Alkoholkonsum im Zarenreich Ende des 19. Jahrhunderts Anfang des 20. Jahrhunderts


Seminararbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anfänge der „großen Trinker“

3 Die „Barbaren“, also über die russische Trinkkultur

4 Alkoholkonsum unter der Bevölkerung
4.1 Bauern
4.2 Arbeiter
4.2.1 Alkoholkonsum als Bremsfaktor in dem Industrialisierungsprozess?
4.3 Frauen

5 Volk ohne Wodka? Maßnahmen gegen den Alkoholismus im Zarenreich Ende des 19 Anfang des 20. Jahrhunderts

6 Zusammenfassung

7 Abstract

8 Literaturliste

1 Einleitung

„Ohne Wodka gäbe es kein Russland“ wagen viele Russen zu sagen. Und es mag auch stimmen. Ohne ihn hätte der Zar Peter I. keine Erfolge, denn mit ihm belohnte er seine Soldaten.

Die Russen werden auch meistens mit dem Wodka assoziiert. Der betrunkene Russe ist außerdem der Held vieler Witze. In Russland wird zu viel Alkohol getrunken sagen viele. Aber wo sind die Ursprünge des enormen Alkoholverzehrs? Wie war es in Russland Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts?

Das Ziel dieser Arbeit ist es zu überprüfen, ob der übermäßige Alkoholkonsum als Folge des Industrialisierungsprozesses zu sehen ist, d.h. dem Volk war es schlecht und es ertränkte seine Frust in dem Wodka, oder ihm ging es so gut, dass es seinen Erfolg mit dem Wodka feierte? Wer trank überhaupt Alkohol? In Deutschland und Frankreich trank man seit hunderten Jahren immer Wein und Bier zu den Mahlzeiten. Was wurde in Russland getrunken? Und zu welchen Anlässen? Kann man von der russischen Trinkkultur sprechen? Was heißt es?

Und schließlich soll die Antwort auf die Frage gegeben werden, wie ist es dazu gekommen, dass wir von den Russen- Alkoholikern sprechen. Hat das die Regierung- der Zar nicht gesehen? Wurden irgendwelche Maßnahmen unternommen, um das Problem zu beseitigen? Und hat es geklappt?

2 Anfänge der „großen Trinker“

Die Einführung in das Buch von Sonja Margolina scheint eine passende Einführung auch für diese Arbeit zu sein.

In einem Dorf bricht ein Brand aus. Die Einwohner versuchen, die Kirche vor dem Feuer zu retten. Da taucht der Schankwirt auf und ruft den Leuten zu, er würde ihnen ein Fass Wodka spendieren, wenn sie statt der Kirche die Schänke retten. Und so geht die Kirche in Flammen auf, die Schänke aber wird gerettet.

Margolina bezieht sich auf einen Bericht in einer Moskauer Zeitung aus dem Jahre 1873. Es heißt, den Bauern war es wichtiger, die Schänke zu retten, um dann Wodka trinken zu können, als den Brand in der Kirche zu löschen.[1]

Ein anderes passendes Zitat wäre der Bezug auf die Worte von Y. Georg in der Introduction in dem Buch von David Christian:

Without vodka the Russian people simply cannot live. It is their elixir of life, the living water [ zhiznennyi eliksir, zihaya voda ], the universal cure.

Also noch mal ein Zeichen dafür, dass für die Russen das Leben ohne Wodka überhaupt nicht möglich ist und dass er eine bedeutende und wichtigste Rolle in ihrem Leben spielt.[2]

Wodka sei für die Russen Grundnahrungsmittel zur Mahlzeit, so wie Wein und Bier in anderen Ländern. Die Geschichte zeigt, dass es kaum möglich ist, ein Fest ohne Wodka zu organisieren und der Alkoholkonsum wurde durch eine Trinkkultur manifestiert.

