Ansätze, Grundzüge, Ziele und Menschenbild der Pädagogik im Dritten Reich


Hausarbeit, 2007
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Begriffsbestimmung „Pädagogik“

2. Das Menschenbild der Pädagogik im Nationalsozialismus

3. Die Ansätze und Grundzüge der Erziehung im Dritten Reich

4. Ziele der Pädagogik des Dritten Reichs und Einbindung der Jugend in Institutionen und Organisationen

5. Nachwirkungen, Bezug zur Gegenwart, eigene Stellungnahme

6. Literatur

Anhang:

Einführung

Durch die öffentliche Diskussion über die frühkindliche Betreuung in Krippenplätzen und Kindertagesstätten erfahren die Begriffe Pädagogik und Erziehung in der Gesellschaft ein selten genossenes Interesse. Dieses beschränkt sich nicht nur auf die pädagogische Vorstellung über das Konzept einer „optimalen“ Erziehung in unserer Epoche, der Postmoderne, sondern legt das Augenmerk auch auf das, was dabei als politisch motivierte Erziehung angesehen wird. Denn einerseits empfinden junge Familien es als vorteilhaft, dass den Kindern und den Eltern sehr früh die Möglichkeit geboten wird, professionelle Förderung in den entsprechenden Institutionen zu erhalten, andererseits steht auch der Gedanke zur Debatte, es handle sich nur um ein volkswirtschaftliches Interesse seitens unserer Politiker, den familiären Betreuungspersonen eine schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen und somit zur Produktivität der Wirtschaft beizutragen.

Es wird deutlich, dass sich die Konzepte und Ziele in der Erziehung in der Geschichte verändern können. Pädagogik vollzieht und verändert sich eben im politischen und geschichtlichen Kontext, vor allem aber die Form und Handhabung erzieherischen Denkens und Handelns. Meine folgenden Überlegungen werden auf die Epoche des 20. Jahrhunderts gelenkt, die wohl die einschneidensten Veränderungen in vielfacher Hinsicht erlebt hat. Auch die Ausrichtung der Erziehung, ihre Methoden und Absichten unterwarfen sich den Entwicklungen der damaligen Zeit.

Diese Arbeit befasst sich also mit der Pädagogik im Dritten Reich, das von 1933 bis 1945 im Deutschen Reich währte. Zunächst aber wird im ersten Kapitel eine Begriffsbestimmung vorgenommen. Eine Orientierung und ein Überblick über die Pädagogik, was diese auszeichnet, deren Entwicklung und Strömungen sollen zum Verständnis des Erziehungsbegriffes beitragen.

Das zweite Kapitel fasst das Menschenbild der Pädagogik im Zeitrahmen des Dritten Reiches zusammen. Dies ist von maßgeblicher Bedeutung, um die pädagogischen Grundzüge und Ansätze jener Epoche, die sich im Kapitel drei erklären, besser verstehen zu können. Im nachfolgenden Absatz rücken die Ziele dieser Erziehung- und Erziehungsmethoden in den Vordergrund, sowie die damit verbundene Einbindung der Jugend in Organisationen und Institute des Dritten Reichs. Die Aus- und Nachwirkungen dieser einschneidenden pädagogischen Methode für unsere Zeit schließen sich den Ausführungen an, bevor eine persönliche Stellungnahme und Kritik das letzte Kapitel schließen.

1. Begriffsbestimmung „Pädagogik“

So wie in vielen Disziplinen der Geisteswissenschaften gibt es auch für und in der Pädagogik keine eindeutige Begriffsbestimmung, da sich die Erziehungswissenschaft in viele Aspekte und Teilbereiche gliedert. Deshalb werden in der einschlägigen Literatur immer mehrere Bestimmungsversuche vorgenommen.

„Das Wort „Pädagogik“ stammt aus der antiken griechischen Kultur und bedeutet in seiner Zusammensetzung aus „Päd“ und „Agogik“ übersetzt, „Kindes -bzw. Knabenführung“ (Callo 2002, S.11). Dies zeigt, dass sogar schon in vorchristlicher Zeit auf ein geführtes, helfendes und begleitendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen großer Wert gelegt wurde. Im griechischen Kontext war es die „praktische Lebensform, die auf das gesellschaftliche Leben in der polis (=Stadtstaat) vorbereiten soll“ (Gudions 2003, S. 74).

Erwachsene sollten demnach ihre Lebenserfahrungen als Hilfestellung an die Heranwachsenden weitergeben, sie also anleiten und ihnen somit zu einem mündigen und erfolgreichen Leben verhelfen. Dies kann aber immer nur in einer Wechselbeziehung geschehen, die nicht von einer aktiven, direkten Machtausübung ausgeht, sondern von einer autoritären Basis. Der Pädagoge ist somit „Erzieher, Lehrer und auch Erziehungswissenschaftler“ (Varnhorn 2004, S. 228).

Seit einigen Jahrzehnten jedoch ist es üblich, dass die Begriffe „Pädagogik“ und „Erziehung“ als identische Begriffe nebeneinander verwendet werden. Die Erziehung leitet sich vom lateinischen Wort „educare“ ab und drückt übersetzt “das Emporziehen der Unmündigen durch die mündigen Erwachsenen (Bundschuh 1999, S.68) aus. Die jüngere Generation soll folglich durch die ältere geführt und geformt, also erzogen werden. Die Erziehung soll auch „die planmäßige Tätigkeit zur körperlichen, geistigen und sittlichen Formung junger Menschen mit allen ihren Fähigkeiten und Kräften zu voll entwickelten und verantwortungsbewussten und charakterfesten Persönlichkeiten“ sein (Müller 1972, S. 330). Das heißt, dass Heranwachsende vom Kindesalter an über die Jugendzeit, aber auch noch im Erwachsenenalter durch die ältere Generation geführt und begleitet werden. Brezinka legt sein Augenmerk nicht direkt auf die Formung junger Menschen, sondern mehr auf den Charakter, die Reife und die Mündigkeit des Einzelnen. Er versteht die „Erziehung als Handlungen, durch die Menschen versuchen das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen dauerhaft zu verbessern oder diese, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten“ (Bundschuh 1999, S.68).

