Die Arbeit geht folgender Fragestellung nach: "Welche positiven Effekte bringt das Beweglichkeitstraining im Schulsport mit sich und in welchem Ausmaß ist es sinnvoll, die Beweglichkeit im Grundschulsport zu trainieren?"
Wird der natürliche Bewegungsdrang von Kindern durch den zunehmenden Umgang mit digitalen Geräten wie Smartphones, Computer und Tablets gehemmt? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Langzeitstudie (MoMo- Motorik Modul) und untersucht die motorische und körperliche Leistungsfähigkeit von 4 bis 17Jährigen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Kindern mindestens 90 Minuten Bewegung am Tag. Jedoch erreichen heute nicht viele Kinder ein Bewegungspensum von dieser Zeitspanne täglich. Dies hängt nicht zwangsläufig mit dem Konsum von Medien zusammen, sondern auch damit, dass Kinder sich heute nicht mehr draußen zum Spielen, Toben, Ballspielen, auf Bäume klettern, usw. treffen und sie deshalb weniger Alltagserfahrungen in Bezug auf ihre Bewegungsfertigkeiten machen. Desweiteren werden Kinder häufig von ihren Eltern mit dem Auto zur nahegelegenen Schule oder zu Freizeitaktivitäten gefahren, anstatt das Fahrrad zu nehmen.
Durch langes Sitzen in der Schule oder in der Freizeit ohne ausreichende Bewegungspausen können muskuläre Dysbalancen schon im Kindesalter entstehen, die auf Dauer negative Folgen für den Körper und für den Bewegungsapparat haben. Umso wichtiger erscheint es, dass solche Bewegungsdefizite im Rahmen des Schulsports ausgeglichen werden. Körperliche Betätigung in Bezug auf Beweglichkeitstraining wird heutzutage sowohl von den Eltern als auch im Sportunterricht immer weniger gefördert oder gar vernachlässigt. Dies ist insofern problematisch, da Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke insbesondere im Kindesalter viele Reize erfahren sollten, um die gesunde Entwicklung ihrer Funktionen zu fördern. Nicht nur körperliche Aktivität, sondern auch eine Mobilisierung der Gelenke und Muskeln gehören zu einer gesunden Beweglichkeitsschulung für Kinder.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Beweglichkeit
2.1 Beweglichkeit von Kindern im Grundschulalter
2.1.1 Funktionen der Beweglichkeit
2.1.2 Dehnfähigkeit
2.1.3 Gelenkigkeit
2.2 Diagnostik der Beweglichkeit von Grundschulkindern
3. Beweglichkeitstraining im Grundschulsport
3.1 Relevanz und Ziele
3.2 Vermittlungsmethodik des Beweglichkeitstrainings und Beispiele im Schulsport
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Beweglichkeit im Kindesalter sowie die positiven Effekte und methodischen Möglichkeiten eines strukturierten Beweglichkeitstrainings im Sportunterricht der Grundschule. Angesichts zunehmender Bewegungsdefizite bei Schulkindern wird die Forschungsfrage beantwortet, welche Vorteile gezielte Trainingsmaßnahmen bieten und wie diese sinnvoll in den schulischen Alltag integriert werden können.
- Physiologische Grundlagen der Beweglichkeit bei Kindern
- Differenzierung zwischen Dehnfähigkeit und Gelenkigkeit
- Diagnostische Verfahren zur Beweglichkeitsprüfung im Sportunterricht
- Methodische Vermittlungsformen wie die "Tiergymnastik"
- Einfluss von Beweglichkeitstraining auf das Wohlbefinden und die motorische Entwicklung
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Dehnfähigkeit
„Die Dehnfähigkeit ist die Beweglichkeit des aktiven Bewegungsapparates (Muskeln, Sehnen)“ (Gisler, 1998, S. 28). Muskeln, Sehnen und Bänder sind mikrobiologisch unterschiedlich aufgebaut und zeigen dementsprechend ein ihrer Gewebsstruktur entsprechendes Verhalten bei Dehnung. Die Mikrofibrillen sind Bestandteil der Muskeln. Sie besitzen plastische Eigenschaften, d.h. sie setzen einer Kraft kaum Widerstand entgegen, was zur Folge hat, dass sie nach einer Dehnung nicht mehr vollständig in ihre Ausgangsposition zurückkehren. Nach der Dehnung entsteht also eine gewisse Verlängerung. Sehnen und Bänder hingegen besitzen elastische Eigenschaften, vergleichbar mit einem Gummi. Sie nehmen nach der Dehnung sofort die ursprüngliche Position ein und verformen sich nicht (Thienes, 2000, S.48). „Ein Muskel kann bis zu 150 % seiner Ausgangslänge gedehnt werden. Bänder hingegen leiern infolge häufiger Dehnungsbelastung aus oder sie reißen und verlieren somit ihre Stabilisierungsfunktion für die Gelenke“ (Thienes, 2000, S. 48). Zur Dehnung stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, wobei das dynamische Dehnen die häufigste Trainingsmethode darstellt, weil durch die rhythmischen Wiederholungen die maximale Bewegungsweite erreicht werden kann. Bei dem statischen Dehnen wird der Muskel eine Zeit lang in einer festen Position in die Länge gezogen und dort gehalten, dadurch kann ein Muskel isoliert trainiert werden. Eine weitere Methode ist das Stretching, bei dem es wiederum verschiedene Techniken gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den zunehmenden Bewegungsmangel bei Kindern und begründet die Notwendigkeit von gezieltem Beweglichkeitstraining im Schulsport zur Vermeidung von muskulären Dysbalancen.