Dass in Russland viel Alkohol getrunken wird und getrunken wurde ist keine Neuheit. Es ist keine Reaktion auf die Änderungen in den inneren Strukturen, weder auf die Abschaffung des Zarentums noch auf den Übergang zum Kommunismus. Schon in den Reiseberichten aus dem 15. und 16. Jahrhunderts finden wir Informationen darüber, dass die Russen „große Trinker“ genannt wurden und dass sie beim Trinken nie maßgehalten hätten. Unabhängig von der Gesellschaftsschicht, egal ob das Morgen oder Abend war, ob das ein Mann oder eine Frau war- Betrunken sein, sei ein gewöhnlicher Zustand der russischen Bevölkerung gewesen.

Ivan IV. der Schreckliche ließ im 16. Jahrhundert so genannte „Kabaks“ einrichten, also staatliche Brauereien, die die Einflüsse in die staatliche Kasse bedeutend vermehrten, was dem Zaren die Möglichkeit gab, seine Investitionen zu finanzieren. Die Bestimmung der Kabaks war also, dass die Besucher kommen, möglichst viel trinken und möglichst viel Geld da lassen. Es sei so zusagen ein Zwang geworden, die Kabaks zu besuchen. Derjenige, der dieser Pflicht nicht nachkam, wurde bestraft. Das sind die traurigen Anfänge der Verbreitung des Alkoholismus in Russland.

Danach wurde gesetzliche verboten, in den Häusern Wodka herzustellen, wobei im 17. Jahrhundert auch die Privatpersonen die Kabaks mieten konnten, um eigene Gewinne zu erhöhen. Das führte dann dazu, dass diese Mieter noch mehr gewinnen wollten, deshalb bedienten sie sich bei der Wodka- Herstellung billiger Stoffe, was Alkoholvergiftungen verursachte. Minderung solcher Probleme sicherte erst die Wiedereinführung des Staatsmonopols für Alkoholika.

Katharina II. ging sogar weiter und meinte, dass „das betrunkene Volk leichter zu verwalten“ sei. Mit dem stetigen Aufstieg des Alkoholkonsums vergrößerte sich auch die Staatskasse. Ein dramatischer Schluss war dann das 1914 eingeführte „trockene Gesetz“.[3]

Dostojewski, der sehr über die Situation in Russland empört war und der seine Meinung nicht verheimlichte, schrieb:

Fast die Hälfte unseres jetzigen Budgets bezahlen wir mit der Schnapssteuer, d.h. mit der Versoffenheit und der Verderbtheit des Volkes.

Margolina bezieht sich weiter auf seine Worte und gibt zu, dass zwar Russland eine Großmacht geworden ist und dazu benötigte man eine Menge Geld, aber wie viel musste es dafür zahlen? Der Staatschatz ist voll vom Geld vom Wodka. Er ruiniert aber die Menschen und reduziert ihre Möglichkeiten. Deshalb sei Wodka eher als Verhängnis zu sehen.

Er war auch der Meinung, dass die Tatsache, dass der Staat nur dank der Trunksucht seiner Bevölkerung so gut funktioniert, die größte Sperre sei, eine moderne Nation zu werden.

Die anderen Gründe dafür, warum so viel Wodka in Russland getrunken wird, sind Klima und die geographische Lage. Wodka ist ein kalorienreiches Getränk und die Kälte verursachte, dass man eben diese Energie brauchte. Andererseits, wenn in einer Familie seit Generation Alkohol getrunken wird und fast jeder alkoholsüchtig war, so muss man sich dessen bewusst sein, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass man auch alkoholsüchtig werden könnte, als in einer nicht- trinkenden Familie.[4]

[...]


[1] Margolina, Sonja (2004: 9)

[2] Christian, David (1990: 1)

[3] Biss, Claudia (2006: 2-7)

[4] Margolina, Sonja (2004: 12f, 16)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Alkoholkonsum im Zarenreich Ende des 19. Jahrhunderts Anfang des 20. Jahrhunderts
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V132502
ISBN (eBook)
9783640418640
ISBN (Buch)
9783640418923
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alkoholkonsum, Zarenreich, Ende, Jahrhunderts, Anfang
Arbeit zitieren
Marlena Biadala (Autor), 2008, Alkoholkonsum im Zarenreich Ende des 19. Jahrhunderts Anfang des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132502

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