In all diesen Versuchen der Begriffsbestimmung, steht jedoch das Gestalten und das helfende Einwirken auf die junge Generation im Vordergrund.

Dieses helfende Handeln beginnt vor allem im Kleinkindesalter in der Familie, da sich die ersten sozialen Beziehungen in der Familie bilden. Dort übernehmen die Kinder meist die Werte und Normen ihrer Eltern bzw. sie werden ihnen nahe gebracht. Demnach wird schon von „klein auf“ pädagogisches Handeln und Erziehen zwangsläufig und ohne eine Institution betrieben. Dies vollzieht sich ganz automatisch im täglichen Umgang in der Familie und ist prägend für das Verhalten des Einzelnen in der Gesellschaft. Die Kinder orientieren sich also an der Art und Weise, wie sich ihre Eltern z.B. in Gruppen oder ihre Sozialstruktur einfügen. Erwachsene sollten deshalb ihre Lebenserfahrungen als Hilfestellung an die heranwachsende Generation weitergeben, sie anleiten und ihnen somit zu einem mündigen, zielstrebigen und erfolgreichen Leben verhelfen.

Demnach erfährt die kindliche Generation in der Familiengemeinschaft eine Erziehung bzw. ein Wirken von außen. Durch diese unwillkürliche oder bestimmte Einflussnahme anderer, tritt das Kind folglich in einen Sozialisationsprozess ein. Seine Identität wird durch die Umwelt verändert und spielt einen großen Faktor bei der Formung seiner Vorstellungen von Werten, Moral und Attitüde eines Jugendlichen. Also hat dieser Prozess einen prägenden Charakter für das weitere Verhalten. Denn nach Tillmann versteht sich die „Sozialisation als die Gesamtheit der gesellschaftlichen Einflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen“ (Tillmann 2006, S.9).

Zur Gesamtheit des Entwicklungsprozess einer Identität gehört folglich das Heranwachsen und Ausbilden der eigenen Persönlichkeit. Der innere Prozess der Herausbildung der Individualität vollzieht sich durch die Auseinandersetzung mit Begriffen der Autonomie und Selbständigkeit. Eigene Meinungen werden nun nicht mehr durch Umwelt geprägt, sondern durch eigene Eindrücke interpretiert und bewertet.

Die Pädagogik ist aber auch die Bezeichnung für die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Bildung befasst.

Daher ist die Bildung ist ebenso ein zentraler Aspekt des Pädagogen und somit der Pädagogik als Erziehungsbegriff. Denn durch Bildung soll die “wachsende Teilhabe an der Kultur mit dem Ziel einer wertgeleiteten, harmonischen Persönlichkeit“ (Schröder, S.31) möglich werden.

Bildung ist nicht nur reine kognitive Wissensvermittlung der verschiedenen Disziplinen, sondern auch ein persönliches Gut, dass einem die Welt und Umwelt und deren Zusammenhänge besser erkennen läst. Somit ist ein Abwägen möglich, also eine gewisse Mündigkeit für den Einzelnen. Dafür ist im klassischen Sinn der Erzieher bzw. der Lehrer in Institutionen zuständig. Durch eigenes Denken soll und kann man die Welt erklären.

Da sich nun pädagogische Erziehung und Entwicklung nicht nur im Kreis der Familie abspielt, werden später Institutionen wie der Kindergarten oder die Schule sehr wichtig. Indem sich ein persönlicher Freundeskreis bildet, werden die Gleichaltrigen für die eigene Lebensbetrachtungen immer bedeutender. Vor allem in der heutigen Zeit werden auch die Medien bzw. neuen Medien immer gewichtiger für die Meinungsbildung der Jugendlichen.

Dessen ungeachtet ist auch jede pädagogische Anleitung, Erziehung und Lebensbegleitung immer mit einer direkten Beeinflussung durch die Erziehungsperson bestimmt. Da sich Kinder und vor allem Jugendliche in der Phase der Adoleszenz noch stark in ihren Meinungen und Haltung zu sich und der Umwelt steuern lassen, ist eine Gefahr der Manipulation immer gegeben, denn „die Erziehenden sind mit ihrer Rolle, Position und IHREN MOTIVEN die Inhaber der Erziehungsverantwortung“ (Callo 2002, S.26). Daher können die Motive und Ziele durch die Pädagogen den Heranwachsenden „indoktriniert“ werden. Sie sind also einer Art erzieherischen Steuerung unterworfen, wenn der Erzieher dement-sprechende Machtmittel zur Verfügung hat.

[...]

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Details

Titel
Ansätze, Grundzüge, Ziele und Menschenbild der Pädagogik im Dritten Reich
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V132521
ISBN (eBook)
9783640387861
ISBN (Buch)
9783640388240
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansätze, Grundzüge, Ziele, Menschenbild, Pädagogik, Dritten, Reich
Arbeit zitieren
Walther Baumgartner (Autor), 2007, Ansätze, Grundzüge, Ziele und Menschenbild der Pädagogik im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132521

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