Unterrichtsstunde: Schreiben eines Analogiegedichtes als Grundlage für analytische Prozesse

Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, hier anhand des Gedichts „Faulenzen“ von Josef Reding


Unterrichtsentwurf, 2009

19 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Bedingungsanalyse
1.1 Ist-Stand-Feststellung
1.2 Einbettung der Stunde

II. Didaktische Analyse
2.1 Kompetenzen und Inhalte des Bildungsplans
2.2 Sachanalyse
2.3 Kompetenzen und Indikatoren
2.4 Stundenziel

III. Methodische Reflexion
3.1 Methodische Planung mit Alternativen und Begründung
3.2 Verlaufsplan

IV. Anhang

V. Literaturverzeichnis

I. Bedingungsanalyse

1.1 Ist-Stand-Feststellung

Zu Beginn des Schuljahres 2008/09 habe ich im Rahmen meines Vorbereitungsdienstes eine 5. Klasse übernommen, in der ich das Fach Deutsch 5-stündig unterrichte. Die Klasse 5a setzt sich aus insgesamt 29 Schülerinnen[1] und Schülern zusammen (11 Jungen und 18 Mädchen) und bildet nun seit über einem halben Jahr eine Klassengemeinschaft.

Die Klasse ist, natürlich auch entwicklungsbedingt, sehr lebhaft. Dies hat die Vorteile, dass sich die Schülerinnen und Schüler sehr rege am Unterrichtsgeschehen beteiligen, sich mit eigenen Erfahrungen und bereits vorhandenem Wissen immer wieder gerne einbringen und von Zeit zu Zeit in ihrem Redefluss und Mitteilungsdrang kaum zu stoppen sind. Aber ebenso birgt diese zum Teil sehr erwünschte Lebendigkeit auch Nachteile. So bedurfte es in der Vergangenheit immer wieder ermahnender Worte, um in der Klasse Ruhe einkehren zu lassen und die immer wieder geführten Privatgespräche sowie anderweitige Beschäftigungen zu unterbinden. Nach wie vor benötigen manche Kinder noch ein wenig Zeit, um sich an die strengeren Verhaltensregeln und das im Vergleich zur Grundschule intensivere Lernen an der Realschule zu gewöhnen. Von Beginn an lag die Herausforderung also darin, die Schüler an die neue Lernsituation zu gewöhnen. Aus diesem Grund habe ich nach Absprache mit der Klassenlehrerin Klassenregeln und ein Smiley-Bonus-System eingeführt, die bisher relativ gut funktionieren, so dass sich Unterbrechungen im Unterrichtsgeschehen in Grenzen halten.

Das Sozialverhalten der Schüler untereinander, würde ich als positiv bezeichnen. Probleme mit sozialer Interaktion beschränken sich nur auf vereinzelte Kinder. So wird mittlerweile XX der die 5. Klasse zum zweiten Mal besucht, aufgrund seiner unbeherrschten, aufbrausenden und unehrlichen Art von beinahe der gesamten Klasse ausgegrenzt. Darüber hinaus handelt er öfters gegenüber seinen Mitschülern gewalttätig. Ebenso neigt er stark dazu, jegliche Verantwortung weit von sich zu schieben und die Fehler bei anderen zu suchen. Bei XX geht es bereits so weit, dass schon in den ersten Wochen Gespräche mit dem Vater stattfanden, nachdem es zu einigen Klassenbucheinträgen gekommen war. Trotz vieler Maßnahmen, die in Kooperation mit den Eltern von XX der Klassenlehrerin, der Schulleitung, der Schulsozialarbeiterin und außerschulischen Einrichtungen ergriffen wurden, steht als nächster eventuell kommender Schritt der endgültige Schulausschluss nach § 90 des SchG bevor und nach wie vor zeichnet sich im Verhalten des Schülers, besonders gegenüber seinen Mitschülern, keine Besserung ab. Dies wirkt natürlich auch in das aktuelle Unterrichtsgeschehen hinein. So waren viele Stundenanfänge in den letzten Wochen durch Konfliktlösegespräche gekennzeichnet, ohne die ein weitgehend ungestörter Unterricht nicht mehr möglich gewesen wäre. Allgemein ist die Stimmung sehr unruhig und die Schüler sind oft, gerade durch die Ereignisse in den Pausen zwischen ihnen und XX, aufgewühlt.

