Unterrichtsstunde: Der Wirtschaftskreislauf

Siebte Klasse, Realschule


Seminararbeit, 2009
26 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Klärung der Zielsetzung
1.1 Begründung von der Sache her
1.1.1 Der einfache Wirtschaftskreislauf
1.1.2 Der erweiterte Wirtschaftskreislauf
1.1.3 Der vollständige Wirtschaftskreislauf
1.1.4 Der Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft
1.2 Begründung vom Bildungsziel her
1.2.1 Beitrag zur fachlichen Bildung
1.2.2 Beitrag Bewältigung spezifischer Lebenssituationen
1.2.3 Beitrag zur Haltungsbildung
1.3 Begründung von der Individuallage her
1.3.1 Voraussetzungen bei den Schülern
1.3.2 Umweltbedingungen unter denen die Schüler lernen
1.4 Festlegung der Lernziele

2 Planung und Begründung des methodischen Entwurfs
2.1 Der Gestaltungsgedanke
2.2 Die methodische Struktur
2.3 Unterrichtsverfahren
2.4 Auswahl und Einsatz von Unterrichtsmitteln
2.5 Die Organisation des Unterrichtsablaufs

3 Plan der Durchführung

4 Literaturangaben

5 Anhang

1 Klärung der Zielsetzung

Nach dem Lehrplan der sechsstufigen Realschule in Bayern wird im Unterricht der siebten Klasse im Fach Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen der Wirtschaftskreislauf besprochen.

Er ist ein Teil des ersten Themengebiets „Wirtschaftliches Handeln in privaten Haushalten und Unternehmen“1. Die Schüler lernen die Teilbereiche „Wirtschaftliches Handeln in der Familie“ und „Wirtschaftliches Handeln in Unternehmen“ kennen. Durch das Modell des Wirtschaftskreislaufes sollen ihnen der Zusammenhang und das Zusammenspiel von Familie und Unternehmen aufgezeigt werden.

Das Fach Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen ist für die Schüler der 7. Klasse neu und hat zum Ziel, „den Schülern eine solide wirtschaftliche Grundbildung zu vermitteln“2.

Durch die Einführung des Wirtschaftskreislaufmodells lernen die Schüler frühzeitig, dass sie die Lerninhalte des Faches in „unterschiedlichen Zusammenhängen anwenden können“3.

1.1 Begründung von der Sache her

Der Wirtschaftskreislauf ist ein, „durch den französischen Arzt und Ökonomen François Quesnay im Jahr 1758 geprägter Begriff, der sich auf das Zirkulieren von Waren, Dienstleistungen und Zahlungsmitteln in einer Wirtschaft bezieht.[...] Quesnays Wirtschaftskreislauf, der damals die Tauschvorgänge zwischen Bauern, Grundbesitzern und den übrigen Berufen wie Handwerkern und Händlern untersuchte, blieb lange Zeit ohne praktische Bedeutung.“4

Heute werden im Modell des Wirtschaftskreislaufs die wesentlichen Tauschvorgänge einer Volkswirtschaft dargestellt. Die einzelnen Wirtschaftssubjekte werden als Sektoren bezeichnet, die Tauschvorgänge als Ströme. Man unterscheidet monetäre und reale Ströme. Bei monetären Vorgängen handelt es sich um Geldleistungen z.B. Löhne und Gehälter, bei den realen Strömen um Güterströme z.B. Waren und Dienstleistungen.

Wenn es um den Wirtschaftskreislauf geht, kann man verschiedene Differenzierungen vornehmen. Ich habe mich für die Unterscheidung in den einfachen, den erweiterten, den vollständigen Wirtschaftskreislauf und den Kreislauf einer offenen Volkswirtschaft entschieden.

1.1.1 Der einfache Wirtschaftskreislauf

Der einfache Wirtschaftskreislauf konzentriert sich auf die Beziehungen zwischen dem Sektor Haushalt und dem Sektor Unternehmen, es bestehen keine außenwirtschaftlichen Beziehungen und auch der Staat greift nicht in das Wirtschaftsleben ein

Als privater Haushalt werden sowohl die in einem Haushalt wohnenden Personen (Mehrpersonenhaushalt) bezeichnet, die im Hinblick auf die Einkommensverwendung gemeinsam wirtschaften als auch allein wohnende und wirtschaftende Personen (Einpersonenhaushalte). Ferner gehören auch die so genannten privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter dazu z.B. Kirchen Parteien, Gewerkschaften. Die privaten Haushalte stellen die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital den Unternehmen zur Verfügung. Sie produzieren keine Güter selbst und verbrauchen ihr gesamtes Einkommen.

