Der Hass in Robert Walsers Dramoletten 'Schneewittchen' und 'Aschenbrödel'


Hausarbeit, 2006
11 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schneewittchen
2.1 Der Hauptkonflikt und die beteiligten Figuren
2.1.1 Schneewittchen
2.1.2 Die Königin
2.2 Eigenschaften des Hasses

3 Aschenbrödel
3.1 Der Hauptkonflikt und die beteiligten Figuren
3.1.1 Aschenbrödel
3.1.2 Die Schwestern
3.2 Eigenschaften des Hasses

4 Fazit

5 Bibliographie

1 Einleitung

Robert Walser verfasste während seines Lebens insgesamt drei Märchen-Dramolette: Aschenbrödel und Schneewittchen schrieb er 1901 und Dornröschen 19 Jahre später. 1986 erschienen diese zum ersten Mal gemeinsam mit dem Titel „Komödie. Märchenspiele und szenische Dichtungen“[1]. In der folgenden Arbeit sollen aber nur die beiden Dramolette aus dem Jahre 1901 näher unter die Lupe genommen werden.

Walsers Aschenbrödel wird als Dramatisierung des in der Grimmschen Fassung bekannten Märchens angesehen werden kann, das Dramolett Schneewittchen hingegen nicht.[2] Dies ist der Fall, weil Walsers Schneewittchen nach der Haupthandlung des bekannten Märchens spielt, jedoch bevor sich die Königin auf einem Fest zu Tode tanzt. Das Dramolett Aschenbrödel hingegen ist mitten in der Handlung des ursprünglichen Märchens angesiedelt.

In beiden Dramoletten gibt es einen Hauptkonflikt. Im Schneewittchen findet sich dieser in der Beziehung zwischen Schneewittchen und der Königin. Der Hauptkonflikt im Aschenbrödel findet zwischen der Protagonistin und deren Schwestern statt. In beiden Fällen wird oder wurde die Protagonistin mit Hass von nahen Verwandten konfrontiert. Trotzdem versucht sie, ihre Familienangehörigen weiterhin zu lieben. Dabei äussern sich die Figuren sehr oft über den Hass und in Schneewittchen auch über die Liebe.

In der folgenden Arbeit soll nun anhand dieser beiden Hauptkonflikte untersucht werden, welche Eigenschaften dem Hass in beiden Dramoletten zugeordnet werden. Im Schneewittchen werden dafür die Ansichten der Protagonistin und der Königin zum Hass näher angesehen. Anschliessend werden diese zusammengetragen. Weiter werden auch die Aussagen der Protagonistin und der Schwestern im Aschenbrödel zum Thema Hass untersucht und gesammelt. Am Schluss der Arbeit sollen die erarbeiteten Resultate miteinander verglichen werden, um dadurch sollen folgende Fragen beantwortet zu können: Wird der Hass in beiden Dramoletten aus der gleichen Perspektive betrachtet und sind die beiden vermittelten Konzepte des Hasses miteinander vereinbar?

2 Schneewittchen

2.1 Der Hauptkonflikt und die beteiligten Figuren

Die Königin hat erfolglos versucht, ihre Tochter, also Schneewittchen, umzubringen. Sie zeigt Reue, doch Schneewittchen ist sich nicht sicher, ob es seiner Mutter noch trauen kann und ob es sie noch liebt oder wegen diesem Mordversuch nun hasst.

2.1.1 Schneewittchen

Der Prinz sagt zu Beginn des Dramoletts zu Schneewittchen:

Schneewittchen, o wie übel hat liebloser Hass mit dir gespielt. (S. 62)[3]

Schneewittchen wird ganz klar als unschuldiges Opfer dargestellt. Es hat niemandem etwas angetan – trotzdem wird es gehasst. Interessanterweise wird der Hass hier als „lieblos“ bezeichnet, was ja eigentlich selbstverständlich ist. Vermutlich wollte Walser damit die Intensität des Hasses, der auf Schneewittchen gerichtet ist, besonders zum Ausdruck bringen.

Kurze Zeit später haben der Prinz und Schneewittchen in einem Zimmer im Schloss einen kleinen Streit, nach welchem der Prinz beschliesst, sich der Königin zuzuwenden. Schneewittchen lässt ihn gehen und sagt dabei über seine Mutter:

Ich schuld’ ihr Lieb’ und Liebe grüsst sie so durch dich. (S. 74)

Schneewittchen hat aus unerklärlichen Gründen ein schlechtes Gewissen seiner Mutter gegenüber. Es glaubt, ihr Liebe zu schulden. Vermutlich ist die Protagonistin nach dem aufgrund von Hass ausgeführten Mordanschlag ihrer Mutter nicht mehr fähig, dieser Liebe entgegenzubringen. Doch da es sich „so gehört“, seine Mutter zu lieben, fühlt sich Schneewittchen der Königin gegenüber höchstwahrscheinlich verpflichtet. Weil es aber nicht mehr im Stande ist, ihr Liebe entgegenzubringen, hofft es, dass der Prinz ihr die Liebe schenken kann, die es seiner Mutter nicht mehr geben kann.

Als Schneewittchen kurze Zeit später auf seine Mutter trifft, wirft es sich ihr zu Füssen und sagt:

Ich will nur lieben, lieben Euch. (S. 76)

Diese Aussage unterstreicht, dass Schneewittchen seine Mutter lieben möchte. Es bringt dies jedoch nicht zu Stande, weil die Königin es einmal derart gehasst hat, dass sie es umbringen lassen wollte. Ansonsten könnte es zu seiner Mutter ja einfach nur sagen, dass es sie liebt. Doch dies scheint Schneewittchen nicht möglich zu sein. Es kann die Liebe zur Königin nicht erzwingen, obwohl es dies möchte.

[...]


[1] Andresen, Karen: Tragische Aspekte im Märchen Aschenbrödel von Robert Walser. In: Carmen Morenilla/ Bernhard Zimmermann (Hg.), Das Tragische. Stuttgart 2000 (= Band 9), S. 1.

[2] Herzog, Urs: "goldene, ideale Lügen". Zum 'Schneewittchen-Dramolett. In: Klaus-Michael Hinz/Thomas Horst (Hg.), Robert Walser. Frankfurt am Main 1991, S. 101.

[3] Sämtliche Seitenzahlen beziehen sich auf: Walser, Robert: Märchenspiele. Aschenbrödel – Schneewittchen. Frankfurt am Main und Leipzig 1998.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Hass in Robert Walsers Dramoletten 'Schneewittchen' und 'Aschenbrödel'
Hochschule
Universität Bern
Veranstaltung
-
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V132497
ISBN (eBook)
9783640418633
ISBN (Buch)
9783640418916
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hass, Robert, Walsers, Dramoletten, Schneewittchen, Aschenbrödel
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Der Hass in Robert Walsers Dramoletten 'Schneewittchen' und 'Aschenbrödel', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132497

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