Obwohl es natürlich immer Ausnahmen gibt, hängt es doch sehr vom Schulmeister, dem schulischen Umfeld und der Gesinnung der Eltern ab, ob sich die Kinder für die Schule motivieren lassen, fleissig zu Werke gehen und sich angemessen verhalten. Auch in Bezug auf diese beiden Eigenschaften fielen die Antworten und Resultate wie schon betreffend der Geschicklichkeit sehr unterschiedlich aus. Folgende Resultate liessen sich bezüglich des fleissigen Lernverhaltens der Kinder ermitteln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Überwogen die fleissigen Kinder die nicht fleissigen?

Am meisten fleissige Kinder befanden sich laut den Antworten in den Kapiteln Winterthur und Stein am Rhein (jeweils 75%), gefolgt von Eglisau (67%), Zürichsee (62%), und Kyburg (58%). Schlusslicht bilden die Kapitel Elgg und Regensberg mit jeweils 33%.

Auch anhand der Antworten über die Sittlichkeit wurden Prozentwerte ermittelt, welche sich in einem grossen Spektrum befinden: In Winterthur gaben 71% der Pfarrer an, dass sich in ihrer Gemeinde mehr sittliche als unsittliche Schulkinder befinden würden. In Kyburg waren es 55%, in Zürichsee 38%, in Stein am Rhein und Eglisau 25%, in Elgg 20% und in Regensberg sogar 0%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Überwogen die sittlichen Kinder die unsittlichen?

Die Frage C5 ist die einzige, deren Antworten in allen Gemeinden gleich ausfiel - sämtliche Pfarrer in den sieben bearbeiteten Kapiteln waren der Meinung, dass diejenigen Kinder, welche regelmässig und fleissig die Schule besucht haben, mehr lernen würden als jene, welche oftmals gefehlt haben. Diese Tatsache zeigt zwar auf, dass den Kindern in der Schule durchaus etwas beigebracht wurde - wie gross aber der Nutzen des Schulunterrichts genau war, darüber sagen die Antworten leider nichts aus.

Die Frage C6 behandelt die Grösse der Schulen und erkundigt sich danach, ob die Kinder in den grossen Schulen aufgrund der hohen Kinderzahlen nicht benachteiligt sind. Nur 17 Gemeinden, also nicht einmal ein Fünftel aller Orte in den Kapiteln, beantwortete diese Frage, weil zahlreiche Pfarreien zur Zeit der Umfrage nur eine Schule besassen und somit gar keine Vergleichsmöglichkeiten hatten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Wurden kleine oder grosse Schulen bevorzugt?

Insgesamt gesehen bevorzugten also zehn Gemeinden (59%) kleinere Schulen, eine (6%) grössere Schulen und sechs Pfarrer (35%) waren der Meinung, dass grosse und kleine Schulen gleich gut wären. Grundsätzlich wurden also kleinere Schulen bevorzugt – vermutlich, weil sehr grosse Klassen das Lernklima negativ beeinflussten.

Die Frage C7 richtet sich im Grunde ausschliesslich an Gemeinden mit grossen Schulen, denn sie erkundigt sich danach, ob die Schulmeister trotz der hohen Anzahl Schulkinder alleine unterrichten können oder ob sie fremde Hilfe beanspruchen. Glücklicherweise haben die meisten Orte, welche nur eine Schule oder bloss kleine Schulen besitzen, diese Frage ebenfalls beantwortet, obwohl dies gar nicht nötig gewesen wäre. Dadurch lässt sich ziemlich genau bestimmen, wie viele Schulmeister in den einzelnen Kapiteln auf fremde Hilfe angewiesen waren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Konnte der Schulmeister alleine unterrichten?

Am wenigsten auf die Hilfe anderer waren die Schulmeister im Kapitel Stein am Rhein angewiesen, denn 83% von ihnen kamen beim Unterrichten gut alleine zurecht. In Elgg waren es immerhin 57%, gefolgt von Winterthur (44%), Eglisau (29%) sowie Kyburg und Zürichsee mit je 18%. Schlusslicht bildet ein weiteres Mal das Kapitel Regensberg, von dessen Schulmeistern nur 12.5% im Stande waren, ohne fremde Hilfe zu unterrichten.

[...]


[1] Montandon, Jens: Gemeinde und Schule. Determinaten lokaler Schulwirklichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhand der Bernischen Landschulumfrage von 1806. Universität Bern 2006, S. 205.

[2] Straumann, Eva: „Allerdings haben die Rekruten seit ihrem Austritt aus der Schule manches vergessen; aber Manches, was man nun von ihnen verlangt, haben sie schon damals nicht besessen“. Die Berner Abschlussprüfungen von 1879. Lizentiatsarbeit Historisches Institut, Universität Bern 2006.

[3] Tröhler, Daniel: Schulgeschichte und Historische Bildungsforschung. Methodologische Überlegungen zu einem vernachlässigten Genre pädagogischer Historiographie, in: Schwab, Andrea, Tröhler, Daniel (Hgg.): Volksschule im 18. Jahrhundert. Die Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771/1772, Bad Heilbrunn, 2006, S. 69.

[4] Rosenmund, Moritz: Volksbildung als Verzichtsleistung: Annäherung an die politische Ökonomie des Zürcher Landschulwesens im 18. Jahrhundert, in: Schwab/Tröhler, S. 33f.

[5] Schwab, Andrea: Wissen, um zu handeln – Handeln, um zu wissen. Die Zürcher Schulumfrage 1771/72 in ihren Kontexten, in: Schwab/Tröhler, S. 47.

[6] Ebd, S. 31.

[7] Schwab, Andrea, Tröhler, Daniel: Vorwort, in: Schwab/Tröhler, S. 9.

[8] Schwab, Andrea, Tröhler, Daniel (Hgg.): Die Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771/1772. Edition auf CD-Rom. (Quellen und Dokumente zur Alltagsgeschichte der Erziehung), Bad Heilbrunn 2006.

Sämtliche Nummern von Fragen der Umfrage, welche im Folgenden in dieser Arbeit genannt werden, dienen als Verweis und beziehen sich allesamt auf diese Edition.

[9] Wie Anm. 7, S. 9

[10] Wie Anm. 4, S. 51-54.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Faktoren des Schulmisserfolgs im Kapitel Regensberg anhand der Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771 und 1772
Hochschule
Universität Bern
Veranstaltung
-
Jahr
2008
Seiten
51
Katalognummer
V132494
ISBN (eBook)
9783640448647
ISBN (Buch)
9783640448890
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
-
Schlagworte
Faktoren, Schulmisserfolgs, Kapitel, Regensberg, Schulumfrage, Zürcher, Landschaft, Jahren
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Faktoren des Schulmisserfolgs im Kapitel Regensberg anhand der Schulumfrage auf der Zürcher Landschaft in den Jahren 1771 und 1772, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132494

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