Der Sektor Unternehmen umfasst alle Institutionen, die vorwiegend Waren und Dienstleistungen produzieren bzw. erbringen und diese gegen ein Entgelt verkaufen. Dazu gehören z.B. Industrie- und Handelsunternehmen, Handwerksbetriebe, Kreditinstitute, landwirtschaftliche Betriebe, Bundesbahn. Um Güter und Dienstleistungen produzieren zu können, brauchen die Unternehmen die Arbeitskraft der Haushalte, welche sie mit Löhnen und Gehältern vergüten. Die hergestellten Güter werden über Gütermärkte wieder an die Haushalte verkauft Lieferungen und Zahlungen zwischen Unternehmen bzw. der Güter- und Zahlungsverkehr zwischen den Haushalten wird im Modell des Wirtschaftskreislaufes nicht erfasst.5

Das Modell des einfachen Wirtschaftskreislaufs geht von einer stationären Wirtschaft aus, d.h. es findet weder ein Wachstum noch eine Verringerung der Produktion und des Konsums statt. Die Rahmenbedingungen wie Bevölkerungszahl, Konsumgewohnheiten, technischer Stand ändern sich nicht. Eine stationäre Wirtschaft befindet sich in einem langfristigen Gleichgewicht.

1.1.2 Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

Das Modell des erweiterten Wirtschaftskreislaufs entspricht in einem höheren Maße der Wirklichkeit, da es sich hierbei um ein Modell der evolutorischen (fortschreitenden) Wirtschaft handelt. Diese ist durch Sparen und positive Nettoinvestition gekennzeichnet, d.h. es wird unterstellt, dass ein Teil des in der Volkswirtschaft entstehenden Einkommens gespart wird und die Unternehmen positive Nettoinvestitionen vornehmen.

Die Sektoren Haushalt und Unternehmen werden um den Sektor Kapitalsammelstelle (Vermögensveränderung) erweitert. Dieser Sektor umfasst jede Form der Vermögensbildung z.B. Sparen der Haushalte und die Rücklagenbildung von Unternehmen. Das Gesparte der Haushalte wird in erster Linie an die Unternehmen in Form von Krediten weitergeleitet. Dieses Geld benutzen die Unternehmen zum Investieren (z.B. Kauf neuer Maschinen, Durchführung von Rationalisierungsmaßnahmen).

Bei dem Sektor Kapitalsammelstelle handelt es sich um einen nur in der Vorstellung vorhandenen Sektor, der die die Höhe des Konsumverzichts zeigt, den eine Volkswirtschaft leistet. Die Ersparnisse der Privaten Haushalte und die Höhe der Investitionen werden hierdurch aufgezeigt.

1.1.3 Der vollständige Wirtschaftskreislauf

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf wird durch den Staat ergänzt. Der Wirtschaftskreislauf umfasst nun die 4 Sektoren Haushalte, Unternehmen, Kapitalsammelstellen und Staat und wird als geschlossenes Modell einer Volkswirtschaft bezeichnet.

Der Staat umfasst alle Entscheidungsträger der Bundesrepublik Deutschland und der einzelnen Bundesländer. Er erlässt nicht nur Gesetze, sondern lässt auch Straßen, Krankenhäuser, Schulen etc. bauen. Die staatlichen Organe Polizei und Bundeswehr sorgen für unsere Sicherheit. Die Kosten für diese Aufwendungen zahlen alle Erwerbstätigen in Form von Steuern und Sozialabgaben an den Staat. Hierbei unterscheidet man direkte und indirekte Steuern, diese werden sowohl von den Haushalten als auch von den Unternehmen an den Staat gezahlt. Die direkten Steuern werden unmittelbar von dem Steuerschuldner an den Staat gezahlt, z.B. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Kfz-Steuer. Im Gegensatz dazu werden bei den indirekten Steuern die Steuerschulden auf einen Dritten übertragen, welcher diese dann an den Staat übermittelt z.B. Umsatzsteuer, Tabaksteuer, Mineralölsteuer etc.

