Diese Arbeit soll die notwendigen Aspekte des Gerrymanderings als Mitauslöser für die mangelhafte Wahlqualität näher beleuchten und mögliche Lösungsversuche ansprechen. Zur Erläuterung des Arbeitsumfeldes ist zuerst festzustellen, inwiefern es sich beim Gerrymandering um eine manipulative politische Praxis handelt. Dabei ist es unerlässlich, das Redistricting-Verfahren und dessen Relevanz für die Kongresswahlen zu erläutern. Der Fokus soll bei den einteilbaren Obervarianten der Wahlkreisschiebung vor allem auf dem parteilichen Gerrymandering liegen. Innerhalb der Arten von Gerrymandern bestehen außerdem unterschiedliche Strategien. Hiervon sollen beim parteilichen Gerrymandering bevorzugt das praxisrelevante „Cracking“ und „Packing“ veranschaulicht werden. Die manipulative Wahlkreiseinteilung soll dann vor einem theoretischen Hintergrund betrachtet werden. Dazu sollen die Vermutungen Maurice Duvergers zu Wahl- und Parteiensystemen herangezogen werden. In einem nächsten Schritt soll der Blick auf die Bundesstaaten North Carolina und Maryland zeigen, wie das Gerrymandering in der Praxis angewandt wurde und auf Probleme gestoßen ist. Es soll außerdem geklärt werden, inwiefern beim Gerrymandering von „crimes against geography“ (Lewis 2014; Ingraham 2014) gesprochen werden kann. Weiterhin gilt es die Bekämpfung des Gerrymanderings zu erörtern. Neben einzelnen Veränderungen und Reformen beim Redistricting-Verfahren, ist eine Betrachtung des Supreme Courts unerlässlich. Dieser nahm sich im Jahr 2018 drei Fällen der parteilichen Wahlkreisschiebung an. Darunter hat die Grundsatzentscheidung Rucho v. Common Cause von 2019 besondere Relevanz für die Zukunft des Gerrymanderings.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
I. Ausgangslage
II. Methodisches Vorgehen
B. Funktion des Gerrymanderings
I. Historie
II. Gerrymandering
III. Kongresswahlen und Wahlbezirke
IV. Strategien
1. Cracking
2. Packing
V. Technologie
VI. Maurice Duverger
C. Gerrymandering in den Bundesstaaten North Carolina und Maryland
I. North Carolina
II. Maryland
D. Bekämpfung des Gerrymanderings und die Rolle des Supreme Courts
I. Benachteiligungen
II. Lösungen
III. SCOTUS
E. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Gerrymanderings als manipulative politische Praxis, die maßgeblich zur mangelhaften Wahlqualität in den USA beiträgt, und analysiert, inwieweit der Supreme Court in der Lage ist, gegen diese Praxis vorzugehen.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Gerrymanderings
- Die Manipulationsstrategien "Cracking" und "Packing"
- Empirische Fallbeispiele aus North Carolina und Maryland
- Theoretische Einordnung durch Maurice Duvergers Modelle
- Die Rolle des Supreme Courts und der juristische Diskurs zur Wahlqualität
Auszug aus dem Buch
1. Cracking
Beim Cracking wird eine bestimmte Bevölkerungsgruppe auf zwei oder mehrere Wahlkreise aufgeteilt. Somit soll der Wahleinfluss dieser Gruppe geschwächt oder aufgehoben werden, zugunsten einer weiteren Bevölkerungsgruppe (vgl. Partmann 2017: 191). Man spricht deswegen auch von der Verdünnung der Opposition eines Wahlkreises. Bereits in der Vergangenheit der Vereinigten Staaten wurde diese Strategie angewandt, um zu verhindern, dass afroamerikanische Wähler afroamerikanische Politiker wählten (vgl. Pierce et al. 2011). Cracking wird konkret in den zahlreichen Großstädten der USA angewandt. Die urbanen Gebiete werden aufgeteilt und mit umliegenden Vororten mit ländlicherer Prägung verbunden (vgl. Partmann 2017: 192). Dabei erstrecken sich die gezeichneten Wahlkreise oft um hunderte Kilometer aus den Städten heraus und umfassen somit eine eher konservative Wählerschaft. Bei dieser Strategie kann ein Wahlvorteil für die Republikaner erreicht werden, indem die demokratisch geprägten Metropolregionen aufgeteilt werden (vgl. Pierce et al. 2011). Weniger praxisrelevant, aber denkbar, ist die umgekehrte Aufteilung.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die niedrige Wahlqualität in den USA und führt in die Problematik des Gerrymanderings als manipulative Praxis ein.
B. Funktion des Gerrymanderings: Dieses Kapitel erläutert historische Hintergründe, die Kongresswahlen sowie die zentralen Manipulationsstrategien wie Cracking und Packing und deren technologische Umsetzung.
C. Gerrymandering in den Bundesstaaten North Carolina und Maryland: Anhand dieser beiden Bundesstaaten wird aufgezeigt, wie Gerrymandering in der Praxis sowohl von der Republikanischen als auch von der Demokratischen Partei eingesetzt wird.
D. Bekämpfung des Gerrymanderings und die Rolle des Supreme Courts: Hier werden negative Konsequenzen für den demokratischen Wettbewerb diskutiert und die Rolle des Supreme Courts bei der juristischen Einordnung dieser Praxis beleuchtet.
E. Konklusion: Das Fazit stellt fest, dass die Wahlqualität unter dieser Praxis leidet und strukturelle Veränderungen kurzfristig nicht zu erwarten sind.
Schlüsselwörter
Gerrymandering, USA, Wahlqualität, Redistricting, Repräsentantenhaus, Cracking, Packing, North Carolina, Maryland, Supreme Court, Rucho v. Common Cause, Wahlbezirke, Demokratie, Partizipation, Kongresswahlen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Praxis des Gerrymanderings in den USA und untersucht, wie die Manipulation von Wahlkreisgrenzen die Wahlqualität und den demokratischen Wettbewerb beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Mechanismen des Redistrictings, die Strategien (Cracking, Packing), die Rolle von Software-Technologien sowie die juristische Bewertung durch den Supreme Court.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen des Gerrymanderings als Mitauslöser für eine mangelhafte Wahlqualität aufzuzeigen und die Machtlosigkeit bzw. inaktive Rolle der Justiz in dieser Frage zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um das politische Instrument Gerrymandering theoretisch einzuordnen, ergänzt durch die Analyse aktueller Fallbeispiele aus den Bundesstaaten North Carolina und Maryland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Strategien, eine empirische Fallbetrachtung und eine kritische Auseinandersetzung mit Lösungsansätzen und der Rolle des Supreme Courts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Gerrymandering, Redistricting, Wahlqualität, Repräsentantenhaus und das Verhältnis von Demokratie zu manipulativer Wahlkreisgestaltung.
Wie schadet Gerrymandering der US-Demokratie?
Durch das gezielte Zuschneiden von Wahlkreisen werden Wettbewerbe reduziert, die Wahlbeteiligung sinkt und es findet eine Umkehrung des rationalen Wählerverhaltens statt, da Politiker sich ihre Wähler aussuchen, statt umgekehrt.
Welche Rolle spielte der Supreme Court im Fall „Rucho v. Common Cause“?
Der Supreme Court stufte in diesem Grundsatzurteil parteiliches Gerrymandering zwar als problematisch ein, entschied jedoch knapp, dass diese Angelegenheit politische Fragen aufwerfe, die außerhalb der Reichweite der Bundesgerichte liegen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, "Verbrechen gegen die Geografie" in den US-Bundesstaaten North Carolina und Maryland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1325230