XX fällt ebenfalls sehr störend auf, besonders durch anderweitige Beschäftigung, Ablenken des Banknachbarn und Reden. Aus diesem Grund wurde er von der Klassenlehrerin separat gesetzt. Ebenso hat XX typische Verhaltensweisen (ständiges an den Lehrerpult Kommen), die mir nur aus der Grundschule bekannt sind, stark verinnerlicht und trotz vieler Gespräche noch nicht ablegen können. XX ist jedoch im Gegensatz zu dem oben genannten in der Klasse vollends integriert und beliebt. Für ihn liegt die Schwierigkeit darin, sich längere Zeit zu konzentrieren, still zu sitzen, Arbeitsaufträge Folge zu leisten und ordentlich zu arbeiten, auch bzw. weil er mit der Umsetzung von Arbeitsaufträgen große Probleme hat. Mit vielen Dingen ist XX grundsätzlich überfordert und meiner Ansicht nach, liegt bei ihm ein Aufmerksamkeitsproblem vor. Gleiche Problematik gilt auch für XX bei dem seit einigen Wochen ein Gutachten über ADHS vorliegt. Allerdings zeigen sich bei XX die Auffälligkeiten weitaus ausgeprägter. Bei allen drei Schülern wurde mit der Schulsozialarbeiterin ein Vorgehen erarbeitet, das zur Anwendung kommt, wenn diese den Unterricht stören, diskutieren oder anderweitig auffällig werden. Hierfür verlassen die Kinder für fünf Minuten den Klassenraum, füllen einen Fragebogen aus und dürfen dann wieder in den Unterricht zurückkehren. Der Fragebogen dient als weitere Grundlage für Gespräche mit der Schulsozialarbeiterin und soll den Schülern helfen ihr Fehlverhalten zu erkennen.

Positiv fiel mir in den letzten Wochen auf, dass sich die anfänglichen Gruppen aus den Grundschulen nach und nach auflösen und sich neue Freundschaften bilden.

Die Lehrer-Schüler-Interaktion würde ich als positiv beschreiben. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass die Schüler oft das private Gespräch in den Pausen mit mir suchen und wissen, dass ich bei Problemen und Fragen immer für sie ansprechbar bin. Wichtig ist natürlich aber auch, dass sie sehr genau wissen, wo ihre Grenzen liegen und was ich toleriere.

Das Leistungsniveau der einzelnen Schüler in der Klasse ist sehr unterschiedlich. So stechen einige Schüler durch ihre mündliche Mitarbeit (XX) besonders hervor, während einige andere nach wie vor mit ihrer Schüchternheit zu kämpfen haben (XX), aber dennoch sehr gute Beiträge in den Unterricht mit einbringen, wenn man sie aufruft und immer wieder positiv ermutigt, lobt und ermuntert, so dass sie sich in ihrer mündlichen Mitarbeit bestärkt fühlen. Dies halte ich für sehr wichtig und entscheidend für die weitere schulische Entwicklung der Schüler im Fach Deutsch, da der mündlichen Kommunikation ein sehr hoher Stellenwert im Bildungsplan 2004 eingeräumt wird. Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Fächer.

Zu den schwächeren Schülern zählen XX ist allgemein wenig strukturiert. Das ordentliche Führen eines Schulheftes fällt ihm schwer, ebenso das regelmäßige Erledigen der Hausaufgaben. Er benötigt für viele Arbeitsaufträge viel mehr Zeit als seine Mitschüler und hatte nach den Faschingsferien auch eine Phase, in der er überhaupt keinen Aufwand mehr für die Schule betrieb. Aus diesem Grund wurde ein Elterngespräch geführt, in dem deutlich wurde, dass diese Problematik bereits seit der Grundschule besteht. Nach einem Gespräch zwischen mir und XX beteiligt er sich in den letzten Tagen wieder mehr am Unterrichtsgeschehen und ich versuche dies positiv zu bestärken. Das Arbeitstempo in der Klasse an sich würde ich als normal bezeichnen, variiert aber innerhalb der Klasse stark. Vielen Kindern fällt es schwer, zügig abzuschreiben, Aufgaben zu bearbeiten bzw. selbstständig Texte zu verfassen. Für solche Tätigkeiten muss ich immer genügend Zeit einplanen. Ebenso musste ich mich relativ schnell auf das unterschiedliche Arbeitstempo einstellen, indem ich jede Stunde Zusatzmaterial für die Schnelleren bereitstelle oder die Stunde stark differenziert vorbereite, ansonsten laufe ich sehr schnell Gefahr, dass sich einige Schüler in Phasen des Leerlaufes langweilen, unaufmerksam werden und somit den Unterricht stören.

Die Schüler sind leicht für die vielen unterschiedlichen Themen im Deutschunterricht zu begeistern, auch ist das Vorwissen, das sie aus der Grundschule mitbringen beträchtlich, außer wenn es um grammatikalische Themengebiete geht.