Von den eingenommenen Steuern leistet der Staat wiederum Transferzahlungen an die Haushalte, z.B. Kindergeld, Rente, Wohngeld, Gehälter (an Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst) Den Sektor Unternehmen unterstützt er ebenfalls durch Transferzahlungen, z.B. Subventionen und den staatlichen Konsum.

Durch den Sektor Kapitalsammelstelle kann der Sektor Staat v.a. Kredite aufnehmen und Sparen. Im Idealfall sollte das Sparen des Staates größer sein, als seine Kreditaufnahme. Doch dies ist nur schwer zu realisieren.

1.1.4 Der Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft

Mit dem Modell des Wirtschaftskreislaufs einer offenen Volkswirtschaft, wird der vollständige Wirtschaftskreislauf um den Sektor Ausland erweitert.

Als Ausland werden alle Wirtschaftseinheiten zusammengefasst, die ihren Sitz außerhalb der Bundesrepublik Deutschland haben und mit denen die Inländer in ökonomischer Interaktion stehen. Der Sektor Ausland kann alle anderen Sektoren beeinflussen.

So können z.B. Inländer, die im Ausland arbeiten ausländische Einkommen erhalten. Die Arbeitskraft fließt ins Ausland, im Gegenzug fließt das Einkommen in den inländischen Haushalt. Dies kann auch umgekehrt ablaufen, wenn z.B. ausländische Gastarbeiter im Inland beschäftigt sind.

Auch der Sektor Kapitalsammelstellen kann durch den Sektor Ausland beeinflusst werden, indem inländische Sparer ihr Geld im Ausland anlegen oder ausländische Sparer im Inland investieren.

Der Sektor Staat kann Transferzahlungen und Spenden an das Ausland leisten oder vom Ausland erhalten.

Die wichtigste Rolle in diesem Wirtschaftskreislauf spielen jedoch die Beziehungen zwischen dem Sektor Unternehmen und dem Sektor Ausland. Güter- bzw. Geldexport und Güter- bzw. Geldimport sind wichtige Bestandteile einer funktionierenden Volkswirtschaft.

Die Betriebe verkaufen ihre Güter und Dienstleistungen an das Ausland und erhalten dadurch Geldeinnahmen. Natürlich importieren sie auch Güter oder Dienstleistungen aus anderen Ländern was einen Geldfluss ins Ausland bedeutet.

Exporte führen somit zu einem Einnahmestrom vom Ausland zu den Unternehmen und Importe führen zu einem Ausgabestrom von den Unternehmen an das Ausland.

„Die Differenz zwischen der Ein- und Ausfuhr von Waren, Dienst- und Faktorleistungen“6 wird als Außenbeitrag bezeichnet.

1.2 Begründung vom Bildungsziel her

1.2.1 Beitrag zur fachlichen Bildung

Durch die Beschäftigung mit dem Wirtschaftskreislauf erwerben die Schüler einen „soliden Bestand an Grundwissen“7, welchen Sie in vielfältiger Weise anwenden können.

Den Schüler ist es dadurch möglich Einblick in verschiedenste wirtschaftliche Probleme zu erlangen und deren Zusammenhänge besser zu verstehen. Ihnen wird das Zusammenspiel der einzelnen Wirtschaftssektoren verdeutlicht und sie werden „schrittweise an betriebswirtschaftliche Denk- und Arbeitsweisen“8 herangeführt. So können mit Hilfe des Wirtschaftskreislaufs aktuelle Themen aufgearbeitet und schülernah behandelt werden z.B. die Hintergründe und Folgen der Wirtschaftskrise.