2. Definition Beweglichkeit: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Beweglichkeit, insbesondere die Abgrenzung von Dehnfähigkeit und Gelenkigkeit sowie allgemeine und spezifische Formen, theoretisch fundiert.
2.1 Beweglichkeit von Kindern im Grundschulalter: Dieser Abschnitt beschreibt die entwicklungsbiologischen Besonderheiten der kindlichen Beweglichkeit und erläutert die physiologischen Zusammenhänge von Muskel- und Gelenkfunktionen.
2.1.1 Funktionen der Beweglichkeit: Hierbei werden die Faktoren, die die Beweglichkeit beeinflussen – wie Genetik, Alter und Geschlecht – sowie die Wirkweisen von Dehnmaßnahmen dargelegt.
2.1.2 Dehnfähigkeit: Dieses Unterkapitel widmet sich den biomechanischen Eigenschaften von Muskeln, Sehnen und Bändern bei Dehnreizen sowie gängigen Dehntechniken.
2.1.3 Gelenkigkeit: Der Fokus liegt hier auf den anatomisch vorgegebenen Bewegungsmöglichkeiten der verschiedenen Gelenktypen und deren eingeschränkter Trainierbarkeit.
2.2 Diagnostik der Beweglichkeit von Grundschulkindern: Es werden einfache und praktikable Testverfahren für den Sportunterricht vorgestellt, um motorische Defizite frühzeitig zu erkennen.
3. Beweglichkeitstraining im Grundschulsport: Hier wird die aktuelle Situation des Beweglichkeitstrainings in Schulen kritisch hinterfragt und die Bedeutung eines gezielten Aufbaus betont.
3.1 Relevanz und Ziele: Dieses Kapitel erörtert die gesundheitserhaltenden sowie präventiven Ziele des Mobilitätstrainings im Schulkontext.
3.2 Vermittlungsmethodik des Beweglichkeitstrainings und Beispiele im Schulsport: Hier werden methodische Ansätze wie die "Tiergymnastik" analysiert, um eine Abkehr vom Vormach-Nachmach-Prinzip in Richtung eigenverantwortlicher Bewegung zu forcieren.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit, Beweglichkeitstraining ritualisiert und altersgerecht in den Schulsport zu integrieren, um die Bewegungsfreude und Gesundheit der Kinder langfristig zu fördern.
Schlüsselwörter
Beweglichkeit, Beweglichkeitstraining, Grundschulsport, Dehnfähigkeit, Gelenkigkeit, Sportunterricht, motorische Grundeigenschaften, Tiergymnastik, Muskeldehnung, Verletzungsprophylaxe, Gesundheitsförderung, Kindesalter, Bewegungsmangel, motorische Entwicklung, Sportmotorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der physiologischen Bedeutung der Beweglichkeit im Grundschulalter und der Frage, wie diese Form der motorischen Leistungsfähigkeit durch gezieltes Training im Sportunterricht erhalten und gefördert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Beweglichkeit, die Diagnosemöglichkeiten in Schulen, die kritische Analyse der aktuellen Vermittlungsmethodik sowie die praktische Umsetzung durch motivierende Übungsformen wie die Tiergymnastik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, welche positiven Effekte systematisches Beweglichkeitstraining im Grundschulsport bewirkt und in welchem Ausmaß es sinnvoll ist, diese Kompetenz bei Kindern im Unterstufenalter gezielt zu schulen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die aktuelle sportwissenschaftliche Erkenntnisse, Interventionsstudien (z.B. MoMo-Modul) und didaktische Fachliteratur zur Trainingslehre im Kindesalter auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Nach der theoretischen Definition werden die anatomischen Bedingungen für Dehnfähigkeit und Gelenkigkeit erörtert, gefolgt von einer Vorstellung geeigneter Testverfahren und einer didaktischen Diskussion über die methodische Gestaltung des Trainings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Beweglichkeitstraining, Dehnfähigkeit, Grundschulsport, motorische Entwicklung, aktive Bewegungsförderung und pädagogische Mündigkeit.
Warum ist das klassische Vormach-Nachmach-Prinzip im Sportunterricht problematisch?
Es fördert laut der Autorin nicht das selbstverantwortliche Handeln der Kinder und verlagert den Fokus zu stark auf die reine Imitation, was häufig zu Konzentrationsverlust und sinkender Freude an den Übungen führt.
Welche Rolle spielt die sogenannte „Tiergymnastik“?
Die Tiergymnastik dient als methodisches Beispiel, um Beweglichkeitstraining spielerisch zu vermitteln. Sie verbindet dynamische und statische Elemente und fördert neben der Beweglichkeit auch die Koordination sowie die kindliche Kreativität.
- Quote paper
- Kim Stroetman (Author), 2020, Funktionen der Beweglichkeit im Kindesalter und positive Effekte des Beweglichkeitstrainings im Grundschulsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324944