Methodisch galt es in dieser Klasse in den letzten Monaten allerdings einige Defizite zu beheben. Es fällt den meisten Schülern sehr schwer sich an genaue Anweisungen (Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit) zu halten. Zusätzlich mussten auch von Grund auf Regeln für die Arbeit in Gruppen bzw. mit dem Partner eingeführt werden. Mittlerweile sind die Schüler geübt im Stuhlkreis, in Partner- und Gruppenarbeit und mehreren kleineren methodischen Formen (z.B. Redekette, Blitzlicht usw.). Ebenso wurde versucht, eine Feedback-Kultur anzubahnen. Die Schüler wissen zum Beispiel, dass wir bei einer Feedback-Runde wertschätzend miteinander umgehen und zunächst positive Aspekte erwähnen.

Darüberhinaus wurde in den letzten Monaten immer wieder das Reden vor der Klasse geübt, in dem vielfältige Situationen genutzt wurden, in denen die Schüler kleinere und größere Redebeiträge einbringen konnten (z.B. Hausaufgaben vor der Klasse vorlesen, szenische Interpretation, Beiträge an die Tafel schreiben). Dadurch habe ich versucht, den Schülern die Hemmungen, vor einem kleineren Kreis von Zuhörern zu reden, zu nehmen und die Präsentationskompetenz anzubahnen. Das Vor-die-Klasse-treten soll eine alltägliche Situation darstellen.

In der heutigen Stunde könnte eventuell die Tatsache für Unruhe sorgen, dass die Schüler am WVR-Projekt „Fußballturnier“ ab der 5. Stunde teilgenommen hätten und dies nun aufgrund der Lehrprobe nur verspätet geschehen kann. Darüber waren die Schüler sehr enttäuscht, da sie einen großen Aufwand für die Präsentation ihrer Klasse (T-Shirt drucken) an diesem Fußballturnier betrieben haben und sich seit einigen Wochen sehr auf dieses Ereignis freuen. Gerade bei den Jungen könnte ich mir vorstellen, dass sie unkonzentrierter arbeiten als gewöhnlich.

1.2 Einbettung der Stunde

Im Mittelpunkt der Unterrichtssequenz „Gedichte machen Spaß“ steht die Sensibilisierung der Schüler für die besondere sprachliche Leistungsfähigkeit lyrischer Texte durch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren. Ferner sollen die Schüler die Möglichkeit haben zu erfahren, dass die Beschäftigung mit Gedichten ihnen neue Sichtweisen auf ihre eigene Lebenswelt und auf sich selbst eröffnen kann, so dass ein wesentlicher Beitrag zur Leseförderung geleistet werden kann. Darüberhinaus sollen sie zur eigenen Textproduktion von Gedichten angeregt werden. Am Ende der Unterrichtseinheit werden die Produkte nach Auswahl durch die Schüler in Form einer Lyrik-CD präsentiert. Hierdurch wird vermieden, dass sogenannte „Schubladenprodukte“ entstehen.

Die Sequenz, die sich am Deutschbuch der Klasse (Deutschbuch 1 Cornelsen) orientiert, ist in drei größere Teilbereiche gegliedert:

- Teilbereich A „An Gedichten gibt es viel zu entdecken – Die 5a geht auf Detektivsuche“
- Teilbereich B „Spaß und Spiel, wir reimen viel – Die 5a schreibt Gedichte“
- Teilbereich C „Dichterlesung - Die 5a trägt Gedichte vor“

Im Teilbereich A lernten die Schüler die wesentlichen Strukturelemente von Gedichten kennen. Begriffe wie Reim, Strophe und Vers wurden eingeführt.

In der ersten Stunde „Ich und Gedichte?!“ ging es zunächst darum, zu erfahren, welche Erfahrungen die Schüler bereits mit Gedichten gemacht haben, wie sie zu diesen stehen und was sie mit Lyrik verbinden bzw. verbindet. In Form eines Akrostichons brachten sie ihre Gedanken zu Papier.

[...]


[1] Im Folgenden wird zur Erleichterung des Lesens der Terminus „Schüler“ verwendet.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Schreiben eines Analogiegedichtes als Grundlage für analytische Prozesse
Untertitel
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, hier anhand des Gedichts „Faulenzen“ von Josef Reding
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V132584
ISBN (eBook)
9783640398843
ISBN (Buch)
9783640398416
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lehrprobe im Rahmen des Vorbereitungsdienstes RL
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Schreiben, Analogiegedichtes, Grundlage, Prozesse, Handlungs-, Literaturunterricht, Gedichts, Josef, Reding
Arbeit zitieren
Nadine Zunker (Autor), 2009, Unterrichtsstunde: Schreiben eines Analogiegedichtes als Grundlage für analytische Prozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132584

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