1.2.2 Beitrag Bewältigung spezifischer Lebenssituationen

„Bildung soll es ermöglichen, eine Vorstellung von den Zusammenhängen dieser Welt zu entwickeln.“9 Hierzu leistet der Erwerb von Kenntnissen über den Wirtschaftskreislauf einen wichtigen Beitrag. Der Wirtschaftskreislauf wird zum Abschluss des Themengebietes „Wirtschaftliches Handeln in privaten Haushalten und Unternehmen“ behandelt. Den Schülern wird somit verdeutlicht, wie wichtig ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Haushalten, Staat, Unternehmen und Ausland ist. Den Schülern wird z.B. aufgezeigt warum es wichtig ist, dass man Steuern zahlt und wofür diese verwendet werden. Sie bekommen einen groben Überblick über die Aufgaben des Staates in unserer Volkswirtschaft. Auch welche wichtige Rolle das Ausland insbesondere für Deutschland spielt wird ihnen aufgezeigt. Dies alles hilft den Schülern einen groben Einblick in wirtschaftliche Probleme und Handlungsweisen zu erhalten und sich eigene Gedanken darüber zu machen.

1.2.3 Beitrag zur Haltungsbildung

„Wer diese Welt gründlich verstehen will, benötigt Kenntnisse ihres Entstehens“10. Die Schüler erhalten durch den Wirtschaftskreislauf Einsicht in die Entstehung, Entwicklung und Gestaltbarkeit von wirtschaftlichen Situationen. Sie sind somit in der Lage eigene Gedanken und Haltungen zu entwickeln und werden dadurch zu einem mündigen und verantwortungsbewussten Menschen erzogen, der seinen Standpunkt klar und fundiert vertreten kann.

Der Lehrer liefert ihnen hierzu das nötige Grundwissen und motiviert Überlegungen zu aktuellen Ereignissen und Hintergründen. Die Schüler lernen zu hinterfragen und die komplexen Zusammenhänge unserer Volkswirtschaft ansatzweise zu verstehen. Sie können sich eigene Gedanken machen, z.B. wo sie etwas kaufen sollen.

1.3 Begründung von der Individuallage her

1.3.1 Voraussetzungen bei den Schülern

„Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen ist für die Schüler dieser Jahrgangsstufe ein neues Fach.“11 Nach nur etwa drei Monaten, zum Abschluss des ersten Themengebietes „Wirtschaftliches Handeln in privaten Haushalten und Unternehmen“12 beschäftigen sich die Schüler mit dem Wirtschaftskreislauf. Die Lehrkraft sollte versucht die Schüler „ (...) von Anfang an für das neue Fach motivieren und schrittweise an betriebswirtschaftliche Denk- und Arbeitsweisen heranführen.“13

Es muss darauf geachtet werden, dass die Schüler viele Fachausdrücke noch nicht kennen und dementsprechend darauf eingehen. Auch das Verstehen der komplexen Zusammenhänge könnte den Schülern Schwierigkeiten bereiten.

Die Schüler der 7. Klasse sind im Durchschnitt zwischen 12 und 14 Jahren alt, je nach Region und Umfeld stehen sie kurz vor oder sind bereits in der Pubertät, deswegen sollte der Lehrer darauf achten die Schüler zu motivieren und zu interessieren. In der 7. Klasse meiner Praktikumsschule waren die Schüler zum Teil unterschiedlich entwickelt und hatten dementsprechend differenzierte Leistungsniveaus, man musste deshalb besonders darauf achten auch leistungsschwächere Schüler aktiv in den Unterricht mit einzubeziehen.

[...]


1 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 257a

2 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 257a

3 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 16

4 http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761554100/Wirtschaftskreislauf.html vom 05.03.2009

5 vgl. Seidel, Temmen (2004), S. 75

6 http://lexikon.meyers.de/wissen/Außenbeitrag

7 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 14

8 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 254

9 Kaiser/Kaminski (1999), S. 21

10 Kaiser/Kaminski (1999), S. 21

11 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 254

12 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 257a

13 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2001), S. 254

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Der Wirtschaftskreislauf
Untertitel
Siebte Klasse, Realschule
Hochschule
Universität Passau  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Fachdidaktik 2
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V132535
ISBN (eBook)
9783640404599
ISBN (Buch)
9783640404230
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Verena Kellberger (Autor), 2009, Unterrichtsstunde: Der Wirtschaftskreislauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132535

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Unterrichtsstunde: Der Wirtschaftskreislauf


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden